7. Oktober 2016

Wie ein Jäger schießen lernt...

American Assassin
(Mitch-Rapp-Reihe Band 0)
von Vince Flynn
(512 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Mitch Rapp ist jung und voller Groll. Bei dem Lockerbie-Anschlag kam seine große Liebe ums Leben. Seitdem kennt er nur ein Ziel: Terroristen jagen. Denn das ist seine Auffassung von Gerechtigkeit. Doch bevor er an die Bösen ran darf, muss er ein Training durchleben, das bisher wenige überstanden. Packt er es?

„American Asssassin“ ist das Prequel zur weltweit erfolgreichen Mitch-Rapp-Reihe von Vince Flynn und hat mir in weiten Teilen gut gefallen. Der Autor erschafft einen tollen Agentenroman, der leider auf den letzten 120 Seiten die Luft und Spannung verliert.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur der Hauptfigur Mitch Rapp und seinen Weg in das geheime Orion-Team, sondern umgibt sich auch mit Terroristen im Libanon und verhandelt mit Russen in Moskau. Vince Flynn zieht seine Leser tief in den Sumpf aus Korruption, Terroristenfinanzierung, Folter und Jagd. Das hat mir gut gefallen, zumal der Autor dabei den ein oder anderen sarkastischen Seitenhieb übrig hat.

Die Figuren, allen voran Mitch, wirken realitätsnah und menschlich. Gut, der ehemalige Collegestudent wird in den ersten Kapiteln schon fast übersteigert heldenhaft und großartig dargestellt, aber es passte in meinen Augen sehr gut zur gesamten Story. Auch die Bösen bekommen ihre Ecken und Kanten, was sie somit grau und nicht nur durchgängig böse-schwarz erscheinen lässt. Und obwohl man mit Mitch auf tödliche Mission geht, habe ich den jungen Mann direkt ins Herz geschlossen.

Die Story hat mich gerade zu Beginn in ihren Bann gezogen. Ich kroch mit Mitch durch Matsch, habe mit ihm den Verlust seiner großen Liebe verdaut und die erste Mission bestritten. Dies hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Agententhriller haben es mir in letzter Zeit sehr angetan und Vince Flynn scheint hier echtes Talent zu haben.

Nur leider geht dem Roman ca. 120 Seiten vor Schluss die Puste aus. Es wird immer verworrener, die Terroristennetzwerke werden immer größer, die Verkettungen immer dichter, so dass ich nicht mehr durch sah, wer jetzt wen wie warum folterte und betrog. Auch wenn ich für Verschwörungen immer zu haben bin, war mir das hier zu viel und auch zu unspannend heruntergerasselt. Gern hätte ich, und da bin ich wie Mitch, einfach die bösen Jungs gejagt, gestellt und kalt gemacht. Der Hintergrund ist mir wichtig, aber dafür muss er auch spannend sein. Das fehlte hier leider.

Und so verlasse ich Mitch bei seiner ersten Mission mit einem Magengrummeln. So sehr ich ihn mochte, so wenig sagte mir der späte Verlauf zu.

Der Stil von Vince Flynn ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist fesselnd, bildreich und er setzt die Details über Waffen, Tötungsmethoden und Co. geschickt ein.

Fazit: ein tolles Prequel, aber ich glaube, der Autor kann wesentlich mehr. Daher nur eine eingeschränkte Empfehlung.


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