25. September 2016

Ein Traum wird wahr - ein Abend mit Chris Carter




Hallo Ihr Lieben,

am 22.September ging für mich einer meiner Träume in Erfüllung: ich durfte bei der Lesung von Chris Carter, Erschaffer des Profilers Robert Hunter, dabei sein. Dass ich dafür extra nach Hannover düsen musste, war es mir einfach wert.

Ich hatte Glück: denn trotz Beginn der IAA war der ICE pünktlich und ich konnte schnellen Schrittes in die Buchhandlung Hugendubel eilen. Dort habe ich mir dann einen Platz reserviert und hibbelte 45 Minuten auf meinem Sitz herum. An Ruhe war einfach nicht zu denken. Um 20.15 Uhr war der Moment gekommen: Chris Carter betrat in Begleitung von Margarete von Schwarzkopf und Dietmar Wunder (die deutsche Stimme von Daniel Craig) die kleine Bühne. Schlagartig war ich ruhig, mein Puls ging runter und ich war gebannt. 


Margarete von Schwarzkopf führte mit Witz und Charme durch den Abend. Sie übersetzte ihre Fragen gekonnt und ließ Chris Carter genug Raum zum Antworten. Und der Autor nahm kein Blatt vor den Mund.

So berichtete er, dass er NIE einen Schreibkurs oder ähnliches besucht hat, sich beim Schreiben an keine irgendwie geartete Regeln hält und lieber Filme schaut anstatt liest. Spätestens hier wäre jeder Literaturkritiker mit Herzanfall vom Stuhl gekippt.

Die ersten 3 Kapitel seines Erstlings "Der Kruzifix-Killer" schickte er 2007 vorab an 40 Menschen überall auf der Welt. Denn Chris Carter wollte einfach ehrliches Feedback, das er sich von seiner Freundin und seinem besten Freund nicht erwartete. 

Spannend fand ich, dass der Erschaffer von Robert Hunter jeden Tag das liest, was er am Vortrag geschrieben hat. Dabei kommt es öfter vor, dass er die gesamte Arbeit des Vortages löscht und von vorn beginnt. Er selbst ist nach eigenen Worten sein größter Kritiker und lektoriert seine Thriller fast komplett selbst. Natürlich hat er eine Lektorin, die jedoch am fertigen Werk kaum noch Änderungen vornimmt.

Chris Carter erzählte frei von der Leber weg, gestikulierte und hatte dabei immer ein Grinsen auf den Lippen. Wenn ich ihn nicht schon für seine Bücher geliebt hätte, spätestens jetzt wäre ich schockverliebt gewesen ;)


Die Auszüge aus "I am Death" las dann Dietmar Wunder, dessen Stimme Gänsehaut verursacht. Anders als viele Vorleser brachte er nicht nur die Stimmung der Kapitel herüber, sondern formte mit seiner Interpretation auch jeden einzelnen Charakter. Es war einfach großartig ihm zu zuhören. Denn er las nicht einfach nur, sondern setzte Mimik und Gestik ein. Wundervoll!

Nach der Lesung ging es dann zum Signieren. Dicht gedrängt warteten die Zuhörer. Und Chris Carter nahm sich für Jeden Zeit, gab Autogramme, stand für Fotos parat und ein paar persönliche Worte. Je näher ich ihm kam, desto nervöser wurde ich. Und normalerweise habe ich bei solchen Aktionen null Hemmungen. Doch wer seinem Idol mal gegenüber steht, weiß, wie das Gefühl ist.


Meine nervöse Körperhaltung zeigt, was in mir vorging. So müssen sich 15-jährige Mädels fühlen, wenn sie vor Justin Bieber stehen ;) Im Normalfall ist meine Zunge recht locker, doch hier klebte sie fest. Aber die Signaturen haben geklappt.

Foto?


FOTO!

Mein Glück konnte ich kaum fassen. Er und ich auf einem Bild. Hach! Ich bin mit weichen Knien und hüpfend in die Nacht entschwunden und weiß eins mit Sicherheit: selbst wenn er irgendwann mal nur ein Telefonbuch von Hongkong verfasst, ich werde es lesen!






