5. September 2016

Kein Prophet, sondern ein stinknormaler Mörder

Der Todesprophet
von Chris Karlden
(384 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ben ist Journalist und reist dafür in die Krisengebiete der Welt. Auf einer seiner Reisen wird er schwer traumatisiert und kehrt als gebrochener Mann nach Berlin zurück. Seine Frau versucht ihm beizustehen, muss aber erkennen, dass er sich nicht helfen lassen will. Sie verlässt ihn, Ben verliert seinen Job und steht vor einem Scherbenhaufen. Zu allem Überfluss findet er in dieser Situation auch noch die Leiche einer flüchtigen Bekanntschaft. Ohne Alibi und immer mit der Angst im Nacken, dass er in seinen Blackouts mehr anstellt, als er weiß, flüchtet Ben vor der Polizei. Doch der Mörder ist ihm immer einen Schritt voraus...

„Der Todesprophet“ war mein erster Thriller von Chris Karlden und konnte mich leider nicht überzeugen. Während der Start wirklich stark war, verliert sich der Autor im Laufe des Buches immer mehr in Klischees, zu oft erzählten Begebenheiten und Situationen, die mich den Kopf schütteln ließen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zum Großteil dem gebrochenen Journalisten Ben Weidner, der durch seine Blackouts an sich selbst und seinen Taten zweifelt. Zudem lernt man die ermittelnden Beamten Winter und Hartmann kennen, die als erfolgreiches Duo der Mordkommission alles daran setzen, auch diese Fälle von Frauenmorden zu lösen. Der Aufbau hat mir gut gefallen, zumal das Hauptaugenmerk auf dem Journalisten liegt.

Jedoch fängt hier schon das Dilemma an. Ben ist als Hauptfigur klasse gewählt, bleibt in meinen Augen jedoch blass. Ich konnte während des gesamten Thrillers keine Bindung zu ihm aufbauen, dazu blieb er mir, bis auf wenige Details, zu flach. Auch die Polizisten, so unterschiedlich sie waren und so gern ich bis zu einem gewissen Punkt ihren Ermittlungen auch gefolgt bin, sind wie Marionetten: hölzern und zu sehr auf Kontra bedacht. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Kommissarin Winter für die psychische Analyse der Täter zuständig ist, während ihr kräftiger Kollege Hartmann auf seine Fäuste als Argumente vertraut. Irgendwie bekannt, oder?

Da wundert es auch nicht, dass ebenso die Motivation des Täters zu bekannt ist und zu oft erzählt wurde. Ich musste beim Erkennen seiner Gründe schon leise lachen. Schade eigentlich.

Im Laufe der Geschichte, die zu Beginn Aufregung versprach, reihte sich dann Zufall, Übertreibung und Klischee aneinander. Prügelende Polizisten, Verdächtige, die auf einmal mit ermitteln dürfen und offensichtliche Hinweise, die schon nach gut 100 Seiten klar machen, wohin ein Großteil der Story läuft, verdarben mir den Spaß an dem Thriller.

Dabei beweist Chris Karlden durch seinen fesselnden, bodenständigen Stil, dass er Geschichten erzählen kann. Denn je näher ich dem Ende kam, desto mehr las ich nur noch, weil ich einfach den Stil des Autors mag.

Fazit: leider keine Offenbarung, sondern Alltag im Thrillergenre. Schade!

Kommentare:

  1. Huhu,

    dieser Autor taucht momentan irgendwie überall auf - ich habe aber noch gar nichts von ihm gehört. Du bist allerdings die erste, die nicht total begeistert ist. Ich glaube, ich muss mir da jetzt langsam mal eine eigene Meinung bilden :)

    Liebe Grüße
    Jasmin

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    1. Hi,
      Ja er ist momentan stark vertreten und auch beliebt. Deswegen hab ich mich hinreißen lassen. Meinen Ansprüchen hat er nicht genügt. Vielleicht gefällt es dir besser :)
      Lg Denise

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