Montag, 25. April 2016

Wenn dein Leben vor deinen Augen verschwindet

Ausradiert
von Martin S. Burkhardt
(320 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Moritz arbeitet als Kameramann beim Fernsehen, ist glücklich liiert und eigentlich ein ganz normaler Typ. Bis er eines Abends entdeckt, dass sein Name im Abspann einer Reportage fehlt. Ein Missgeschick, denkt er sich und marschiert am nächsten Morgen in die Produktion. Doch dort erkennt ihn niemand. Noch total verwirrt fährt er zu seiner Freundin, die ihn direkt an der Tür abweist mit dem Hinweis, was er sich denn als Fremder einbilde. Was ist da los?

„Ausradiert“ war mein erster Roman von Martin S. Burkhardt und lässt mich zwiegespalten zurück. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir irre schwer, der Protagonist ist ein kleiner Choleriker, aber die Spannung nach der Einführung hat mich weiterlesen lassen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man aber nur Moritz und dessen Erkenntnis, dass ihn auf einmal keiner mehr kennt. Von einem Tag auf den anderen verliert er sein komplettes soziales Leben, seinen Job und wird auch noch von einer Erscheinung heimgesucht, die ihn an den Kragen will. Diese Idee fand ich herausragend und auch interessant. Denn ich stellte mir beim Lesen selbst die Frage: was würde ich tun, wenn mich auf einmal niemand mehr kennt?

Jedoch macht es Martin S. Burkhardt es seinen Leser mit Moritz echt nicht einfach. Denn die Hauptfigur ist weder entspannt noch rational vorgehend. Klar, wie könnte man das auch, wenn einem die eigene Existenz abhanden kommt? Jedoch reagiert Moritz teilweise so unsympathisch, dass ich nicht mit ihm gefühlt, sondern eher gehässig gedacht habe, dass ihm das mal ganz recht geschieht. Zudem hat der Protagonist einen Hang zu Alkohol, der für mich zu oberflächlich in den Roman eingebaut wurde. Hier hätte ich mehr Tiefe bei der Charakterisierung toll gefunden, denn so bleibt Moritz für mich einfach ein unsympathischer, zum Trinken neigender Sturkopf.

Das und auch der schwierige Einstieg machten es mir schwer durchzuhalten. Ab der Mitte wurde ich mit einer gut durchdachten, ab und an grusligen und spannenden Story belohnt. Bis dahin war der Weg jedoch steinig und ich stand an so mancher Seite davor das Buch in die Ecke zu feuern. Am Ende bin ich froh, es nicht getan zu haben. Denn Martin S. Burkhardt konnte mich mit klugen Winkelzügen und einer guten Geschichte überzeugen. Toll!

Der Stil des Autors ist gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt und wirkte ab und an so, als ob er direkt neben mir sitzt und mir die Geschichte schildert. Eine tolle Mischung.

Fazit: Ausradiert macht es dem Leser erst nicht einfach und belohnt ihn dann. Daher kann ich das Buch nur Lesern empfehlen, die gern mal fighten!

Freitag, 22. April 2016

Steampunk meets Fantasywelt


(Quelle: Tanja Meurer)
Die Seelenlosen
(Die Stadt der Maschinenmagie Band 1)
von Tanja Meurer
(704 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Gwenal ist ein Kriegsveteran. Gebeutelt von seinen Erfahrungen erhoft er sich ein ruhiges Leben als Kommandant der Garnison. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, als sich vor den Augen des Kommandanten ein Händler in eine seelenlose Kreatur verwandelt und wenig später ein Mord geschieht. Wer steckt dahinter?

"Die Seelenlosen" ist Band 1 der Maschinenmagie-Reihe von Tanja Meurer und hat mich begeistert. Mit viel Liebe zum Detail und dem richtigen Auge für Kämpfe konnte sie mich in ihren Bann ziehen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet. Dabei kämpft man nicht  nur mit Gwenal, sondern geht auch zum Beispiel mit dem Dieb Jaleel auf Diebestour. Tanja Meurer bringt nach und nach mehr Figuren ins Spiel, wirft den Leser in eine komplette Fantasywelt inklusive Gilden, Magie und Adel und verstrickt ihn dabei noch in einen Mord. Diese Menge an Informationen machten es mir zu Beginn schwer, überhaupt in den Roman zu finden. Doch je mehr ich las, desto mehr versank ich.