23. September 2016

Nimm dich in Acht, der Angstmann geht um!

(Quelle: dtv Verlag)

Der Angstmann
(Max-Heller-Reihe Band 1)
von Frank Goldammer
(336 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Dresden 1944: der Polizist Max Heller wird zu einer Frauenleiche gerufen. Eine Leiche an sich ist im Krieg nichts ungewöhnliches, jedoch wurde dieses Opfer grausam zugerichtet. Der Kommissar steht vor einem Rätsel. Und es wird noch verrückter, als die Menschen anfangen von einem wunderlichen Wesen zu reden, das des Nachts gackernd durch die Straßen zieht. Der Angstmann macht die Runde. Kann Max Heller den Fall lösen, ohne dabei selbst dem Wahnsinn zu verfallen?

„Der Angstmann“ ist der Auftakt zu einer Krimi-Reihe um Max Heller von Frank Goldammer und hat mir ausgesprochen gut gefallen. Der Autor schafft es, seine Leser in die Zeit der letzten Kriegsjahre zu entführen und gleichzeitig in einen spannenden Mordfall zu verwickeln. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man jedoch Max Heller auf Schritt und Tritt, begibt sich mit ihm in die Ruinen Dresdens und erlebt so den Schrecken von fallenden Bomben, Hunger und Angst hautnah. Dabei hält sich Frank Goldammer mit starken Detailbeschreibungen zurück, deutet das Schrecken teilweise nur an. Doch das genügt schon, um eine Atmosphäre der Unsicherheit und Anspannung heraufzubeschwören.

Das Hauptaugenmerk liegt klar auf den Ermittlungen und nicht auf den Verbrechen des 2. Weltkrieges, was ich sehr gut fand. Wer jedoch glaubt, dem Schrecken gar nicht gegenübertreten zu müssen, irrt. Denn Max Heller mag zwar kein linientreuer NS-Scherge sein, er muss aber ebenso mit den Entbehrungen und Kämpfen in Dresden zurecht kommen. Und das lässt der Autor auch seine Leser spüren. Grandios!

Die Figur Max Heller finde ich sehr gut gelungen. Er ist kein überzeugter Nationalsozialist, ja nicht im in der Partei oder SS, darf jedoch aufgrund seiner Erfahrungen im 1. Weltkrieg bei der Polizei arbeiten. Der Kommissar schert sich wenig um die Politik, setzt in seinem Beruf auf Menschlichkeit und muss bald erkennen, dass dies in den Wirren des 2. Weltkrieges nicht immer genügt. Frank Goldammer erschafft hier einen starken, bodenständigen und glaubwürdigen Charakter, den ich direkt ins Herz geschlossen habe.

Die Story ist von Beginn an spannend, aber nicht reißerisch. Der Autor setzt auf einen ruhigen Verlauf. Dadurch werden die Bedingungen im Krieg jedoch deutlicher und spürbarer, als wenn er mit großem Knalleffekt seinen Krimi erzählt hätte. Besonders die Kapitel über den Bombenangriff auf Dresden haben mich mitgenommen, denn so persönlich und nah konnte mir bisher keine Dokumentation den Schrecken dieser einen Nacht vermitteln.

Das Finale ist unaufgeregt, logisch und in sich schlüssig. Der Autor lässt hier eine Tür für weitere Romane offen, was mich sehr freuen würde.

Der Stil von Frank Goldammer ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist ruhig, detailgetreu, wo es sein muss und persönlich. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, neben Max Heller zu stehen und zu ermitteln.

Fazit: der Angstmann geht um. Fangt ihn!

21. September 2016

Göttliche Kraft oder doch nur Schwindel?

Revival
von Stephen King
(528 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Jamie lebt in einer us-amerikanischen Kleinstadt und führt in den 60er Jahren ein gottesfürchtiges, wenngleich fast langweiliges Leben. Das ändert sich, als der Reverend Charles Jacobs in die Stadt zieht. Seine Predigten sind lebhaft, doch wirklich spannend ist seine Beziehung zur Elektrizität. Denn diese fasziniert nicht nur ihn, sondern bald auch die Jungs der Gemeinde. Mit komischen Folgen...

