30. Januar 2017

Zu perfekt um wahr zu sein

Saving Grace - Bis Dein Tod uns scheidet
von B.A. Paris
(352 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Grace kann ihr Glück kaum fassen. Der gut aussehende und charmante Staranwalt Jack Angel bittet sie, seine Frau zu werden. Das pure Glück erwartet sie. Ihr Eheleben scheint perfekt. Doch warum lässt Jack seine junge Braut nicht aus den Augen? Wieso scheint es hinter der perfekten Fassade anders zu sein? Was verbirgt das Paar?

"Saving Grace" ist das Debüt von B.A. Paris und hat mir sehr gut gefallen. Vor der Lektüre habe ich von Jubelstürmen bis hin zu "Das ist sowas von langweilig" alles gehört und war einfach neugierig, welches Werk die Leser so spaltet. Und ich habe es nicht bereut. Die Autorin greift ein wichtiges und emotionales Thema auf und lässt ihre Leser von Seite zu Seite miterleben, wie es Grace geht. Toll!

Die Geschichte wird von Grace selbst erzählt. Dabei wechselt sie kapitelweise von der Gegenwart in die Vergangenheit. So bekommt man als Leser hautnah mit, warum ihr Leben mit Jack Angel so ist, wie es ist. Gerade zu Beginn ging ich einfach von einer zu perfekten Ehe aus: großes Haus, ein fürsorglicher Ehemann, der einfach nicht ohne seine Frau sein kann. Und genau da beschlichen mich erste Zweifel. Denn Grace deutet immer wieder an, dass die Perfektion nicht das ist, was sie zu sein scheint. Und ein paar Kapitel weiter kam dann der Schock: Jack ist mitnichten der liebende Ehemann. Sein Verhalten ändert sich, sobald die Tür hinter den Gästen zufällt. Grace weiß genau, hat sie sich einmal falsch verhalten, wird sie die Konsequenzen sofort tragen müssen.

Durch Graces Erzählungen fühlte ich mich ihr sehr nah. Ich habe mit ihr gemeinsam die Schattenseiten ihres Mannes entdeckt, gehofft, gebangt und Pläne erdacht. Diese Nähe hat mir sehr gut gefallen. Denn dadurch wurde der Schrecken real, greif- und spürbar. Der Thriller kommt ganz ohne Blut, Gewalt und Morde aus. Und genau das macht den Reiz aus. Ich habe bei der Lektüre so manches Mal gehofft, Jack möge einfach mal ausrasten, da die unterschwelligen Drohungen meine Nerven zum Zerreißen gespannt haben. Dies schaffen nur wenige Autoren mit ihren Geschichten. 

Das Finale ist zwar logisch herbeigeführt, aber für mich nach der Perfektion Jacks doch zurecht gebogen. Hier hätte ich mir mehr Schwierigkeiten gewünscht. Auch hätte ich gern mehr über Jacks Vergangenheit erfahren. Diese wird leider nur angedeutet. 

Der Stil von B.A. Paris ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt und macht, wie ihre Hauptfigur, eine Wandlung von stark hin zu verzweifelt zu kämpferisch durch. Das hat mir sehr gut gefallen.

Fazit: auch ohne Blut ist der Thriller nichts für Zartbesaitete. Ich kann ihn empfehlen.

27. Januar 2017

Mein Abschied von Chick-Lit

(Quelle: Tiny buddha)


Hallo Ihr Lieben,

lange hatte ich überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt verfasse. Denn normalerweise treffe ich meine Entscheidungen für mich und gut ist. Doch heute ist es anders: die Entscheidung betrifft auch meinen Blog. Daher muss es raus.

Ich verabschiede mich von dem Genre Chick - Lit!

"What? Du hast doch nie wirklich Chick-Lit gelesen?!" werden jetzt einige von Euch denken. Und das ist fast richtig. Seit gut 1,5 Jahren habe ich mich, mit sehr wenigen Ausnahmen, dem Thriller-Genre verschrieben. Blutig, düster, psychopathisch. So war und ist meine Lesewelt und so wird sie auch erstmal bleiben.

Dennoch habe ich so manchen humorvollen Frauenroman (nichts anderes ist Chick-Lit ja, es hört sich nur cooler an) gelesen und zu Beginn meiner intensiven Lesezeit vor gut 9 Jahren auch sehr genossen. Ich habe mich mit den weiblichen Hauptfiguren verliebt, habe den muskelbepackten Macho angehimmelt, ihn verflucht und geheult, wenn er sich der blöden blonden Ziege von nebenan zugewandt hat. Ich war auf der Suche nach Mr. Right, habe Werwölfe und Vampire vergöttert, bin mit Erzengeln geflogen und war sogar in einen Zombie verknallt. 