Die Figuren sind detailreich und -genau beschrieben, haben jeder seine Schatten- und Sonnenseiten und ich konnte mich in ihre Handlungen hineindenken. Die Gruppe um Gwenal ist nach dem typischen Fantasyquerschnitt aufgebaut, den ich persönlich auch aus MMORG-Spielen kenne. Und obwohl somit ein Klischee bedient wird, sind die Charaktere an sich liebenswert und haben sich in mein Herz geschlichen.

Die Story baut auf Detailverliebtheit. Das hat mir gerade den Einstieg etwas schwierig gemacht. Daher kann ich nur empfehlen, sich gerade für die ersten 150 bis 200 Seiten wirklich Zeit zu  nehmen und sie in einem Rutsch zu lesen. Je weiter der Roman voranschritt, desto mehr ließ er mich nicht mehr los und das Ende war für mich der Ausruf eines Aaaargh! Denn der Cliffhanger ist echt fies und verführt dazu, dass man am liebsten Band 2 sofort verschlingen möchte.

Der Stil von Tanja Meurer ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, mit einem Auge für Zusammenhänge und große Welten und sie hat etwas an sich, was zum Lesen animiert. Toll!

Fazit: Steampunk und Fantasy gepaart mit Mord. Ein tolles Buch!


Montag, 18. April 2016

Interview mit Peter v. Brett


Hallo Ihr Lieben,

ich hatte das große Glück, den Fantasy-Bestseller-Autor Peter v. Brett in Berlin zu treffen und zu interviewen. Was ich ihn gefragt habe und wie er sich zum Beispiel merkt, wer wo wie in seiner Welt agiert, erfahrt Ihr hier.

Hi Guys,

it was a big pleasure to meet and to interview  bestselling author Peter v. Brett in Berlin. What my questions were and how he recognize, who did what where in his world, can you read here.

Sonntag, 17. April 2016

Schönheit als Wurzel allen Übels


Das Mona-Lisa-Virus
von Tibor Rode
(462 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Auf der Reise in ein Trainingscamp in Mexiko werden die schönsten Mädchen der USA entführt. Die Aufregung ist groß und wandelt sich in Entsetzen, als die erste Schönheitskönigin freigelassen wird: komplett entstellt, mit starken chirurgischen Veränderungen am Körper und gleich einem Bild von Picasso. Das FBI ermittelt und muss sich bald noch zwei weiteren Gefahren stellen: überall auf der Welt sterben Bienen und ein Computervirus zerstört jedes Bild, das es finden kann. Wer steckt dahinter?

„Das Mona-Lisa-Virus“ war mein erster Thriller von Tibor Rode und hat mich gut unterhalten. Mehr aber auch nicht. Leider, denn die Grundidee ist super. Jedoch gibt es im Verlauf einige Punkte, die mir als leidenschaftliche Thrillerleserin aufgestoßen sind.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur dem FBI bei seinen Ermittlungen in Mexiko, sondern beschäftigt sich auch mit dem Bienensterben, dem Virus, reist nach Europa und schaut sowohl dem FBI als auch der Neuroästhetikerin Helen Morgan, deren Tochter verschwunden ist, über die Schulter. Die Perspektiven und Handlungsorte wechseln gerade zu Beginn sehr schnell, was mich persönlich begeistert hat. Ich mag es sehr, wenn es mehrere Handlungsstränge gibt, die im Laufe des Buches zusammengeführt werden. Und obwohl die Orte und Personen zügig wechseln, hatte ich kein Problem, der Story zu folgen. Super!

Die Figuren sind gut, wenn auch nicht tiefgründig ausgearbeitet. Hier nähert sich Tibor Rode seinen amerikanischen Kollegen an. Von den Charakteren, insbesondere von Helen Morgan und dem FBI-Agent Millner, erfährt man nur gerade so viel, wie es notwendig ist. Das fand ich schade, denn der Thriller bietet genug Raum um die Protagonisten ausführlich vorzustellen. So jedoch bekommt man nur Happen aus der Vergangenheit, was es mir in manchen Situationen schwierig machte, die Handlungen der Figuren nachzuvollziehen.