Ich hatte mich sehr auf "Revival" von Stephen King gefreut, mag ich doch den Schauer, den religiöse Überzeugungen auslösen können. Bekommen habe ich allerdings eine Familiengeschichte mit kleinen Überraschungsmomenten, aber DER King-Moment fehlte mir schlichtweg.

Die Geschichte wird von Jamie selbst als Rückblick erzählt. So lernt man nicht nur den Rentner kennen, sondern erlebt mit ihm seine Kindheit, seine ersten Begegnungen mit Charles Jacobs und seine Drogenabhängigkeit. Das fand ich spannend und auch interessant, da ich gerne Figuren über einen längeren Lebenszeitraum begleite. 

Jamie erzählt dabei nicht zwingend chronologisch, sondern fügt immer wieder Begebenheiten aus verschiedenen Lebensabschnitten hinein. Eines wird aber schnell klar: Charles Jacobs spielt eine gewichtige Rolle für ihn.

Wer King kennt, weiß, dass der Meister des Horrors kein Freund von kurzen Beschreibungen ist. So ist es auch hier. Der Autor baut die Stimmung über detaillierte Beschreibungen der Familiensituation oder einzelnen Begebenheiten auf. Dabei ist es nicht mal von Belang, ob diese Situationen einen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte haben. Das muss man mögen. Ich habe es bei diesem Roman genossen, denn Jamie ist eine sympathische, wenn gleich nicht einfache Figur, die dennoch viele Facetten zeigte. 

Und obwohl mir der Stil gefallen hat und Jamie mich lange bei der Stange halten konnte, habe ich das Buch dennoch nach gut 2/3 zur Seite gelegt. Denn mehr als nett wurden die Erzählungen nicht. Das ist mir für einen King viel zu wenig. Eine große Familiengeschichte mit wenig eingestreuten Rätseln erwarte ich von anderen Autoren, aber nicht von dem Horrormeister schlechthin.
Daher zählt "Revival" für mich zu den schwächeren Werken von Stephen King. 

Fazit: Wer es mal ruhiger angehen lassen möchte, die Geschichte eines Jungen bis ins hohe Alter verfolgen will und ein wenig mitraten mag, ist hier gut aufgehoben. Für mich war es nur nett...

16. September 2016

Die Führung durch den Märchenwald - ein Abend mit Martin Krist



Lesungen sind an sich schon ein wundervolles Erlebnis. Aber wenn der wahrhaft böse Bube des Thrillergenres ins Kriminaltheater Berlin einlädt, wird aus wundervoll schnell blutig, spannend und auch ein wenig brrr.

Martin Krist entführte seine Hörerschaft in den Märchenwald, seinen neusten Thriller mit Paul Kalkbrenner. Bevor es jedoch in die Geschichte ging, wurde der Autor von Karla Paul von Buchkolumne mit Fragen gelöchert. Und diese hatten es in sich, denn Karla fragte nicht nur nach der Ideenfindung und Leichenbeseitigung, sondern wollte auch die anderen Seiten von Martin Krist kennenlernen. Schließlich ist der gute Mann auch im Bereich Erotik unterwegs. Als der Autor dann von seinen Interviews mit Luden im Rotlichtmilieu berichtete und dabei meinte, dass er als Unbefleckter nie solch einen Einblick bekommen hätte, war das Kichern im Publikum groß.

Karla führte durch den Abend

Neben Karla gab es weitere, weibliche Unterstützung, damit die vielen Ebenen, die Martin Krist in seine Bücher einbaut, auch beim Hören gut zur Geltung kommen.


Zum Einen gab sich Anne Forman die Ehre. Sie synchronisiert im wahren Leben Animationsfilme und versetzte das Publikum direkt in den Märchenwald.


Zum Anderen war Nina Hohlfeld zu Gast. Neben Musicals lieh sie unter anderem dem kleinen Mädchen in Martin Krists Thriller ihre Stimme.

