Freitag, 29. Januar 2016

Ein perfider Thriller um Glaube und Blut

Totenprediger
(Red River City Band 1)
von Mark Roberts
(365 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Vor 7 Jahren hat DCI Eve Clay den Totenprediger Adrian White hinter Gittern gebracht. Seitdem hatte sie zu ihm auch keinen Kontakt mehr. Bis zu dem Moment, in dem sie einen besonders abartigen Fall übertragen bekommt: eine 6-köpfige Familie wird bestialisch ermordet. Eve und ihr Team versuchen, diese unfassbare Tat zu ergründen, als sich der Prediger meldet. Seine Nachricht: dies war nur der Anfang!

"Totenprediger" ist der Auftakt der Reihe um DCI Eve Clay und hat mich schwer beeindruckt. Mark Roberts hat mit diesem Thriller etwas geschafft, was bisher nur 2 Autoren überhaupt gepackt haben: er hat mich auf mehreren Ebenen verstört. Dafür zolle ich ihm großen Respekt.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Den Großteil der Zeit folgt man Eve und ihrem Team bei den Ermittlungen und den Versuchen die grausamen und mehr als brutalen Taten zu verstehen. Besonders DCI Clay steht hier im Mittelpunkt. Kapitelweise rückt auch der Totenprediger Adrian White in den Mittelpunkt. Und dessen Ansichten sowie Aussagen haben nicht nur die Figuren, sondern auch mich geängstigt. Was für eine Mischung.

Ich habe beim Lesen am Rande des Horrors getanzt, mit Fortschreiten der Story wurde mein Herz von einer dunklen Hand des Schattens umfasst und genau diese Hand drückte immer mehr zu. Ich war wie gebannt und hatte in den Lesepausen auf einmal Angst durch meine dunkle Wohnung zu gehen.

Die Figuren, die Mark Roberts erschaffen hat, haben von Beginn an eine ungewöhnliche Tiefe. Eve Clay als Hauptfigur ist weder abgewrackt noch stereotypisch, sondern nennt eine intakte Familie und ein gesundes Umfeld ihr Eigen. Das fand ich erfrischend und herausragend. Denn so konnte ich mich voll und ganz auf die Störung des Predigers einlassen. Und der wird vom Autor ebenso tief und facettenreich beschrieben wie die Guten. Sympathie konnte ich für ihn nicht aufbringen, doch das war auch nie in der Absicht von Mark Roberts. Er zeigte mit White die Abgründe der Menschheit und konnte damit sogar mich, die wirklich viel in diese Richtung liest, schocken.

Die Story selbst ist von Seite 1 an fesselnd und entwickelt einen Sog, den man sich nur schwer entziehen kann. Zu Beginn erinnerte das Szenario an "The Purge", doch je mehr ich gelesen habe, desto tiefer verstrickte ich mich in die wahnsinnigen Vorstellungen des Predigers, in die Ermittlungen von Clay und ihren Kollegen und bin am Ende einfach nur unfassbar glücklich, dass das Ende rund und passend ist, zugleich aber viele Gelegenheiten für die Fortsetzung bietet.

Der Stil von Mark Roberts ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, hat auf der anderen Seite aber was leicht mystisches, ohne ins Übersinnliche abzudriften. Ein Sog, dem ich nicht entkommen konnte.

Fazit: Wow! Ich kann es nicht anders sagen. Lesen!

Donnerstag, 28. Januar 2016

Die Lehren des Jonas

(Quelle: dotbooks)

Und Gott sprach: Es werde Jonas
von Sebastian Niedlich
(304 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Gestatten, Jonas, mittelmäßig erfolgreicher Autor und genervt aus Leidenschaft. Jonas' Leben läuft eher so mittelprächtig, aber immerhin hat er eine Freundin und ein Haus. Nun ja, eine Ex-Freundin, denn der gute Mann ignoriert seine Lena eher, als das er sie auf Händen trägt. Als sie auszieht, will er sie zurück. Und wird dabei von einer Kirchturmspitze tötlich getroffen. Ende der Geschichte? Mitnichten, denn Jonas kommt zurück. Und das Chaos beginnt...

"Und Gott sprach: Es werde Jonas" war mein erster Roman von Sebstian Niedlich und ich frage mich: warum? Der Autor zeigt auf humorvolle und bissige Art, wie unsere Welt mit einem neuen Messias, der keiner sein will, umgehen würde und wie viel Chaos Gott damit produziert. Herrlich!

Die Geschichte wird von niemand anderen als Gott höchstselbst erzählt. Ja, der Big Boss macht sich die Mühe und Freude, uns an dem Leben von Jonas teilhaben zu lassen. Und dabei zeigt sich: Gott hat Humor und ist nicht mit allem einverstanden, was so in seinem Namen passiert. Dabei lässts er Jonas, dessen besten Freund Markus, Mutter Gudrun und Ex (?)- Freundin Lena nicht aus den Augen und wir erfahren aus erster Hand, was es bedeutet, wenn man in einem Leichenschauhaus aufwacht und der Welt erklären muss, was man selbst nicht versteht. Einfach göttlich!