Doch dann....und ich kann nicht mal sagen, wann es genau passierte, langweilten mich diese weichgespülten, zu Herz und auf die Nerven gehenden Geschichten. So viele Romane waren nach Schema F aufgebaut, dass ich direkt aus dem Klappentext heraus vorhersagen konnte, wer wann wie in wen verliebt, entliebt und schlußendlich glücklich sein wird. Chick-Lit forderte mich nicht mehr. Gut, das tat sie nie. Frauenromane sollen unterhalten, ablenken, die Welt vergessen machen. Und das tun sie sehr gut. Nur nicht mehr bei mir.

Meine Lesewelt wurde immer düsterer, brutaler und blutiger. Versuche, mich wieder dem Genre Frauenroman anzunähern, scheitern kläglich an meinen Vorstellungen. Und so ließ ich es ganz sein. Herzschmerz hatte ich im echten Leben genug. Das benötigte ich nicht auch noch zwischen zwei Buchdeckeln. Chick-Lit wurde zu meinem Garant für Gereiztheit und Wut. Und dafür konnten die Romane nichts.

Das können sie bis heute nicht. Man könnte sagen, wir haben uns auseinander gelebt. Entliebt. Wie zwei Menschen, die merken, dass die gemeinsamen Jahre toll waren, man nun aber wieder eigene Wege gehen will.

Und so verabschiede ich mich von all den schmachtenden Frauen, den perfekten Männern und ach so großen Kommunikationshürden. Es war wundervoll, doch unsere Zeit ist vorbei. 

Good bye, Chick-Lit. Hello Darkness, my old friend.

25. Januar 2017

Eine neue WG ist wie ein neues Leben

Drei Männer, Küche, Bad
von Kristina Günak
(290 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Knall auf Fall wird Bloggerin Marie von ihrem Freund verlassen. Denn Jörn findet, dass er als Banker sich nicht mit einer Frau zeigen kann, die nur über Tiere schreibt und in einem Café jobbt. Nun steht die junge Frau da mit einer riesigen Wohnung, einer ebenso großen Miete und nur einem Gedanken: sie will nicht ausziehen. Also wird flux eine WG gegründet. Gemeinsam mit ihrer Freundin Ella und 2 noch unbekannten Männern geht es auf in ein Leben voller Abenteuer, Hundehaare und Emotionen.

"Drei Männer, Küche, Bad" war mein erster Roman von Kristina Günak und hat mir gut gefallen. Obwohl ich der Autorin schon mehrmals live begegnet bin, war jetzt erst der Zeitpunkt gekommen, dass ich auch in ihren Roman um Marie und das Berliner WG-Leben eintauchen wollte.

Die Geschichte wird von Marie selbst erzählt. Die Endzwanzigerin befindet sich mitten im größten Trennungsschmerz und muss innerhalb weniger Tage 3 Mitbewohner finden. Anders kann sie die schöne Altbauwohnung nicht halten. Gut, dass es da ihre Freundin Ella gibt. Und ehe sich Marie und die Leser versehen, hockt man auf dem Sofa und castet wie wild Mitbewohner. Als diese endlich gefunden sind, beginnt das eigentliche Abenteuer. Und Marie weiß so gar nicht, was sie davon halten soll.

Und zugegeben, auch ich schwankte zwischen Heiterkeit, Schmunzeln und "Och nee, echt?". Kristina Günak verleiht ihren Figuren wundervolle und passende Charakterzüge. Aber schnell sind hier auch die Stereotypen ausgemacht: die leicht verplante Hauptfigur, die gute Freundin, die bei Männern nichts anbrennen lässt, ein WG-Mitbewohner, der wie von Engeln gezeichnet aussieht und einer, der ein großes Herz hat. Dazu noch eine verschrobene Nachbarin, nervige Eltern und eine Prise Hundeliebe und tada, geboren ist der zu Herz gehende Roman. 

Diese Mischung ist kurzweilig, amüsant und rührt das Herz. Das Buch ist genau richtig für einen verregneten Nachmittag oder einen Tag am Strand. Denn die Autorin schafft es, trotz aller Vorhersehbarkeit, eine humorige, locker-leichte Geschichte zu erschaffen, die ihre Leser mitreißt. Bravo!

