Donnerstag, 1. Dezember 2016

90 Stunden bis zum Ende der Welt

Das Auge Gottes
(Sigma-Force-Reihe Band 9)
von James Rollins
(544 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ein Forschungssatellit der NASA stürzt in der Monoglei ab. Nicht nur, dass dieses Gebiet nicht gerade als US-freundlich gilt, der Satellit hat auch noch hochgeheime Technik an Bord. Sigma Force wird mit der Bergung beauftragt. Und die muss schnell von statten gehen, denn der Eye of God genannte Satellit hat ein verstörendes Bild aufgenommen: eine komplett zerstörte Ostküste der USA. Zeitpunkt der Zerstörung? 90 Stunden in der Zukunft!

„Das Auge Gottes“ ist der 9. Fall für die Sigma Force und hat mich so manchen Nerv gekostet. James Rollins ist bekannt für Spannung gepaart mit Wissenschaft, doch dieses Mal tritt beides zugunsten einer Schnitzeljagd in den Hintergrund. Und das war nicht immer überzeugend.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man auf der einen Seite Gray und Kowalski, die auf der chinesischen Halbinsel gemeinsam mit Seichan nach deren Mutter suchen. Auf der anderen Seite sind Duncan und Monk gemeinsam mit einer Astrophysikerin und einem Priester unterwegs in die Mongolei, um nicht nur den Satelliten zu bergen, sondern auch einem uralten Rätsel auf den Grund zu gehen. Diese Mischung und die Perspektivenwechsel haben mir sehr gut gefallen. So kenne ich die Sigma Force und mag sie.

Jedoch hat James Rollins einen in meinen Augen fatalen Fehler begangen: er hat das größte und spannende Geheimnis direkt in den ersten Kapiteln gelüftet. Während man in den Vorgängern langsam auf das Unfassbare herangeführt wurde, haut der Autor es einem diesmal direkt mit dem Holzhammer um die Ohren. Sehr schade, denn so verpuffte der Effekt. Die Jagd nach dem Eye of God ist da leider nur eine bessere Schnitzeljagd mit schnellen Autos, Fliegern und viel Getöse. Jedoch konnte es mich nicht so mitziehen, wie ich es gewohnt bin. Schade.

Das Rätsel hingegen, um das sich der Priester Vigor kümmert, und dessen Ausmaß zu Beginn nicht absehbar war, hat mich begeistert. Ich fieberte mit der Forschertruppe mit, wollte die kleinen Rätsel lösen helfen und war fasziniert von der historischen Genauigkeit, die der Autor hier hat einfließen lassen. Und so hielt mich genau dieser Erzählstrang am Lesen.

Während ich an der ersten Hälfte des Buches fast verzweifelt bin, rieß mich der Thriller ab der Mitte wieder voll mit. Das Ende konnte mich ebenso überzeugen, auch wenn DER Rollins-Effekt gefehlt hat.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist geprägt von Details, wissenschaftlichen Hinweisen und Action. Eine für mich sehr gute Mischung.

Fazit: auch wenn ich am Ende zufrieden war, ist die Sigma Force diesmal nicht komplett überzeugend gewesen. Mit Einschränkung kann ich das Buch empfehlen.

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