Die Figuren, allen voran Jonas, sind mit sehr viel Liebe zum Detail beschrieben und haben alle ihre Macken. Während der Auferstandene gern mit den Augen rollt, sieht sein bester Freund Schrägstrich Manager Markus bei allem das große Geld und Mutter Gudrun preist den Herrn, das es eine Freude ist. Ich habe alle Figuren ins Herz geschlossen, auch wenn ich gerade mit Jonas zu Beginn gehadert habe. Typisch Mann hat er so viel Einfühlungsvermögen wie eine Schnecke und sieht sich nur zu gern ungerecht behandelt. Doch mit jedem neuen Tag erkennt er mehr und mehr, was er an seinem Leben hat und was wichtig ist. Diese Wandlung war wunderbar und köstlich humorig zu lesen. Ich habe so manches Mal schallend losgelacht, was vor allem morgens in der S-Bahn für komische Blicke sorgte. Und immerhin sind die Berliner einiges gewohnt!


Die Geschichte selbst hat mich von Seite 1 gefangen genommen. Immerhin: man sollte schon zuhören, wenn der Erschaffer von Himmel und Erde spricht. Und das tut er mit so viel Witz, Charme und Ironie, dass ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen. Schlaf? Überbewertet! Und das Schöne: Sebastian Niedlich hat neben all dem Witz auch so manche ernste Botschaft, die überdeutlich herauskommt, ohne belehrend zu wirken. So passierte es, dass ich von schallendem Lachen zu vielen Tränen innerhalb weniger Kapitel wechselte. So muss ein Leseerlebnis sein.


Der Stil des Autors ist sehr gut und leicht zu lesen. Sebastian Niedlich erzählt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, direkt, mit Ironie und hat sogar Anspielungen für Nerds versteckt. Und wer besonders gut aufpasst, erkennt so manchen Seitenhieb auf den Film "Dogma".


Fazit: Und Gott sprach: Kauft das Buch! Genial! Lesen!

Montag, 25. Januar 2016

Ein Killer mit Gewissen

Tag Null
von Leif Tewes
(234 Seiten)

Eine Leseprobe und die Möglichkeit zum Kauf findet Ihr hier

Tom ist Scharfschütze und Auftragskiller. Emotionslos führt er die Tötungswünsche seiner Auftraggeber auf. Doch bei seinem aktuellen Job schießt er daneben. Das gab es noch nie. Tom muss sich nun nicht nur seinen Geldgebern stellen, sondern auch mit der inneren Frage nach dem Warum kämpfen und entdeckt dabei, dass sein Opfer viel mehr ist, als er zu Beginn dachte...

"Tag Null" war mein erster Thriller von Leif Tewes und er hat mir gefallen. Der Autor bringt seinen Lesern den Job eines Auftragskillers näher und lässt dabei zu, dass man Sympathie für den Schützen entwickelt. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Zunächst folgt man dabei Tom und seinen Recherchen, nachdem er den Fehlschuss abgegeben hat. Dabei wirkt der Killer so menschlich und sympathisch, dass ich ihm seine Morde schon fast verzeihen konnte. Im Verlauf lernt man dann die Ermittler Berg und Landers kennen, die sich mit den abgeschlossenen Aufträgen Toms befassen müssen und sein Beinahe-Opfer Paula beschützen. Diese Mischung gefiel mir gut, wobei ich lieber Tom gefolgt bin, als mit den beiden Polizisten zu ermitteln.

Das lag auch daran, dass die Ermittler mitnichten nur in der Gegenwart aktiv waren. Leif Tewes springt ohne Vorwarnung in die Vergangenheit, in den Kosovo-Krieg, ja sogar in die Ausbildungszeit von Berg und Tom. Diese Zeitsprünge sind unangekündigt und daher für mich zunächst verwirrend gewesen. Denn sie finden einfach so im Erzählfluss statt. Hier hätte ich eine klarere Struktur gut gefunden. Dies hätte auch das Lesen vereinfacht.

Die Geschichte an sich ist spannend erzählt. Wenn man sich erstmal in den Zeiten zurecht gefunden hat, erfährt man so einiges über den Balkan und das damalige Entscheidungen bis heute nachwirken. Erstaunlich fand ich, dass der Autor sich bei Tom sehr viel Zeit für die Charakterisierung genommen hat, während die Ermittler fast zu Nebenrollen degradiert werden. Ich fand das erfrischend anders und toll. Denn damit schaffte Tewes etwas, was selten ist: ich fand den Bösen toll und sympathisch und fieberte mit, dass er nicht gefasst wird.

Der Stil von Leif Tewes ist sehr gut zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt und wirkt so, als ob der Protagonist einem gegenüber sitzt und aus seinen Ermittlungen beziehungweise seinen Plänen erzählt. Toll!

Fazit: keine Nullnummer. Ich kann den Thriller trotz Kritikpunkt empfehlen.


Danke an FHL-Verlag
und
für das Buch!

Sonntag, 24. Januar 2016

Der Keller für den Rest deines Lebens

Die unterirdische Sonne
von Friedrich Ani
(334 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier

5 Jugendliche, ein Keller und eine Anweisung: sprich nie über das, was du oben erlebst. An diese Vorgabe halten sich die Mädchen und Jungen auch, bis Noah zu ihnen stößt. Denn Noah sind die Regeln egal. Wie gefährlich ist eine Neugierde?

"Die unterirdische Sonne" war mein erster Roman von Friedrich Ani und lässt mich zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite fängt der Autor außergewöhnlich gut die Beklemmung im Keller ein, auf der anderen Seite ist eine Story nicht wirklich existent.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet, wobei dieser nicht sonderlich zuverlässig ist. Denn er passt sich den Gedanken der Jugendlichen stark an, nimmt ihre Sprache und somit auch ihren sehr laxen Erzählstil an. So kommen einem die Umstände zwar beängstigend nah, auf der anderen Seite schwirrte mir gerade zu Beginn der Kopf, da ich innerhalb kürzester Zeit allen Jugendlichen zugehört habe und ihren Gedanken folgen konnte. Hier musste ich mich wirklich konzentrieren, was an sich nicht schlecht ist, mir hier aber Durchhaltevermögen abverlangte, da die Sprache sehr einfach und geradezu primitiv gehalten wurde.