Fazit: Marie und ihre Chaos-WG berühren das Herz. Ich kann es Liebhabern des Genres nur empfehlen.

23. Januar 2017

Vom Suchen und Finden der Schuld

Tote Mädchen lügen nicht
von Jay Asher
(288 Seiten)


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Clay bekommt eine geheimnisvolle Schachtel. Der Inhalt: 13 Kassetten. Aus reiner Neugierde hört er in die Kassetten rein und erkennt schnell, dass sie von seiner toten Mitschülerin Hannah stammen. Hannah beginn Selbstmord. Und auf den Kassetten erklärt sie, wie es dazu kam. Und dass auch Clay Schuld daran hat...

"Tote Mädchen lügen nicht" ist ein Jugendthriller von Jay Asher und konnte mich leider nicht vom Hocker reißen. Ich hatte mir das Buch aufgrund der vielen positiven Stimmen gekauft und muss nun sagen: es lohnt sich einfach nicht.

Die Geschichte wird von Clay selbst erzählt. Der Jugendliche nimmt den Leser mit auf einen Trip durch seine Heimatstadt, ständig von Hannahs Stimme im Ohr begleitet. Das junge Mädchen hat sich selbst getötet, getrieben vom Mobbing ihrer Mitschüler. Und so wie Clay ist sich keiner der Beschuldigten einer Schuld bewusst. Es war doch nur alles ein Spaß. Ein Spaß, der für das Opfer tötlich endete. Doch nicht nur Clay kommt zu Wort, man kann auch jedes einzelne Wort Hannahs nachlesen, denn der Inhalt der Kassetten wird geschickt in die einzelnen Kapitel eingewoben. Diese Art des Erzählens hat mir sehr gut gefallen und ich fand es spannend, sowohl Hannahs Sicht der Dinge zu lesen, als auch Clays direkte Reaktion darauf. 

Und dennoch konnte mich das so wichtige Thema Mobbing nicht fesseln. Ich habe mich selbst schon häufiger mit der Thematik auseinander gesetzt, verschiedene Bücher dazu gelesen und muss sagen, dass Jay Asher es in meinen Augen nicht schafft, diesem Thema gerecht zu werden. Das liegt vor allem daran, dass Clay auf mich einfach nur langweilig, durchschnittlich und an manchen Stellen weinerlich wirkt. Ich konnte zu ihm keinerlei Bindung aufbauen. Und auch Hannah bleibt mir fern. Ich empfand ihre Idee mit den Kassetten als großartig, jedoch erzählt sie für mich dröge, eintönig und leider auch zu kryptisch. Bis zur Hälfte des Buches konnte ich zwar erkennen, was sie belastet haben mochte, doch den wirklichen Leidensdruck, den sie zweifellos gespürt haben musste, konnte ich nicht erkennen.

Daher landete der Roman auch nach über der Hälfte in der Ecke. Meine Neugierde, wer wie an Hannahs Tod beteiligt war, ging gegen Null, ich langweilte mich von Satz zu Satz mehr und auch der leichte Erzählstil des Autors konnte daran nichts ändern. Ich spürte weder Ärger über die Mobber, noch Mitgefühl mit dem Opfer noch Reue bei den Tätern. Nichts dergleichen.

Fazit: Töte Mädchen lügen zwar nicht, aber sie machen es auch nicht spannend. Schade.

21. Januar 2017

Edel Crime Night - Das kriminelle Rat Pack ist in der Stadt!




Hallo Ihr Lieben,

es war wieder so weit: im Berliner Kriminaltheater wurde es düster und blutig. Der Verlag Edel Elements lud zur Crime Night und da konnte ich als Blutfan natürlich nicht fehlen.

Die Ehre gaben sich diesmal Martin Krist, Debütautor Florian Schwiecker und Linus Geschke. Moderiert wurde der Abend von Karla Paul, der Velegerin von Edel Elements.

Den Lesungsreigen begann der böse Bube aus Berlin, Martin Krist. Er nahm die Zuhörer mit in sein neustes e-Serial "Brandstifter". Die Serie erscheint Mitte Februar und ich kann schon jetzt versprechen: es wird spannend. Der Autor las das erste Kapitel und man hätte eine Stecknadel fallen hören können. 