Während das Gespann aus Autor und Damen vorlas, konnte man eine Stecknadel fallen hören. Martin Krist wählte die vorgetragenen Stellen mit Bedacht, bearbeitete sogar extra für die Lesung sein Werk, damit die einzelnen Handlungsstränge nachvollziehbar blieben. Eine grandiose Leistung, denn das Publikum war gebannt.

trotz Anzug blieb die Coolness nicht aussen vor ;)

Zwischen den einzelnen Kapiteln plauderten Karla und Martin über den Alltag als Autor, über die Möglichkeiten einen Roman aufzubauen und was es bedeutet, wenn einen eine Figur schon über 11 Jahre begleitet. Dabei machte der böse Bube eins klar: Schreiben ist Handwerk. Es gibt für ihn einen klaren Plan beim Schreiben, seine Geschichten stehen von Beginn an und er will sie nur noch erzählen. Plötzliche Storyveränderungen? Alles Planung.

Zum Abschluss stellte sich Martin Krist noch seinen Lesern, gab Autogramme, posierte für Fotos und verlor dabei nie sein freches Grinsen. Auch ich habe mir eine Widmung abgeholt :) Warum es diesmal kein gemeinsames Foto gibt? Nun ja...der Autor und ich haben noch etwas für Euch in Planung. Und da will man doch nicht vorgreifen.

Seid gespannt und geht in den Märchenwald!

13. September 2016

Einmal in den Orient...

Die Gesandten der Sonne
von Wolf Serno
(624 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Arabien im 8. Jahrhundert: eine Gesandtschaft Karl des Großen trifft in Bagdad ein. Unter ihnen ist Cunrad von Malmüd, ein Arzt, der an der arabischen Heilkunst interessiert ist. In den Monaten im Orient lernt der Arzt nicht nur andere Ärzte kennen, sondern schließt auch Freundschaft zu Abdul, einem leibhaftigen Elefanten. Doch schon bald naht die Rückreise und diese birgt so manche Gefahr.

„Die Gesandten der Sonne“ ist das neuste Werk von Wolf Serno und hat mich wieder mal verzaubert. Während ich dem Autor bisher mit Freuden ins Mittelalter gefolgt bin, entführt er seine Leser nun in den Orient des 8. Jahrhunderts. Dabei schafft er es, die märchenhafte Atmosphäre des Orients aufleben zu lassen. Grandios!

Die Geschichte wird vom Arzt Cunrad von Malmüd selbst erzählt. Dabei wählt Wolf Serno eine besondere Art der Berichterstattung: der Arzt schildert seine Erlebnisse einem freundlichen Gastgeber und entführt so seinen Zuhörer und zugleich die Leser in seine eigene Vergangenheit. Dies empfand ich als ein tolles Stilmittel, welches mir sehr selten begegnet. Zudem erzählt Cunrad seine eigenen Erlebnisse farbenfroh, lebhaft und zugleich auch mit einem kritischen Auge. Das hat mir sehr gut gefallen.

Die Figuren, die Wolf Serno erschaffen hat, sind sowohl lebhaft, als auch mit einer besonderen Tiefe gesegnet. Nicht nur, dass er seinem Faible für die Medizin in alten Zeiten treu bleibt, er bringt seinen Lesern auch arabische Sitten und Bräuche näher. Das fand ich toll. Gerade Cunrad habe ich schnell ins Herz geschlossen, obwohl er ab und an doch naiv agierte. Aber gerade das machte ihn so liebenswert und lebensnah. Neben dem Tross, dessen Angehörige ebenso plastisch wie detailreich beschrieben werden, legt der Autor ein besonderes Augenmerk auf den Mahut, den Elefantenhüter des Kalifen. Eine für mich tolle Mischung aus Märchen aus 1001 Nacht und bodenständigen Franken.

Die Geschichte selbst ist spannend erzählt. Man befindet sich zwar zum Großteil auf Reisen, aber genau das macht den Charme des Werkes aus. Ich hätte zu Beginn nicht gedacht, dass ich mich danach sehnen würde, mit dem Tross wieder auf Wanderschaft zu gehen und durch die Wüste zu ziehen. Die Schicksalsschläge, die dabei der Gruppe widerfahren, sind erstaunlich, aber keineswegs abwegig oder übertrieben. Wolf Serno schaffte es, dass ich mit den Botschaftern des Königs Wasser gesucht, um Unterkunft gebeten und sogar gekämpft habe. Ein tolles Erlebnis.

