Sonntag, 26. Juni 2016

ICH BIN DER TOD

I am Death - Der Totmacher
(Hunter - und - Garcia - Thriller Band 7)
von Chris Carter
(384 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Robert Hunter ist aus seinem „Urlaub“ wieder zurück und kommt nicht zum Durchatmen: in der Nähe des Flughafens von Los Angeles wird eine grausam zugerichtete Frauenleiche gefunden. Hunter und Garcia müssen sich noch mit den heftigen Details der Ermordeten auseinandersetzen, als es schon die zweite Leiche gibt. Der Mörder macht aus seiner Identität keinen Hehl: ICH BIN DER TOD! Können die beiden Ermittler den Sensenmann stoppen?

„I am Death – Der Totmacher“ ist bereits der 7. Fall von Robert Hunter und Carlos Garica und Chris Carter schafft es wieder mal, die Grausamkeiten wachsen zu lassen. Während er im letzten Thriller auf die Psychologie setzte, kommen im neusten Fall wieder körperliche Qualen zum Tragen. Und körperliche Qualen erlitt ich teilweise auch beim Lesen, denn Übersetzung und Lektorat haben an Qualität verloren. Doch zunächst zum Werk selbst.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Neben den Ermittlungen des LAPD folgt man auch den Opfern in ihrem Alltag und leidet mit einem jungen Entführungsopfer. Diese Mischung hat mich von Beginn an in den Bann gezogen. Schon nach den ersten 20 Seiten hatte ich die ersten Tränen in den Augen, da Chris Carter mit 2 großen Schlägen aufwartet, die ich nie erwartet hätte. So schnell führt mich kein anderer Autor an meine Grenzen.

Auffällig ist bei diesem Fall, dass Robert und Carlos selbst im Hintergrund bleiben. Ja, sie führen die Ermittlungen, aber ihr Privatleben und auch ihre persönlichen Gedanken bleiben fast komplett außen vor. Eine echte Veränderung zu den Vorgängern. Dafür stellt Chris Carter die Opfer ausführlich vor und ich konnte bei jedem Schlag gegen die Opfer selbst spüren, wie weh es tat.

Die Schlagabtäusche zwischen Hunter und Garcia sind gewohnt intelligent und zeigen wieder mal, auf welch hohem Niveau die beiden arbeiten. Der Autor schont weder seine Ermittler noch seine Leser, was die brutalen Details der Morde angeht. Und hier erreicht er neue Höhen, sowohl bei der Kreativität als auch bei der Perfidität. Für mich absolut genial, für so manchen bestimmt zu viel.

Das Finale hat mich dann vollends überzeugt. Hatte ich zwischendrin die Befürchtung, es wird zu einem doch schon ausgelutschten Ende kommen, zeigt Chris Carter sein gesamtes Können und ließ mich atemlos zurück. Toll!

Jedoch....das Lesen war für mich zwischendurch nicht immer nur Vergnügen. Obwohl die Übersetzerin die gleiche ist wie beim Vorgänger, hatte ich das Gefühl, zeitweise den Aufsatz eines Schülers zu lesen. Unnötige Wiederholungen, mehr als unrunder Satzbau und eine Ausdrucksweise, die nicht typisch Carter ist. Ich weiß nicht, ob die Übersetzerin einen schlechten Tag hatte oder das Lektorat gepennt hat, aber eine Freude war es stellenweise keineswegs. Desweiteren verrät der Klappentext mal wieder die entscheidende Wendung, was mehr als unnötig ist und wo ich mich frage, ob der Verlag hier einfach nicht hinschaut oder es ihm egal ist, dass den Lesern das Vergnügen genommen wird.

Trotz meiner Kritik an der Übersetzung merkt man auch hier, dass Chris Carter einfach weiß, wie man spannend, rasant und fesselnd schreibt. Ich konnte mich seinem Sog nicht entziehen und wäre mir nicht sowas wie Schlaf dazwischen gekommen, hätte ich das Buch an einem Abend inhaliert.

Fazit: Der Totmacher ist ruhiger aber auch brutaler als sein Vorgänger. Lesen!

