12. August 2016

Wir bitten zum Tanz!

Tanz der Toten
(Byrne-und-Balzano-Reihe Band 8)
von Richard Montanari
(543 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ein junges Mädchen wird tot aufgefunden, festgezurrt auf einer Schaukel, erdrosselt mit einem Seidenstrumpf. Die Detectives Kevin Byrne und Jessica Balzano übernehmen den Fall und finden sehr schnell etwas unheimliches: die Einladung zu einem thé dasant, einem Tanztee. Doch der Täter will nicht tanzen, er plant einen weiteren Mord. Können die beiden Ermittler aus Philadelphia ihn aufhalten?

„Tanz der Toten“ ist bereits der 8. Fall für Byrne und Balzano aus der Feder von Richard Montanari und konnte mich großteils überzeugen. Der Autor zwingt seinen Lesern eine ruhige, fast schon klassische Ermittlerstory auf, um dann im entscheidenden Moment den Todesstoß anzusetzen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zum großen Teil dem Ermittlerduo und ihren Nachforschungen. Kapitelweise kommt sogar der Täter zu Wort. Und dies jagte mir stellenweise Schauer über den Rücken, da der Mörder höchstselbst aus seiner Perspektive erzählte. Diese Mischung hatte es mir von Beginn an angetan.

Richard Montanari geht dabei nicht zimperlich mit seinen Lesern um. So muss man zum Auftakt mit einem brutalen Mord klar kommen, nur um dann im Laufe des Buches sich mit Details zu Entstehung der Porzellanpuppen und einem vergangenen Fall auseinanderzusetzen. Dieser Wechsel von rasant zu gemächlich hat mir rückblickend sehr viel Spaß bereitet, auch wenn ich zwischendrin am liebsten den Ermittlern in den Po getreten hätte.

Ich kenne den 1. Fall von Byrne und Balzano, hatte aber dennoch Schwierigkeiten mit ihnen warm zu werden. Dies liegt aber wohl daran, dass ich die anderen Fälle der beiden nicht kenne und somit ihre Entwicklung nicht nachvollziehen konnte. Je weiter der Thriller voranschritt, desto besser kam ich mit den beiden klar und habe sie lieb gewonnen. Wer also die beiden Detectives kennenlernen möchte, sollte chronologisch vorgehen.

Das Schöne: Montanari setzt bei seinen Ermittlern nicht auf die typischen, gebrochenen Gestalten, sondern lässt sie so menschlich und normal wie möglich erscheinen. Eine tolle Sache!

Die Story ist sehr gut, wenn auch teilweise langatmig erzählt. Dabei war es nicht langweilig, jedoch musste ich wirklich Geduld aufbringen, um die Ermittler nicht anzuschreien. Nicht, dass sie dilettantisch waren, nein, ich war einfach ungeduldig. Ich bin lesetechnisch rasante Thriller mit viel Blut gewöhnt. Dies findet man hier beileibe nicht. Der Autor setzt auf einzeln gesetzte Schockeffekte. Und genau das benötigte diese Geschichte auch.

Das Finale hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich hatte durch die ruhige Art ein eben solches Ende erwartet und wurde gefühlt mit einem heftigen Schlag mitten in den Magen in die Realität zurückgeholt. Grandios!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Richard Montanari erzählt direkt, detailreich und mit einer gewissen Ruhe, die dem Leser so viel Geduld abverlangt wie seinen Ermittlern. Wer sich also mal wieder voll und ganz auf einen Fall einlassen möchte, ist hier genau richtig.

Fazit: Let's dance! Ein wirklich guter Thriller, den ich nur empfehlen kann.

Kommentare:

  1. Deine Rezension macht mich sehr neugierig. Danke.

    Herzlichst
    Nisnis

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  2. Hi Nisnis, danke für deinen Kommentar. Es freut mich :) LG Denise

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