25. Juli 2016

Und dann fiel die Haut ab - Ein Abend mit Veit Etzold



Hallo Ihr Lieben,

endlich war ich wieder mal auf einer Lesung. Da lebe ich nun schon in Berlin und komme dennoch kaum dazu, wirklich jede Lesung zu besuchen. Umso aufgeregter war ich, dass ich bei Veit Etzold zu Gast sein durfte. Die Karte dafür hatte ich schon vor Wochen gekauft. Sicher ist sicher!

Veit Etzold und seine Gattin Saskia Etzold empfingen die Leser im edlen Ellington Hotel nahe des KaDeWe. Das Hotel beeindruckte mich mit seinem edlen und dennoch bodenständigen Design. Nachdem ich meine Karte an der Rezeption abholen konnte, ging es in den Innenhof. Bei der Wärme (es waren knapp 30 Grad) war der Empfang mit Weißweinschorle und unter Sonnenschirmen einfach nur perfekt.

Um 19 Uhr ging es dann in den herrlich klimatisierten Veranstaltungsraum. Veit Etzold hielt sich gar nicht mit einer Begrüßung auf, sondern fing direkt an, aus seinem neusten Werk SKIN zu lesen. Dass er dabei eine Stelle wählte, bei der eine schon halb verweste Wasserleicher gefunden wird und die Beschreibungen der zugemüllten Wohnung sehr plastisch dargestellt wurde, ließ den Zuhörern einmal mehr klar werden, dass der Autor nicht zimperlich ist.



Doch nach der ersten Szene fing er an zu grinsen, begrüßte sein Publikum  und stellte auch seine Frau vor. Saskia Etzold selbst arbeitet in der Gerichtsmedizin der Berliner Charité. Ihr Chef war übrigens auch anwesend: Dr. Michael Tsokos. Tsokos? Jup, genau der Mediziner, der schon mit Sebastian Fitzek und auch in kompletter Eigenregie einige Bücher veröffentlicht hat. 


Im Gespräch mit seiner Ehefrau offenbarte sich dann, wer im Hause Etzold die blutigen Details liefert. Saskia erzählte von ihrem Alltag im gekühlten Sektionsraum, wie man eine Wasserleiche noch identifzieren kann und wie sie mit ihrem Mann über kleine Details an Leichen (macht so ein Kiefer eigentlich Geräusche, wenn man ihn öffnet?) diskutiert. Das Ganze war so locker und humorvoll, dass der gesamte Raum gebannt zuhörte.


Doch es ging nicht nur um Leichen. In dem neusten Werk von Veit Etzold steht ein Mitarbeiter einer Unternehmensberatung im Mittelpunkt und genau dies ist das Spezialgebiet des Autors, war er früher doch selbst mal in einer Beratung tätig. Auch hier plauderte er aus dem Nähkästchen, berichtete über das Vorgehen solcher Unternehmensberatungen und über den Kampf mit den Kunden. Dabei erzählte er eine Anekdote, bei der er mit Kollegen bei einem Kunden im Büro arbeiete. Dort wurden sie jeden Morgen mit den Worten "Wenn Arschlöcher fliegen könnten, wäre dies hier ein Flughafen" begrüßt. So macht doch Arbeiten Spaß. 

Kurz vor der Pause bat das Paar zu einem Quiz mit Verlosung. Hierbei gab es unter anderem signierte Plakate und auch Teile des Originalmanuskriptes von SKIN zu gewinnen. Während ich bei den ersten Fragen noch große Fragezeichen in den Augen hatte, schlug bei Frage 4 meine große Stunde. Ich kannte die Antwort, rief sie in den Raum und tatsächlich: ich gewann!


