Donnerstag, 2. Juni 2016

Schlaf wird überbewertet, Leben auch

(Quelle: digital publishers)

Remexan - Der Mann ohne Schlaf
(Erik-Lindberg-Reihe Band 1)
von Thomas Kowa
(420 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ein neues Medikament erobert den Markt: Remexan. Mit dieser Tablette wird der notwendige Schlaf auf eine Stunde am Tag reduziert. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos. Mitten im größten Erfolg wird der Mitentwickler des Medikaments ermordet und brutal zugerichtet. Zufall? Erik Lindberg von der Schweizer Bundespolizei stellt Ermittlungen an und muss schnell feststellen: auch mit Remexan schläft das Böse nie!

„Remexan – Der Mann ohne Schlaf“ war mein erster Thriller von Thomas Kowa und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor befasst sich nicht nur mit der schnelllebigen und auf Erfolg fixierten Gesellschaft, er führt mit Erik Lindberg einen kühlen und zugleich sympathischen Ermittler ein.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man großteilig dem Ermittler Lindberg und seinen Kolleginnen, die gemeinsam versuchen, nicht nur den Mörder zu fassen, sondern sich auch gegen so manche krude Idee ihres Chefs Graf zu stemmen. Dabei macht Thomas Kowa etwas, was sich wenige Autoren trauen: er säbelt sehr schnell einen Sympathieträger ab. Das erfordert Mut, passte aber perfekt zum Fortgang der Geschichte. Genau diese Feinheiten haben mich von Seite 1 gefangen genommen.

Die Figuren, allen voran Erik Lindberg, sind toll beschrieben und wirken tiefgründig. Dem Leser wird immer wieder ein Einblick in das private Umfeld gegeben, aber nie so, dass man sich als Voyeur fühlen würde. Ich habe Lindberg und seine Partnerin Carla Frey direkt ins Herz geschlossen, mit ihnen ermittelt, mich gegen komische Anweisungen gewehrt und in privaten Momenten auch tief Luft geholt. Thomas Kowa schafft es, seinen Charakteren Leben einzuhauchen ohne sich dabei ewig an Beschreibungen aufzuhalten. Sein Figurenensemble lebt durch seine Handlungen und Entscheidungen. Klasse!

Der Thriller ist von Beginn an fesselnd und wird, je weiter man voranschreitet, auch tiefgründiger. Wer hier nur oberflächliche Details erwartet, wird positiv überrascht werden. Denn der Autor beschreibt nicht nur die Morde perfekt, sondern gewährt auch einen tiefen Blick in die Wirkungsweise und Entwicklung von Remexan. Für mich war es die perfekte Mischung aus Pharmazie und Action.

Das Finale passt zum gesamten Werk, war an einigen Stellen aber dann doch zu amerikanisch und hollywoodmäßig. Hier hätte ich mir mehr schweizer Coolness gewünscht, wobei meine Kritik wirklich meckern auf hohem Niveau ist. Denn der Schluss macht den Thriller rund, klärt alle offenen Stränge und wartet sogar mit einem Cliffhanger auf, der mich neugierig auf den zweiten Fall von Lindberg macht.

Der Stil von Thomas Kowa ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist detailgetreu, ohne zu langweilen und fesselt einen durch die erlebbaren Handlungen.

Fazit: beim Lesen wäre Remexan echt hilfreich gewesen, denn ich wollte einfach nur dranbleiben. Lesen!

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