30. Oktober 2016

Smoky Barrett is back - Ein Abend mit Cody McFadyen




Hallo Ihr Lieben,

lange mussten wir auf den 5. Fall von Smoky Barrett warten. Die Meinungen zu ihrem, wie ich finde heftigsten Fall gehen weit auseinander. Ich habe ihn geliebt und als ich erfuhr, dass der Autor nach Berlin kommt, musste ich eine Karte haben. Ungeachtet dessen, dass ich an dem Abend eigentlich bei Sebastian Fitzek und seiner 10-Jahre-Fitzek-Jubiläumsshow gewesen wäre. Einen Gruß an die Verlage: DAS ist der Tod für einen Thrillerliebhaber. Zwei großartige Autoren an EINEM Abend in EINER Stadt. Doch da man bei Cody McFadyen leider nicht weiß, wie oft man noch die Gelegenheit bekommen wird, entschied ich mich für den Amerikaner. Fitzek wird es mir verzeihen.

Die Lesung fand im Kriminaltheater Berlin statt. Dieses wunderbare Theater durfte ich schon bei der Lesung von Martin Krist (den Bericht findet Ihr hier) kennenlernen. Pünktlich wie die Maurer war ich am Theater und wartete ungeduldig auf den Einlass.

Auch wenn manche es komisch finden, dass ich alleine unterwegs bin, ein gutes hat das Ganze: ich konnte mir einen Einzelplatz in der ersten Reihe sichern. Gespannt wie ein Flitzebogen saß ich dort und dann kam er, der Mann, der mir schon so manche schlaflose Nacht bereitet hat.


Durch den Abend führte Margaretee von Schwarzkopf, die auch die Lesung von Chris Carter (Bericht hier) klasse moderiert hatte. Für die Lesung der Übersetzung war Nina Petri zuständig, die mich vor allem durch ihre starke Lesestimme beeindruckt hat.

Cody Mcfadyen wirkte zurückhaltend, fast schüchtern und ich konnte nur schwer glauben, dass dieser Mann so grausame Verbrechen niederschreiben kann.

Die wichtigste Frage wurde direkt zu Beginn geklärt: warum dauerte es so lang, bis Smoky Barrett wieder ermitteln darf? Der Grund ist traurig und komplett nachvollziehbar. Codys Eltern wurden schwer krank und er pflegte sie in den letzten 5 Jahren. In dieser Zeit konnte er nicht schreiben, denn er wollte nicht, dass seine persönliche Familiengeschichte irgendwie Einfluss nimmt. Zudem hatte er verständlicherweise keinen Kopf für das Buch.


Der Autor lernte das Schreiben aus Büchern. Er hielt sich an die Empfehlungen von Jeffery Deaver und schreibt auch nach diesen Vorgaben. Während andere Autoren ihre Geschichte komplett durchplanen können, lässt sich Cody von seinen Figuren leiten.  Er recherchiert für seine beschriebenen Verbrechen in Büchern, würde allerdings nie so weit gehen, eine Obduktion oder die berühmte Body Farm in den USA zu besuchen. Diese Weigerung fand ich amüsant, denn er selbst zwingt seine Leser ja öfter in mitunter sehr eklige Situationen.

Insgesamt wirkte der Autor sehr ruhig, bodenständig und wüsste man nicht, was er schreibt, hätte man ihn auch für einen Versicherungsvertreter halten können.

Im Anschluss gab Cody Autogramme und man konnte Fotos machen. Beides habe ich ergattert und bin immer noch sehr stolz!


Ein Versprechen gab der Autor aber: jetzt wird wieder jedes Jahr ein neuer Fall von Smoky erscheinen. Ich freue mich sehr drauf!

28. Oktober 2016

Paket für Sie!

Das Paket
von Sebastian Fitzek
(368 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Emma Stein wurde brutal vergewaltigt. Seitdem traut sie sich nicht mehr aus dem Haus. Selbst Lebensmittel lässt sie sich liefern. Und so kann sie ihrem Postboten die Bitte, ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen, nicht abschlagen, auch wenn sie sich unwohl dabei fühlt. Aber was soll schon passieren? Ein Paket ist doch nur ein Paket. Oder?