Ich bin nun stolze Besitzerin eines Teiles des Manuskript. Ein tolles Gefühl. Nach der Pause tauchten wir nochmal ab in die Welt der Wasserleichen, nahmen Fingerabdrücke auf eine ungewöhnliche und nicht wirklich appetitliche Weise und nebenbei erfuhren wir, dass Veit Etzold wieder zum Kind wird, wenn er mit Warhammer konfrontiert wird. Saskia berichtete fast schon schicksalsergeben von einem Weihnachtsfest, bei dem sie Veit eigentlich aus Gag Figuren aus Warhammer schenkte. Ein glattes Eigentor. Denn nun bastelte ihr Gatte die gesamten Feiertage. 

Die gesamte Veranstaltung war geprägt von Lachen, Anekdoten und genau der richtigen Portion an Appetithappen aus dem Buch. Ich bin jetzt schon mehr als neugierig, was es mit der Leiche im Buch auf sich hat, wie ein Philosoph zu einer Unternehmensberatung kommt und wie das überhaupt zusammenpasst.

Es war ein toller Abend und ich freue mich schon auf das nächste Mal.

23. Juli 2016

Stürmische Zeiten in Arabien

Sandsturm
(Sigma-Force-Reihe Band 1)
von James Rollins
(608 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Das British Museum wird in einer gewitterreichen Nacht von einem Kugelblitz heimgesucht. So selten dieses Ereignis auch ist, so glimpflich sollte es eigentlich auch ablaufen. Doch dieser Blitz ist anders: er dringt in die Sammlung seltener Artefakte aus Arabien ein und zerstört diese durch eine Explosion. Tote sind zu beklagen, die Sammlung ist fast vollständig zerstört. Doch in den Trümmern entdeckt die Kuratorin Safia etwas, was nicht sein kann: ein eisernes Herz. Und es erregt nicht nur ihre Aufmerksamkeit...

„Sandsturm“ ist der Auftakt zur Sigma-Force-Reihe von James Rollins und hat mir gut gefallen. Ich kenne die Männer und Frauen von Sigma Force schon durch die anderen Bände der Reihe und war sehr neugierig, wie alles mal seinen Anfang nahm. Der Autor baut mit Band 1 eine tolle Grundlage, die sich jedoch an einigen Stellen fast in den Details verliert.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur der Kuratorin Safia und deren Chefin Kara, sondern lernt auch direkt Painter Crowe, eines der ersten Mitglieder von Sigma Force, kennen und schätzen. James Rollins legt sein Hauptaugenmerk jedoch klar auf die beiden Frauen, deren Leben sich voll und ganz um die Erforschung der arabischen Halbinsel dreht. Dabei wird man als Leser tief in die Forschung mit hineingezogen, erfährt wissenschaftliche Hintergründe zur versunkenen Stadt Ubar und wird im Laufe des Buches sogar über Antimaterie aufgeklärt. Dies ist auch der Grund, warum Painter und seine Partnerin auf die Mission gesandt werden: bei der Untersuchung der Explosion wurden Rückstände eben jener Antimaterie festgestellt. Bekäme man die Quelle, hätte man unbegrenzt Energie für die gesamte Welt. Im Guten wie im Bösen. Klar, dass sich nicht nur die Sigma Force dafür interessiert. Und diese Mischung aus Wissenschaft, Action und auch humorigen Stellen hat es mir von Beginn an angetan.

Die Figuren, die James Rollins hier einführt, sind durch die Bank genial und detailreich beschrieben. Und das Schöne: man lernt jeden Charakter in seinem liebsten Umfeld kennen. Kara und Safia begegnet man im Museum, während man Painter zunächst auf einer anderen Mission begleitet und Omaha, ein Teilnehmer der späteren Expedition, sogar bei der Grabräuberei erwischt. Das hat mir super gefallen, denn so wirkten die Figuren auf mich realitätsnah und geradezu normal, so als ob ich als stiller Beobachter an ihrem Alltag teilhaben darf. Kapitel für Kapitel kommen dann immer mehr Charakterzüge ans Licht, die Verbindungen werden deutlicher und ich hatte beim Lesen immer mehr das Gefühl, dass ich Teil dieser Gruppe bin. Toll!