Montag, 20. Juni 2016

Hier ist nicht die Familie die Katastrophe!

Meine Familie und andere Katastrophen
von Jónína Leósdóttir
(304 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Alles war so schön geplant: Margaret hat für ihren Ehemann Ragnar eine Überraschungsparty zum 60. Geburtstag geplant. Doch die Überraschung gelingt ihm und nicht seiner Frau, denn er verkündet, dass er sich scheiden lassen will. Die gesamte Familie ist geschockt und versucht nun, mit dem neuen Chaos klar zu kommen...

„Meine Familie und andere Katastrophen“ war mein erstes Buch von Jónína Leósdóttir und wird auch mein letztes gewesen sein. Die Isländerin möchte über das Auseinanderbrechen einer Familie schreiben und schafft es dabei nur pure Langeweile und Kopfschütteln bei mir auszulösen. Ich bin Skandinaviern im Bereich Thriller schon skeptisch, nun füge ich dem auch das Genre Komödie hinzu.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zu einen Ragnar, der sich aus heiterem Himmel von seiner Ehefrau trennt, als auch Margaret, die Gehörnte Ehefrau sowie Eygló, die Tochter der Beiden, die selbst mit ihrem Lebensgefährten ganz andere Probleme angehen müsste als die zerbrechende Ehe ihrer Eltern. Denn Eygló hat mit ihrem Lebensgefährten 3 Kinder unterschiedlichen Alters, die er mit in die Beziehung gebracht hat. Vom Pubertier bis hin zum Nesthäckchen ist jedes Alter dabei. Diese Mischung bietet auf den ersten Blick genügend Reibungspunkte, um einen witzigen und zugleich nachdenklichen Roman zu erschaffen. Die Autorin erschafft hier aber nur einen Roman über Selbstmitleid, abgehalfterten Männern und Problemen, die komplett hausgemacht sind und an denen keiner arbeiten will, weil es einfacher ist, sich wie Kleinkinder zu verhalten.

Und genau dieses Verhalten hat es mir so schwer gemacht überhaupt Sympathie für eine der Figuren zu empfinden. Egal, ob es die Eltern sind, die sich trennen oder deren erwachsene Kinder, die damit nun umgehen müssen, alle verhalten sich durch die Bank weg wie kleine Kinder, die nur ihre eigenen Ziele kennen und dabei nicht merken, wie die Welt wirklich ist. Zudem stellt Leósdóttir ihre Charaktere sehr oberflächlich vor, so dass ich zu keiner eine Bindung aufbauen konnte.

Der Roman wird als turbulente Komödie mit nachdenklichen Zwischentönen angekündigt. Humor scheint man in Island anders zu definieren, was auch durchaus in Ordnung ist. Ich konnte bei diesem Werk nicht einmal lachen. Es gab einfach keine Situationen, in denen ich hätte lachen oder gar lächeln können, denn dazu stolperten die Figuren von einer Tragödie in die nächste. Immer wenn ich dachte, das Ensemble kommt einer Lösung näher, tat sich ein neuer Abgrund auf. In meinen Augen war dies zu viel des Guten.

Das Ende hat mich dann total unvorbereitet getroffen, denn der Roman hört einfach auf. Ohne Lösung, ohne Happy End, ohne alles ist einfach Schluss. Ich fühlte mich wie ein Gast, dem einfach die Tür vor der Nase zugeknallt wurde. Und das kann ich in solch humorvollen (oder in diesem Fall gewollt humorvollen) Romanen gar nicht haben.

Der Stil der Autorin ist gut zu lesen, wenn man sich mal an all die isländischen Namen gewöhnt hat. Jedoch erzählt Jónína Leósdóttir mit so viel Elan wie eine Schnecke beim 100-m-Lauf.

Fazit: nicht die Familie ist hier die Katastrophe. Keine Empfehlung von mir!

Samstag, 18. Juni 2016

Das wird ein Mordsspaß!