Die Story ist geradlinig und fesselnd erzählt, wenn auch nicht immer realitätsnah oder logisch. So wirft der Autor seine Leser in Situationen, die zwar für die Dramatik gut sind, jedoch im weiteren Verlauf kaum noch Beachtung finden. Hier wäre weniger mehr gewesen. Denn so wäre auch der Schrecken, den die einzelnen Aktionen auslösen sollten, größer gewesen. Da Tibor Rode aber viele Ereignisse kurz anreißt, ohne sie zu vertiefen, bleiben sie blass. Schade!

Auch so manche Entscheidung des FBI ist weit entfernt von der Realität, wenn auch gut für die Dramatik. Jedoch hätte ich mir in dem Punkt einfach mehr Nähe zum wahren Leben gewünscht. Oder eine bessere Erklärung, warum wieso weshalb so gehandelt wird. Hier waren mir die Hintergründe zu flach.

Das Finale ist passend für das Buch, für mich allerdings zu stark verkürzt. Tibor Rode führt die Spitze des Thrillers sehr gut herbei und lässt sie dann verpuffen. So erfährt man so manches erst im Rückblick, wo ich persönlich gern „live“ dabei gewesen wäre.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, schnell und er geht nur dann ins Detail, wenn es nötig ist. So flogen die Seiten nur so dahin.

Fazit: eine super Grundidee, die in der Ausführung teilweise verreckt. Eher Mittelmaß als das Maß aller Dinge.




Dienstag, 12. April 2016

Wenn du Angst vor deinem Kind hast

Der Psychopath
von Bram Dehouck
(222 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Chris und Charlotte sind die Eltern des kleinen Sam. Während Charlotte ihren Sohn heiß und innig liebt, misstraut Chris seinem eigen Fleisch und Blut immer mehr. Denn Sam verhält sich nicht wie andere Kinder. Er wirkt bösartig, unempathisch und nachdem er seine Katze bei lebendigem Leib aufgeschnitten hat, ist für seinen Vater eines klar: Sie haben einen Psychopathen zum Sohn. Und Chris hat nur eine radikale Lösung dafür...

„Der Psychopath“ ist mein erstes Werk von Bram Dehouck und hat mich beeindruckt. Obwohl der Thriller mit etwas über 200 Seiten eher an eine Kurzgeschichte erinnert, hat mich die Story gepackt und auch nach dem Ende nicht losgelassen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei wird man als Leser direkt ins Finale geworfen, denn man folgt Mutter Charlotte auf die Polizeiwache, auf der sie deutlich klar macht, dass Chris seinen eigenen Sohn töten will. Die Hintergründe und warum es überhaupt so weit kommen konnte, dröselt Bram Dehouck in den folgenden Kapiteln auf. Neben der Gegenwart erfährt man so auch, wie Chris überhaupt auf den Gedanken kommt, dass sein Sohn ein Psychopath ist, wie sich der Alltag der kleinen Familie gestaltet und dass auch Chris in seiner Kindheit nicht immer das erleben konnte, was ein Kind eigentlich benötigt. Diese Mischung hat mir sehr gut gefallen und mich auch direkt gefangen genommen.

Bram Dehouck fässt mit seinem Buch ein Thema an, welches brandheiß ist und die Meinungen spaltet: kann ein Kind bereits psychopathische Züge tragen und was kann man als Eltern dagegen tun bzw. wie kann man seinem Sprößling helfen? In ähnlicher Weise hat dies auch schon Lionel Shriver in seinem Buch „Wir müssen über Kevin reden“ thematisiert. Doch während dort vor allem das Leiden der Mutter NACH den Taten ihres Sohnes gezeigt wird, befasst sich Bram Dehouck mit einem kleinen Ausschnitt aus dem Leben Sams und der Verzweiflung seines Vaters. Das für mich doch heftige beim Lesen war: ich konnte Chris verstehen. Ich konnte seine Gedankengänge und seine schwerwiegende Entscheidung durchaus nachvollziehen. Das hat mich selbst erschrocken. Dennoch lässt es der Autor nicht aus, auch die Gegenseite in Form von Charlotte zu zeigen. Die Mutter von Sam versucht dem Thema emotional beizukommen, gibt ihrem Sohn Liebe und Geborgenheit und tut alles, damit Chris mit seinen düsteren Gedanken ihrem Sproß nicht zu nahe kommt. Diese Widersprüchlichkeit der Eltern hat der Autor wunderbar und eindringlich dargestellt.