Die Figuren blieben mir während der Lektüre fern. Zwar ist ihr Schicksal beängstigend, jedoch erfährt man als Leser eben so wenig über die Taten oberhalb des Kellers wie die anderen Mitgefangenen. Auch wirken die Jugendlichen nicht individuell, sondern alle gleichermaßen verstört und verwirrt. Zwar kommt so die wirklich bedrückende Stimmung im Keller und die Wirkung einer Entführung sehr gut rüber, jedoch war mir im Verlauf des Buches das Schicksal der Gruppe egal, denn keiner der Charaktere hat mich berührt.

Die Story selbst ist sehr eigen. Denn man verbringt einfach nur Zeit im Keller. Es werden immer wieder Jugendliche rausgeführt und zurückgebracht. Ihr teilweise sehr abstruses Verhalten stellt Friedrich Ani verstörend gut dar. Aber einen roten Faden konnte ich nicht entdecken. Jedes Kapitel ist ähnlich, es gibt keine "Highlights" oder Twists. Und das Ende, auf das ich setzte, war für mich nicht nachvollziehbar und auch nicht logisch erklärbar.

Ich war bei der kompletten Lektüre wankelmütig. Mal wollte ich abbrechen, 2 Seiten später hatte mich ein Satz so in den Bann gezogen, dass ich weiterlesen musste. Dies war für mich eine vollkommen neue Leseerfahrung. Insgesamt lässt mich der Roman aber unbefriedigt zurück.

Der Stil von Friedrich Ani gut, wenn auch nicht immer flüssig zu lesen. Seine Erzählweise orientiert sich extrem an der einfachen Ausdrucksweise seiner Protagonisten, zeigt auf der anderen Seite aber auch eine Tiefe, die mich umgehauen hat.

Fazit: puh, ich kann nicht mal eine Empfehlung geben. Und das ist mir noch nie passiert!

Samstag, 23. Januar 2016

Die beste Krankheit taugt nichts

Die sieben Tode des Max Leif
von Juliane Käppler
(366 Seiten)

Eine Leserprobe findet Ihr hier

Max Leif ist Anfang 40, Inhaber des Labels LeifMusic und könnte mit sich und seinem Leben zufrieden sein. Ist er aber nicht! Sein bester Freund ist unerwartet verstorben, Max musste den gemeinsam geplanten Urlaub allein verbringen und hat auf dem Rückflug so ein komisches Gefühl im Magen. Was kann das sein? Nach seinem Herzinfarkt ist der Produzent sehr vorsichtig. Und sich sicher: er muss sterben! Bald! Was ist also wirklich noch wichtig?

"Die sieben Tode des Max Leif" war mein erster Roman von Juliane Käppler und er hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin erzählt mit Charme und Ironie die Lebensgeschichte eines Musikproduzenten, der vor lauter Geld und sorgenfreiem Leben gar nicht mehr weiß, wohin mit sich. Und so entscheidet Max: er ist krank! PUNKT!

Die Geschichte wird dabei von Max Leif höchstselbst erzählt. Jemand anders könnte seine Leiden auch nicht gebührend einfangen. Und so begleitet man als Leser den Leif live dabei, wie er sich durch die Welt der Symptome googlet, gut 5 Mal seine Beerdigung plant, sein komplettes Leben über den Haufen wirft und dabei auch noch ein Geheimnis hütet. Seine Umwelt bedenkt er dabei mit wahlweise sarkastischen und tiefsinnigen Kommentaren. Ich habe vor allem bei den Wortduellen mit der russischen Putzfrau Jekaterina Poljakow schallend gelacht und musste sehr grinsen, als sich Dobermann Hannibal mit der Ex Claudia anlegte. Max' Leben ist so bunt und dabei schon herrlich absurd, dass ich bei jedem neuen Kapitel schon vorab gelächelt habe.

Dabei sind die Figuren keineswegs überzeichnet oder überspitzt. Ich konnte so gut wie jede Handlung irgendwo nachvollziehen, auch wenn es Max zum Ende hin auf die Spitze treibt. Aber dennoch bleibt Juliane Käppler sehr nah am wahren Leben dran und gestaltet jede ihrer Figuren liebevoll, ohne sie dabei der Lächerlichkeit preiszugeben. Das fand ich großartig und erfrischend.

Die Story selbst ist locker-flockig, hat aber auch ernste Untertöne. Für Max hält das umgeworfene Leben so viel parat, dass selbst ich ab und an durchatmen musste. Dennoch wollte ich unbedingt wissen, was der Produzent, der sein erfolgreiches Label für einen Euro hergibt, mit seiner vielen Zeit anfängt. Und das Schöne: es gibt keine vor Schmalz triefende und rosa Herzchen aussstoßende Liebesgeschichte. Davor hatte ich zugegebener Maßen etwas Angst, doch die Autorin zeigt, dass man coole Geschichten mit ein wenig Prickeln erzählen kann, ohne dem Tutu-Wahn zu verfallen. Klasse!

Der Stil von Juliane Käppler ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist locker, ironisch, auch mal sarkastisch, dabei aber nie gezwungen witzig. Es passt einfach zu Max!