Die Story selbst ist spannend und fesselnd erzählt. Der Autor verlangt von seinen Lesern gerade zu Beginn und auch im späteren Teil des Buches ein gewisses Maß an wissenschaftlichem Verständnis, da er sich nicht scheut, sehr tief in die Details zu gehen. Für mich war das kein Problem, da James Rollins alles sehr genau und zu gleich plastisch erklärt. Jedoch hat genau diese Detailverliebtheit einen Haken: ich hatte an manchen Stellen das Gefühl, er verliert sich darin und die Story geriet dadurch ins Stocken. Hier hätte die ein oder andere Straffung gut getan.

Die Actionsznen hingegen ließen mein Herz für Technik und Schießereien höher schlagen. Das Tolle dabei: es war kein hirnloses Herumgeballere, jede Aktion der Rivalen war militärisch durchdacht und sinnvoll. So mag ich das. Das Finale war dann ein großer Knall, wissenschaftlich unterfüttert, für mich jedoch mit einem leicht faden Beigeschmack. Irgendwie hatte ich etwas größeres erwartet. Ingesamt passte jedoch das Ende sehr gut zum gesamten Werk und ich freue mich schon auf Band 2.

Der Stil von James Rollins ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, ohne Schnörkel und weist an den richtigen Stellen Detailtiefe auf. Klasse!

Fazit: Sigma Force zum Ersten, aber sicher nicht zum Letzten. Lesen!

20. Juli 2016

Leonard Leech ist zurück!

Die Schlangenkönigin
(Der Monsterfresser Teil 2)
von Georg Bruckmann


Eine Hörprobe findet Ihr hier

Nachdem er seine wahre Bestimmung erkannt hat, zieht sich Leonard Leech in seine Kneipe zurück. Doch die Stille währt nicht lang, denn schon bald muss er erkennen, dass er nicht der Einzige ist, der es auf Monster abgesehen hat...

"Die Schlangenkönigin" ist der zweite Teil der Leonard-Leech-Reihe von Georg Bruckmann und hat mir wieder gut gefallen. Durch die Selbsterkenntnis von Leonard Leech konzentriert sich der Autor vollkommen auf den Schrecken in der näheren Umgebung der Kneipe des Monsterfressers.

Die Geschichte, die mit knapp 60 Minuten zu den kürzeren gehört, ist dabei wieder mal spannend und mit der für Bruckmann typischen Mystik aufgebaut. Auch wenn man hier nun schon das Geheimnis von Leech kennt, weiß man immer noch nicht alles. Und so wurde ich wieder mal beim Hören überrascht. Toll!

Das Finale wird sehr gut und effektiv herbeigeführt. Ich habe das Hörbuch im Büro gehört und musste mich sogar vor Ekel schütteln. Das habe ich selten und zeigt die Klasse des Sprechers.

Georg Bruckmanns Stimme ist tief, rauh und passend für den Outlaw im Wilden Westen. Die Zeit, in der das Buch spielt, ist gut getroffen, die mystischen Monster wirken durch die Beschreibungen plastisch und insgesamt fühlte ich mich sehr gut unterhalten.

Man sollte allerdings die Reihenfolge der Bücher einhalten, damit man weiß, auf was man sich einlässt.

Fazit: Leech zum Zweiten und genau so spannend wie der Vorgänger. Klasse!

10. Juli 2016

Die Aufstellung des Todes

Warschauer Verstrickungen
(Teodor - Szacki - Reihe Band 1)
von Zygmunt Miloszewski
(448 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Teodor Szacki ist Staatsanwalt in Warschau und seine Motivation ist so hoch wie sein Gehalt, also eher mäßig. Und so kommt ihm die männliche Leiche, die nach einer Gruppentherapie im Kirchenzentrum gefunden wird, eher ungelegen. Aber was solls, die Arbeit muss getan werden. Schnell stellt Szacki fest, dass der Tote keineswegs nur in Therapie war, sondern noch viel dunklere Geheimnisse mit sich trug. Kann er den Mörder finden?