Die gesamte Geschichte über darf man sich als Leser gar nicht sicher sein, wer von beiden nun Recht hat. Denn sobald ich mich für eine Seite entschieden hatte, beschrieb Bram Dehouck eine Begebenheit,die mich wieder ins Schwanken brachte. Und so zog mir das Finale vollends den Boden unter den Füßen weg. Nach dem letzten Satz dachte ich nur: „Das kannst du doch jetzt nicht machen!“ Chapeau!

Der Stil von Bram Dehouck ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, fast emotionslos und er führt seine Leser von einer in die nächste Falle. Dabei erhebt er aber nicht den moralischen Zeigefinger, sondern lässt jeden selbst entscheiden, wie er mit den Begebenheiten umgeht.

Fazit: „Der Psychopath“ ist kurz, aber eindringlich. Ich kann ihn sehr empfehlen!

Montag, 11. April 2016

In den Bergen lauert das Grauen

(Quelle: www.randomhouse.de)

Die mir den Tod wünschen
von Michael Koryta
(480 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Jace ist ein normaler Junge. Bis zu dem Tag, an dem er einen Mord beobachtet. Die Mörder sind hinter ihm her und es bleibt keine andere Möglichkeit, als ihn in Sicherheit zu bringen. Da seine Eltern den normalen Schutzprogrammen nicht trauen, kommt Jace kurzerhand in die Obhut von Ethan Serbin, einem Survival-Trainer in den Bergen des Yellowstone-Parks. Dass dort erst recht das Grauen lauert, ahnt niemand...

„Die mir den Tod wünschen“ ist mein erstes Buch von Michael Koryta und hat mich von Seite 1 an gepackt. Der Autor, der von Stephen King empfohlen wird, erzählt eine ungewöhnliche Geschichte, denn hier stehen nicht die Ermittlungen im Vordergrund, sondern einzig das Überleben des einzigen Zeugen. 

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Zu Beginn folgt man Jace und seiner mehr als erschreckenden Beobachtung. Im Laufe des Romans begleitet man dann Ethan und seine Frau, die sich im Sommer um straffällige Jugendliche kümmern und ihnen in der Wildnis Verantwortung beibringen. Doch am meisten haben mich die Brüder Blackwell fasziniert. Die beiden sind die Mörder, die Jace beobachtet hat, und haben eine so kalte wie glatte Attitüde an sich, dass es mir kalt den Rücken runtergelaufen ist. Michael Koryta erschafft mit dieser Mischung an Figuren einen Thriller, der seine Leser gefangen nimmt, wo man es gar nicht denkt. Während der Beginn zwar ein Knalleffekt war, kommt der Roman danach zur Ruhe um dann mit voller Wucht zuzuschlagen. So muss Spannung sein.

Die Figuren, die der Autor erschaffen hat, sind größtenteils glaubwürdig und realtiätsnah. Die Handlungen, gerade von Jace und auch Ethan, sind großartig beschrieben und ich konnte mich richtig in die Situationen hineinversetzen. Lediglich Ethans Frau Allison agiert teilweise so unglaubwürdig, dass ich laut aufgelacht habe. Zugegeben, für die Geschichte war es förderlich und auch wichtig, jedoch hätte ich mir hier vom Autor mehr Augenmaß gewünscht. Der Spannung tat es aber keinen Abbruch.

Die Story selbst nahm mich von Beginn an mit. Jace junges Leben, das so schnell vorbei zu sein scheint, hat mich mitgerissen und auch seine Erfahrungen in der Wildnis, Ethans Anleitungen und die Gespräche der Brüder haben mich die Zeit vergessen lassen und die Seiten flogen nur so dahin. Das Finale ist zwar hollywoodmäßig geraten, passt aber zum gesamten Thriller. Ich habe sogar an einer Stelle Tränen verdrückt, an der ich hätte jubeln müssen. Michael Koryta hat es definitiv geschafft, mir jede Figur nah zu bringen.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist rasant, aber nicht hetzend, und durch den Einbau von Überlebenstricks wirkt alles glaubwürdig. Toll!