Das Ende war für mich rund, auch wenn der Autor hier auf die detailreiche Beschreibungen der vergangenen Reisejahre verzichtete. Dennoch passten Cunrads Erzählungen zu dem gesamten Roman und ich war traurig, als ich die letzte Seite erreicht hatte.

Der Stil von Wolf Serno ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist prachtvoll, detailreich, aber nicht langatmig. Durch seine bildhaften Beschreibungen lässt er den Orient und die Wüste lebendig werden.

Fazit: einmal in den Orient und zurück. Ich habe es sehr genossen. Eine klare Leseempfehlung.

9. September 2016

Mein Bekenntnis zum Buch #buchpassion

(Quelle: kapri-zioes.de)

Hallo Ihr Lieben,

unter dem Hashtag #buchpassion lädt Janine von kapri-zioes.de Blogger und Leser dazu ein, ihre Leidenschaft für Bücher zu teilen, um so auch Nichtlesern zu zeigen, was es bedeutet, sich in einer Welt aus Buchstaben zu verlieren. Da bin ich mit Freuden dabei.

Leidenschaft fürs Lesen, warum eigentlich?
Immer wieder kommt die Frage auf: warum Lesen? Tja, nun...das ist eine wirklich gute Frage. Wenn man meine Eltern fragen würde, würden diese mit den Augen rollen und erzählen, dass ich schon als Kind lieber die Nase in einem Buch oder Comic hatte als draußen zu spielen. Während viele Eltern verzweifelt versuchten, ihre Kinder zum Lesen zu bewegen, mussten meine mich förmlich von den bedruckten Seiten wegzerren. 
So war es gang und gäbe, dass ich im Sommer, wenn ich eigentlich schlafen sollte, es aber noch hell draußen war, ein Buch vor der Nase hatte. Wie oft meine Mama rein kam, das Buch weglegen musste und mich ermahnte zu schlafen, kann ich schon nicht mehr zählen.


Mit 17 Jahren ging es dann richtig los. Meine erste große Liebe hat mich auf Terry Pratchett gebracht. Auch wenn er gegangen ist, die Leidenschaft blieb. Und so lese ich seit meinem 17. Lebensjahr mehr als regelmäßig. Neben Fantasy haben die blutigen Thriller mein Herz erobert. Noch heute kann ich bei einem guten Thriller besser abschalten als bei einem seichten Liebesroman.


Erlebnisse mit Buch
Ich gehe nie ohne Buch aus dem Haus. Egal, ob ich verabredet bin, zum Arzt muss oder zur Arbeit fahre, mein Buch ist immer dabei. Selbst wenn ich weiß, dass ich nicht zum Lesen kommen werde. So kommt es dann auch vor, dass ich bei einem 14-tägigen Strandurlaub mit 12 Büchern im Gepäck abreise und am Flughafen am Rückreisetag mir ein neues Buch zulegen muss. Oder auch, dass ich beim Tätowierer auf der Liege entspannt lese, während der Künstler neue Tinte unter meine Haut bringt.

Es ist auch schon passiert, dass ich eine Haltestelle der S-Bahn verpasst habe, weil ich so vertieft war, dass ich die Ansagen nicht mehr gehört habe.
Oder auch, dass ich mit dem Gesicht voran auf einem Buch eingeschlafen bin, weil ich mich geweigert habe, meinem Körper zu glauben, dass ich müde bin.