(Quelle: L.C. Frey)

Herb
von L.C. Frey und Paul Anger
(172 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Herb ist nach einem missglückten Zugriff, den er als aktiver Polizist verbockt hat, gehbehindert und hat  nur noch ein Auge. Sein Hass richtet sich gegen Asiaten, denn schließlich waren die bei dem Zugriff das Ziel. Und so kultiviert der ehemalige Polizist seinen Hass. Den Höhepunkt findet dieser, als sein bester Freund mit seiner neuen Freundin zu Besuch kommt. Einer Asiatin, ausgerechnet! Doch das ist nicht das einzige, was Herb stört. Er kennt die Frau und das nicht im Guten...

"Herb" ist das erste Gemeinschaftswerk von L.C. Frey und Paul Anger und hat mich absolut überzeugt. Ein bitterböser Thriller mit einer Hauptfigur, vor der man sich ekelt und gleichzeitig nicht weggucken kann. So muss es sein, wenn man lesetechnisch mal richtig dreckig werden will.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man jedoch, bis auf ganz wenige Ausnahmen, Herb und seinem Hass. Und das ist hier wörtlich zu nehmen. Selten ist mir eine so hasserfüllte, wie gewalttätige Hauptfigur begegnet. Zum Thriller hat Herb gepasst wie Arsch auf Eimer. Auch wenn ich für den Protagonisten keinerlei Sympathie aufbringen konnte, habe ich Zugang zu ihm gefunden. Faszinierend an der Story ist nicht nur Herbs Umgang mit seiner Umwelt, sondern auch die Zusammenhänge, die das Autorenduo so geschickt zwischen all der Wut versteckt, dass ich lange benötigte um hinter jeden Winkelzug zu steigen. Klasse!

Eine Warnung sei gestattet: Herb ist nicht zimperlich. Im Gegenteil. Er sprüht vor Rassismus, vulgärere Sprache und Hass auf alles, bis auf sich selbst. Ich fand es während des Lesens erstaunlich, dass dieser Mann überhaupt noch ein Sozialleben samt Frau und Freunden hat. Mich hat der Ex-Polizisten von  Beginn an angeekelt, ich habe ihm die Pest an den Hals gewünscht und doch wollte ich wissen, was er hinter der Freundin seines besten Freundes Donnie vermutet, wollte sehen, wie weit er es mit seiner Frau Majorie treiben kann und wann die Welt erkennt, dass Herb einfach nur ein mieses Arschloch ist. Diese Neugierde und der Sog der Erzählung ließen mich den Thriller innerhalb von gut 3 Stunden durchlesen.

Die Story ist dabei nicht zu verachten. Rasant, intrigant und mit einem Fokus auf die alte Spürnase von Herb schaffen L.C. Frey und Paul Anger nicht nur einen bösartigen Einstieg, sondern halten die Spannung den gesamten Thriller über auf einem hohen Niveau. Je näher ich dem Ende kam, desto öfter dachte ich "Das kann doch jetzt nicht wirklich...das ist doch...die können doch nicht". Und das Autorenduo konnte. Der Schluss hat mir den Rest gegeben und ich war danach einfach nur baff. Grandios!

Der Stil der beiden ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, brutal, ohne Rücksicht auf Verluste und teilweise heftig vulgär. Doch es passte einfach zu der Geschichte.

Fazit: Herb ist ein Schatz, ein dunkler, vermoderter am Grunde einer Kloake. Lesen!

Montag, 13. Juni 2016

Die zerbrochene Welt eines Lehrers

Nicht von dieser Welt
von Arne Ulbricht
(290 Seiten)


Weitere Informationen findet Ihr hier

Heinz Gödel kann seinen Traum wahr machen: nach einem Umweg kann er doch noch Lehrer werden. Er freut sich sehr auf seinen ersten Tag. Dieser gerät dann schnell zu einem Fiasko: seine Kollegen stecken wie die Schüler tief in der Online-Welt, seine Mentorin ist eine herrschsüchtige Ziege und die Klasse 9a, die er in Deutsch unterrichten soll, entpuppt sich als rebellischer Haufen. Wie kann der Mittdreißiger, der Literatur liebt und diese Liebe einfach nur weitergeben will, damit fertig werden?