„Warschauer Verstrickungen“ ist der Auftakt zur Teodor-Szacki-Reihe von Zygmunt Miloszewski und hat mir ausnehmend gut gefallen. Der Autor entführt seine Leser in die graue und zumeist wenig sexy Stadt Warschau und führt mit dem Staatsanwalt eine eher ruhige und nicht durchweg sympathische Hauptfigur ein. Dennoch haben mich der Plot und auch Szacki gefesselt.

Die Geschichte wird aus der Sicht eines auktorialen Erzählers berichtet. Dabei folgt man zum Großteil dem Staatsanwalt und seinen Ermittlungen, nur in wenigen Kapiteln kommen auch die Hintermänner zu Wort. Wer bei Zygmunt Miloszewski rasantes Tempo und viele Tote erwartet, ist falsch gewickelt. Der Autor lässt Szacki ruhig und besonnen, teilweise auch ruppig Nachforschungen anstellen. Das hat mir sehr gut gefallen, denn so konnte ich mit ihm viele Details ermitteln.

Besonders gut fand ich die Darstellung der Familienaufstellung. Dieser Therapieansatz ist zentraler Bestandteil des Tathergangs gewesen und auch das Opfer musste durch diese harte Therapie gehen. Miloszewski lässt den Leser hier tief in die Welt der Therapeuten und der Auswirkungen einer solchen Aufstellung eintauchen. Dennoch kam für mich dabei keine Langeweile auf, denn je weiter die Ermittlungen fortschritten, desto mehr erfährt man auch über die Geschichte Polens und die Verstrickungen der alten Garde mit der Gegenwart. Toll!

Die Figuren, die der Autor einführt, haben alle Ecken und Kanten. Gerade Teodor Szacki, der als Staatsanwalt nicht durchweg glücklich ist, löste bei mir von Sympathie bis hin zu „ehrlich jetzt?“ alles aus. Dennoch oder gerade deswegen konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Denn neben den Mordermittlungen erfährt man auch sehr viele Details aus dem Privatleben des Warschauers. Und da herrscht nicht gerade eitel Sonnenschein. Entgegen der typischen Klischees von Bier oder Tabletten hadert Szacki mit seiner Ehefrau und dem Familienleben. Und dies ist sehr glaubwürdig und realitätsnah dargestellt, ohne dass das Privatleben zu sehr in den Vordergrund rückt. Klasse!

Die Story an sich ist fesselnd und steigert sich im Verlauf. Dabei hetzt man aber nicht durch die Stadt, jagt mit Waffengewalt die Bösen und muss jeden Abend Wunden versorgen, sondern leistet solide Polizeiarbeit, wälzt Akten und befragt Zeugen. Diese ruhige, dennoch nie langweilige Art hat mir sehr gut gefallen. Je tiefer die Ermittlungen gingen, desto stärker sollte man sich allerdings konzentrieren, denn Szacki wagt sich in Kreise vor, die allein durch Andeutungen Angst verbreiten.

Das Finale ist gelungen, rund und in meinen Augen sehr passend für den gesamten Verlauf. Die Art der Überführung erinnerte mich an Columbo, machte den Staatsanwalt aber nur noch sympathischer.

Der Stil von Zygmunt Miloszewski ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist ruhig, gelassen und detailreich. Für mich war es absolut passend.

Fazit: diese Therapie hilft dir aus dem Leben. Lesen!

7. Juli 2016

Hier versiegt nicht nur das Wasser...

