Montag, 29. August 2016

Einmal Durchzählen, aber tödlich!

Todesmärchen
(Maarten - S - Sneijder - Reihe Band 3)
von Andreas Gruber
(544 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Im beschaulichen Bern wird die Leiche einer Frau an einer Brücke hängend gefunden. Schnell wird klar: das ist kein gewöhnlicher Mord. Die Berner Polizei wendet sich an den Profiler Maarten S. Sneijder vom BKA Wiesbaden. Der exzentrische Ermittler bekommt gegen seinen Willen nun auch noch einen Partner: Sabine Nemez, fast schon liebevoll Eichkätzchen von ihm genannt. Die beiden reisen in die Schweiz und werden vor Ort noch mit einem weiteren Mord konfrontiert. Was hat der Täter vor? Welche Geschichte will er erzählen?

„Todesmärchen“ ist der 3. Fall für Maarten S. Sneijder und der erste, in dem er mit einem Partner leben muss. Andreas Gruber schafft es auch mit diesem Thriller, mich wieder in seinen Bann zu ziehen, auch wenn es zum Ende hin einige Szenen gab, die in meinen Augen zu viel des Guten waren.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Sabine Nemez und Sneijder, sondern lernt auch die junge Psychologin Hannah kennen, die in einer Anstalt für abnorme Verbrecher auf den Mehrfachmörder Piet van Loon trifft. Ich konnte mich zu Beginn kaum entscheiden, welchen der beiden Erzählstränge ich spannender finden soll, denn beide entwickeln rasend schnell eine Sogwirkung, die mich Seite um Seite lesen ließ. Klasse!

Die Figuren, die der Autor in seinem Werk ein- und auch weiterführt, haben für mich die genau richtige Tiefe. Mit Maarten S. Sneijder verbindet mich seit „Todesurteil“ eine Hassliebe. Mit diesem selbstgerechten, arroganten und zugleich menschenhassenden Profiler würde ich es keine Minute in einem Raum aushalten, aber ebenso sehr bewundere ich seine Arbeit. Seine Partnerin Sabine Nemez, die von ihm selbst ausgebildet wurde, hingegen finde ich mehr als sympathisch. Sie bietet dem niederländischen Profiler die Stirn und steht zu ihren Ideen, aber auch Fehlern. Genau so etwas mag ich!

Die Story an sich ist fesselnd und rasant erzählt. Andreas Gruber adaptiert auf grausame Art und Weise Märchen, hetzt seine Ermittler von Tatort zu Tatort und gewährt zugleich einen tiefen Blick in den Geist eines soziopathischen Verbrechers. Eine für mich perfekte Mischung. Mit jedem Kapitel rätselte ich mehr und fieberhafter mit und wollte noch vor den Ermittlern auf die richtige Spur kommen. Dies ist mir nicht ganz gelungen, jedoch war ich bei der Lösung umso erstaunter.

Wer keine blutigen Details mag, sollte, und das sage ich offen und ehrlich, von diesem Thriller die Finger lassen. Der Autor kennt weder mit seinen Lesern noch mit seinen Opfern Gnade. Allerdings übertreibt er es in keinem Moment und die Gewalt passt sehr gut zur Geschichte.

Jedoch gibt es auch hier ein paar Wermutstropfen, die für mich den Ausgang des Thrillers eintrüben: eine Wendung zum Ende hin ist in meinen Augen zu übertrieben, zu sehr auf Effekt bedacht. Für mich war dieser Turn nicht glaubwürdig und abseits der Realität. Hinzu kommt, dass der Autor gewisse polizeiliche Vorgänge, ich nehme an aus Spannungsgründen, unter den Tisch fallen lässt, obwohl diese zwingend sind. Des weiteren entwickelt eine Figur Fähigkeiten, die so, nach meiner eigenen Rücksprache mit einer Polizistin, nicht umsetzbar sind. Diese Fakten taten zwar meinem Lesespaß keinen Abbruch, führten aber zu einer Ernüchterung.

Der Stil von Andreas Gruber ist einfach und sehr gut zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, brutal, aber auch tiefsinnig und gespickt mit fundierten Details, die mir so manches Mal einen Schauer über den Rücken jagten.

Fazit: schaurig schön, wenn auch zum Ende hin nicht mehr durchgehend sauber recherchiert. Aber dennoch ein tolles Lesevergnügen.

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