„Nicht von dieser Welt“ ist der erste Roman von Arne Ulbricht und lässt mich nachdenklich und geschockt zurück. Der Autor beschreibt den vermeintlich ganz normalen Schulwahnsinn aus der Sicht eines motivierten und zugleich andersartigen Lehrers, der am Verhalten seiner Schüler zu zerbrechen droht.

Die Geschichte wird dabei von Heinz Gödel selbst erzählt. Der Mittdreißiger lebt ein unauffälliges und ruhiges Leben mit seinem Cockerspaniel Franz und liebt Literatur über alles. Umso erfreuter ist es, als er endlich die Chance bekommt, Jugendlichen diese Liebe näher zu bringen. Doch schon in den ersten Tagen an der Schule zeigt sich, dass nicht viel von seinen Vorstellungen der Realität entspricht. Gödel will es zunächst nicht wahr haben, strengt sich an, schmiedet Pläne und scheitert grandios. Sein Weg gleicht immer mehr einer Abwärtsspirale und als Leser ist man hautnah dabei, scheitert mit ihm, zweifelt mit ihm und kann mehr als verstehen, woher der Hass kommt, den Heinz entwickelt.

Arne Ulbricht zieht seine Leser von Seite 1 an in die Gedankenwelt seines Lehrers. Wirklich warm geworden bin ich mit ihm nicht, dazu war mir Gödel in vielen Situationen zu altmodisch und antiquiert. Dennoch konnte ich seine Gedankengänge, seine Grübeleien und auch seine Taten nachvollziehen und verstehen. Der Autor erschafft eine Figur, die man nicht lieben muss, die man aber begleiten und beschützen will. Denn neben der Schule hat Heinz Gödel noch so manchen privaten Krieg auszufechten. Und ein Gefecht war für mich so schwer, dass mir die Tränen liefen. Insgesamt wirkt Heinz Gödel trotz seiner teilweise verstaubten Ansichten auf mich realitätsnah und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es vielen Lehrern wie ihm geht. Die Leidenschaft, die in dem Deutschlehrer brennt, wird bald ersetzt durch Resignation und gerade dieser langsame Zerfall hat mir stellenweise das Herz gebrochen.

Die Story selbst ist alltäglich, aber nicht langweilig. Der Schulalltag bietet genug Ecken und Kanten und auch privat hat der Lehrer genug Reibereien, so dass der Roman nie an Spannung verlor, obwohl er doch einfach nur einen Einblick in das normale Leben eines Mannes gibt, der so viel vor hatte und so wenig verwirklichen konnte. Was mich positiv überrascht hat, war die erzählerische Dichte, die Arne Ulbricht erschaffen hat. Er lässt seine Leser genau spüren, wie es Heinz Gödel geht, was er durchmacht und so war ich beim Lesen gefangen in einer Welt aus missgünstigen Schülern, schrecklichen Eltern und den kurzen Lichtblicken mit Franz. Grandios!

Der Stil des Autors ist gut zu lesen. Seine Erzählweise ist nicht einfach, dafür aber gespickt mit literarischen Details. Was mir aufgefallen ist: trotz der Intelligenz, die Gödel zu besitzen scheint, wirken seine Erzählungen ab und an behäbig und unbeholfen. Hier merkte ich genau, wie schwer es dem Mittdreißiger ab und an fallen muss, in der normalen Welt klar zu kommen.

Fazit: ein wichtiges, ein eindringliches Buch. Lesen!

Mittwoch, 8. Juni 2016

Enjoy your life!


Die Quadratur des Circles
von M.T. Rauser
(256 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Joshua kann es noch gar nicht glauben: er darf beim Circle, dem größten Technologieunternehmen der Welt, beginnen zu arbeiten. Obwohl er als Programmierer erstmal skeptisch gegenüber der schieren Macht des Circles ist, lebt er sich schnell ein und erkennt bald: dem Konzern kann sich niemand entziehen. Und wer es versucht, wird auf die circle-eigene Art bestraft...