Fazit: Leif is alive, irgendwie. Lesen!

Mittwoch, 20. Januar 2016

Killerjagd? Eher Killer-Fangespiel

(Quelle: Lübbe)
Killerjagd
von Christine Drews
(336 Seiten)

Eine Leseprobe und die Möglichkeit zur Bestellung findet Ihr hier

In London wird ein ehemaliger MI6-Agent ermordert. In seinem eigenen Haus und ohne Kampfspuren. Die Profilerin Rachel Hyatt steht vor einem Rätsel: wieso hat sich der betagte, aber keineswegs wehrlose Agent nicht gewehrt? Der Mord scheint zudem nicht der erste des Killers gewesen zu sein. Hyatt und ihr Team begeben sich auf die Jagd nach einem Täter, der tiefer in die Machenschaften des MI6 steckt, als sie ahnen.

"Killerjagd" war mein erster Thriller von Christine Drews und lässt mich zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite versteht die Autorin es wirklich eine Geschichte zu erzählen, auf der anderen Seite waren mir zu schnell zu viele Dinge sonnenklar und ausgesprochen, so dass ich keine Spannung mehr empfinden konnte.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl den Ermittlungen von Rachel Hyatt und dem Scotland Yard als auch dem Killer bei seinen Taten. Normalerweise finde ich solch eine Mischung sehr anziehend und auch fesselnd. Hier war es aber so, dass der Täter seit dem ersten Kapitel namentlich bekannt war und auch der Verdacht, den Hyatt heckte, sich sehr früh bestätigte. Von Jagd konnte hier dann keine Rede mehr sein.

Die Figuren sind britisch kühl, aber keineswegs uncharmant. Hyatt und ihr Partner Bob kabbeln sich während der Ermittlungen, die Kollegen verhalten sich herrlich menschlich inklusive einem nicht wirklich gut durchdachten Mittagessen und auch der Killer wirkt, obwohl er grausam und präzise tötet, irgendwo menschlich und realitätsnah. Christine Drews haucht ihren Charakteren auf eine tolle und eindringliche Art Leben ein. Das fand ich toll.

Die Story ist auch durchaus lesenswert, hat aber wenig mit einem Thriller zu tun. Ich würde das Buch eher als Krimi einordnen. Von Beginn an sind dem Leser Täter, Opfer und Ermittler bekannt. Was an sich dennoch spannend sein könnte, entpuppt sich in diesem Fall als Stimmungskiller. Ich fand die Ermittlungen kaum interessant, da Hyatt schon früh erkannte, wer der Täter ist und die Schleifen, die sie und ihr Team dann gezogen haben, in meinen Augen völlig unnötig gewesen sind. Ich konnte mich mit den Nachforschungen nicht identifizieren und verstand nicht, warum man nicht der besten Spur nachging, sondern zig Nebenstränge verfolgte. Daher war für mich das Lesen auch nicht von Spannung, sondern eher von lakonischen AHA-Momenten geprägt. Zu wenig!

Der Stil von Christine Drews ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist britisch distanziert, aber dennoch an den richtigen Stellen detailreich.

Fazit: keine Killerjagd, sondern ein Killerfangespiel. Für mich zu wenig.

Ein Dankeschön für das Buch geht an
und



Montag, 18. Januar 2016

Du hast aber tolle Füße...

Fußabschneider
(Goldmann - Brandner-Reihe Band 2)
von Timo Leibig
(298 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier


Die Ermittler Leonore Goldmann und Walter Brandner atmen gerade noch nach ihrem letzten Fall durch, da müssen sie schon wieder ran: in den Auen wird eine weibliche Leiche gefunden, das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerschunden und eines Fußes beraubt. Spuren gibt es keine, dafür müssen sich die beiden der bitteren Wahrheit stellen: die tote Frau war nicht das erste Opfer. Doch wer amputiert Füße und wirft seine Opfer dann wie Müll weg?

"Fußabschneider" ist der zweite Fall für Goldmann und Brandner und Timo Leibig gönnt den Beiden auch keine Ruhe. Dabei treibt der Autor die Ermittler und seine Leser in die Abgründe der menschlichen Psyche. Genial!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Neben den Ermittlungen darf man als Leser auch einen Blick in den "Alltag" des Täters werfen. Und das hat mir so manchen Schauer über den Rücken gejagt. Timo Leibig versteht es, die Psyche des Täters offen zu legen, verständlich zu machen und so gut darzustellen, dass ich nun etwas Bedenken habe, wenn mir ein Mann Komplimente für mein Schuhwerk macht.

Leonore und Walter sind mir schon im ersten Teil sehr sympathisch gewesen, auch weil sie so menschlich sind. Im zweiten Band gewährt der Autor noch tiefere Einblicke in das Privatleben, zeigt, dass die beiden gestandenen Kommissare auch die Nerven verlieren können und scheut sich auch nicht, die beiden Fehler machen zu lassen. Dabei geht es mitnichten um Fehler, die total dämlich sind, sondern um Fehler, die einfach jeder von uns machen würde. Und genau das macht das Gespann so realitätsnah und liebenswert. Ich habe mit Brandner und Goldmann ermittelt, geflucht und an der Welt gezweifelt.