„Das Paket“ ist mittlerweile der 13. Thriller aus der Feder von Sebastian Fitzek und auch mit seinem neusten Werk konnte er mich wieder restlos überzeugen. 10 Jahre als Autor haben Fitzek nicht nur reifen lassen, nein, er führt seine Leser auch immer wieder auf verschlungene Wege, bei denen selbst ein Kompass nicht mehr helfen kann.

Die Geschichte wird aus der Sicht eines auktorialen Erzählers berichtet. Dabei wechselt man immer wieder die Zeitschiene, die Fitzek mit „3 Wochen zuvor“ und „3 Wochen danach“ betitelt. Diese Wechsel werfen schon die ersten Fragen auf, über die ich nachgegrübelt habe. Der Großteil des Thrillers spielt jedoch in der Zeit „3 Wochen zuvor“ und bietet so viel Zündstoff, dass ich selbst an meiner Wahrnehmung gezweifelt habe. Klasse!

Der Autor erschafft mit Emma Stein eine Psychiaterin, die nach der Vergewaltigung mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Und diese Dämonen sind stark, fast übermächtigt. Emma verlässt nicht mehr das Haus, hat Panikattacken und erleidet Zusammenbrüche. Ich war beim Lesen so gefangen von ihrem Leiden, wollte sie manchmal einfach nur schütteln, bis sie wieder zu sich kommt und merkte im nächsten Moment, wie sehr dieser Wunsch doch GENAU dem klischeehaften Verhalten entspricht, welches sie beschrieb. Es war eines der wenigen Male, dass ich mich beim Lesen für meine eigenen Gedanken geschämt habe. Sebastian Fitzek zieht seine Leser in eine Welt aus Wahrheit, Lüge, Wahrnehmung, Realität und ich wusste zum Schluss selbst nicht mehr, wem ich noch trauen konnte. Grandios!

Zugegeben, im Verlauf der Story dachte ich „na, ob er da die Kurve noch bekommt?“. Denn der Autor balancierte nah an der Grenze zum Nerven mit seiner psychisch stark angeschlagenen Hauptfigur. Doch er packte die Balance und haut zum Finale hin einem nochmal direkt in die verwirrte Wahrnehmung. So MUSS ein Thriller sein. Und so kann es Fitzek!

Der Stil des Autors ist sehr gut und gewohnt flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, schonungslos und spielt mit den Erwartungen der Leser. So mancher Cliffhanger führt einen in die Irre. Und gerade, als man denkt, man hat ihn durchschaut, zeigt der Autor, warum er seit 10 Jahren erfolgreich ist.

Sebastian Fitzek spielt gern mit Emotionen. Das größte Geschenk macht er seinen Lesern aber mit einer verlängerten Ausgabe seiner Danksagung. Und da standen mir die Tränen in den Augen. Eine wunderbare Art und Weise, seinen Lesern Respekt zu zollen und Danke zu sagen.

Fazit: lasst dieses Paket nicht ungeöffnet! Fitzek at his best. Lesen!

27. Oktober 2016

Seine Waffe ist deine Angst


Wahllos
(Kathryn - Dance - Reihe Band 4)
von  Jeffery Deaver
(574 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

In einem Club im Süden der USA bricht eine Panik aus. Der Grund: ein Feuer in der Küche. 3 Menschen kommen in den Panik um, viele werden verletzt. Die Ermittlungen von Kathryn Dance ergeben jedoch schnell: ein Feuer gab es nicht, die Massenpanik war provoziert. Doch wer tut so etwas?

„Wahllos“ ist der 4. Fall für die Körperspracheanalytikerin Kathryn Dance und konnte mich erstmals nicht komplett überzeugen. Jeffery Deaver schickt seine Ermittlerin in einen eher ruhigen, als auch beklemmenden Fall, der mich aufgrund seiner stark zurückgenommenen Action nicht mitreißen konnte.