Nach den packenden Szenen entspann sich zwischen Martin Krist und der Moderatorin ein Gespräch um den Schreibprozess und die Ideenfindung. Der Autor berichtete von dem Gefühl, nach Fertigstellung eines Buches leergebrannt zu sein und dass jeder Roman bei ihm pures Handwerk ist. Seine beiden Kollegen konnten dem nur zustimmen. Es gibt Emotionen, die kennt wohl jeder Autor.

Als zweites las Florian Schwiecker aus seinem Debüt "Verraten". Ich selbst war von dem Buch null überzeugt, dennoch war es interessant zu hören, wie Florian auf seine Idee kam. Er war jahrelang als Strafverteidiger tätig, arbeitete in den USA und Kanada und trug die Idee zu seinem Thriller schon etliche Jahre mit sich herum. Florian gestand nach dem Lesen, dass er irre aufgeregt war. Dies hat man ihm aber kaum angemerkt. Es war herrlich menschlich.


Der dritte im Bunde war Linus Geschke. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher noch keines seiner Bücher gelesen habe. Aber das muss ich zwingend nachholen!! Linus überzeugte nicht nur mit seiner Kostprobe aus "Die Akte Zodiac" , sondern auch durch seinen Humor. Der Journalist verriet, dass er schon mal eine Figur einfach aus seinen Büchern herausschreibt, wenn sie ihm unsympathisch wird oder auch, dass die Charakterzüge seiner Freunde für Charakter in seinen Büchern herhalten müssen.


Und obwohl er eine Mordszene vorlas, schmunzelte das Publikum. Denn Linus Geschke gestand, bevor er anfing zu lesen, dass er sein neustes Buch selbst noch nicht gelesen habe. Und er fand es gar nicht so übel ;)

Der Abend war wunderbar. Eine Lesung mit 3 Autoren ist eine großartige Idee, denn so kann man nicht nur 3 Kreativen beim Lesen zuhören, sondern erfährt auch, wie unterschiedlich sie an ihre Werke gehen, wo sie ihre Schwerpunkte setzen und was sie vereint: die Liebe zum gedruckten Wort.


Ich kann jedem nur empfehlen, mal eine Lesung der Drei zu besuchen. Egal, ob sie gemeinsam unterwegs sind oder alleine. Mein Abend war, obwohl ich einen harten Tag hinter mir hatte, echt gerettet. 

19. Januar 2017

Wenn du eigentlich keine Rosen haben willst...

(Quelle: L.C. Frey)
Ich breche dich
(Walter - Sauer - Reihe Band 2)
von L.C. Frey 
( 283 Seiten)


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Jan Chernik durchlebt eine harte Trennung von seiner Freundin. So ganz hat er es noch nicht realisiert, da passiert das Ungeheuerliche: Katrina bringt sich selbst um. Jan stürzt in ein tiefes Loch und kann es kaum verarbeiten. Da entdeckt er ein kleines Paket. Der Inhalt: eine rote Rose aus Papier. Er ist erschrocken und wendet sich an die Polizei. Dort wird er belächelt. Bis auf Hauptkommissar Walter Sauer. Denn er erkennt die Rose aus einem Fall, der 12 Jahre zurückliegt. Ein Fall, der eigentlich abgeschlossen ist...

"Ich breche dich" ist der zweite Fall für Walter Sauer und hat mich wieder überzeugt. Zeitlich spielt dieser Band allerdings vor dem ersten Band, also obacht. L.C. Frey lässt dieses Mal seinen Ermittler an sich selbst zweifeln, führt uns in Abgründe des menschlichen Handelns und bleibt dennoch erfrischend realistisch.

Die Geschichte wird aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers berichtet. Dabei folgt man sowohl Walter Sauer bei seinen Ermittlungen als auch Jan Chernik, der als eher mittelmäßiger Autor versucht sich über Wasser zu halten und dessen Leben mit dem Selbstmord seiner Freundin total aus den Fugen gerät. Zudem wirft L.C. Frey seine Leser in wenigen Kapiteln auch in die Vergangenheit. Der Grund erschließt sich erst zum Schluss. Diese Mischung hat mich gefesselt, auch wenn der Beginn Frey-untypisch sehr ruhig verläuft. Denn zunächst muss man mit Chernik den Tod verkraften und darum kämpfen, angehört zu werden. Auch Walter Sauer stürzt sich nicht direkt in die Ermittlungen, sondern fühlt vor. Doch das ist die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm.