Die Story selbst ist von Seite 1 an spannend und böse. Ich bin gestandene Thriller-Leserin und harte Kost gewohnt, aber Timo Leibig trieb auch mich an die Grenzen. Und das ist positiv gemeint. Ich mag abartige Charaktere und er hat einen erschaffen, bei dem ich öfter das Gesicht verzogen habe. Daher warne ich auch: dieser Thriller ist nichts für zarte Gemüter!

Das Ende ist sehr gelungen und hat mich vollkommen unvorbereitet getroffen. Ich habe vor Wut und Trauer geheult, habe den Autoren in Gedanken A*schloch geschimpft und bis zur letzten Seite fieberhaft gelesen. Diese Kombination gibt es bei mir sehr selten. Umso schöner, dass Timo Leibig sie mir entlockt hat. Chapeau!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Timos Erzählweise ist rasant, blutig detailreich und entwickelt eine Sogwirkung. Ich habe das Buch an einem Abend...na gut innerhalb einer Nacht ausgelesen. Das sagt alles!


Fazit: gebt Acht, wenn Ihr Komplimente für Euer Schuhwerk bekommt. Eine klare Leseempfehlung!

Sonntag, 17. Januar 2016

Wie viel sind dir deine Ideale wert?

(Quelle: epubli)

Der Lauf der Zeit
von Friedrich von Bonin
(296 Seiten)

Eine Leseprobe und die Möglichkeit zum Kauf findet Ihr hier

Bruno von Halcan ist ein erfolgreicher Anwalt, verheiratet und könnte nicht glücklicher sein. Und doch verlässt ihn von einem Tag auf den anderen seine Frau Margarete. Warum? Darüber sinniert der Anwalt tränenreich und reist in Gedanken zurück in die Zeit, als er Margarete kennenlernte, er noch Werte hatte und gegen das System kämpfte.

"Der Lauf der Zeit" ist mein erster Roman von Friedrich von Bonin gewesen und hat mir gefallen. Der Autor lässt durch die Erinnerungen seiner Hauptfigur die Zeit der 60er und 70er wieder aufleben und entführt seine Leser in ein Studentenleben voller Ideale.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Den Großteil des Romans begleitet man Bruno sowohl in seiner Kindheit bis hin zu seinem gut situierten Anwaltleben. In kurzen Kapiteln lernt man auch das Leben von Margarete sowie den Brunos Freunden Heinrich und Albert kennen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch klar auf dem Werdegang Brunos, was mir gut gefallen hat. Denn dadurch konnte ich in die Nachkriegszeit, die 68er und sogar in den beginnenden Aktienboom eintauchen. Toll!

Die Figuren sind dabei mit Liebe zum Detail und vielschichtig ausgearbeitet. Auch wenn so mancher Charakter nur einen kurzen Auftritt hat, vermag Friedrich von Bonin ihnen dennoch Leben und Kanten einzuhauchen. Das fand ich sehr gut. Ich kann nicht sagen, dass mir eine Figure direkt ans Herz gewachsen wäre, jedoch hatten alle Charaktere gute wie schlechte Seiten, was ich sehr schätze.

Die Story selbst ist ruhig und was für Lesestunden vor dem Kamin. Ich fand die Entwicklung des Anwalts spannend. Während er in der Jugendzeit gegen das kapitalistische System war und sogar über eine gewaltsame Revolution sinnierte, kämpft er später als Anwalt vor allem für die Reichen und verdient mit Aktienspekulationen eine goldene Nase. Diese doch sehr konträre Entwicklung fand ich interessant. Jedoch: es fehlte mir der Spannungsbogen. Zwar ist das Leben des Anwalts durchaus lesenwert, aber nach über der Hälfte fragte ich mich, ob da noch was käme. So bleibt der Roman bis zum Schluss ein Blick auf das Leben eines Mannes, der sich Idealen verschrieben und selbige verraten hatte. Für mich persönlich zu wenig.

Der Stil Friedrich von Bonins ist gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise wirkt beruhigend, so als ob man an einem kalten Abend mit einem guten Freund zusammensitzt und dieser einen Schlag aus seiner Jugend berichtet.

Fazit: der Lauf der Zeit ist an mir vorbeigelaufen, jedoch kann ich den Roman gerade Liebhabern ruhigere Familiengeschichten empfehlen.

Ich danke epubli
und
für das Exemplar!

Samstag, 16. Januar 2016

Spooks erklärt Momox



Hallo Ihr Lieben,

Weihnachten und Silvester sind rum, es geht wieder in den Alltag. Und weil das Wetter so schön warm war, haben Denise und ich Frühjahrsputz der buchigen Art gemacht. Ihr wollt wissen, was dabei raus gekommen ist? Dann schnell weiterlesen!

Mittwoch, 13. Januar 2016

Bibelcodejagd mal anders

Der unaufhaltsame Lauf der Dinge
von Lars F. Martensen und Bernhard Faber
(513 Seiten)



Johann Georg Forster, Georg gerufen, hat sich in New York niedergelassen. In der Post findet er ein leeres Notizbuch. Der Absender: sein ehemals bester Freund Paul. In Gedanken versunken schreibt Georg seine Geschichte auf. Und die hat es in sich, forschte er doch mal am Bibelcode, wurde von seinem Professor verstoßen und musste ein ums andere Mal seinen Ruf retten. Ach ja, und der Geheimdienst hat auch noch Interesse an ihm...

"Der unaufhaltsame Lauf der Dinge" ist das Gemeinschaftsprojekt von Lars F. Martensen und Bernhard Faber und hat mir gut gefallen. Die Autoren nehmen sich dem beliebten Thema Bibelcode und Weltverschwörung an, beleuchten dies aber von der kritischen, nicht von der gläubigen Seite. Toll!