Während andere Frauen an Schuhgeschäften vorbeigezerrt werden müssen, hatten meine Partner immer Mühe, mich an einem Buchladen vorbei zu bekommen. Das ging teilweise so weit, dass man mit mir absichtlich (!!!) eine andere Route gelaufen ist, damit man nicht wieder "nur kurz" in einen Buchladen mit mir muss. Ja, das Leben mit einer Leserin ist nicht immer einfach ;)


Lesen ist doch schrecklich unkommunikativ
Dieses Argument sowie andere Vorurteile hat wohl jeder passionierte Leser schon mal gehört. "Dafür hätte ich gar keine Zeit" oder auch "Lesen ist doch langweilig" sind mir in meinem Leserleben oft begegnet.
Das Zeitargument ist so unsinnig wie widerlegbar. Jeder von uns hat eine Leidenschaft, ein Hobby, eine Tätigkeit, bei der er voll und ganz aufgeht. Ich lese, Freunde von mir zocken, stricken oder backen wundervolle Torten. Keinem würde es einfallen, jemanden, der gerne bäckt, zu sagen "dafür hätte ich gar keine Zeit". Wenn man etwas tun will, macht man es einfach. Alles andere sind Ausreden ;)
Um das obige Argument aufzugreifen: ja, während des Lesens rede ich nicht (was für manchen in meinem Umkreis eine Wohltat darstellt ;) ). Dafür tausche ich mich gern über das Gelesene aus, blogge und kann aus meiner Erfahrung sagen: wir Leser sind sehr kommunikativ, wenn man uns mal auf einem Haufen erlebt. Wer dieses Phänomen live erleben möchte, muss nur auf den Buchmessen nach Bloggertreffen Ausschau halten. So viel Geschnatter, Freude und Herzlichkeit ist mir selten begegnet.

Fazit
Was bleibt zu sagen? Lesen ist Freude, Leidenschaft, Abtauchen und Vergessen in einem. Für mich ist es Entspannung pur und die Aufregung, viele verschiedene Leben zu leben. Es ist aber auch Dankbarkeit, dass ich mir diese Passion gönnen und leisten kann. Traut Euch, liebe Nichtleser, und versucht es mal mit einem Buch. Es muss nicht dick sein, es muss nicht literarisch sein, es muss Euch einfach nur Spaß machen!


7. September 2016

Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Spurensuche
Vierzig Jahre in Reih' und Glied
von Manfred Neumann
(236 Seiten)



Weitere Informationen findet Ihr hier

Wie war das damals in der DDR? Wie wurde man Volkspolizist, wie war es in der NVA und wie war das Militär organisiert? Manfred Neumann beleuchtet in seinem Buch „Spurensuche“ 40 Jahre Militär und NVA in der DDR.

Für mich war es das erste Sachbuch dieser Art und ich muss sagen, es hat mir durchaus gefallen. Manfred Neumann schildert seine eigenen Erlebnisse im Militär hautnah, lebendig und mit der nötigen Prise Humor. Und genau das ist in meinen Augen der richtige Weg, um diese Zeit erlebbar zu machen.

Dabei geht der Autor chronologisch vor: mit knapp 17 Jahren meldete sich der junge Manfred zum Dienst an der Waffe und wird direkt integriert. Dabei merkt man beim Lesen, dass die Überzeugung nicht wie ein Holzhammer auf den jungen Soldaten wirkte, sondern schleichend kam. Durch Regeln, Kameradschaft und verbindliches Vorgehen lernten die Männer nach der Nazi-Zeit wieder Zusammenhalt ohne den alles beherrschenden Hass. Dass sie mit dem Antifaschismus eine andere Art des Abgrenzens lernten, merkten sie nicht. Und genau so wenig merkt es zunächst der Leser.

Die Schilderungen Manfred Neumanns erinnern mich teilweise an die Organisation unserer Bundeswehr. Ich habe mich im Nachgang der Lektüre mit Militärangehörigen unterhalten und diese bestätigten meinen Eindruck. Das Militär ändert sich wenig, egal, welche Regierung an der Spitze steht.

Das Tolle an dem Sachbuch ist, dass man sich nicht nur mit der NVA auseinandersetzt, sondern auch einen Einblick in das alltägliche Leben eines Armeemitgliedes bekommt. Eine eigene Wohnung, eine kleine Familie, all das erlebt man aus dem Blickwinkel eines linientreuen Soldaten. Und so musste ich beim Lesen erschreckend feststellen, in wie viele Lebensbereiche die Partei eingegriffen hat.