Fazit: ein Debüt in den Bergen, das mir die Haare zu selbigen hochstehen ließ. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Sonntag, 10. April 2016

Sklaverei in Deutschland

Götter
von Will Hofmann
(444 Seiten)


Weitere Informationen findet Ihr hier

Deutschland in der Zukunft: in 4 voneinander getrennten Reservaten werden Männer und Frauen als Sklaven unter widrigsten Bedingungen gehalten, kaum mit Bildung, dafür mit Angst versorgt. Agnes gelingt die Flucht aus einem dieser Reservate. In den Wäldern schlägt sie sich durch. Bis sie auf Gunther trifft. Sie muss erkennen, dass es nicht nur Frauen auf der Welt gibt. Welche Geheimnisse gibt es noch?

„Götter“ war mein erster Roman von Will Hofmann und hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Die Idee zum Buch klang sehr spannend, jedoch ist die Umsetzung in weiten Teilen nicht so mitreißend, wie ich es erhofft hatte.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei bekommt man sowohl einen Einblick in das Leben in den Reservaten als auch in das scheinbar normale Leben außerhalb. Interessant dabei war für mich, dass in den Reservaten die Zeit stehen geblieben scheint. So sprechen und agieren die Gefangenen wie im Mittelalter, werden von den Göttern mit ungenügender Bildung versorgt und bekommen von einem für uns normalen Alltag überhaupt nichts mit. Das hat mich fasziniert und auch erschrocken zurückgelassen. Denn Will Hofmann zeigt hier mit einem guten Blick auf, wie schnell und heftig Macht missbraucht werden kann.

Mit den Figuren, vor allem mit Agnes und Gunther wurde ich leider so gar nicht warm. Durch ihre doch starke Weltfremdheit blieben sie mir emotional fremd und ich konnte mich nicht mit ihnen identifizieren. Auch der fehlende Bildungsgrad und die damit einhergehende Kindlichkeit waren für mich Punkte, die zwar die Charaktere glaubhaft machten, für mich aber eine große Anstrengung beim Lesen darstellten. Hier hätte ich mir etwas mehr Lockerheit gewünscht, auch wenn dadurch ein Teil der Glaubwürdigkeit flöten gegangen wäre.

Die Story an sich ist gut und überzeugend erzählt. In den einzelnen Kapiteln wechselt man immer wieder zwischen verschiedenen Begebenheiten in und außerhalb des Reservates, was mir sehr gut gefallen hat. Der Verlauf des Romans hätte für mich an manchen Stellen kompakter und somit spannender sein können. Insgesamt ist das Werk von Will Hofmann zwar gut zu lesen, aber nichts, was mich komplett in den Bann gezogen hat.

Der Stil des Autors ist gut zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, schnörkellos und seinen Figuren angepasst. So berichtet er in einfachen Worten, wenn der Leser Agnes begleitet und wechselt seinen Stil, wenn man wieder in der „normalen“ Welt ist.

Fazit: Die Götter haben mich nicht vollends überzeugt. Schade!

Samstag, 9. April 2016

Sei dein eigener Held!

(Quelle: L.C.Frey)



Hallo Ihr Lieben,

kennt Ihr das auch? Ihr lest ein Buch, die Hauptfigur tut etwas total blödes und Ihr wollt am liebsten "NEEEEEIN tu es nicht du ?&§/%$" brüllen? Oder ins Buch springen und dem Protagonisten mal gehörig die Meinung geigen? Ihm am liebsten zeigen, wie man es richtig macht? Nun....hier kommt Eure Chance.

Autor L.C. Frey hat unter Interaktiv 2 interaktive Geschichten online gestellt. Was bedeutet das? Nun, hier bestimmt der Leser bis zu einem gewissen Grad selbst, wie die Geschichte sich entwickelt. Dazu gehört aber auch, dass man auf eventuell total dusslige Weise stirbt. So ist es mir beim ersten Lesen von "Abgesang" gegangen. Auch wenn ich dachte, ich bin ganz schlau, bin ich direkt gestorben ohne je den ersten Raum verlassen zu haben. 

