23. September 2016

Nimm dich in Acht, der Angstmann geht um!

(Quelle: dtv Verlag)

Der Angstmann
(Max-Heller-Reihe Band 1)
von Frank Goldammer
(336 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Dresden 1944: der Polizist Max Heller wird zu einer Frauenleiche gerufen. Eine Leiche an sich ist im Krieg nichts ungewöhnliches, jedoch wurde dieses Opfer grausam zugerichtet. Der Kommissar steht vor einem Rätsel. Und es wird noch verrückter, als die Menschen anfangen von einem wunderlichen Wesen zu reden, das des Nachts gackernd durch die Straßen zieht. Der Angstmann macht die Runde. Kann Max Heller den Fall lösen, ohne dabei selbst dem Wahnsinn zu verfallen?

„Der Angstmann“ ist der Auftakt zu einer Krimi-Reihe um Max Heller von Frank Goldammer und hat mir ausgesprochen gut gefallen. Der Autor schafft es, seine Leser in die Zeit der letzten Kriegsjahre zu entführen und gleichzeitig in einen spannenden Mordfall zu verwickeln. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man jedoch Max Heller auf Schritt und Tritt, begibt sich mit ihm in die Ruinen Dresdens und erlebt so den Schrecken von fallenden Bomben, Hunger und Angst hautnah. Dabei hält sich Frank Goldammer mit starken Detailbeschreibungen zurück, deutet das Schrecken teilweise nur an. Doch das genügt schon, um eine Atmosphäre der Unsicherheit und Anspannung heraufzubeschwören.

Das Hauptaugenmerk liegt klar auf den Ermittlungen und nicht auf den Verbrechen des 2. Weltkrieges, was ich sehr gut fand. Wer jedoch glaubt, dem Schrecken gar nicht gegenübertreten zu müssen, irrt. Denn Max Heller mag zwar kein linientreuer NS-Scherge sein, er muss aber ebenso mit den Entbehrungen und Kämpfen in Dresden zurecht kommen. Und das lässt der Autor auch seine Leser spüren. Grandios!

Die Figur Max Heller finde ich sehr gut gelungen. Er ist kein überzeugter Nationalsozialist, ja nicht im in der Partei oder SS, darf jedoch aufgrund seiner Erfahrungen im 1. Weltkrieg bei der Polizei arbeiten. Der Kommissar schert sich wenig um die Politik, setzt in seinem Beruf auf Menschlichkeit und muss bald erkennen, dass dies in den Wirren des 2. Weltkrieges nicht immer genügt. Frank Goldammer erschafft hier einen starken, bodenständigen und glaubwürdigen Charakter, den ich direkt ins Herz geschlossen habe.

Die Story ist von Beginn an spannend, aber nicht reißerisch. Der Autor setzt auf einen ruhigen Verlauf. Dadurch werden die Bedingungen im Krieg jedoch deutlicher und spürbarer, als wenn er mit großem Knalleffekt seinen Krimi erzählt hätte. Besonders die Kapitel über den Bombenangriff auf Dresden haben mich mitgenommen, denn so persönlich und nah konnte mir bisher keine Dokumentation den Schrecken dieser einen Nacht vermitteln.

Das Finale ist unaufgeregt, logisch und in sich schlüssig. Der Autor lässt hier eine Tür für weitere Romane offen, was mich sehr freuen würde.

Der Stil von Frank Goldammer ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist ruhig, detailgetreu, wo es sein muss und persönlich. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, neben Max Heller zu stehen und zu ermitteln.

Fazit: der Angstmann geht um. Fangt ihn!

Kommentare:

  1. Der Titel hört sich ja eher nach Horror an, sind denn auch einige Horrorelemente enthalten? Jetzt in Bezugnahme auf die Story oder ist es dann doch ein reiner Kriminalroman?

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    1. Hi Christian,
      Es ist ein reiner Kriminalroman. Der Angstmann ist zwar gruselig, aber in den Bereich Horror würde ich es nicht einordnen.
      Lg Denise

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