„Die Quadratur des Circles“ ist das Debüt von M.T. Rauser und hat mich aufgrund seiner Beschreibung magisch angezogen. Ein großer Konzern, der jeden Menschen glücklich machen will, ist ein Thema, das in Zeiten von Datenkrake Google und Facebook wichtiger denn je ist. Beim Lesen merkte ich schnell, dass der Autor sich über das Für und Wider genau so unschlüssig ist wie seine Hauptfigur Joshua.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler geschildert. Dabei steht jedoch Joshua und sein Werdegang beim Circle im Mittelpunkt. Und diese Karriere ist geprägt von schwachen Momenten, von Selbstzweifeln und von großen Erfolgen. Der Circle ist aus den Big Five des Silicon Valley entstanden, vereint alle Social-Media-Kanäle und greift bis in den letzten Winkel des Lebens ein. Und Joshua soll nun helfen, genau das noch effektiver zu gestalten. Denn der Circle hat viel vor. Das Schöne war, dass der junge Programmierer nie das eigene Denken eingestellt hat. Und so konnte ich seinen Gedanken, Zweifeln, aber auch Überzeugungen sehr gut folgen.

M.T. Rauser hält mit seinem Roman der Welt den Spiegel vor. Überlegt einmal selbst: wann habt ihr das letzte Mal euren Status bei Facebook aktualisiert, habt eine Fitnessapp für eure Joggingrunde genutzt oder einfach nur schnell das nächste gute Thairestaurant in der Nähe gegooglet? All diese Daten werden heute schon gesammelt. Der Autor spielt mit dieser Sammelwut, baut sie zu einem wesentlichen Bestandteil des sozialen Lebens aus und zeigt, dass der Mensch befreit von lästigen Entscheidungen eines sein kann: glücklich. Doch wie glücklich ist man, wenn man keinen Fehler mehr begehen kann? Diese fast schon philosophische Frage hat nicht nur Joshua, sondern auch mich den gesamten Roman über beschäftigt.

Zu Beginn wirkte der Protagonist gefestigt auf mich, er schien fest in seinen Überzeugungen und Zweifel. Je weiter die Story voranschritt, desto wankelmütiger wurde er. Dadurch verlor er für mich an Glaubwürdigkeit. Denn Joshua änderte seine Meinung zum Circle schneller als dieser Daten auswerten konnte. Mal lobte er seinen Arbeitgeber in den Himmel, ein paar Seiten später hasste er wieder die dezente Überwachung und sehnte sich doch nach ihr. Ich konnte zwar seinen Argumenten folgen, jedoch fehlte mir immer mehr seine Grundüberzeugung.

Die Story an sich ist sehr gut konstruiert und findet eine gute Balance zwischen Erzählung und technischen Details. Das Finale war sehr gut vorbeireitet, jedoch fehlte mir hier zum Schluss der kritische Blick. Auch verstrickt sich M.T. Rauser hier mit einer Begebenheit in einen Widerspruch, der sehr offensichtlich ist. Das tat zwar meinem Lesespaß keinen Abbruch, hinterlässt aber einen faden Beigeschmack.

Der Stil von M.T. Rauser ist gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist distanziert, aber nicht kühl und der Autor stößt mit kleinen Details seine Leser auf das eigene, ab und an unbedachte Verhalten. Toll!

Fazit: ein guter, wenn auch nicht komplett durchdachter Roman. Dennoch empfehlenswert.

Ein großes Dankeschön geht an
und

Dienstag, 7. Juni 2016

LitBlogConvention 2016 oder Blogger, die unbekannten Wesen

(Quelle: litblog-convention)


Hallo Ihr Lieben,

ich war am Wochenende zu Besuch auf der ersten LitBlog-Convention, die von den Verlagshäusern Bastei Lübbe, Egmont Lyx, Kiepenheuer & Witsch sowie DuMont veranstaltet wurde. Die Tickets zu diesem Event waren nach wenigen Stunden restlos ausverkauft und so war ich mehr als gespannt, was die Verlage sich für ihre Blogger ausgedacht haben.

Montag, 6. Juni 2016

Die Unterwelt stellt die besten Ermittler

Hades
(Eden - Reihe Band 1)
von Candice Fox
(341 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Hades ist der Herr der Unterwelt in Sydney. Wer ein Problem hat, kommt zu ihm. Und so bringt ein Verbrecher 2 halbtote Kinder zu ihm. Hades kann sie nicht ihrem Schicksal überlassen und zieht Eden und Eric groß. Sie werden auf ein Leben vorbeireitet, dass der Herrscher der Unterwelt so nicht kennt: das Leben als Gesetzeshüter.

