5. Juli 2016

Die Finanzwelt frisst ihre eigenen Kinder

Das Spiel der Anderen
von Carlo Feber
(407 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Vier jungen Menschen haben genug vom Zuschauen. Sie wollen etwas verändern, wollen nicht mehr die Ausbeutung des Planeten durch die Banken hinnehmen. Und damit das gelingt, haben sie einen großen Plan: die Entführung der Vorstände der German Global Credit. Während sie noch an der Entführung des ersten Vorstands feilen, wird auf einmal Vorstand Nummer 2 tot aufgefunden. Wer hat ihre Pläne da kopiert? Und vor allem: wer garantiert ihnen, dass sie selbst sicher sind?

„Das Spiel der Anderen“ war mein erster Thriller von Carlo Feber und hat mir sehr gut gefallen. Durch meinen alten Job quasi vorbelastet, war ich sehr neugierig, wie der Autor die Machenschaften einer Großbank romantechnisch umsetzen kann, ohne dass zu viele Klischees oder Aluhutträgerargumente einfließen. Und das hat er sehr gut hinbekommen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur den 4 Aktivisten, sondern ermittelt auch mit der Berliner Polizei. Carlo Feber knallt seine Leser direkt mit dem Prolog schon die Überzeugung der Entführergruppe ins Gesicht, getreu dem Motto „Deal with it“. Ich fand das großartig, denn hier wurde nicht lang gefackelt. Auch im weiteren Verlauf verlangt der Autor von seinen Lesern absolute Konzentration. So kam es, dass ich gerade auf den ersten 100 Seiten ein paar Mal zurückblättern musste, da ich bei den Namen, Decknamen und Verbindungen untereinander nicht richtig aufgepasst hatte. Und dies rächte sich. Wer sich also auf den Thriller einlässt, sollte gerade zu Beginn Zeit und Konzentration aufbringen. Es lohnt sich definitiv.

Die Figuren, die Carlo Feber erschaffen hat, sind durchweg glaubwürdig und realitätsnah. Ich hatte bei dem Plot zunächst Angst, dass er die Klischees der linken Aktivisten, der bösen Banker und der unfähigen Polizei bedienen würde, jedoch wurde ich schnell eines besseren belehrt. Gerade die 4 jungen Entführer überzeugten mich durch ihre tiefgründige Denkweise. Sie sind weit weg der üblichen „Banken zerschlagen“ - Parolen, sondern beweisen durch ihr Vorgehen, dass ihre Ideale nicht über Menschenleben stehen und sie wirklich für eine bessere Welt kämpfen. Grandios!

Auch die ermittelnden Beamten zeigen Herz, Verstand und genug Berliner Schnauze, so dass ich ihnen ihre Ermittlungen und auch ihre Vorgehensweisen komplett abgenommen habe. Die Verstrickungen mit BND, NSA und dem Kanzleramt waren in meinen Augen sehr gut und stichhaltig dargestellt. So muss ein Politthriller sein!

Die Story selbst ist von Beginn an sehr dicht und wer bei den Details nicht aufpasst, der steht bald vor einer Mauer. Dieses Werk ist definitiv nichts für zwischendrin oder mal eben ein paar Seiten lesen. Ich wollte mit jeder Seite, die ich gelesen habe, mehr wissen, wer hier wie die Strippen zieht, wie tief die Machenschaften der Banker gehen und ob die Polizei etwas ausrichten kann. Das Finale hat mich dann vollends in den Bann geschlagen, war es doch schlüssig und überraschend in einem. Ich habe mit den Polizisten gewütet, analysiert und am Ende mit dicken Backen ausgeatmet. Toll!

Der Stil von Carlo Feber ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist detailreich, gut recherchiert und dennoch nicht hochtrabend oder zu theoretisch. Für mich hat er den Nerv der Banken sehr gut getroffen!

Fazit: glaube nie, dass die Finanzen etwas für andere tun. Lesen!

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