Die Story beginnt mit meinem Knall. Dance wird aufgrund eines Patzers vom Dienst suspendiert, degradiert in eine Abteilung, die sich um Versicherungsdetails und verspätet eingereichtes Pfand kümmert. Ein Tiefschlag für die toughe Ermittlerin. Dennoch kann Kathryn, der man aus der Sicht eines auktorialen Erzählers folgt, ihren alten Job nicht lassen und kniet sich in den Fall des Clubbrandes richtig hinein. Schnell wird klar: es war kein Zufall, dass es gebrannt hat. Und was noch schlimmer ist: der Täter ist noch lang nicht fertig.

Neben den Ermittlungen bekommt man auch einen Einblick in die Welt des Täters. Denn im Gegensatz zu vielen Thrillern stellt der Autor seinen Täter vor, lässt seine Leser tief in seine Gedankenwelt blicken und sogar die Verbrechen planen. Das hat mir sehr gut gefallen. Die Perspektive des Täters ist für mich sehr reizvoll, ohne dass dabei die spannenden Ermittlungen leiden müssen.

Die Figuren sind, wie von Deaver nicht anders gewohnt, vielschichtig und toll beschrieben. Gerade Kathryn Dance gewährt einen umfassenden Blick in ihr Privatleben, was mich begeistert hat. Ihre nahezu alltäglichen Probleme machen die Ermittlerin greifbar, realitätsnah und menschlich. Sie ist keine überzeichnete Starpolizistin, sondern kämpft mit der Pubertät ihrer Kinder, mit den Gefühlen für einen neuen Mann und Freunden gleichermaßen. Klasse!

Und dennoch: es fehlte mir an Spannung und Action. Ich kenne Jeffery Deaver mittlerweile seit über 11 Büchern und bisher hat er mich nicht enttäuscht. Dieses Mal lässt er es in meinen Augen zu langsam, zu bedacht und zu ruhig angehen. So wie Kathryn unter ihrer neuen Aufgabe leidet und versucht auszubrechen, so ging es mir auch beim Lesen. Ich wollte die Ermittler einfach nur anschreien, dass sie doch bitte Gas geben sollen, ich wollte dem Täter zurufen, dass er doch mal bitte ein blutigeres Verbrechen begehen soll. Deswegen ist der Roman nicht schlecht, er ist nur einfach ungewohnt still. Das behagte mir nicht.

Der Stil von Jeffery Deaver ist flüssig und sehr gut zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, detailgetreu und kann gefangen nehmen. So lob ich mir das!

Fazit: auch wenn es diesmal nicht meine Wahl war, so hat das Buch etwas. Dennoch kann ich es Fans nur eingeschränkt empfehlen.

22. Oktober 2016

Busfahren kann tatsächlich unwitzig sein

Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind
von Sina Pousset
(257 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Die Alternative zur Bahn heißt Fernbus. Wer bequem, günstig und gemütlich innerhalb Deutschlands und Europas reisen möchte, kommt um die grünen, großen Busse nicht mehr herum. So konnte auch Sina Pousset nicht widerstehen. Was ihr auf den vielen Fahrten quer durch Deutschland passierte, erzählt sie nun in „Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind“. Doch hält das Buch, was der Bus verspricht?

Ich selbst bin regelmäßig mit dem Bus unterwegs. Egal, ob von Süd nach Nord oder von Ost nach West, nachdem die Bahn und ich auf Kriegsfuß stehen, habe ich den Bus lieb gewonnen und ruckel durch die Bundesrepublik. Daher habe ich mich auch so sehr auf das Buch gefreut, denn ich erhoffte mir eine witzige, kurzweilige Lektüre. Bekommen habe ich ein für mich vollkommen unlustiges, klischeebeladenes und wenig unterhaltsames Werk.

Sina Pousset ist meist von München oder Berlin aus unterwegs. So wie sie ihre Reisen darstellt, scheint deine Busfahrt DAS Abenteuer schlechthin zu sein, übertroffen nur noch von einem Trip mit Indiana Jones. Sei es nun das Finden der richtigen Haltestelle, das Verstauen des Gepäcks oder das Überstehen der Fahrt. Ich fragte mich beim Lesen oft, ob sie und ich tatsächlich die gleichen Fernbusse nutzen oder ich bisher nie mit dem Survival-Bus unterwegs war.