Das kommt Euch bekannt vor? Nun, ich lasse da mal Sheldon sprechen

Denn genau so geht Ihr vor. Jede Aktion von Euch lenkt die Geschichte in eine andere, neue Richtung. Und wer nicht unbedingt auf Horror steht, kann sich auch in eine Fantasywelt begeben. 

Also los!
Für Horror geht es hier lang. Für Fantasy klickt Ihr einfach hier

Das Tolle ist, dass man diese Geschichten auch zwischendrin auf dem Smartphone lesen und somit spielen kann. Wer also mal im Zug lieber Horror liest als im Alltag sieht: Handy raus und los gehts!

Ich wünsche Euch mega viel Spaß!
Eure Denise

Donnerstag, 7. April 2016

Einmal das Tagesmenü mit Geiselnahme, bitte!

Fürchte Dich
von J.S. Carol
(336 Seiten)


Mehr Informationen findet Ihr hier

J.J. Johnson kommt dann, wenn deine Karriere zu scheitern droht. In L.A. führt sie eine erfolgreiche PR-Agentur und hilft Promis nach einem Skandal wieder auf die Beine zu kommen. So auch Alex King, einen jungen aufstrebenden Schauspieler. Im Alfie's, einem DER Restaurants der Stadt, hat sie ihm einen Tisch besorgt und sitzt nur wenige Meter von ihm entfernt beim Lunch. Das Leben könnte nicht besser sein. Bis zu dem Zeitpunkt, als ein vollmaskierter Attentäter das Lokal betritt und die nächsten Stunden in einen Alptraum verwandelt...

„Fürchte Dich“ ist mein erster Thriller von J.S. Carol und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor, der hierzulande mit „Broken Dolls“ einen Bestseller gelandet hat, lässt seine Leser in die Welt der Schönen, der Reichen und der ganz schön Reichen von Los Angeles eintauchen und zeigt auf imposante Art, wie klein die Welt doch in den Fängen eines Geiselnehmers werden kann.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei sitzt man nicht nur mit den Gästen des Alfie's beim Lunch, man recherchiert auch mit den Journalisten vor dem Lokal über das Warum, Wer und Wie. Diese Mischung, gepaart mit teilweise extrem kurzen Kapiteln, hat mich sofort gepackt und J.S. Carol hetzt dabei seine Leser wie seine Figuren. Jedoch verliert er dabei nie das große Ganze aus den Augen, so dass ich mich beim Lesen wie in einem sehr guten Actionfilm fühlte.

Die Figuren sind gut und für den Thriller ausreichend ausgearbeitet. Ich konnte mich in die einzelnen Protagonisten hineinversetzen und deren Gedankengänge nachvollziehen. Wer aber tiefgründige Charaktere mit innerer Zerrissenheit erwartet, ist hier falsch. J.S. Carol überzeugt mit seinem Roman durch die Geschichte und die vielen Twists, nicht durch Charakterstudien, was für mich vollkommen okay war.

Die Story selbst besticht durch den eigenen Kampf Gewissen vs Sensationslust. Denn auf der einen Seite habe ich mit den Geiseln gebangt und gehofft, dass alles gut geht. Auf der anderen Seite war ich wie die Journalisten: ich wollte einfach wissen, warum der Attentäter sich ausgerechnet dieses Restaurant mit diesen Menschen ausgesucht hat. Und so war ich von Kapitel zu Kapitel hin- und hergerissen und auch über mich selbst überrascht. Hinzu kommt, dass der Autor mich mit bestimmten Handlungen des Täters einfach überrumpelt hat. Einige Schlüsselszenen habe ich dadurch auch mehrmals gelesen, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Bildlich gesprochen ist mir das Popcorn aus dem Mund gefallen vor Überraschung. Echt klasse!

Das Finale inklusive der Auflösung war solide, wenn auch nicht hoch überraschend. Dennoch passt es zum gesamten Buch und lässt mich insgesamt zufrieden zurück.

Der Stil von J.S. Carol ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, schnörkellos und teilweise detailreich. Er weiß, wie man schnell Spannung aufbaut und sie hält. Toll!

Fazit: ein solider, spannender Thriller für einen tollen Nachmittag. Ich kann ihn empfehlen.