Auch wenn Manfred Neumann zu Beginn zwar sagt, dass er persönlich, aber nicht rein subjektiv berichtet, so fehlte mir doch ab und an der kritische Blick auf damalige Aktionen. Der Autor stellt vor allem die Kamerad- und Freundschaft in den Vordergrund. Das ist zwar löblich, denn so zeigt er, dass die Armee auch menschliche Züge trägt, auf der anderen Seite hätte ich gern mehr Selbstkritik gelesen.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist locker, manchmal poetisch und für ein Sachbuch erfrischend anders. Es hat mir gut gefallen.

Fazit: ein persönlicher Einblick in die NVA. Lesenswert!

5. September 2016

Kein Prophet, sondern ein stinknormaler Mörder

Der Todesprophet
von Chris Karlden
(384 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ben ist Journalist und reist dafür in die Krisengebiete der Welt. Auf einer seiner Reisen wird er schwer traumatisiert und kehrt als gebrochener Mann nach Berlin zurück. Seine Frau versucht ihm beizustehen, muss aber erkennen, dass er sich nicht helfen lassen will. Sie verlässt ihn, Ben verliert seinen Job und steht vor einem Scherbenhaufen. Zu allem Überfluss findet er in dieser Situation auch noch die Leiche einer flüchtigen Bekanntschaft. Ohne Alibi und immer mit der Angst im Nacken, dass er in seinen Blackouts mehr anstellt, als er weiß, flüchtet Ben vor der Polizei. Doch der Mörder ist ihm immer einen Schritt voraus...

„Der Todesprophet“ war mein erster Thriller von Chris Karlden und konnte mich leider nicht überzeugen. Während der Start wirklich stark war, verliert sich der Autor im Laufe des Buches immer mehr in Klischees, zu oft erzählten Begebenheiten und Situationen, die mich den Kopf schütteln ließen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zum Großteil dem gebrochenen Journalisten Ben Weidner, der durch seine Blackouts an sich selbst und seinen Taten zweifelt. Zudem lernt man die ermittelnden Beamten Winter und Hartmann kennen, die als erfolgreiches Duo der Mordkommission alles daran setzen, auch diese Fälle von Frauenmorden zu lösen. Der Aufbau hat mir gut gefallen, zumal das Hauptaugenmerk auf dem Journalisten liegt.

Jedoch fängt hier schon das Dilemma an. Ben ist als Hauptfigur klasse gewählt, bleibt in meinen Augen jedoch blass. Ich konnte während des gesamten Thrillers keine Bindung zu ihm aufbauen, dazu blieb er mir, bis auf wenige Details, zu flach. Auch die Polizisten, so unterschiedlich sie waren und so gern ich bis zu einem gewissen Punkt ihren Ermittlungen auch gefolgt bin, sind wie Marionetten: hölzern und zu sehr auf Kontra bedacht. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Kommissarin Winter für die psychische Analyse der Täter zuständig ist, während ihr kräftiger Kollege Hartmann auf seine Fäuste als Argumente vertraut. Irgendwie bekannt, oder?

Da wundert es auch nicht, dass ebenso die Motivation des Täters zu bekannt ist und zu oft erzählt wurde. Ich musste beim Erkennen seiner Gründe schon leise lachen. Schade eigentlich.

Im Laufe der Geschichte, die zu Beginn Aufregung versprach, reihte sich dann Zufall, Übertreibung und Klischee aneinander. Prügelende Polizisten, Verdächtige, die auf einmal mit ermitteln dürfen und offensichtliche Hinweise, die schon nach gut 100 Seiten klar machen, wohin ein Großteil der Story läuft, verdarben mir den Spaß an dem Thriller.

Dabei beweist Chris Karlden durch seinen fesselnden, bodenständigen Stil, dass er Geschichten erzählen kann. Denn je näher ich dem Ende kam, desto mehr las ich nur noch, weil ich einfach den Stil des Autors mag.

Fazit: leider keine Offenbarung, sondern Alltag im Thrillergenre. Schade!