Die Figuren sind nicht rund, sondern haben ihre Ecken und Kanten. Dabei spürt man vor allem bei Sauer, dass er aus den damaligen Fall noch immer nicht ganz verkraftet hat. Er ist vorsichtiger, selbstkritischer und wirkt in sich geschlossener. Als tollen Kontrastpunkt setzt der Autor da Jan Chernik, der sich nach anfänglicher Lethargie mit Feuereifer in eigene Ermittlungen zum Tod seiner Freundin stürzt. Als diese beiden starken Männer aufeinander treffen, passen sie wie Arsch auf Eimer. Obwohl ich Kombinationen aus Ermittler/Zivilist kritisch gegenüber stehe, schafft L.C. Frey es, das Gespann realitätsnah zu belassen und Chernik nicht zu einem geheimen Superermittler zu stilisieren. Klasse!

Die Story beginnt, wie schon geschrieben, recht ruhig, entwickelt aber einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Denn mit jeder Seite, mit jedem Kapitel merkte ich, dass hinter all dem viel mehr steckt, als ich zunächst dachte. Und es wurde grausamer, als ich es mir zunächst vorstellen konnte. Hier führte der Autor mich geschickt an der Nase herum.

Das Finale ist dramatisch, aber passend. Auch wenn die Lösung nicht überraschend war, passte sie sehr gut zum gesamten Thriller. Ingesamt bin ich sehr zufrieden mit der Lektüre.

Der Stil von L.C. Frey ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ich kenne einige Werke von ihm und bin immer wieder erstaunt, wie leicht er zwischen Ausdrucksweise, Detailreichtum und Direktheit wechseln kann. Wer Herb gelesen hat, weiß, was ich meine.

Fazit: Sauer zum zweiten. Strike! Ich kann es einfach nur empfehlen.

17. Januar 2017

Ein neues Team, eine neue Mordserie

Schwarzes Netz
(Jordan - Hill - Reihe Band 9)
von Val McDermid
(464 Seiten)


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Carol Jordan genießt ihr Leben ohne Polizei auf dem Land. Nur sie, ihr Hund und die Scheune ihres verstorbenen Bruders. Doch es gibt noch einen Gefährten in ihren einsamen Stunden: den Alkohol. Und das kann Dr. Tony Hill, der sich immer noch um seine nicht ganz so heimliche Liebe sorgt, nicht zulassen. Ein zäher Kampf beginnt. Und er muss schnell ausgefochten werden, denn in Bradfield geschehen seltsame Selbstmorde...

"Schwarzes Netz" ist der 9. Fall für Carol Jordan und Tony Hill und er hat mir gut gefallen. Val McDermid legt in diesem Thriller das Hauptaugenmerk auf die menschliche Seite ihrer beiden Hauptfiguren. Die Ermittlungen geraten dadurch stark, in manchen Szenen zu stark, in den Hintergrund.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Zu einem großen Teil folgt man Tony Hill und Carol Jordan bei ihren privaten Auseinandersetzungen und späteren Ermittlungen. Einige Kapitel sind dem Täter und seiner Denkweise gewidmet. Diese Mischung fand ich toll, denn so konnte ich bei den einzelnen Ermittlungserfolgen erkennen, wie nah das Team dem Täter wirklich ist. Toll!

Für mich war der 9. Fall ein großes Wiedersehensfest. Endlich kamen alle Figuren wieder zusammen um gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Dabei ließ die Autorin jedoch keine Schwäche außer Acht. So formte sich eine Gemeinschaft, die durchaus realitätsnah und menschlich wirkt. Val McDermid erschafft keine übergroßen Starermittler, sondern präsentiert jedes Teammitglied, besonders aber Carol Jordan, mit menschlichen Schwächen und Fehlern. Dies alles beschreibt sie aber unaufdringlich und ohne moralischen Zeigefinger. So macht das Lesen Spaß.

Die Story war von Beginn an spannend, wenn auch nicht thrillerartig. Ich würde diesen Band eher einen Roman mit Krimielementen nennen. Denn gut 2/3 des Buches geht es um Carol, ihre Alkoholsucht und die Folgen. Erst im letzten Drittel findet so etwas wie eine Ermittlung statt, die dann aber teilweise zu glatt und reibungslos verläuft. Hier hätte ich mir eine Kürzung im ersten Teil zugunsten der Spannung im letzten Teil des Buches gewünscht. Die Lektüre hat mir dennoch Freude bereitet, keine Frage. Aber es ist eben nicht der gewohnte McDermid-Thrill, sondern einfach ein aufrüttelnder Roman, der sich gut als Zwischenstück zwischen 2 Fällen beschreiben lässt.

