29. August 2016

Einmal Durchzählen, aber tödlich!

Todesmärchen
(Maarten - S - Sneijder - Reihe Band 3)
von Andreas Gruber
(544 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Im beschaulichen Bern wird die Leiche einer Frau an einer Brücke hängend gefunden. Schnell wird klar: das ist kein gewöhnlicher Mord. Die Berner Polizei wendet sich an den Profiler Maarten S. Sneijder vom BKA Wiesbaden. Der exzentrische Ermittler bekommt gegen seinen Willen nun auch noch einen Partner: Sabine Nemez, fast schon liebevoll Eichkätzchen von ihm genannt. Die beiden reisen in die Schweiz und werden vor Ort noch mit einem weiteren Mord konfrontiert. Was hat der Täter vor? Welche Geschichte will er erzählen?

„Todesmärchen“ ist der 3. Fall für Maarten S. Sneijder und der erste, in dem er mit einem Partner leben muss. Andreas Gruber schafft es auch mit diesem Thriller, mich wieder in seinen Bann zu ziehen, auch wenn es zum Ende hin einige Szenen gab, die in meinen Augen zu viel des Guten waren.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Sabine Nemez und Sneijder, sondern lernt auch die junge Psychologin Hannah kennen, die in einer Anstalt für abnorme Verbrecher auf den Mehrfachmörder Piet van Loon trifft. Ich konnte mich zu Beginn kaum entscheiden, welchen der beiden Erzählstränge ich spannender finden soll, denn beide entwickeln rasend schnell eine Sogwirkung, die mich Seite um Seite lesen ließ. Klasse!

Die Figuren, die der Autor in seinem Werk ein- und auch weiterführt, haben für mich die genau richtige Tiefe. Mit Maarten S. Sneijder verbindet mich seit „Todesurteil“ eine Hassliebe. Mit diesem selbstgerechten, arroganten und zugleich menschenhassenden Profiler würde ich es keine Minute in einem Raum aushalten, aber ebenso sehr bewundere ich seine Arbeit. Seine Partnerin Sabine Nemez, die von ihm selbst ausgebildet wurde, hingegen finde ich mehr als sympathisch. Sie bietet dem niederländischen Profiler die Stirn und steht zu ihren Ideen, aber auch Fehlern. Genau so etwas mag ich!

Die Story an sich ist fesselnd und rasant erzählt. Andreas Gruber adaptiert auf grausame Art und Weise Märchen, hetzt seine Ermittler von Tatort zu Tatort und gewährt zugleich einen tiefen Blick in den Geist eines soziopathischen Verbrechers. Eine für mich perfekte Mischung. Mit jedem Kapitel rätselte ich mehr und fieberhafter mit und wollte noch vor den Ermittlern auf die richtige Spur kommen. Dies ist mir nicht ganz gelungen, jedoch war ich bei der Lösung umso erstaunter.

Wer keine blutigen Details mag, sollte, und das sage ich offen und ehrlich, von diesem Thriller die Finger lassen. Der Autor kennt weder mit seinen Lesern noch mit seinen Opfern Gnade. Allerdings übertreibt er es in keinem Moment und die Gewalt passt sehr gut zur Geschichte.

Jedoch gibt es auch hier ein paar Wermutstropfen, die für mich den Ausgang des Thrillers eintrüben: eine Wendung zum Ende hin ist in meinen Augen zu übertrieben, zu sehr auf Effekt bedacht. Für mich war dieser Turn nicht glaubwürdig und abseits der Realität. Hinzu kommt, dass der Autor gewisse polizeiliche Vorgänge, ich nehme an aus Spannungsgründen, unter den Tisch fallen lässt, obwohl diese zwingend sind. Des weiteren entwickelt eine Figur Fähigkeiten, die so, nach meiner eigenen Rücksprache mit einer Polizistin, nicht umsetzbar sind. Diese Fakten taten zwar meinem Lesespaß keinen Abbruch, führten aber zu einer Ernüchterung.

Der Stil von Andreas Gruber ist einfach und sehr gut zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, brutal, aber auch tiefsinnig und gespickt mit fundierten Details, die mir so manches Mal einen Schauer über den Rücken jagten.

Fazit: schaurig schön, wenn auch zum Ende hin nicht mehr durchgehend sauber recherchiert. Aber dennoch ein tolles Lesevergnügen.