Water - Der Kampf beginnt
von Paolo Bacigalupi
(464 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Wasser ist ein rares Gut. Und in der Zukunft bestimmen wenige darüber, welche Stadt noch mit Wasser versorgt wird. Der Rest schaut in die sprichwörtliche Röhre. Verteidigt wird das Recht auf Wasser von den sogenannten Waterknifes. Einer von ihnen ist Angel, ein Mann ohne Vergangenheit, dafür mit viel Erfahrung im Töten. Als eine neue Quelle entdeckt wird, soll er im Auftrag seiner Chefin diese einnehmen. Doch er hat die Rechnung ohne den Überlebenswillen der anderen gemacht.

„Water – Der Kampf beginnt“ ist mein erster Thriller von Paolo Bacigalupi und konnte mich leider nicht überzeugen. Die Idee, dass es Krieg um Wasser geben wird, ist genial, die Umsetzung allerdings läuft am Leser direkt vorbei. Zu detailverliebt, zu technisch und zu wenig Hintergründe. Schade!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler geschildert. Dabei wird der Leser direkt ins Geschehen geworfen und muss mit ansehen, wie eine Wasserstation geräumt wird, weil die Herrin von Las Vegas es so will. Warum, wieso und welche Hintergründe das Vorgehen hat, erfährt man nicht. Neben Angel und seinen Waterknifes lernt man auch die Journalistin Lucy kennen, die entgegen dem gesunden Menschenverstand, in einer immer mehr verödenden Landschaft wohnen bleibt und über Mord, Wetter und Wasserknappheit berichtet. Insgesamt wirken die Handlungsstränge zwar interesseerweckend, aber nicht fesselnd. Mir fehlten von Beginn an Hintergrundinformationen und auch der Zugang zu all den Intrigen und Machenschaften.

So kam es auch, dass mich keine Figur in ihren Bann schlagen konnte. Zwar konnte ich mir Angel sehr gut vorstellen, denn die Beschreibungen sind detailreich, jedoch bleibt er für mich einfach ein Söldner ohne Charakter. Genau so verhält es sich mit Lucy. Obwohl ich Einblick in ihr Denken und auch ihre Familie bekam, war sie für mich nicht greifbar. Zu steril und trocken erläuterte der Autor seine Charaktere. So fand ich keinen Zugang zum Ensemble und dementsprechend waren mir ihre Schicksalsschläge komplett egal.

Die Story selbst hätte großartig werden können. Jedoch war ich bis zur Mitte echt ratlos, was Paolo Bacigalupi von mir wollte. Ich las nur von Wasserrechten, Waffendetails und verschiedenen Senatoren. Doch wie es so weit kommen konnte, wer es wie zu verantworten hat und wie die Welt diese Veränderung verkraftet hat, darüber erfährt der Leser nichts. So wäre mir auch, hätte ich den Klappentext nicht gelesen, nicht klar gewesen, dass die Welt quasi verdurstet. Echt schade, denn die technische Seite der Trockenheit, die militärischen Eingriffe und auch die Wetterveränderung beschreibt der Autor gekonnt und sehr detailverliebt. Jedoch fehlte mir einfach das Herz und die Überzeugung.

Der Stil von Paolo Bacigalupi ist, nach einer Eingewöhnung, gut zu lesen. Die Erzählweise ist kühl, distanziert, von Technik und Fakten geprägt. Für mich leider nicht das Richtige.

Fazit: Der Kampf war für mich schnell zu Ende. Schade!

5. Juli 2016

Die Finanzwelt frisst ihre eigenen Kinder

Das Spiel der Anderen
von Carlo Feber
(407 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Vier jungen Menschen haben genug vom Zuschauen. Sie wollen etwas verändern, wollen nicht mehr die Ausbeutung des Planeten durch die Banken hinnehmen. Und damit das gelingt, haben sie einen großen Plan: die Entführung der Vorstände der German Global Credit. Während sie noch an der Entführung des ersten Vorstands feilen, wird auf einmal Vorstand Nummer 2 tot aufgefunden. Wer hat ihre Pläne da kopiert? Und vor allem: wer garantiert ihnen, dass sie selbst sicher sind?