Schon nach ein paar Kapiteln wurde für mich deutlich, dass das Abenteuerliche nicht am Fernbus, sondern am Unvermögen der Autorin liegt. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie man 3 Busse nacheinander verpassen kann, weil man sich auf das wacklige WLAN am Busbahnhof verlässt, statt einfach die mobilen Daten, die eine angehende Journalistin immer haben sollte, zu nutzen. Desweitern bleibt es mir unverständlich, wie man sich über das Verstauen von Gepäck seiner Mitfahrer lustig machen kann, wenn man selbst wie ein Lastesel in den Bus steigt. Sina Poussett führt bestimmte Menschen vor, belädt sie mit Klischees und Vorurteilen und merkt dabei nicht, dass sie genau so perfekt in ihre ach so witzigen Beschreibungen passt.

Desweiteren berichtet Sina Pousset gewollt witzig von Begebenheiten auf ihren Reisen, die mir so nie passiert sind. Das kann mein Glück sein oder einfach nur pure Übertreibung seitens der Autorin. Denn Übertreibung macht anschaulich. Klar, ich hatte auch schon die Schülertruppe im Bus, an meiner Schulter schlief ein Punker ein und ich teilte mir mit meinem Sitznachbar eine Steckdose. Das alles lief aber freundlich und offenherzig ab. Bei den Beschreibungen Poussets bekäme ich als Erstfahrerin sogar Angst. Denn wer will denn mit Flirtbiestern, knutschenden Pärchen und dem WC des Grauens unterwegs sein? Fast alle geschilderten Anekdoten kann ich trotz über 30 Fahrten nicht bestätigen, nicht mal im Ansatz. Glück? Zufall? Gewollt? Wer weiß.

Ich blätterte bald nur noch halbherzig durch die einzelnen Kapitel. Bei manchen Anekdoten grinste ich zwar, aber die Leselust war dahin. Sehr schade, denn das Thema ist bestimmt witzig.

Der Stil von Sina Pousset ist zwar gut zu lesen, die gewollte Spritzigkeit dringt aber aus jedem Satz. Als Kolumnen hätten ihre Anekdoten bestimmt einen durchschlagenden Erfolg bei mir gehabt, als gesamtes Buch war es mir zu erzwungen.

Fazit: leider habe ich kein Ticket für diese Sammlung. Schade!


20. Oktober 2016

Charisma schützt vor Strafe nicht!

Er liebt sie nicht
von Sharon Bolton
(480 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Hamish Wolfe sitzt wegen 4-fachen Mordes im Gefängnis. Der charismatische Arzt beteuert seine Unschuld und bittet die True-Crime-Autorin und Anwältin Maggie Rose um Unterstützung. Schließlich hat die junge Frau schon so manchen verurteilten Häftling aus dem Knast geholt. Doch Maggie Rose hat kein Interesse....vorerst...

„Er liebt sie nicht“ war mein erster Thriller von Sharon Bolton und hat mich umgehauen. Die Autorin schafft es mit einer leicht widerspenstigen Anwältin und einem sehr attraktivem Häftling eine so spannende Story zu erschaffen, dass ich mich über jede Lesepause geärgert habe.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Maggie Rose und ihren Recherchen, sondern sitzt ebenso mit Hamish Wolfe im Gefängnis oder ermittelt mit dem leitenden Detective Peter Weston, der alles daran setzt, Maggie Rose von der Übernahme des Falls Wolfe abzuhalten. Neben diesen Erzählsträngen darf man auch die Briefe Hamishs aus dem Gefängnis an seine unbekannte Liebste lesen sowie der Berichterstattung über das Gerichtsverfahren folgen. Was auf den ersten Blick verwirrend klingt, ist eine toll erdachte Mischung, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich eine Meinung über Hamish und seine Verbrechen zu bilden.

