Dienstag, 23. August 2016

Happily ever after? Nicht in Berlin!

Märchenwald
(Paul-Kalkbrenner-Reihe Band 5)
von Martin Krist
(416 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Paul Kalkbrenner wird zu einem vermeintlich einfachen Todesfall gerufen: ein älterer Herr ist in seinem Sessel einem Herzinfarkt erlegen. Doch warum ruft man deshalb den Kommissar? Nun, der Sanitäter hat in der Abstellkammer etwas entdeckt, was dort definitiv nicht hingehört.
Währenddessen machen sich die Geschwister Max und Ellie verängstigt auf den Weg zu ihrem Opa, denn dies war der letzte Wunsch ihrer Mutter. Und Mamas Anweisungen muss man Folge leisten, auch wenn das bedeutet, in den Märchenwald zu flüchten...

„Märchenwald“ ist bereits der 5. Fall für Paul Kalkbrenner und seine Kollegin Muth, jedoch für mich der erste, den ich gelesen habe. Denn bis auf die Kurzgeschichten aus „Der Tod steckt im Detail“ kenne ich verwerflicherweise den Kommissar noch nicht. Doch das wird sich nun ändern. Denn Martin Krist führt mit diesem Thriller seine Leser in die Abgründe Berlins, jedoch nicht so, wie man es erwartet. Denn der Abgrund lauert nicht in den dunklen Ecken, sondern in den gut situierten Wohngegenden mit netten Nachbarn und leckerem Essen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man kapitelweise Paul Kalkbrenner, Max und Ellie und einer jungen Frau namens Zoe, die sich nicht mal mehr an ihren Namen erinnern kann. Daneben gibt es Kapitel, deren Bedeutung der Leser erst fassen kann, als es schon fast zu spät ist.
Der Autor zeigt auch hier wieder sein gesamtes Geschick und eine Fähigkeit, die ich sehr an ihm schätze: obwohl man zu Beginn keinerlei Ahnung hat, wer wie mit wem zusammenhängt, führt er seine Figuren und Erzählstränge immer wieder kurz zueinander, um sie dann wieder auseinanderzureißen. Diese Form des Spannungsbogens kenne ich bisher nur grandios von amerikanischen Thrillerautoren gespielt....und nun auch von einem deutschen, der sich nicht verstecken muss.

Obwohl ich Paul Kalkbrenner und seine Kollegen erst in diesem Thriller näher kennengelernt habe, hatte ich keinerlei Schwierigkeiten mich mit ihnen anzufreunden. Ob ich nun den Bernhardiner des Ermittlers gestreichelt, mit Quasselkopf Sebastian Informationen gefiltert habe und so gern etwas von Sekretärin Ritas Kuchen genascht hätte, ich konnte mich sofort und direkt mit den Figuren identifzieren. Auch das Geschwisterpaar Max und Ellie hat Martin Krist in meinen Augen sehr gut und realitätsnah getroffen.

Die Story an sich ist von Seite 1 an spannend und fesselnd. Die kurzen Kapitel entwickeln eine Sogwirkung, der ich mich kaum entziehen konnte. Die schnellen Perspektivenwechsel haben mir persönlich sehr gut gefallen, verlangen sie doch absolute Aufmerksamkeit vom Leser. Wer hier nicht aufpasst, verpasst die entscheidenden Informationen. Also Obacht, wann man beginnt zu lesen, denn so schnell kommt man nicht mehr los. Und obwohl Martin Krist ein gutes Tempo vorlegt, wirkt der Thriller weder gehetzt noch überhastet. Im Gegenteil: der Berliner Autor versteht es, mit kleinen Spitzen seinen Lesern die richtige Prise Angst, Ekel und Paranoia einzujagen. Dank Krist kann ich nun nicht mehr ohne Hintergedanken eine Abstellkammer öffnen.

Das Finale reiht sich ebenso schlüssig wie bündig in den gesamten Verlauf ein. Mit dem letzten Kapitel wurden alle Stränge zusammengeführt, aufgedröselt und das Schrecken in seiner gesamten Größe fassbar. Das Tolle: der Autor präsentiert die Lösung nicht auf einem Silbertablett, sondern überlässt es seinen Lesern, die allerletzten Schlüsse zu ziehen. Genau so muss ein Thriller sein!

Der Stil von Martin Krist ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, ehrlich und nur dann von Details gespickt, wo es nötig ist. Die Konzentration auf das Wesentliche, ohne dabei etwas auszulassen, passt perfekt zu Paul Kalkbrenner.

Fazit: folg mir in den Märchenwald und erkenne den Schrecken. Genial!!


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