Das Finale ist gewohnt bodenständig, logisch herbeigeführt und großartig in Szene gesetzt. Die Ermittlungen laufen zusammen und lassen nur einen Schluss zu. Ich persönlich habe mich sehr gefreut, dass hier Tony Hill sein Können unter Beweis stellen durfte.

Der Stil von Val McDermid ist einfach und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, detailreich, wo es nötig ist und in keinem Punkt überladen. Klasse!
Fazit: Tony und Carol sind zurück. Und sie können es noch. Für Fans eine klare Leseempfehlung.

13. Januar 2017

wahrhaftiger Verrat am Lesespaß

Verraten
(Luk-Krieger-Reihe Band 1)
von Florian Schwiecker
(288 Seiten)


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Mitten auf dem Kurfürstendamm in Berlin explodieren in einem Café zwei Bomben. Agent Luk Krieger, der sich im Café mit einem Informanten treffen wollte, kommt knapp mit dem Leben davon. Hatte es der Attentäter auf ihn abgesehen oder ist doch alles nur großer Zufall? Wer steckt hinter dem Anschlag? 

"Verraten" war mein erster Thriller von Florian Schwiecker und wird auch mein letzter sein. Denn der Autor hat so viel Leidenschaft beim Erzählen wie ich beim Mandarinen schälen. Da kann auch die Story um einen Agenten in Deutschland nichts retten.

Die Geschichte beginnt im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Paukenschlag. Florian Schwiecker wirft seine Leser mitten in einen Bombenanschlag und lässt sie, wie seine Hauptfigur Luk Krieger, verwirrt und desorientiert zurück. Die Idee zum Einstieg hat mir super gefallen und ich hatte mich schon im Vorfeld sehr auf die Lektüre gefreut. Doch mit jeder Seite mehr merkte ich, dass der Autor bestimmt vieles super kann, nur eines nicht: erzählen.

Denn obwohl der Anschlag mitten in der Hauptstadt stattfindet, es massig Opfer gibt, empfand ich bei den Beschreibungen gar nichts. Florian Schwiecker schaffte es nicht, Atmosphäre aufzubauen und mich mit den Opfern gemeinsam leiden zu lassen. Noch bevor ich wusste, wo ich bin, war auch schon die Action da. Ich mag es rasant, doch das war für mich eher mit dem Holzhammer und dem gesamten Zaun erschlagen. Das wäre noch nicht so schlimm gewesen, wenn es danach wenigstens spannend weitergegangen wäre.

Doch da wurde ich ebenso enttäuscht. Luk Krieger wird als DER Über-Agent dargestellt. Das ist okay und würde passen, wenn eben das Gesamtwerk stimmig wäre. Doch das ist es nicht. Die Erzählweise von Schwiecker erinnerte mich großteilig an einen Schulaufsatz: hölzern, statisch, nicht packend. Er beschrieb die Handlungen exakt so, wie man sie durchführen würde. Emotionen, Spannung, Abwechslung? Leider Fehlanzeige.

Und so flog dieses Buch nach gut 50 Seiten in die Ecke. Ich konnte es einfach nicht lesen. Echt schade, denn es hätte so viel aus der Geschichte gemacht werden können.

Fazit: ich fühle mich verraten! Keine Empfehlung.

12. Januar 2017

Lass dich verzaubern!

(Quelle: Amazon)

Die Magie der Bücher
von Nadja Losbohm
(54 Seiten)



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Mit Geschichten über Bücher verbinde ich immer ein wenig Magie. Denn Bücher lassen uns an Orte reisen, zu denen wir sonst keinen Zutritt hätten. Und Nadja Losbohm entführt ihre Leser an wahrhaft zauberhafte Orte.

"Die Magie der Bücher" ist eine Anthologie, die 3 Kurzgeschichten beinhaltet. Alle 3 Geschichten befassen sich mit Wundern, die durch das geschriebene Wort oder Bücher allgemein entstehen. Mich hat die Sammlung überzeugt, auch wenn sie sprachlich einfach und kindgerecht gehalten ist.