Die Geschichte wird von Georg höchstselbst erzählt. Dabei erzählt der Absolvent aber nicht chronologisch, sondern taucht immer wieder tief in seine Erinnerungen ab. Hier muss man als Leser sehr aufmerksam sein, denn sonst weiß man nicht mehr, in welchem Jahrzehnt man sich befindet. Beim Lesen erinnerte mich das an das Konzept von "Inception". Die Erinnerungen in den Erinnerungen sind für mich eine gut durchdachte Erzählweise. Auch wenn ich ab und an zurückblättern musste, um mich zu vergewissern, in welchem Jahr ich nun war. Da rächte sich meine Unaufmerksamkeit.

Die Hauptfigur Georg ist mir sympathisch gewesen, auch wenn der Mann zur puren Selbstüberschätzung neigt. Denn er hält sich selbst für mehr als intelligent und sieht sich als Geschenk an die Universitätswelt. Das Tolle ist aber, dass er regelmäßig mit der Realität konfrontiert wird. Sein ab und an tollpatschiger Umgang damit machte ihn für mich menschlich und glaubwürdig.

Die Story selbst ist toll, wenn auch ab und an ausschweifend geschrieben. Aufgrund des Klappentextes hatte ich einen Verschwörungsroman erwartet. Den habe ich auch bekommen, wenn auch anders als ich vermutet hatte. Denn die beiden Autoren haben mit Georg und seinen Freunden keine Forscher erschaffen, die ihre Entdeckungen gegen die bösen Mächte verteidigen müssen. Nein, die Studenten beziehungsweise Militärangehörigen nähern sich mit Skepsis und Bodenständigkeit dem Bibelcode. Georg forscht sogar an der Widerlegung des Codes. Das hat mir gefallen, denn das war erfrischend anders. Endlich mal keine "Ritter", die auf der Flucht die halbe Welt in Schutt und Asche legen, sondern normale und bodenständige Studenten, die das tun, was der Realität entspricht: forschen und immer skeptisch bleiben. Toll!

Und so war es auch angenehm, dass der Roman immer wieder Zeit zum Luftholen bot. Man bekommt einen tiefen Einblick in Georgs Leben und wieso er zu dem geworden ist, der er in New York am Ende ist. Der Schluß hat mich dann schlucken lassen, passte aber sehr gut zur gesamten Story und bildet ein sehr gutes Finale.

Der Stil von Martensen und Faber ist gut und flüssig zu lesen. Die Erzählweise ist hintergründig, offenbart an den richtigen Stellen Humor und bleibt dabei auf dem Teppich. Super!

Fazit: Ein Verschwörungsroman der anderen Art. Ich kann ihn empfehlen.

Sonntag, 10. Januar 2016

Nimm lieber die Treppe!

(Quelle: dotbooks)
Schweigepflicht
von Markus Heitz
(83 Seiten)

Mehr findet Ihr bei Hugendubel

Isgar leidet an Klaustrophobie. In engen Räumen bekommt er Panik. Seine Therapeutin will wissen, warum. Isgar berichtet und zieht sie damit in eine Horrornacht in einem Lift voller Blut, Tod und Ekel.

"Schweigepflicht" ist eine Kurzgeschichte von Markus Heitz und lässt keinen Zweifel daran, dass der Autor sich im Horrorgenre zu Hause fühlt. Auf wenigen Seiten lässt Markus Heitz seinen Lesern das Blut in den Adern gefrieren.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Während das erste Kapitel geradezu langweilig ruhig verläuft, startet man ab Kapitel 2 in eine Horrornacht der blutigen Art. So in das Geschehen geworfen, war ich sehr froh, das ebook bei Tag gelesen zu haben. Denn Markus Heitz spart weder an Blut, noch an Details oder wirklichem Horror.

Dabei schaffte er es, dass ich mit der Hauptfigur Isgar sehr schnell mitfiebern und -zittern konnte. Es ist erstaunlich, wie man so viel Angst auf einem beengten Raum wie einem Fahrstuhllift erzeugen kann. Ich war mit den Figuren erstaunt, verängstigt, wütend und am Ende einfach nur noch geschockt. 

Manche Szenen erinnerten mich an den Film "The Cube", der mir regelmäßig Gänsehaut und Durch-die-Fingern-Schauen beschert. Dennoch erschafft Markus Heitz ein ganz eigenes Horrorszenario, bei dem ich am Ende sicher bin: ich nehme künftig nur noch die Treppe!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Markus Heitz erzählt plastisch, detailreich und so genial, dass er mich auf den wenigen Seiten um den Verstand gebracht hat.

Fazit: liebe Leute, lauft Treppe! Und lest unbedingt, warum!

Samstag, 9. Januar 2016

Dem Tod von der Schippe springen

Dornenmädchen
von Karen Rose
(878 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Die Therapeutin Faith Frye arbeitet mit Sexualstraftätern. Und einer hat es auf sie abgesehen. Mehrmals schon versuchte Peter Combs Faith zu töten. Kurzentschlossen ändert die Therapeutin ihren Namen, ihren Wohnort und bricht alle alten Kontakte ab. An ihrem neuen Wohnort, dem Haus ihrer Großmutter, will sie ein neues Leben beginnen. Und ahnt nicht, dass der Stalker ihr weiter auf den Fersen ist...