Zu Beginn und vor allem nach der Lektüre des Klappentextes hatte ich Befürchtungen, dass dieser Thriller in eine kitschige Liebesgeschichte a la Bad Boy meets Good Girl abdriftet. Dem war zum Glück nicht so. Maggie Rose ist eine toughe und direkte Juristin, die sich weder von der Polizei noch von den Schmeicheleien des Häftlings einlullen lässt. Das hat mir sehr gut gefallen, da sie somit eben nicht dem Klischee entspricht. Des weiteren fand ich es großartig, dass Sharon Bolton mit Hamish Wolfe zwar einen attraktiven männlichen Charakter erschaffen hat, diesen aber nicht ausschließlich über sein Aussehen definiert. Sowohl Maggie als auch Hamish sind starke Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, mit Fehlern und guten Seiten. Diese realitätsnahe und gleichzeitig spannende Darstellung hat mich von Seite 1 an in ihren Bann gezogen.

Die Story selbst ist fesselnd und zugleich leicht verwirrend. Die Autorin lässt ihre Leser lange im Unklaren, was wirklich vorgefallen ist, füttert sie lediglich mit kleinen Erkenntnishappen, um dann Seite für Seite so viel Nervenkitzel aufzubauen, dass man kaum aufhören kann zu lesen. Die Kapitel sind erfrischend kurz, so dass ich auch morgens auf dem Weg zur Arbeit zumindest ein wenig mehr über Maggie Rose erfahren konnte.

Das Finale hat sehr gut zum gesamten Thriller gepasst und mir den Atem geraubt. Ich hatte während der Lektüre so manche Idee, wie die Morde passiert sein können, doch DAS hatte ich nicht im Sinn. Großartig!

Der Stil von Sharon Bolton ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, ohne Umschweife und emotionsarm. Genau so muss ein Thriller sein, der es nicht wagt, in eine verschwurbelte Liebesgeschichte abzudriften.

Fazit: Auch wenn er sie nicht liebt, liebe ich diesen Roman. Eine klare Leseempfehlung.  

9. Oktober 2016

Oh schöne Castingwelt

Casting - Spiel ums Leben
von Yvonne Richter
(295 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Lovis lebt in einer Welt des Castings. Egal, ob es ums Essen, um Kleidung oder um eine Wohnung geht, für alles muss er sich gegen andere durchsetzen, Aufgaben erfüllen und vom Publikum geliebt werden. Mit Jo, einem kämpferischen Mädchen, findet er eine Verbündete gegen das System. Doch wie sollen sie gegen eine Welt des Wettkampfs ankommen?

„Casting – Spiel ums Leben“ von Yvonne Richter hat mich aufgrund seiner Thematik neugierig gemacht. In Zeiten, in denen auf jedem Sender gefühlt 10 Castingsshows zu allem möglichen und unmöglichen laufen, ist der Gedanke „Was wäre, wenn das ganze Leben ein einziges Casting ist?“ sehr verlockend und beängstigend. So gespannt ich auf das Werk war, so traurig habe ich es auch wieder zur Seite gelegt.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Man folgt hier aber zum Großteil Lovis und Jo auf ihrem Weg durch den komplett durchgecasteten Alltag. Gleich zu Beginn wirft die Autorin ihre Leser mitten in ein Casting, ohne dass man weiß, was los ist. Solche Einstiege liebe ich, da sie mich direkt mitreißen.

Oder mitreißen würden. Denn Yvonne Richter verwendet für ihr Buch eine sehr einfache, schon flache Sprache. Ja, das Buch ist für Jugendliche geschrieben, aber die Sprache ist schon kindhaft einfach. Zudem erfindet die Autorin für ihre Castingwelt eine Menge neue Begriffe. Manche davon sind kreativ, die meisten wirken auf mich aber wie das Fantasiegebrabbel von ABC-Schützen. Und das passte für mich gar nicht. Es störte meinen Lesefluss, ich konnte die wohl spannende Geschichte nicht verfolgen und ärgerte mich Seite um Seite immer mehr. Ich mag es sehr, wenn ein Autor kreativ ist und für seine Welt auch neue Wortschöpfungen erschafft. Dies nahm hier aber überhand und war zudem nicht mehr aus dem Kontext nachvollziehbar. So funktioniert es leider nicht.