Die Kurzgeschichten spielen sich in einer märchenhaften Umgebung ab. Während man in der ersten Geschichte 2 Königreiche und deren Verbindung zueinander kennenlernt, warten die anderen beiden mit besonders innigen Beziehungen zu Büchern auf. Jede Story für sich ist magisch geschrieben und beinhaltet den Glauben an Mut, das Gute und die Kraft aus einem Selbst. Das hat mir sehr gut gefallen. 

Von der Länge und vom Inhalt her eignen sich die kleinen Erzählungen hervorragend zum Vorlesen vor dem Schlafengehen. Sie sind weder gruselig noch grausam, sondern bieten Abenteuer und auch kleine Rätsel. Dabei spricht die Autorin ihre Leser direkt an und bezieht sie sofort in die Geschichten ein. Das fand ich im Hinblick auf ein junges Publikum schön gelöst. 

Die Sprache ist einfach und kindgerecht gehalten. Nadja Losbohm erzählt direkt und ohne leere Füllphrasen. Durch ihre spritzige Erzählweise konnte ich mir die verwunschenen Orte, die sie in ihren Geschichten zum Leben erweckt, sehr gut vorstellen.

Fazit: eine feine Sammlung zum Vorlesen und Träumen. Ich kann sie für Familien empfehlen.


11. Januar 2017

Nenn mir dein Zeichen!

Im Zeichen des Todes
von Sam Wilson
(480 Seiten)


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Jerome Burton ist Detective in San Celeste, einer Stadt,  in der dein Sternzeichen bestimmt, wer du bist und wo du gesellschaftlich stehst. Doch das zählt alles nicht mehr, wenn dich der Tod ereilt. So erschüttert eine brutale Mordserie die Stadt. Und Burton soll gemeinsam mit der Astroprofilerin Lindi herausfinden, wer der Täter ist. Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto mehr geraten die beiden in das Fadenkreuz des Mörders...

"Im Zeichen des Todes" ist das Debüt von Sam Wilson und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor erschafft eine Welt, in der das eigene Sternzeichen das gesamte Schicksal bestimmt und wirft seine Leser damit in eine Welt, in der keine vernünftigen Argumente mehr greifen. Für mich war das ein tolles Leseerlebnis.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Burton und seinen Ermittlungen in verschiedenen Kreisen, sondern lernt auch den reichen Erben Daniel kennen, der mit seinem Schicksal hadert und erkennen muss, dass man mit Geld nicht alles kaufen kann. Diese beiden Erzählebenen haben mir sehr gut gefallen, denn sie zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven, wie wenig der Mensch benötigt, um auf andere herabzusehen. In diesem Fall sind es die Sterne, unter denen man geboren wurde. 

Zu Beginn musste ich immer wieder lächeln, als die Charaktere sich auf die Sternzeichen beriefen. Doch je länger ich las, desto weniger konnte ich mich der Dynamik dieser Gesellschaft entziehen. Die Morde, die passiert sind, geraten dadurch zwar ab und an in den Hintergrund, jedoch störte mich wenig. Ich war fasziniert von dem Aufbau der Gesellschaft, den Schulen und auch den festgefahrenen Strukturen der Stadt. Und mit jedem Kapitel wurde deutlicher, dass hinter den Morden viel mehr steckte als die bloße Lust am Töten.

Die Hauptfiguren Burton und Lindi sind von Sam Wilson bewusst gegensätzlich angelegt. Während der Detective rein auf die Logik und den Verstand setzt, lässt sich die Profilerin von den Sternen leiten und erstellt für Situationen Horoskope, in denen ich nicht mal einen Gedanken daran verschwendet hätte. Und obwohl die Charaktere so gegensätzlich angelegt wurden, wirkten sie weder gewollt auf Krawall gebürstet noch gezwungen. Sam Wilson hat ein glaubwürdiges Ensemble erschaffen, in dem es sowohl sympathische als auch hassenswerte Figuren gibt. Toll!

Die Story hat mich von Beginn an gefangen genommen. Die ersten Morde geschehen recht zügig. Und obwohl ich ein großer Fan von Blut, Gewalt und Co in Büchern bin, war ich dem Autor nicht böse, als er von den Ermittlungen weg- und zu den gesellschaftlichen Strukturen hinschwenkte. Er hat mich mit seinem Gedankenspiel "Was, wenn Sternzeichen unser Leben bestimmen?" fasziniert und ich bin tief eingetaucht in eine Welt aus Sternen, Hass und Vorurteilen. Und mir ist beim Lesen öfter bewusst geworden, dass es starke Parallelen zwischen San Celeste und jeder x-beliebigen Stadt auf der Welt gibt.