23. August 2016

Happily ever after? Nicht in Berlin!

Märchenwald
(Paul-Kalkbrenner-Reihe Band 5)
von Martin Krist
(416 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Paul Kalkbrenner wird zu einem vermeintlich einfachen Todesfall gerufen: ein älterer Herr ist in seinem Sessel einem Herzinfarkt erlegen. Doch warum ruft man deshalb den Kommissar? Nun, der Sanitäter hat in der Abstellkammer etwas entdeckt, was dort definitiv nicht hingehört.
Währenddessen machen sich die Geschwister Max und Ellie verängstigt auf den Weg zu ihrem Opa, denn dies war der letzte Wunsch ihrer Mutter. Und Mamas Anweisungen muss man Folge leisten, auch wenn das bedeutet, in den Märchenwald zu flüchten...

„Märchenwald“ ist bereits der 5. Fall für Paul Kalkbrenner und seine Kollegin Muth, jedoch für mich der erste, den ich gelesen habe. Denn bis auf die Kurzgeschichten aus „Der Tod steckt im Detail“ kenne ich verwerflicherweise den Kommissar noch nicht. Doch das wird sich nun ändern. Denn Martin Krist führt mit diesem Thriller seine Leser in die Abgründe Berlins, jedoch nicht so, wie man es erwartet. Denn der Abgrund lauert nicht in den dunklen Ecken, sondern in den gut situierten Wohngegenden mit netten Nachbarn und leckerem Essen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man kapitelweise Paul Kalkbrenner, Max und Ellie und einer jungen Frau namens Zoe, die sich nicht mal mehr an ihren Namen erinnern kann. Daneben gibt es Kapitel, deren Bedeutung der Leser erst fassen kann, als es schon fast zu spät ist.
Der Autor zeigt auch hier wieder sein gesamtes Geschick und eine Fähigkeit, die ich sehr an ihm schätze: obwohl man zu Beginn keinerlei Ahnung hat, wer wie mit wem zusammenhängt, führt er seine Figuren und Erzählstränge immer wieder kurz zueinander, um sie dann wieder auseinanderzureißen. Diese Form des Spannungsbogens kenne ich bisher nur grandios von amerikanischen Thrillerautoren gespielt....und nun auch von einem deutschen, der sich nicht verstecken muss.

Obwohl ich Paul Kalkbrenner und seine Kollegen erst in diesem Thriller näher kennengelernt habe, hatte ich keinerlei Schwierigkeiten mich mit ihnen anzufreunden. Ob ich nun den Bernhardiner des Ermittlers gestreichelt, mit Quasselkopf Sebastian Informationen gefiltert habe und so gern etwas von Sekretärin Ritas Kuchen genascht hätte, ich konnte mich sofort und direkt mit den Figuren identifzieren. Auch das Geschwisterpaar Max und Ellie hat Martin Krist in meinen Augen sehr gut und realitätsnah getroffen.

Die Story an sich ist von Seite 1 an spannend und fesselnd. Die kurzen Kapitel entwickeln eine Sogwirkung, der ich mich kaum entziehen konnte. Die schnellen Perspektivenwechsel haben mir persönlich sehr gut gefallen, verlangen sie doch absolute Aufmerksamkeit vom Leser. Wer hier nicht aufpasst, verpasst die entscheidenden Informationen. Also Obacht, wann man beginnt zu lesen, denn so schnell kommt man nicht mehr los. Und obwohl Martin Krist ein gutes Tempo vorlegt, wirkt der Thriller weder gehetzt noch überhastet. Im Gegenteil: der Berliner Autor versteht es, mit kleinen Spitzen seinen Lesern die richtige Prise Angst, Ekel und Paranoia einzujagen. Dank Krist kann ich nun nicht mehr ohne Hintergedanken eine Abstellkammer öffnen.

Das Finale reiht sich ebenso schlüssig wie bündig in den gesamten Verlauf ein. Mit dem letzten Kapitel wurden alle Stränge zusammengeführt, aufgedröselt und das Schrecken in seiner gesamten Größe fassbar. Das Tolle: der Autor präsentiert die Lösung nicht auf einem Silbertablett, sondern überlässt es seinen Lesern, die allerletzten Schlüsse zu ziehen. Genau so muss ein Thriller sein!