Daher legte ich das Buch nach gut 80 Seiten zur Seite. Ich hätte gern gewusst, wie sich Lovis und Jo schlagen, wie sie ihre Träume umsetzen und wie die Castingwelt da mitzieht. Doch wenn die Sprache sich auf Grundschulniveau bewegt, kann ich einfach nicht genießen.

So bleibt als Fazit nur, dass die Idee klasse ist, die Umsetzung aber ein Graus. Sehr schade!


7. Oktober 2016

Wie ein Jäger schießen lernt...

American Assassin
(Mitch-Rapp-Reihe Band 0)
von Vince Flynn
(512 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Mitch Rapp ist jung und voller Groll. Bei dem Lockerbie-Anschlag kam seine große Liebe ums Leben. Seitdem kennt er nur ein Ziel: Terroristen jagen. Denn das ist seine Auffassung von Gerechtigkeit. Doch bevor er an die Bösen ran darf, muss er ein Training durchleben, das bisher wenige überstanden. Packt er es?

„American Asssassin“ ist das Prequel zur weltweit erfolgreichen Mitch-Rapp-Reihe von Vince Flynn und hat mir in weiten Teilen gut gefallen. Der Autor erschafft einen tollen Agentenroman, der leider auf den letzten 120 Seiten die Luft und Spannung verliert.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur der Hauptfigur Mitch Rapp und seinen Weg in das geheime Orion-Team, sondern umgibt sich auch mit Terroristen im Libanon und verhandelt mit Russen in Moskau. Vince Flynn zieht seine Leser tief in den Sumpf aus Korruption, Terroristenfinanzierung, Folter und Jagd. Das hat mir gut gefallen, zumal der Autor dabei den ein oder anderen sarkastischen Seitenhieb übrig hat.

Die Figuren, allen voran Mitch, wirken realitätsnah und menschlich. Gut, der ehemalige Collegestudent wird in den ersten Kapiteln schon fast übersteigert heldenhaft und großartig dargestellt, aber es passte in meinen Augen sehr gut zur gesamten Story. Auch die Bösen bekommen ihre Ecken und Kanten, was sie somit grau und nicht nur durchgängig böse-schwarz erscheinen lässt. Und obwohl man mit Mitch auf tödliche Mission geht, habe ich den jungen Mann direkt ins Herz geschlossen.

Die Story hat mich gerade zu Beginn in ihren Bann gezogen. Ich kroch mit Mitch durch Matsch, habe mit ihm den Verlust seiner großen Liebe verdaut und die erste Mission bestritten. Dies hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Agententhriller haben es mir in letzter Zeit sehr angetan und Vince Flynn scheint hier echtes Talent zu haben.

Nur leider geht dem Roman ca. 120 Seiten vor Schluss die Puste aus. Es wird immer verworrener, die Terroristennetzwerke werden immer größer, die Verkettungen immer dichter, so dass ich nicht mehr durch sah, wer jetzt wen wie warum folterte und betrog. Auch wenn ich für Verschwörungen immer zu haben bin, war mir das hier zu viel und auch zu unspannend heruntergerasselt. Gern hätte ich, und da bin ich wie Mitch, einfach die bösen Jungs gejagt, gestellt und kalt gemacht. Der Hintergrund ist mir wichtig, aber dafür muss er auch spannend sein. Das fehlte hier leider.

Und so verlasse ich Mitch bei seiner ersten Mission mit einem Magengrummeln. So sehr ich ihn mochte, so wenig sagte mir der späte Verlauf zu.

Der Stil von Vince Flynn ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist fesselnd, bildreich und er setzt die Details über Waffen, Tötungsmethoden und Co. geschickt ein.

Fazit: ein tolles Prequel, aber ich glaube, der Autor kann wesentlich mehr. Daher nur eine eingeschränkte Empfehlung.


5. Oktober 2016

Kontrolle.Macht.Tod - Der Job eines Privatdetektives [Blogtour]



Hallo Ihr Lieben,

heute stelle ich Euch im Rahmen unserer Blogtour zu Kontrolle.Macht.Tod von Klaus Schuker den Beruf des Privatdetektives vor. 