„Das Spiel der Anderen“ war mein erster Thriller von Carlo Feber und hat mir sehr gut gefallen. Durch meinen alten Job quasi vorbelastet, war ich sehr neugierig, wie der Autor die Machenschaften einer Großbank romantechnisch umsetzen kann, ohne dass zu viele Klischees oder Aluhutträgerargumente einfließen. Und das hat er sehr gut hinbekommen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur den 4 Aktivisten, sondern ermittelt auch mit der Berliner Polizei. Carlo Feber knallt seine Leser direkt mit dem Prolog schon die Überzeugung der Entführergruppe ins Gesicht, getreu dem Motto „Deal with it“. Ich fand das großartig, denn hier wurde nicht lang gefackelt. Auch im weiteren Verlauf verlangt der Autor von seinen Lesern absolute Konzentration. So kam es, dass ich gerade auf den ersten 100 Seiten ein paar Mal zurückblättern musste, da ich bei den Namen, Decknamen und Verbindungen untereinander nicht richtig aufgepasst hatte. Und dies rächte sich. Wer sich also auf den Thriller einlässt, sollte gerade zu Beginn Zeit und Konzentration aufbringen. Es lohnt sich definitiv.

Die Figuren, die Carlo Feber erschaffen hat, sind durchweg glaubwürdig und realitätsnah. Ich hatte bei dem Plot zunächst Angst, dass er die Klischees der linken Aktivisten, der bösen Banker und der unfähigen Polizei bedienen würde, jedoch wurde ich schnell eines besseren belehrt. Gerade die 4 jungen Entführer überzeugten mich durch ihre tiefgründige Denkweise. Sie sind weit weg der üblichen „Banken zerschlagen“ - Parolen, sondern beweisen durch ihr Vorgehen, dass ihre Ideale nicht über Menschenleben stehen und sie wirklich für eine bessere Welt kämpfen. Grandios!

Auch die ermittelnden Beamten zeigen Herz, Verstand und genug Berliner Schnauze, so dass ich ihnen ihre Ermittlungen und auch ihre Vorgehensweisen komplett abgenommen habe. Die Verstrickungen mit BND, NSA und dem Kanzleramt waren in meinen Augen sehr gut und stichhaltig dargestellt. So muss ein Politthriller sein!

Die Story selbst ist von Beginn an sehr dicht und wer bei den Details nicht aufpasst, der steht bald vor einer Mauer. Dieses Werk ist definitiv nichts für zwischendrin oder mal eben ein paar Seiten lesen. Ich wollte mit jeder Seite, die ich gelesen habe, mehr wissen, wer hier wie die Strippen zieht, wie tief die Machenschaften der Banker gehen und ob die Polizei etwas ausrichten kann. Das Finale hat mich dann vollends in den Bann geschlagen, war es doch schlüssig und überraschend in einem. Ich habe mit den Polizisten gewütet, analysiert und am Ende mit dicken Backen ausgeatmet. Toll!

Der Stil von Carlo Feber ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist detailreich, gut recherchiert und dennoch nicht hochtrabend oder zu theoretisch. Für mich hat er den Nerv der Banken sehr gut getroffen!

Fazit: glaube nie, dass die Finanzen etwas für andere tun. Lesen!

2. Juli 2016

Der Tod isst mit!

Totenschmaus
(Goldmann - Brandner - Reihe Band 3)
von Timo Leibig
(320 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Restaurantkritiker von Belch ist das geborene Arschloch. Selbstherrlich, egozentrisch und...tot. Nach einem heftigen Streit in der Küche des Restaurants Dreierlei fehlt von dem gefeierten Star jede Spur. Komisch findet das nicht nur Komissarin Leonore Goldmann, die zufällig mit ihrem Date an dem Abend im Spitzenrestaurant zu Gast war. Aber was interessiert ein verschwundener Kritiker, wenn doch eine überfahrene junge Frau die Ermittler auf den Plan ruft?