„Hades“ ist das Debüt der Australierin Candice Fox und hat mich bis auf den Schluss mehr als überzeugen können. Die Autorin wirft einen Blick in die Unterwelt von Sydney, lässt ihre Leser in Fällen des Organraubes ermitteln und zeigt gleichzeitig, dass niemand seiner Vergangenheit entkommt.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Frank Bennett erzählt. Der Cop wird Eden als neuer Partner zugeteilt. Schon am ersten Tag macht sie klar, dass sie ihn nicht braucht, nicht will und dass ihr Bruder Eric da ähnlich denkt. Neben den Schilderungen von Frank erfährt man kapitelweise auch, wie Eden und Eric zu dem geworden sind, was sie heute darstellen. Diese Wechsel fand ich hervorragend. Auch die für mich neue Perspektive, die eigentlichen Hauptfiguren durch die Augen eines anderen kennenzulernen, hat mich sofort fasziniert und nicht losgelassen. Ein klasse Kniff!

Die Figuren, die Candice Fox uns entweder direkt oder indirekt vorstellt, wirken düster, zutiefst verletzt, aber nie weinerlich oder zerbrochen. Vor allem Eden hat es mir angetan, da sie sowohl in den Schilderungen von Frank als auch in den Rückblicken die größte Rolle einnimmt. Dabei hat die Frau mehr durchstehen müssen, als für einen Menschen gut ist. Mit jedem Kapitel reifte in mir die Erkenntnis, warum sie so ist, wie sie ist und doch bleibt sie für mich nicht vollends greifbar. Auch ihr Partner Frank, der die Schilderungen übernimmt, lernte ich zwar gut, aber nicht allumfassend kennen. Das störte mich beim Lesen kein bisschen, denn ich war mit dem, was ich erblicken konnte, schon vollauf beschäftigt und habe teilweise atemlos gelesen, was Eric und Eden zugestoßen ist und an was die Cops arbeiten müssen. Und diesen Effekt erzielen nur noch ganz wenige Autoren bei mir.

Die Story ist von Seite 1 an fesselnd erzählt und hat mich auch während des Lesens immer tiefer in die dunkle Seite Australiens gezogen. Dabei wahrt die Autorin eine gewisse Distanz zu den Geschehnissen, nur um an bestimmten Stellen den Leser mit Details zu quälen, die notwendig sind, aber mit ihrer Wucht einen einfach umhauen. Candice Fox baut einen düsteren, schweren, aber nicht schwermütigen Thriller auf. Er hat nur ein kleines Manko: das Finale.

Auf den letzten 50 Seiten mutiert der bisher so brilliante Thriller zu einem 08/15 – Spannungsroman, dessen Elemente so altbekannt und vorhersehbar waren, dass ich mich beim Lesen unwillkürlich „Ist das ihr Ernst?“ fragte. Egal, ob es um den Täter an sich ging, um das Zusammenführen von offenen Strängen oder den Cliffhanger für Teil 2, alles wirkte so totgelutscht, abgegriffen und wie 100 Mal gelesen. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Autorin bis kurz vorher keinerlei Gedanken machte, wie sie den Fall lösen möchte und dann auf die bekanntesten Methoden zurückgriff. Schade!

Der Stil von Candice Fox ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt sich den Situationen ihrer Figuren an und nimmt daher eine Spannbreite von kühl-distanziert bis verzweifelt emotional ein. Grandios!

Fazit: das Debüt ist trotz des Finales definitiv gelungen. Ich freu mich auf Teil 2!

Freitag, 3. Juni 2016

Eine Liebe über den Knast hinaus

(Quelle: Cornelia Lotter)

Totgetäuscht
von Cornelia Lotter
(148 Seiten)


Mehr Informationen findet Ihr hier

Dorothea beginnt eine Brieffreundschaft mit Oliver, der im Gefängnis sitzt. Aus anfänglichen Schmeicheleien wird bald Liebe und Dorothea ist sich sicher, dass sie ihren Traumprinzen gefunden hat. Dass er eine Vergangenheit hat, schert sie nicht, und sie freut sich auf seine Entlassung. Doch dann geschieht ein Mord und die junge Frau gerät ins Wanken....