Der Stil von Martin Krist ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, ehrlich und nur dann von Details gespickt, wo es nötig ist. Die Konzentration auf das Wesentliche, ohne dabei etwas auszulassen, passt perfekt zu Paul Kalkbrenner.

Fazit: folg mir in den Märchenwald und erkenne den Schrecken. Genial!!


22. August 2016

Von Rock'n'Roll und zerbrochenen Kinderträumen

Scherbenkind
(Verena-Sander-Reihe Band 2)
von Britt Reißmann
(448 Seiten)


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Ein kleines Mädchen kontaktiert die Stuttgarter Polizei und gibt an zu wissen, wer der Mörder einer unbekannten Leiche ist. Verena Sander und ihr Kollege Katz setzen alles daran, die kleine Zeugin zu finden. Das Mädchen scheint verschwunden. Die einzige Spur führt zu einer wohlhabenden Familie. Deren Tochter ist aber fast 18. Dennoch gibt es dort den entscheidenden Hinweis zum Mord. Doch Verena Sander merkt, dass es um viel mehr geht und enthüllt Schicht um Schicht einen Fall, der größer und bizarrer wird, als sie es je zu träumen wagte...

„Scherbenkind“ ist der zweite Fall von Verena Sander und konnte mich, wie bereits Band 1, komplett begeistern. Britt Reißmann nimmt sich in diesem Krimi einem mehr als schweren, aber totgeschwiegenen Thema an und zeigt auf, wohin Ignoranz und Unverständnis führen können.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl Verena und ihren Ermittlungen, als auch der Tochter Sina aus gutem Hause. Denn dieses Mädchen birgt ein Geheimnis, dass die Polizei schon bald an der Realität und den eigenen Überzeugungen zweifeln lässt. Sinas Besonderheit möchte ich an dieser Stelle nicht enthüllen, denn es ist für den Leser in meinen Augen zwingend erforderlich, selbst dahinter zu kommen, womit Verena und das Morddezernat zu kämpfen haben.

Die Ermittlungen durch die Stuttgarter Polizei ist in meinen Augen realitätsnah, nicht überzogen und toll verfolgbar. Verena Sander war mir schon im ersten Teil „Blutopfer“ sehr sympathisch und das setzt sich hier fort. Das Tolle: jede Figur hat sowohl Stärken als auch Schwächen. Und gerade das lässt den Krimi so lebensnah erscheinen. Ich hätte Verena zwischendurch gern mal geschüttelt, genau so oft wollte ich ihr aber auf die Schulter klopfen oder ihr sagen, wie gut sie ihre Arbeit macht.

Neben dem Job bekommt man auch wieder einige Einblicke in die Privatleben der Ermittler. Während Verena mit ihren Emotionen und Hormonen zu kämpfen hat, muss ihr Ex-Kollege Micha langsam erkennen, dass er mit seiner Machotour nicht so weit kommt,wie gedacht. Für mich trifft Britt Reißmann genau die richtige Mischung aus privaten Hintergründen und knallharten polizeilichen Ermittlungen. Zudem kommt der Humor nicht zu kurz, denn auch der Staatsanwalt Triberg ist wieder mit an Bord. Und wer ihn kennt, weiß, dass er nicht immer die Katze im Dorf lassen kann.

Die Story selbst verlangte mir als hart gesottene Thrillerleserin dennoch einiges ab. Die Autorin setzt dabei mitnichten auf blutige Details, sondern greift ihre Leser dort an, wo es weh tut: im Herzen und in der Psyche. Auch wenn ich mich mit dem zentralen Thema des Krimis schon mal beschäftigt habe, musste ich so manches Mal tief durchatmen, denn Britt Reißmann hat mit ihren Beschreibungen die Realität knallhart getroffen und nimmt dabei weder ihre Ermittler noch ihre Leser in Schutz. Grandios und wichtig in meinen Augen.

Der Schluss hat mich überzeugen können, auch wenn ich gern bei einem Vorgang mehr Details gehabt hätte. Dennoch ist das Finale logisch hergeleitet, passend und rund. Und das Schöne: endlich mal keine dussligen Einzelaktionen von selbsternannten Helden. So lobe ich mir das!

Der Stil von Britt Reißmann ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist ruhig, detailgetreu und fesselnd, so dass ich mich kaum entziehen konnte, auch wenn mir die Augen abends zufielen.

Fazit: keine leichte, aber umso wichtigere Kost. Klare Empfehlung.