Illusion
Jeder von uns hat DAS Bild eines Privatdetektives im Kopf: ein schmuddeliges Büro, Zigarette im Mundwinkel, draußen schlägt der Regen die Fenster und der stattliche Herr sitzt mit Trenchcoat und Schlapphut am Schreibtisch. Da fliegt die Tür auf, eine blonde, verzweifelte Frau stürmt herein, fällt dem Detektiv in die Arme und berichtet atemlos von ihrem Fall.

(Quelle: n-tv)

Nachdem der Retter im Anzug den Fall angehört hat, macht er sich auf, der Frau in Not zu helfen. Dabei sind ihm alle Mittel recht inklusive Fäuste, Bestechung und Bedrohung. Doch wie ist es wirklich? Dürfen die Detektive heute Wild West spielen?


Die Realität
Die Wirklichkeit sieht da anders aus. Zunächst: Detektive genießen keinerlei Sonderrechte in Deutschland. Sie haben keine polizeilichen Befugnisse, sondern nur die Rechte, die auch ein normaler Bürger hat. Somit darf ein Detektiv zum Beispiel nur im Rahmen einer "Jedermannfestnahme" einen Verdächtigen festhalten. Und diese Art der Festnahme ist an strenge Richtlinien geknüpft: 

Gem. §127 der Strafprozessordnung (StPO) darf jeder Bürger eine tatverdächtige Person unter gewissen Umständen vorläufig festnehmen. 
Zum Beispiel, wenn eine Person auf frischer Tat ertappt wird, eine Fluchtgefahr besteht und die Identität der Person nicht ohne weiteres festgestellt werden konnte. (Zitat: Detektive online)

Und das muss beachtet werden, da man sich sonst selbst strafbar macht. Hier erkennt man schon, dass die Beauftragung eines Detektives nun nicht bedeutet, dass Indiana Jones persönlich für einen loszieht. Die Damen und Herren Ermittler bewegen sich durch die fehlenden Sonderrechte am Rande der Legalität, denn auch Durchsuchungen oder Befragungen, wie sie die Polizei vornimmt, dürfen sie nicht durchführen.

Wenn die beauftragte Detektei doch mit einem Verdächtigen spricht, ist die so, als ob sich 2 Privatpersonen austauschen. Einen Zwang zur Aussage oder gar das Recht zur Vorladung gibt es nicht.

Solltet Ihr überlegen, eine Detektei zu beauftragen, dann beachtet noch folgenden Fakt: es gibt keinerlei staatlich anerkannte Ausbildung zum Detektiv. Jeder, der sich einen Gewerbeschein besorgt, kann eine Detektei eröffnen und Aufträge annehmen. Ob die dann erfolgreich gelöst werden, steht auf einem anderen Blatt.

Was bleibt also zu sagen: Detektive können helfen, haben aber auch nur die Rechte, die jeder Bürger hat. Daher sperrt die Augen auf, wenn ihr Hilfe sucht.

3. Oktober 2016

Es gibt keine Menschlichkeit!

Die Stille vor dem Tod
(Smoky-Barrett-Reihe Band 5)
von Cody McFadyen
(480 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Smoky Barrett, mittlerweile hochschwanger, und ihr Team werden zu 3 Tatorten in Colorado gerufen. 3 Familien sind brutal ermordet und hergerichtet worden. Doch wer schlachtet 3 Familien inklusive ihrer Kinder ab und stellt sie aus? Ehe die Ermittler eine Antwort finden können, geschieht das Unfassbare: das Team wird überfallen, Smoky erpresst und die Täterin ist noch nicht mal 20. Immer mehr Brutalität bahnt sich ihren Weg und bald weiß keiner mehr im Team, wie es ist, wenn das Leben normal verläuft...

„Die Stille vor dem Tod“ ist der 5. Band der Smoky-Barrett-Reihe von Cody McFadyen und er hat mich aus den Socken gehauen. Jahrelang habe ich auf diese Fortsetzung gewartet und das Warten hat sich mehr als gelohnt. Mit jedem Band hat sich der Autor in Sachen Perfidität und Grausamkeit gesteigert. Band 5 ist sein bisheriger, psychologisch schon fast zerstörender Höhepunkt.