3. September 2016

Jeder Wahnsinn hat einen Sinn

Schattwald
von Barbara Dribbusch
(368 Seiten)



Eine Leseprobe findet Ihr hier

Anne muss sich um den Nachlass ihrer verstorbenen Großmutter Charlotte in Innsbruck kümmern. Die Ressortleiterin einer großen Frauenzeitschrift kehrt in das Haus ihrer Kindheit zurück und entdeckt dabei Aufzeichnungen ihrer Großmama, die ihr Leben in einem anderen Licht erscheinen lassen. Denn Charlotte war zur Zeit des 2. Weltkrieges in einer Nervenheilanstalt und hat dort Tagebuch geführt. Welche Geheimnisse hat sie bis zu ihrem Tode bewahrt?

„Schattwald“ ist das Romandebüt von Barbara Dribbusch und konnte mich leider nur streckenweise überzeugen. Die Autorin greift das Thema Psychiatrie während des 3. Reiches auf, verfährt dabei aber so seicht, dass der Schrecken der damaligen Zeit nicht transportiert werden kann.

Die Geschichte wird von Anne selbst erzählt. In den Rückblenden wirft der Leser einen Blick über Charlottes Schultern und beschreitet mit ihr den Weg in das Sanatorium Schattwald. Diese Aufteilung hat mir gut gefallen, denn so lernte ich sowohl die Enkelin als auch die Großmutter besser kennen. Während die Rückblenden mit Charlotte durchaus fesselnd und auch spannend erzählt waren, verkommt die Gegenwart von Anne zu einem seichten, ja fast schon lachhaften Erzählstück. Was für mich vor allem an der Person Anne selbst lag.

Denn die Ressortleiterin ist so beständig wie ein Fähnchen im Orkan. Denkt sie in einem Moment noch „Nein, das kann ich jetzt nicht erzählen, es geht doch um meine Großmutter“, hört man sie im nächsten Satz schon fröhlich über die Tagebücher ihrer Oma plappern. Dabei ist es egal, wer ihr gerade gegenüber steht. Selbst als sie den Verdacht hegt, dass man ihr etwas böses möchte, schafft sie es nicht, an sich zu halten. Genau so unbeständig ist Anne im Bezug auf Männer. Jede neue Bekanntschaft in Innsbruck wird erstmal auf Partnerqualitäten abgescannt, auch wenn der Gegenüber ein mulmiges Gefühl verursacht. Ich konnte nur noch mit den Augen rollen.

Daher las ich auch lieber die Erzählungen von Charlotte und Schattwald, auch wenn ich diese gern detailreicher gesehen hätte. Erst zum Schluss hin findet Barbara Dribbusch den Dreh, so dass ich in der Geschichte doch noch versinken konnte. Während es in Schattwald dramatisch, aber für mich rund, endet, ist das Ende des Romans zu heroisch, mit zu viel Pathos und zu vielen Zufällen gespickt. Hier hätte ich mehr Zurückhaltung, die es in dem ganzen Werk gab, besser gefunden.

Der Stil der Autorin ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist leicht, ab und an oberflächlich und für das Thema doch zu seicht gehalten.

Fazit: Schattwald bietet viel Potenzial und wird so leichtfertig verschenkt. Schade!

1. September 2016

SUB-Abbau extrem August oder Warum mache ich da eigentlich noch?

(Quelle: freepik)


Hallo Ihr Lieben,

der August verabschiedet sich mit Sonne und Wärme. So gern hätte ich an dieser Stelle gesagt: wie ein Großteil meiner SUB-Bücher. Aber nein, auch im 8. Monat scheitere ich. Zugegeben, ich habe ans Aufgeben gedacht. Denn was nützt ein Wettbewerb, bei dem man quasi im Startblock verweilt und den anderen Läufern zusieht?

(Quelle: giphy)

Aber Aufgeben zählt nicht und so werfen wir einen kurzen, schmerzhaften Blick auf die Zahlen.

Abbau: 5 Bücher
Aufbau: 9 Bücher

Das macht einen Aufbau von 4 Büchern. Läuft ja super...nicht. 

Im September habe ich nun 2 Wochen Urlaub. Vielleicht wird es ja dann was...

Liebe Grüße
Eure Denise