12. August 2016

Wir bitten zum Tanz!

Tanz der Toten
(Byrne-und-Balzano-Reihe Band 8)
von Richard Montanari
(543 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ein junges Mädchen wird tot aufgefunden, festgezurrt auf einer Schaukel, erdrosselt mit einem Seidenstrumpf. Die Detectives Kevin Byrne und Jessica Balzano übernehmen den Fall und finden sehr schnell etwas unheimliches: die Einladung zu einem thé dasant, einem Tanztee. Doch der Täter will nicht tanzen, er plant einen weiteren Mord. Können die beiden Ermittler aus Philadelphia ihn aufhalten?

„Tanz der Toten“ ist bereits der 8. Fall für Byrne und Balzano aus der Feder von Richard Montanari und konnte mich großteils überzeugen. Der Autor zwingt seinen Lesern eine ruhige, fast schon klassische Ermittlerstory auf, um dann im entscheidenden Moment den Todesstoß anzusetzen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zum großen Teil dem Ermittlerduo und ihren Nachforschungen. Kapitelweise kommt sogar der Täter zu Wort. Und dies jagte mir stellenweise Schauer über den Rücken, da der Mörder höchstselbst aus seiner Perspektive erzählte. Diese Mischung hatte es mir von Beginn an angetan.

Richard Montanari geht dabei nicht zimperlich mit seinen Lesern um. So muss man zum Auftakt mit einem brutalen Mord klar kommen, nur um dann im Laufe des Buches sich mit Details zu Entstehung der Porzellanpuppen und einem vergangenen Fall auseinanderzusetzen. Dieser Wechsel von rasant zu gemächlich hat mir rückblickend sehr viel Spaß bereitet, auch wenn ich zwischendrin am liebsten den Ermittlern in den Po getreten hätte.

Ich kenne den 1. Fall von Byrne und Balzano, hatte aber dennoch Schwierigkeiten mit ihnen warm zu werden. Dies liegt aber wohl daran, dass ich die anderen Fälle der beiden nicht kenne und somit ihre Entwicklung nicht nachvollziehen konnte. Je weiter der Thriller voranschritt, desto besser kam ich mit den beiden klar und habe sie lieb gewonnen. Wer also die beiden Detectives kennenlernen möchte, sollte chronologisch vorgehen.

Das Schöne: Montanari setzt bei seinen Ermittlern nicht auf die typischen, gebrochenen Gestalten, sondern lässt sie so menschlich und normal wie möglich erscheinen. Eine tolle Sache!

Die Story ist sehr gut, wenn auch teilweise langatmig erzählt. Dabei war es nicht langweilig, jedoch musste ich wirklich Geduld aufbringen, um die Ermittler nicht anzuschreien. Nicht, dass sie dilettantisch waren, nein, ich war einfach ungeduldig. Ich bin lesetechnisch rasante Thriller mit viel Blut gewöhnt. Dies findet man hier beileibe nicht. Der Autor setzt auf einzeln gesetzte Schockeffekte. Und genau das benötigte diese Geschichte auch.

Das Finale hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich hatte durch die ruhige Art ein eben solches Ende erwartet und wurde gefühlt mit einem heftigen Schlag mitten in den Magen in die Realität zurückgeholt. Grandios!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Richard Montanari erzählt direkt, detailreich und mit einer gewissen Ruhe, die dem Leser so viel Geduld abverlangt wie seinen Ermittlern. Wer sich also mal wieder voll und ganz auf einen Fall einlassen möchte, ist hier genau richtig.

Fazit: Let's dance! Ein wirklich guter Thriller, den ich nur empfehlen kann.

7. August 2016

Das Ende der Welt ist nah!


(Quelle: Digital Publishers)
Redux - Das Erwachen der Kinder
(Erik Lindberg - Reihe Band 2)
von Thomas Kowa
(420 Seiten)



Weitere Informationen findet Ihr hier

In der Schweiz wird eine Leiche in einem Grab gefunden. So weit, so normal. Jedoch liegt dieses Grab in einem Wald, die Tote wurde ermordet und Erik Lindberg merkt selbst mit dem Kater am frühen Morgen, dass dieser Mordfall anders ist als die sonstigen. Denn kurz nach dem Fund geht ein Bekennerschreiben bei einer Boulevard-Zeitung ein, in dem der Täter den Weltuntergang prophezeit und diese Drohung mit Milzbrand unterstreicht. Die Zeit läuft...