"Dornenmädchen" ist der neuste Thriller von Karen Rose und konnte mich wieder begeistern. Die Autorin erschafft in Cincinnati eine Mischung aus Familiensaga, Stalking und grausamen Verbrechen, die mich in Schach gehalten hat.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man kapitelweise Faith in ihr neues Leben, dem FBI-Agenten Deacon Novak bei seinen Ermittlungen und auch der Täter wird nicht außer Acht gelassen. Genau dieser Mix hat es mir von Beginn an angetan.

Faith und später Deacon sind mir dabei direkt ans Herz gewachsen. Die Therapeutin hat keinen leichten Job, denn sie arbeitet mit Sexualstraftätern, die vor allem Kinder missbraucht haben und dies auch wieder tun werden. Dessen ist sich auch Faith bewusst. Sie ist auch nicht der Meinung, dass man diese Täter therapieren kann, ihr Hauptaugenmerk liegt bei den Opfern. Das fand ich eine großartige Eigenschaft, denn sie zeigt, wie selbstkritisch und realistisch Karen Rose ihre Figuren angelegt hat. Auch Deacon ist, trotz seines heldenhaften Aussehens, keineswegs der unbesiegbare Agent. Und genau deswegen hat er sich in mein Herz geschlichen.

Nach den ersten 200 Seiten dachte ich, ich kenne sowohl Täter als auch Opfer und es ginge nur rein um das Fangen. Doch ein paar Kapitel später war gar nichts mehr klar. Karen Rose hat mich komplett verwirrt, in ihr Labyrinth geführt und mich dann mit wenigen Infos stehen lassen. Ich war geflasht und sauer auf mich. Wie konnte ich nicht erkennen, was die Autorin vor hatte? Hier zeigte sich für mich wieder die große Klasse von Karen Rose. Hut ab!

Die Story selbst hat mich von Beginn an gefangen genommen. Spannend und detailreich erzählt die Autorin über das Schicksal von Faith, über eine Menge Tote und hat mich mit so manchen Szenen zum Weinen gebracht. Die sich anbahnende Romanze hat Karen Rose mit Fingerspitzengefühl und dem richtigen Augenmaß in das Gesamtwerk einfließen lassen. Die romantischen Szenen passten in den Kontext und wirkten dadurch natürlich und gefühlvoll. Bei der Lektüre sollte man jedoch sehr aufmerksam sein, denn im Verlauf kommen so viele Personen hinzu, dass ich mir ab und an ein Register gewünscht habe. Nichtsdestotrotz war ich voll dabei und konnte das Buch abends nur schwer weglegen.

Das Ende war logisch herbeigeführt, wenn auch manche Details offene Fragen hinterlassen haben. Insgesamt war ich aber mit dem Finale sehr zufrieden und freue mich drauf, Deacon und Faith bald wieder begleiten zu können.

Der Stil von Karen Rose ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise besticht durch eine tolle Mischung aus blutigen Details, Fingerspitzengefühl und dem Blick fürs Wesentliche. Toll!

Fazit: eine Geschichte, in der so viel mehr als nur Mord steckt. Eine klare Empfehlung!

Montag, 4. Januar 2016

Wie hoch ist der SUB? oder Im Frühtau zu Berge


Hallo Ihr Lieben,

ein Jahr ist vorbei und es wurde mal wieder Zeit, den SUB zu zählen. Anfang 2015 lag er ja bei 184 Büchern oder, wie ich sagte, bei 2 Katzen Höhe. 

Anfang 2016 ist das ein wenig anders. Zur Einstimmung zeige ich Euch meinen SUB mal im ausgeräumten Zustand:


Wie man eventuell sehen kann, konnte ich ihn nicht mehr in Katzen ausmessen. Zum Einen hat der Kater (im unteren Bild) recht deutlich gemacht, was er davon hielt, zum Anderen verdeckt der SUB die Katzen eh. Nun, machen wir es kurz und schmerzlos, mein SUB beträgt:

324

So, jetzt ist es raus! Ist ja auch nur ein dezenter Anstieg, nech? *nervös kicher* In diesem Jahr habe ich schon mit dem Abbau begonnen. Und ja ich weiß, dass Feiertage waren ;) 

Ein Ziel will ich mir eigentlich nicht setzen. Ging ja 2015 grandios daneben. Durch meine Challenges hoffe ich, dass sich was am SUB tut.

Ich trinke jetzt noch nen Schnaps auf den Schreck!

Liebe Grüße
Eure Denise


Sonntag, 3. Januar 2016

Wenn du den General hast, aber den Soldaten brauchst

Farbenblind
von Colby Marshall
(432 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier

In einem großen Freizeitpark passiert der Horror: zwei Amokläufer schießen wild um sich. Einer wird ohne Widerstand von der Polizei verhaftet, der andere ist flüchtig. Der Täter will jedoch nur mit einer reden: Dr. Jenna Ramey. Die forensische Psychiaterin hat eine besondere Gabe, die sich Farbsynästhesie nennt. In bestimmten Situationen tauchen vor ihren Augen Farben auf, die sie mit bestimmten Gefühlen verbindet. Wird ihr das helfen, den zweiten Schützen zu finden?

"Farbenblind" war mein erster Thriller von Colby Marshall und ich bin sehr zufrieden. Die Autorin erschafft mit dem Auftakt zu einer Reihe um die Psychiaterin Jenna Ramey eine Hauptfigur, die durch ihre Gabe nicht immer nur Vorteile hat. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler geschildert. Dabei folgt man aber nicht nur Jenna, sondern bekommt auch einen genauen Einblick in die Welt des Täters Isaac Keaton und erfährt zu dem etwas über die Opfer des Amoklaufes. Die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Geschehen sowie die schnellen Wechsel haben mir sehr gut gefallen. Endlich mal wieder ein Thriller, der sich wie ein Actionfilm liest.