„Totgetäuscht“ war mein erster Thriller von Cornelia Lotter und hat mir insgesamt gut gefallen. Die Autorin gewährt einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt einer Frau, die sich von einem Strafgefangenen um den Finger wickeln lässt. Lediglich der Schluss gerät dabei holprig.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Allerdings begleitet man, bis auf wenige Ausnahmen, die Hauptfigur Dorothea Baum durch ihren Alltag und ihre beginnende Liebe zu Oliver. Was als harmlose Brieffreundschaft begann, entwickelt sich zu einer Romanze, deren Höhepunkt darin besteht, dass Oliver nach seiner Entlassung zu Dorothea zieht. Was locker-leicht anmutet, hat mich sehr mitgenommen. Denn Cornelia Lotter versteht es sehr gut, die widerstrebenen Gedanken, die Dorothea hat, wiederzugeben und ihre Leser in das Für und Wider hineinzuziehen. Beim Lesen schwankte ich selbst immer wieder zwischen „Liebe darf alles“ und „Ist sie wahnsinnig, sich mit einem Verurteilten einzulassen?“ Und genau dieses Auf und Ab hat den Roman so spannend gemacht.

Dorothea als Hauptfigur war mir dabei nicht immer sympathisch, wenn gleich ich ihre Gedanken und Handlungen jederzeit nachvollziehen konnte. Die Autorin hat mir die Unsicherheiten und teilweisen Widersprüche der Figur so gut und authentisch nahe gebracht, dass ich jederzeit Mitgefühl mit Dorothea hatte, auch wenn ich selbst anders reagiert hätte. Schade fand ich, dass Cornelia Lotter ihrer Protagonistin eine Vergangenheit gegeben hat, die in meinen Augen too much war. Hier hätte ich mir mehr Normalität gewünscht, zumal die Vergangenheit auch nur in Ansätzen angerissen wurde. Ich mag es entweder ganz oder gar nicht. Als Erklärung für ihr Verhalten war es zwar nachvollziehbar, dass Cornelia Lotter es angebracht hatte, jedoch hätte ich mir dann mehr Zeit für das Beleuchten der Umstände gewünscht.

Die Story an sich ist von Beginn an spannend und fesselnd erzählt. Die Entwicklung der Beziehung von Dorothea und Oliver finde ich klasse dargestellt und fand es ebenso toll, dass Dorothea sich immer wieder selbst kritisch hinterfragt hat, inwieweit ihre Beziehung einen Sinn hat und ob sie wirklich so verzweifelt ist. Dadurch wirkte der gesamte Roman realitätsnah.

Der Schluss war in meinen Augen holprig und zu schnell herbeigeführt. Die Polizei wirkt dabei eher stümperhaft und war eher Mittel zum Zweck. Der Showdown war gut gewählt und passend, jedoch insgesamt blieben hier zu viele Stränge offen. Ein paar Kapitel mehr hätten hier Abhilfe geschaffen.

Der Stil von Cornelia Lotter ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, bildhaft und passt sich der jeweiligen Situation an. So wirkt sie mal schüchtern, wenn Dorothea einen Brief verfasst und hart, wenn Oliver seine Fantasien teilt. Toll!

Fazit: ein kurzer, aber prägender Thriller. Trotz des holprigen Schluss' kann ich ihn empfehlen.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Schlaf wird überbewertet, Leben auch

(Quelle: digital publishers)

Remexan - Der Mann ohne Schlaf
(Erik-Lindberg-Reihe Band 1)
von Thomas Kowa
(420 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ein neues Medikament erobert den Markt: Remexan. Mit dieser Tablette wird der notwendige Schlaf auf eine Stunde am Tag reduziert. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos. Mitten im größten Erfolg wird der Mitentwickler des Medikaments ermordet und brutal zugerichtet. Zufall? Erik Lindberg von der Schweizer Bundespolizei stellt Ermittlungen an und muss schnell feststellen: auch mit Remexan schläft das Böse nie!