„Redux – Das Erwachen der Kinder“ ist der zweite Fall von Erik Lindberg und hat mich komplett überzeugt. Der Autor Thomas Kowa kann nahtlos an den ersten Teil anknüpfen und steigert sich in meinen Augen sogar nochmal. Klasse!

Die Gesschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man, wie schon im ersten Fall, großteilig dem Ermittler Erik Lindberg, der neben seinem Beruf auch noch aufopferungsvoll um seine im Koma liegende Freundin Paula kümmert. Die erste Tote nimmt ihn jedoch so in Beschlag, dass er kaum noch zum Schlafen denn zu einem irgendwie gearteten Privatleben kommt. Die Ermittlungen führen ihn und seine Partnerin Mia in eine tiefgläubige Gemeinschaft, in der der Glaube an Wiedererweckung so tief verwurzelt ist wie der Glauben an den nahenden Weltuntergang. Hinzu kommen dunkle Geheimnisse innerhalb der Bundespolizei, die den beiden Kommissaren das Leben schwer machen.

Erik Lindberg, Mia Adam und auch die Kriminaltechnikerin Katharina Zach wirken lebensnah und realistisch. Während der Kommissar in meinen Augen ruhiger und gefasster als bei seinem ersten Fall. Dabei rutscht er keinesfalls in die Langeweile ab, sondern wirkte auf mich einfach fest in seinem Job und Leben verwurzelt. Katharina Zach bekommt endlich so etwas wie ein Privatleben und einen Hintergrund, der mir im ersten Teil noch gefehlt hat. Mit ihrer leicht frechen und zynischen Art und ihrer ganz bestimmten Vorliebe ist sie mir direkt ans Herz gewachsen. Stellenweise erinnerte mich die Technikerin an Abby aus NCIS. Jedoch hat Katharina ihren ganz eigenen Charme.

Doch was wäre Polizeiarbeit ohne einen Gegenspieler in den eigenen Reihen? In Redux ist es Lindbergs Chef Graf. Der karrierebedachte Mann sieht in den Ermittlungen nur ein Sprungbrett in die Politik, setzt seinen Ermittler unter Druck und will eigentlich nur eins: groß rauskommen. Ich konnte und kann Graf mit voll Inbrunst hassen. Das schaffen auch nur wenige Autoren.

Die Story ist spannend und von Seite 1 an fesselnd erzählt. Thomas Kowa verwebt religiöse Fakten aus der Vergangenheit geschickt mit den Geschehnissen der Gegenwart ohne sich dabei in Details zu verlieren. Die Ermittler gehen mutig an die Fälle ran, ohne dabei den Blick für die Risiken zu verlieren. Das macht den Thriller in meinen Augen so wirklichkeitsnah und großartig.

Das Finale geriet dann zwar fast hollywoodlike, aber immer noch passend für das gesamte Buch. Ich habe mit Lindberg gebangt, geflucht und Schmerzen erlitten. Ich war so fasziniert beim Lesen, dass ich weder merkte, wie spät es wurde noch, dass ich eigentlich seit Stunden schlafen sollte. Klasse!

Der Stil von Thomas Kowa ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise wirkt ruhig, unaufgeregt und glänzt mit der genau richtigen Mischung aus Details, Fakten und spannenden Ermittlungen. Blutige Details sucht man hier vergeblich, aber das muss auch nicht sein, denn der Autor überzeugt mit seinem erzählerischen Können!

Fazit: Redux raubte mir den Schlaf und ich habe es genossen. Klare Leseempfehlung.



5. August 2016

Meine erste Lovelybox - Der Sommer wird mörderisch!



Hallo Ihr Lieben,

seit mehreren Monaten bietet die beliebte Website Lovelybooks eine grandiose Aktion an: die Lovelybox!
Mit einem Motto versehen bereitet diese Box Lesern Freude. Ich habe mich auf so einige beworben und im Juli kam dann die erste Box zu mir. Das Motto diesmal "ein mörderischer Sommer".
(Achtung: im Artikel verrate ich auch den Inhalt!)