Montag, 4. April 2016

Erotik meets Thriller

(Quelle: Christoph Brandhurst)
Das geheime Zimmer
von Christoph Brandhurst
(112 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Carmen lebt in einem kleinen Dorf in Hessen. Beengt, spießig und ihr Leben scheint vorgezeichnet. Doch in ihr brodeln Fantasien von Schmerz, Gewalt und Unterwürfigkeit. Diese auszuleben ist ihr sehnlichster Wunsch....bis sie sich in einem Verlies wiederfindet und mit ihren Alpträumen konfrontiert wird.

„Das geheime Zimmer“ war mein erster Erotik-Thriller von Christoph Brandhurst und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor, der unter dem Pseudonym Martin Krist Thriller verfasst, geht mit seinen Figuren und Lesern nicht zimperlich um und zeigt eindrucksvoll, was BDSM heißen kann. Und das war für mich seit Erscheinen der unsäglichen 50-Shades-Reihe erfrischend ehrlich und direkt.

Die Geschichte wird kapitelweise von Carmen selbst und einem auktorialen Erzähler berichtet. Während der Beobachter aus der Gegenwart berichtet und die Qualen schildert, die die Sub ertragen muss, berichtet Carmen selbst aus ihrer Vergangenheit und ihrem Weg vom Dorfmädchen zur devoten Sub. Dabei nehmen beide Sichtweisen kein Blatt vor den Mund, schildern direkt und ohne Umschweife die geheimsten Fantasien und deren Umsetzung und scheuen auch nicht davor zurück, die Schattenseiten zu zeigen. Das hat mich beeindruckt.

Auch wenn ich selbst der harten Seite des BDSM nichts abgewinnen kann, war ich fasziniert und nicht angewidert. Christoph Brandhurst erzählt seine Geschichte so offen und normal, dass ich gar keine Zeit hatte, über das Für und Wider nachzudenken. Ich bin in den Roman eingetaucht und habe erst wieder das reale Leben wahrgenommen, als ich durch war. Genau so muss der Mix aus Thriller und Erotik sein.

Die Charaktere sind sehr gut und für die Kürze des ebooks auch tiefgründig genug beschrieben. Besonders Carmen und ihre Wandlung hat mich fasziniert. Ich konnte ihre Zweifel, Wünsche und auch ihre Wutausbrüche sehr gut nachvollziehen und ertappte mich selbst bei den Gedanken, wie ich wohl so eine ungewöhnliche Leidenschaft in mein Leben einbauen würde. Der Autor hat mich somit an genau der richtigen Stelle gepackt und gefangen genommen.

Die Story selbst ist für mich eine gute Mischung aus Spannung und Erotik. Als Leser wird man direkt ins Geschehen geworfen und kommt daraus auch nicht mehr los. Seite um Seite tauchte ich tiefer in die Welt von Carmen ein, kämpfte mit ihr und schrie in Gedanken. Das Finale hat mich dann aus den Latschen gehauen. Eigentlich sollte ich das von Christoph Brandhurst gewöhnt sein, schließlich kenne ich andere Werke von ihm. Aber er hat mich wieder mal gekriegt. Bravo!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, offen und ab und an brutal ehrlich. Wer bei direkter Benennung diverser Körperteile errötet, sollte sich auf Tomatenalarm einstellen.

Fazit: eine Entführung der besonderen Art. Das ist berauschend. Lesen!

Sonntag, 3. April 2016

Mehr Familientragödie als Krimi

Totengebet
(Joachim-Vernau-Reihe Band 5)
von Elisabeth Herrmann
(448 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Joachim Vernau, Anwalt in Berlin, erwacht im Krankenhaus. Wie kommt er dorthin? Woher kommen seine Verletzungen? Vernau hat nur einen Gedanken im Kopf: Rachel. Diese Frau scheint mit dem Überfall auf ihn zu tun zu haben. Jedoch findet sich weder in Vernaus Unterlagen noch sonst irgendwo ein Hinweis auf die geheimnisvolle Frau. Der Anwalt macht sich auf die Suche und gerät dabei in Verstrickungen, die vor langer Zeit in einem Kibbuz in Israel begannen.

„Totengebet“ ist der mittlerweile 5. Fall von Joachim Vernau aus der Feder von Elisabeth Herrmann und hat mich nicht wirklich fesseln können.. Ich habe die vorangegangenen Fälle verschlungen, doch hier hat sich die Autorin in meinen Augen zu sehr in den Familientragödien verloren.