„Totenschmaus“ ist der 3. Fall für Goldmann und Brandner und für mich wieder mal ein gelungener Krimi von Timo Leibig. Der Autor geht mit diesem Werk einen neuen Weg, denn von Beginn an sind Täter, Opfer und Tathergang bekannt. Und genau das macht dieses Buch so spannend und einzigartig.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei liegt zum ersten Mal das Hauptaugenmerk nicht auf dem Duo Brandner/Goldmann, sondern auf dem Tathergang, den Tätern und der Entstehung, warum die Leiche verschwinden muss. Das fand ich großartig, denn so wurde mal das Pferd von hinten aufgezäumt. Ich erlebte sowohl die Tötung als auch das Verschwindenlassen der Beweise und war vollkommen gebannt. Die Ermittlungen des Teams kamen erst sehr spät zum Tragen und passten sich sehr gut in den vorhandenen Verlauf ein. Timo Leibig begeht nicht den Fehler und erzählt die Geschichte nochmals, sondern fügt für Goldmann und Brandner perfekt passende Details ein, die den gesamten Fall rund machen. Diese Art der Erzählung war für mich in der Form neu und ich muss sagen: einfach großartig!

Die Figuren und hier allen voran die Belegschaft des Dreierlei sind wunderbar getroffen, toll charakterisiert und ich konnte mich mit allen identifizieren. Selbst mit dem Kotzbrocken von Belch konnte ich mitfühlen, auch wenn es daher eher Schadenfreude und Abneigung war. Dennoch hat mich kein Charakter kalt gelassen, ich war versunken in der Welt der Gastronomie und muss auch hier sagen: Chapeau Timo Leibig, denn sie ist sehr gut getroffen. Und das sage ich mit gut 10 Jahren Erfahrung mit dieser Branche.

Die Story ist von Beginn an spannend und hat mich direkt in ihren Bann gezogen. Der Autor erschafft eine perfekte Mischung aus aktuellen Geschehnissen, Rückblenden und den Ermittlungen, die nur noch als kleine Puzzleteile im Gesamtbild fungieren. Ich finde es klasse, dass Leibig seine Leser hier mitnimmt die Täter zu beobachten, sie zu verstehen und sich damit selbst die Frage zu stellen: wie hätte ich gehandelt? Denn ich habe beim Lesen ab und an innegehalten und mich selbst gefragt, wie ich reagiert, was ich getan hätte um mich zu schützen.

Das Finale kam leise, aber konsequent. Es passt perfekt zum gesamten Fall und ist somit das Sahnehäubchen auf einem mehr als gelungenen Krimi-Menü.

Der Stil von Timo Leibig ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist rasant ohne zu hetzen, deutlich und mit Details gespickt, die man ab und an erst beim zweiten Lesen im vollem Umfang wahrnehmen kann. Klasse!

Fazit: es ist angerichtet. Greifen Sie zu!


1. Juli 2016

SUB-Abbau extrem Juni 2016 oder SCHLAAAAAAAAAND!

(Quelle: freepik.com)

Hallo Ihr Lieben,

was war ich motiviert zu Beginn des Monats. Die Bücher lasen sich super, ich war endlich wieder im Lesefluss und dann BÄMM Fußball. Die EM kam für mich nun nicht wie aus dem Nichts, aber irgendwie hat sie meine Leselust mitgerissen, ins Stadion gepflanzt und mit Fähnchen versorgt. 

Und so kommt es zu folgenden Zahlen:

Abbau: 5
Aufbau: 13

Das macht einen Aufbau von 8 Büchern und somit ist das monatliche Ziel mal komplett verfehlt.

(Quelle: giphy.com)

Das erste Halbjahr lief lesetechnisch echt nicht gut bei mir. Ich habe so wenig Bücher wie noch nie gelesen und habe auch das Gefühl, dass ich selbst die Freude verliere. Aber Trübsal ist nicht, das Jahr hat noch 6 tolle Lesemonate.

Eure Denise