Die Geschichte wird, wie gewohnt, von Smoky Barrett direkt erzählt. Im 7. Monat schwanger, von den Umstrukturierungen im FBI noch gebeutelt, begibt sich sie mit ihrem gewohnten Team an 3 brutale Tatorte. Die Leichen wurden abgeschlachtet, drappiert und der Täter hat keinerlei Spuren hinterlassen. Bis hier hin scheint es ein Fall wie jeder andere zu werden, jedoch entwickelt sich schnell eine Spirale aus Gewalt, Grausamkeit und menschlichen Abgründen, die selbst die erfahrenen Ermittler in die Knie zwingt. Ich war erschrocken, gefesselt, fasziniert.

Und das passiert alles auf den ersten 100 Seiten. Cody McFadyen zwingt seine Leser noch tiefer mit ihm in die Abgründe des Menschseins hinabzusteigen. Jedoch darf man dies nicht selbstbestimmt auf einer Leiter, nein, man wird eine Treppe hinuntergestoßen ohne Halt oder auch nur Sicherheit unbeschadet unten anzukommen. Ich bin eine passionierte Thrillerleserin, die gern in solche Abgründe blickt, doch selbst ich musste bei diesem Werk öfter pausieren als ich dachte. Und das Grandiose: der Autor kann diese Erzähldichte und Spannung über den gesamten Thriller halten. Er zerstört erst alles, woran man als Leser geglaubt und gehangen haut, wird wieder aufgebaut, nur um dann zu merken, dass das alles nur der Beginn war.

Obwohl ich jahrelang auf dieses Buch warten musste, fühlte ich mich nach den ersten Seiten sofort wieder dem Team um Smoky verbunden. Cody McFadyen schreibt immer noch so lebhaft, bildgewaltig und detailliert, dass ich nicht anders konnte als zu lesen. Die Fakten, die Beschreibungen und die Geschehnisse konnte ich erst in Lesepausen wirklich erfassen. Und dann erwischten mich meine Reaktionen mit voller Wucht: ich hatte Angst, habe geweint und verlor den Glauben an die Menschheit. Zwischendurch kam mir sogar der Gedanke, was der Autor alles erlebt haben muss, um solche Komplexität an Grausamkeiten zu erschaffen.

Je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr konnte ich mich mit den Ermittlern auf das Verbrechen an sich fokussieren. Und hier schlägt Cody McFadyen seinen Lesern wieder ins Gesicht. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber er hat meine schlimmsten Befürchtungen sehr gut getroffen. Auch das Finale ist sehr gut herbeigeführt, logisch und passend zum gesamten Buch. Dennoch hat er etwas getan, was ich ihm sehr übel nehme: er lässt das Ende offen. So bereitet er den Weg für Band 6. Großartig, doch ich bin einfach neugierig, wie es weitergeht.

Der Stil von Cody McFadyen ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist bildgewaltig, teilweise tiefschürfend philosophisch und so detailliert, dass dennoch vieles der Fantasie des Lesers überlassen wird. Klasse!

Wichtig: es ist notwendig, dass man die Bände in chronologischer Reihenfolge liest. Denn sonst kann man die Entwicklungen nicht verfolgen.

Fazit: Smoky ist endlich wieder da. Wer die Vorgänger kennt, wird diesen hier lieben! Lesenswert.

1. Oktober 2016

SUB-Abbau extrem September oder Ach was versuche ich es überhaupt?


(Quelle: freepik.com)

Hallo Ihr Lieben,

der Herbst ist da, die Blätter fallen und mein SUB....nun der wächst wie die Blätterberge an den Straßenseiten. Voller Motivation bin ich in den Monat gestartet, hatte 2 Wochen Urlaub, wollte so richtig super lesen.....tja, und dann kamen da einfach neue Bücher.

Abbau: 6

Aufbau: 9

Macht ein insgesamtes Plus von 3 Büchern. Nicht wirklich dramatisch, aber ich wollte eigentlich abbauen. Tja nun....

So langsam mus ich mir auch platztechnisch was einfallen lassen, sonst liegen die nächsten ungelesenen Bücher in der Küche und im Badezimmer. DAS will selbst ich nicht.

Liebe Grüße
Eure Denise