Die Geschichte wird von Joachim Vernau höchstselbst erzählt. Der Anwalt erzählt dabei sowohl ehrlich als auch direkt von seinen Erlebnissen und Gedanken. Zu Beginn war ich genau so ratlos wie er, im Laufe des Romans kam ich aber immer mehr dahinter, was Joachim zu seinen Nachforschungen trieb. Neben Vernaus Berichten gibt es auch Kapitel, in denen ein auktorialer Erzähler Einblicke in die Leben der geheimnisvollen Rachel und des Politikers Mike Plog gewährt. Diese Mischung fand ich anziehend und so habe ich den ersten Teil des Krimis geradezu verschlungen.

Die Figuren sind so, wie ich es von der Autorin gewohnt bin: tiefgründig, realitätsnah und sowohl mit hellen als auch dunklen Seiten gesegnet. Selbst Charaktere, die neu in diesem Teil auftreten, konnte ich schnell einordnen und empfand Sympathie bzw Antipathie für sie. Hier hat Elisabeth Herrmann alles richtig gemacht. Auch die Gedankengänge von Vernau, der sich seiner Vergangenheit stellen muss, hat sie super getroffen und ich konnte so mit dem Anwalt mitfühlen und -denken.

Die Story an sich hat mir das meiste Kopfzerbrechen beschert. Während ich zu Beginn noch Feuer und Flamme war und auch die Reise nach Israel noch voller Tatendrang angetreten bin, folgte bald Ernüchterung. Die Autorin hat mit dem 5. Fall mehr eine Familientragödie denn einen Krimi erschaffen. Gerade in der Mitte spielte ich oft mit dem Gedanken, das Buch einfach beiseitezulegen. Wenn ich ein Drama hätte lesen wollen, hätte ich zu einem gegriffen. Auf den letzten 100 Seiten wuchs meine Hoffnung wieder, denn hier kam der Spürsinn Vernaus wieder voll zum Vorschein und es spitzte sich zu.

Das Finale an sich war großartig und toll zugespitzt. Jedoch lässt Elisabeth Herrmann ihre Leser nach dem Paukenschlag allein mit vielen Fragen. Warum so gehandelt wurde, wird nur angerissen. Wie es für die Beteiligten weitergeht, wird kaum erwähnt. Das ist mir zu wenig und ich war ehrlicherweise enttäuscht.

Der Stil der Autorin ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, detailreich und man merkt ihr deutlich an, dass gerade die Begebenheiten in Israel von ihr so realitätsnah wie möglich wiedergegeben werden sollten. Ich konnte mich in den Darstellungen verlieren. Toll!

Fazit: Ich hoffe, dass Vernau bei seinem nächsten Fall einfach wieder Anwalt sein darf. Denn dieser Fall war mir zu viel Drama!


Freitag, 1. April 2016

SUB-Abbau extrem - März oder Der Frühling haut Bücher raus

(Quelle: freepik)


Hallo Ihr Lieben,

der März ist zu Ende. Aber leider nur der. Denn noch immer hat mich meine Lesekrise im Griff. Das ist so nervig und gleichzeitig traurig. Mir geht momentan so die Zeit für Lesen ab, dass es nicht mehr feierlich ist. Aber vielleicht wird der April besser.

Doch was sagen die Zahlen? 

Abbau: 6
Aufbau: 9

Das macht einen Aufbau von 3 Büchern und somit ist die Hauptaufgabe NICHT bestanden. Seufz, dies ist nun schon der zweite Monat, in dem es nicht so läuft, wie es soll.

Gucken wir uns doch mal die Zusatzaufgabe an:
Bekomme nur Bücher, die im März erschienen sind!

Hier sah es zu Beginn des Monats super aus. Es trudelten Bücher ein, die im März erschienen sind. Meine Freude war riesig....bis Ostern und die verspätete Post kam. Denn nun hatte ich Bücher aus Februar dabei und sogar eines, das erst im April erscheint. Somit ist auch diese Aufgabe, wenn sie denn zählen würde, NICHT bestanden.

Mein Fazit: MÖP! Kurz und schmerzlos war das ein Lesemonat, der einfach nur bäh war. Aber Aufgeben ist nicht drin. Der April wartet!