Zugegeben, zu Beginn hatte ich Bedenken, ob die Farbsynästhesie von Dr. Ramey nicht zu sehr ausgeschlachtet, in den Vordergrund gerückt wird oder gar ins mysthische abdriftet. Doch die Sorge war unbegründet. Colby Marshall fügt die Gabe sehr gut in die Geschichte ein und nutzt sie als Denkanstöße für Jenna und ihr Team. Mehr nicht. Das fand ich toll.

Jenna Ramey ist mir sympathisch, wenn auch nicht ohne Ecken und Kanten. Die Psychiaterin hat mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen, die im Verlauf des Buches immer mehr ans Licht kommt. Dabei hat sich die Autorin mal nicht an Alkohol oder gewalttätigen Ehemännern aufgehalten, sondern ging einen Schritt weiter. Für mich als passionierte Thriller-Leserin eine tolle Abwechslung. Jenna ist zielstrebig, auch wenn ich sie ab und an für ihre übereilten Entscheidungen schlagen wollte.

Die Story selbst hat mich von Beginn an gefesselt. Der Amoklauf findet in einem sehr bekannten Freizeitpark statt, auch wenn die Autorin den Namen nicht verwendet. Da ich dort selbst schon ein paar Mal zu Besuch war, ist mir gleich zu Beginn schon anders geworden. Im hohen Tempo jagt man dann die Täter, folgt einem verzweifelten Vater und muss sich mit einem narzisstischen Soziopathen auseinandersetzen. Die Geschichte ist rund, lässt aber bei genauem Hinsehen Detailfragen offen. Mich hat das beim Lesen nicht gestört, ich hoffe aber, dass der Folgeband mehr Antworten liefert.

Das Ende war dramatisch und passend zur gesamten Handlung. Colby Marshall lässt genug Raum für eine Fortsetzung, der Fall an sich ist aber abgeschlossen.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, unkompliziert und ohne Schnörkel. Blutige Details gibt es kaum. Die Jagd auf die Täter hat einfach hohe Priorität.

Fazit: bei dem Buch kann man fast blind zugreifen!

Freitag, 1. Januar 2016

Du liebst mich!!

Du bist mein Tod
von Claire Kendal
(368 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Clarissa durchlebt den Alptraum schlechthin: sie hat einen Stalker. Rafe, ein Kollege ihrer Uni, kann seit einer gemeinsamen Nacht nicht mehr von ihr lassen, überhäuft sie mit Geschenken und Anrufen. Für die junge Frau ist es unerträglich, während ihr Umfeld die Gesten als süß einstuft. Wie weit wird Rafe gehen?

"Du bist mein Tod" ist das Debüt von Claire Kendal und konnte mich überzeugen. Die Autorin greift ein Thema auf, das von vielen noch immer unterschätzt wird und setzt es beängstigend gut in Szene.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Zum Einen schildert Clarissa selbst ihren Alltag, spricht ihren Stalker direkt an und zeigt somit dem Leser, welchen Situationen sie ausgesetzt ist. Zum anderen berichtet ein auktorialer Erzähler über die Geschehnisse bei Gericht, denn Clarissa muss Geschworenendienst leisten. In dem verhandelten Fall geht es um Vergewaltigung, Entführung und die Geschworene muss schnell feststellen, dass es nicht immer um Wahrheit, sondern um Glaubwürdigkeit geht. Die Perspektiven wechseln sich innerhalb der Kapitel ab, werden aber durch wechselnde Schriftarten gut getrennt. Diese Mischung hat mir sehr gut gefallen, denn so konnte ich zwar eine Beziehung zu Clarissa aufbauen, aber auch neutral beobachten, wie sehr Rafe ihr zusetzt.

Die Autorin hat die Figur der Clarissa toll ausgearbeitet. Zu Beginn extrem eingeschüchtert, hatte ich sofort Mitgefühl mit ihr. Je weiter der Roman fortschritt, desto mehr besinnt sich die junge Frau darauf, was sie selbst tun kann. Hilfe bekommt sie in Form von Broschüren zur Selbsthilfe und ihrer eigenen Überzeugung. Dabei mutiert sie nicht zur Superheldin, sondern handelt realitätsnah und nachvollziehbar. Das hat mir gut gefallen. Auch Rafe, der für mich mehr als unsympathisch ist, ist tiefgründig dargestellt. Er wird nicht als komplett Irrer dargestellt, sondern ängstigt durch seine unterschwelligen Drohungen, die dem Opfer zusetzen, für eine Anzeige aber zu wenig Substanz haben. Gruselig und spannend zugleich!

Die Story an sich hat mich von Seite 1 an gefangen gehalten. Claire Kendal liefert einen Thriller ab, der nicht durch Blut oder rasende Gewalt, sondern durch unterschwellige Drohungen und beängstigende Situationen besticht. Zum Ende hin hatte ich kurz die Befürchtung, dass die Spannung verpufft, aber dann zeigte die Autorin, was sie kann und legt ein wirklich runden Schluß vor. Toll!

Der Stil von Claire Kendal ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu einer gejagten Frau, ist aber nie gehetzt oder holprig.

Fazit: ein tolles Debüt mit einem mehr als Angst machenden Thema. Lesen!