13. September 2016

Einmal in den Orient...

Die Gesandten der Sonne
von Wolf Serno
(624 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Arabien im 8. Jahrhundert: eine Gesandtschaft Karl des Großen trifft in Bagdad ein. Unter ihnen ist Cunrad von Malmüd, ein Arzt, der an der arabischen Heilkunst interessiert ist. In den Monaten im Orient lernt der Arzt nicht nur andere Ärzte kennen, sondern schließt auch Freundschaft zu Abdul, einem leibhaftigen Elefanten. Doch schon bald naht die Rückreise und diese birgt so manche Gefahr.

„Die Gesandten der Sonne“ ist das neuste Werk von Wolf Serno und hat mich wieder mal verzaubert. Während ich dem Autor bisher mit Freuden ins Mittelalter gefolgt bin, entführt er seine Leser nun in den Orient des 8. Jahrhunderts. Dabei schafft er es, die märchenhafte Atmosphäre des Orients aufleben zu lassen. Grandios!

Die Geschichte wird vom Arzt Cunrad von Malmüd selbst erzählt. Dabei wählt Wolf Serno eine besondere Art der Berichterstattung: der Arzt schildert seine Erlebnisse einem freundlichen Gastgeber und entführt so seinen Zuhörer und zugleich die Leser in seine eigene Vergangenheit. Dies empfand ich als ein tolles Stilmittel, welches mir sehr selten begegnet. Zudem erzählt Cunrad seine eigenen Erlebnisse farbenfroh, lebhaft und zugleich auch mit einem kritischen Auge. Das hat mir sehr gut gefallen.

Die Figuren, die Wolf Serno erschaffen hat, sind sowohl lebhaft, als auch mit einer besonderen Tiefe gesegnet. Nicht nur, dass er seinem Faible für die Medizin in alten Zeiten treu bleibt, er bringt seinen Lesern auch arabische Sitten und Bräuche näher. Das fand ich toll. Gerade Cunrad habe ich schnell ins Herz geschlossen, obwohl er ab und an doch naiv agierte. Aber gerade das machte ihn so liebenswert und lebensnah. Neben dem Tross, dessen Angehörige ebenso plastisch wie detailreich beschrieben werden, legt der Autor ein besonderes Augenmerk auf den Mahut, den Elefantenhüter des Kalifen. Eine für mich tolle Mischung aus Märchen aus 1001 Nacht und bodenständigen Franken.

Die Geschichte selbst ist spannend erzählt. Man befindet sich zwar zum Großteil auf Reisen, aber genau das macht den Charme des Werkes aus. Ich hätte zu Beginn nicht gedacht, dass ich mich danach sehnen würde, mit dem Tross wieder auf Wanderschaft zu gehen und durch die Wüste zu ziehen. Die Schicksalsschläge, die dabei der Gruppe widerfahren, sind erstaunlich, aber keineswegs abwegig oder übertrieben. Wolf Serno schaffte es, dass ich mit den Botschaftern des Königs Wasser gesucht, um Unterkunft gebeten und sogar gekämpft habe. Ein tolles Erlebnis.

Das Ende war für mich rund, auch wenn der Autor hier auf die detailreiche Beschreibungen der vergangenen Reisejahre verzichtete. Dennoch passten Cunrads Erzählungen zu dem gesamten Roman und ich war traurig, als ich die letzte Seite erreicht hatte.

Der Stil von Wolf Serno ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist prachtvoll, detailreich, aber nicht langatmig. Durch seine bildhaften Beschreibungen lässt er den Orient und die Wüste lebendig werden.

Fazit: einmal in den Orient und zurück. Ich habe es sehr genossen. Eine klare Leseempfehlung.

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