7. September 2016

Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Spurensuche
Vierzig Jahre in Reih' und Glied
von Manfred Neumann
(236 Seiten)



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Wie war das damals in der DDR? Wie wurde man Volkspolizist, wie war es in der NVA und wie war das Militär organisiert? Manfred Neumann beleuchtet in seinem Buch „Spurensuche“ 40 Jahre Militär und NVA in der DDR.

Für mich war es das erste Sachbuch dieser Art und ich muss sagen, es hat mir durchaus gefallen. Manfred Neumann schildert seine eigenen Erlebnisse im Militär hautnah, lebendig und mit der nötigen Prise Humor. Und genau das ist in meinen Augen der richtige Weg, um diese Zeit erlebbar zu machen.

Dabei geht der Autor chronologisch vor: mit knapp 17 Jahren meldete sich der junge Manfred zum Dienst an der Waffe und wird direkt integriert. Dabei merkt man beim Lesen, dass die Überzeugung nicht wie ein Holzhammer auf den jungen Soldaten wirkte, sondern schleichend kam. Durch Regeln, Kameradschaft und verbindliches Vorgehen lernten die Männer nach der Nazi-Zeit wieder Zusammenhalt ohne den alles beherrschenden Hass. Dass sie mit dem Antifaschismus eine andere Art des Abgrenzens lernten, merkten sie nicht. Und genau so wenig merkt es zunächst der Leser.

Die Schilderungen Manfred Neumanns erinnern mich teilweise an die Organisation unserer Bundeswehr. Ich habe mich im Nachgang der Lektüre mit Militärangehörigen unterhalten und diese bestätigten meinen Eindruck. Das Militär ändert sich wenig, egal, welche Regierung an der Spitze steht.

Das Tolle an dem Sachbuch ist, dass man sich nicht nur mit der NVA auseinandersetzt, sondern auch einen Einblick in das alltägliche Leben eines Armeemitgliedes bekommt. Eine eigene Wohnung, eine kleine Familie, all das erlebt man aus dem Blickwinkel eines linientreuen Soldaten. Und so musste ich beim Lesen erschreckend feststellen, in wie viele Lebensbereiche die Partei eingegriffen hat.

Auch wenn Manfred Neumann zu Beginn zwar sagt, dass er persönlich, aber nicht rein subjektiv berichtet, so fehlte mir doch ab und an der kritische Blick auf damalige Aktionen. Der Autor stellt vor allem die Kamerad- und Freundschaft in den Vordergrund. Das ist zwar löblich, denn so zeigt er, dass die Armee auch menschliche Züge trägt, auf der anderen Seite hätte ich gern mehr Selbstkritik gelesen.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist locker, manchmal poetisch und für ein Sachbuch erfrischend anders. Es hat mir gut gefallen.

Fazit: ein persönlicher Einblick in die NVA. Lesenswert!

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