3. August 2016

SUB-Abbau extrem Juli 2016 und es startete so gut

(Quelle: freepik.com)


Hallo Ihr Lieben,

der Juli geht und nimmt zumindest hier in Berlin auch die Sonne mit. Während ich am Anfang des Monats gelesen habe wie ein Berserker, hat mich in den letzten zwei Wochen die Arbeit so stark im Griff gehabt, dass das Lesen wieder mal viel zu kurz kam. Ich könnte mir selbst in den Hintern beißen....

(Quelle: giphy.com)

Ein Blick auf die nackten Zahlen offenbart das Dilemma (zumindest ist es das für mich):
gelesen: 5

erhalten: 8

Macht einen Aufbau von 3 Büchern! Obwohl ich mir selbst das Versprechen gegeben habe, nicht weiter aufzubauen. Nun ja, der August wartet mit tollen Wochenenden. Auf geht's!

Eure Denise

1. August 2016

Idylle am See? Von wegen!

Das Spiel - Opfer
(Das Spiel - Reihe Band 1)
von Jeff Menapace
(400 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Patrick und Amy sind mit ihren Kindern Carrie und Caleb auf dem Weg zum Crescent Lake um ein paar schöne Tage am Wasser zu genießen. Schon auf der Hinfahrt ereignet sich so manch komischer Zufall, der die beiden Eltern komisch, aber nicht weiter tragisch vorkommt. Am See angekommen häufen sich die Ereignisse, die jedem einen Schauer über den Rücken jagen. Denn wie soll man mit zwei Brüdern umgehen, deren Spaß sich aus dem Schmerz anderer speist?

„Das Spiel – Opfer“ ist der Auftakt zur Trilogie von Jeff Menapace und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor schürt mit unterschwelligen Horrorelementen die Angst seiner Leser und lässt diese fast ins Unermessliche steigen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man großteilig der kleinen Familie und ihrem Ferientrip. In wenigen Kapiteln kommen auch die beiden Brüder Arty und Jim, deren Absichten weder idyllisch noch ferienfreundlich sind, sondern einfach nur auf Schmerz und perfiden Spaß beruhen. Mir hat besonders gut gefallen, dass Jeff Menapace den Horror nicht mit dem Vorschlaghammer serviert, sondern unterschwellig Stück für Stück seinen Figuren und seinen Lesern näher bringt. Ich habe mich beim Lesen teilweise an den Film „Freitag der 13.“ erinnert gefühlt. Und das im vollkommen positiven Sinne.

Die Figuren sind toll und für ein Horrorbuch fast schon untypisch tiefgründig beschrieben. Der Autor stellt die Familie so wundervoll normal und herzlich vor, dass man am liebsten direkt mit an den See fahren möchte. Gerade Patrick und Amy sprühen vor Liebe, Humor und der richtigen Portion Skepsis, als die ersten schrägen Dinge passieren. Auch die beiden Farnelli-Brüder Arty und Jim bekommen von Jeff Menapace eine menschliche Seite. Das war für mich außergewöhnlich. Denn normalerweise werden solche Täter wenig charakterisiert und schon gar nicht menschlich gezeigt. Toll!

Die Story an sich ist spannend und ruhig erzählt. Jeff Menapace schildert die Geschehnisse sehr unaufgeregt, egal wie perfide und blutig es wird. Dieser Gegensatz machte für mich den Spaß am Lesen aus. Je weiter der Roman voranschritt, desto mehr kam leider auch etwas zum Vorschein, was ich befürchtet hatte: „Das Spiel“ orientiert sich sehr an den Horrorklassikern. Für mich persönlich nicht dramatisch, aber der große neue Wurf in der Horrorgeschichtenerzählung ist das Werk nicht. Dazu verwendet der bekennende Horrorfan einfach zu viele bekannte Elemente. Schade eigentlich, denn dass er kreativ ist, beweist er zum Ende hin.

Das Finale ist rund und passend zum gesamten Buch. Mich hat der letzte Abschnitt im letzten Kapitel stark überrascht und ich freue mich auf den zweiten Teil. Denn Jeff Menapace verspricht mit den letzten Zeilen eine spannende und zugleich verstörende Fortsetzung.

Der Schreibstil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Mit ruhigem, aber dennoch spannenden Ton und Beschreibungen, die zwar blutig, aber nicht zu detailliert sind, hatte Jeff Menapace mich schnell in seinen Bann gezogen.

Fazit: ein solider, aber nicht außergewöhnlicher Horrorroman. Dennoch für einen tollen Nachmittag geeignet.