„Remexan – Der Mann ohne Schlaf“ war mein erster Thriller von Thomas Kowa und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor befasst sich nicht nur mit der schnelllebigen und auf Erfolg fixierten Gesellschaft, er führt mit Erik Lindberg einen kühlen und zugleich sympathischen Ermittler ein.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man großteilig dem Ermittler Lindberg und seinen Kolleginnen, die gemeinsam versuchen, nicht nur den Mörder zu fassen, sondern sich auch gegen so manche krude Idee ihres Chefs Graf zu stemmen. Dabei macht Thomas Kowa etwas, was sich wenige Autoren trauen: er säbelt sehr schnell einen Sympathieträger ab. Das erfordert Mut, passte aber perfekt zum Fortgang der Geschichte. Genau diese Feinheiten haben mich von Seite 1 gefangen genommen.

Die Figuren, allen voran Erik Lindberg, sind toll beschrieben und wirken tiefgründig. Dem Leser wird immer wieder ein Einblick in das private Umfeld gegeben, aber nie so, dass man sich als Voyeur fühlen würde. Ich habe Lindberg und seine Partnerin Carla Frey direkt ins Herz geschlossen, mit ihnen ermittelt, mich gegen komische Anweisungen gewehrt und in privaten Momenten auch tief Luft geholt. Thomas Kowa schafft es, seinen Charakteren Leben einzuhauchen ohne sich dabei ewig an Beschreibungen aufzuhalten. Sein Figurenensemble lebt durch seine Handlungen und Entscheidungen. Klasse!

Der Thriller ist von Beginn an fesselnd und wird, je weiter man voranschreitet, auch tiefgründiger. Wer hier nur oberflächliche Details erwartet, wird positiv überrascht werden. Denn der Autor beschreibt nicht nur die Morde perfekt, sondern gewährt auch einen tiefen Blick in die Wirkungsweise und Entwicklung von Remexan. Für mich war es die perfekte Mischung aus Pharmazie und Action.

Das Finale passt zum gesamten Werk, war an einigen Stellen aber dann doch zu amerikanisch und hollywoodmäßig. Hier hätte ich mir mehr schweizer Coolness gewünscht, wobei meine Kritik wirklich meckern auf hohem Niveau ist. Denn der Schluss macht den Thriller rund, klärt alle offenen Stränge und wartet sogar mit einem Cliffhanger auf, der mich neugierig auf den zweiten Fall von Lindberg macht.

Der Stil von Thomas Kowa ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist detailgetreu, ohne zu langweilen und fesselt einen durch die erlebbaren Handlungen.

Fazit: beim Lesen wäre Remexan echt hilfreich gewesen, denn ich wollte einfach nur dranbleiben. Lesen!

Mittwoch, 1. Juni 2016

SUB-Abbau extrem Mai 2016 oder Wenigstens kein Aufbau!

(Quelle: freepik)


Hallo Ihr Lieben,

der Mai war wunderschön und auch lesetechnisch war er erfolgreich für mich. Blöd nur, dass ich viele ebooks gelesen habe, die nicht in meinen SUB zählen *lach* Aber hey, ich habe meine Lesefreude wiedergefunden und das ist besser als jede Statistik 

(Quelle: giphy.com)

Werfen wir einen Blick auf die nackten Zahlen:

Abbau: 5 Bücher (Print)
Aufbau: 5 Bücher

Das macht *rechne rechne* eine glatte Nullrunde. Nicht nur die Politik kann somit die schwarze Null, sondern auch ich! Somit habe ich meinen SUB geschont und das ist auch bitter nötig, denn der Juni wartet mit einigen Neuerscheinungen auf, die alle den Weg zu mir finden!

Auch die Zusatzaufgabe hätte ich nicht für  mich verbuchen können. Denn die lautete
kaufe offline

Das war mit meinem ebook-Konsum so gar nicht möglich *kicher* 

Fazit: ein feiner Lesemonat und der Juni wird ebenso gerockt! 

Eure Denise