2. Juli 2016

Der Tod isst mit!

Totenschmaus
(Goldmann - Brandner - Reihe Band 3)
von Timo Leibig
(320 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Restaurantkritiker von Belch ist das geborene Arschloch. Selbstherrlich, egozentrisch und...tot. Nach einem heftigen Streit in der Küche des Restaurants Dreierlei fehlt von dem gefeierten Star jede Spur. Komisch findet das nicht nur Komissarin Leonore Goldmann, die zufällig mit ihrem Date an dem Abend im Spitzenrestaurant zu Gast war. Aber was interessiert ein verschwundener Kritiker, wenn doch eine überfahrene junge Frau die Ermittler auf den Plan ruft?

„Totenschmaus“ ist der 3. Fall für Goldmann und Brandner und für mich wieder mal ein gelungener Krimi von Timo Leibig. Der Autor geht mit diesem Werk einen neuen Weg, denn von Beginn an sind Täter, Opfer und Tathergang bekannt. Und genau das macht dieses Buch so spannend und einzigartig.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei liegt zum ersten Mal das Hauptaugenmerk nicht auf dem Duo Brandner/Goldmann, sondern auf dem Tathergang, den Tätern und der Entstehung, warum die Leiche verschwinden muss. Das fand ich großartig, denn so wurde mal das Pferd von hinten aufgezäumt. Ich erlebte sowohl die Tötung als auch das Verschwindenlassen der Beweise und war vollkommen gebannt. Die Ermittlungen des Teams kamen erst sehr spät zum Tragen und passten sich sehr gut in den vorhandenen Verlauf ein. Timo Leibig begeht nicht den Fehler und erzählt die Geschichte nochmals, sondern fügt für Goldmann und Brandner perfekt passende Details ein, die den gesamten Fall rund machen. Diese Art der Erzählung war für mich in der Form neu und ich muss sagen: einfach großartig!

Die Figuren und hier allen voran die Belegschaft des Dreierlei sind wunderbar getroffen, toll charakterisiert und ich konnte mich mit allen identifizieren. Selbst mit dem Kotzbrocken von Belch konnte ich mitfühlen, auch wenn es daher eher Schadenfreude und Abneigung war. Dennoch hat mich kein Charakter kalt gelassen, ich war versunken in der Welt der Gastronomie und muss auch hier sagen: Chapeau Timo Leibig, denn sie ist sehr gut getroffen. Und das sage ich mit gut 10 Jahren Erfahrung mit dieser Branche.

Die Story ist von Beginn an spannend und hat mich direkt in ihren Bann gezogen. Der Autor erschafft eine perfekte Mischung aus aktuellen Geschehnissen, Rückblenden und den Ermittlungen, die nur noch als kleine Puzzleteile im Gesamtbild fungieren. Ich finde es klasse, dass Leibig seine Leser hier mitnimmt die Täter zu beobachten, sie zu verstehen und sich damit selbst die Frage zu stellen: wie hätte ich gehandelt? Denn ich habe beim Lesen ab und an innegehalten und mich selbst gefragt, wie ich reagiert, was ich getan hätte um mich zu schützen.

Das Finale kam leise, aber konsequent. Es passt perfekt zum gesamten Fall und ist somit das Sahnehäubchen auf einem mehr als gelungenen Krimi-Menü.

Der Stil von Timo Leibig ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist rasant ohne zu hetzen, deutlich und mit Details gespickt, die man ab und an erst beim zweiten Lesen im vollem Umfang wahrnehmen kann. Klasse!

Fazit: es ist angerichtet. Greifen Sie zu!


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