Das Finale war passend zum gesamten Buch und überraschend actiongeladen. Die letzten Kapitel flogen nur so dahin und der Autor lässt am Schluss offen, ob es nicht noch einen weiteren Fall mit Burton und Lindi geben wird. Klasse!
Der Stil von Sam Wilson ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt und löste bei mir Kopfkino aus. So muss es sein.

Fazit: nenn mir dein Zeichen und ich sag dir, ob du stirbst. Eine klare Leseempfehlung.

2. Januar 2017

Atemlos in Berlin

Ohne Ausweg
(Faris-Iskander-Reihe Band 3)
von Kathrin Lange
(448 Seiten)


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Berlin steht vor dem größten Attentat seit langem: eine islamistische Gruppe will die Hauptstadt mit Gift überziehen. Niemand weiß, wann und wo es passieren wird. Um an diese Informationen zu kommen, muss sich Ermittler Faris Iskander undercover in diese Kreise einschleusen und wird in das Hochsicherheitsgefängnis in Karlshorst eingeliefert. Kann er rechtzeitig das Vertrauen des Anführers der Gruppierung erlangen und Berlin retten?

"Ohne Ausweg" ist Faris Iskanders dritter Fall und so realistisch wie kaum ein anderer Thriller. Kathrin Lange beeindruckte mich durch eine extrem gute und wirklichkeitsnahe Geschichte, die mir so manches Mal das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zum Einen Faris Iskander und seinem Weg ins Gefängnis, zum Anderen aber auch Teilen der terroristischen Gruppe sowie der SERV, dem Team rund um Iskander. Dieser Wechsel der Perspektiven und insbesondere das Zusammenlaufen der Informationen hat mich sofort in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Die Autorin versteht es sehr gut, Spannung aufzubauen ohne dabei auf Effektheischerei setzen zu müssen.

Die Hauptfigur Faris Iskander ist beileibe keine leicht zu durchschauende. Durch die ersten Fälle, die ich mit ihm erleben durfte, war mir klar, dass der Polizist mit muslimischen Wurzeln ein Kämpfer sein muss. In diesem Thriller verändert sich Faris aber noch einmal. Für mich ist die Wandlung spürbar und sehr gut nachvollziehbar gewesen. Iskander beeindruckt mich durch sein schlichtes Heldentum. Er schwingt keine großartigen Reden, lebt keinen Pathos, sondern tut das, was es einfach zu tun gilt. Und das macht ihn für mich zu einem außergewöhnlichen Mann. Auch die anderen Figuren beeindrucken durch eine Tiefe und Menschlichkeit, die es mir einfach gemacht hat, wieder Anschluss an die SERV zu finden. Großartig!

Die Story an sich ist von der ersten Seite an spannend und hat mich in ihren Bann gezogen. Ich bin mit den Attentätern durch Berlin gehetzt, habe mich mit Faris in das Gefängnis begeben und mit der SERV nach den Hintermännern gesucht. Jedes Kapitel trug zur Spannung bei, ich habe gelitten, gefiebert, geweint und geflucht. 

Das Finale ist stimmig, schlüssig und passt perfekt zum gesamten Buch. Und auch hier hat Kathrin Lange das richtige Gespür für die Balance zwischen Action und Glaubwürdigkeit. Toll!

Der Stil der Autorin ist leicht und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, detailreich, ohne überladen zu wirken und sie erschafft Bilder im Kopf, die einen an den Ort des Geschehens versetzen. 

Fazit: man kommt kaum zum Luftholen. Eine klare Leseempfehlung.

1. Januar 2017

SUB-Abbau extrem Dezember - ein versöhnlicher Abschluss


(Quelle: freepik.net)

Hallo Ihr Lieben,

schon ist ein Jahr vorbei und auch die SUB-Abbau-extrem-Challenge geht zu Ende. Für mich war es ein durchwachsenes Jahr mit versöhnlichem Abschluss. Hier die Zahlen:

Abbau: 47
Aufbau: 3

Somit habe ich es geschafft, meinen SUB um 44 Bücher zu verkleinern *tusch* nein, ich habe nicht 47 Bücher gelesen, das wäre leicht utopisch. Ich habe Mitte Dezember nochmal meinen SUB ausgemistet, so dass dort nun nur noch Bücher stehen, die ich wirklich zeitnah lesen will. Hoffe ich zumindest.

2017 werde ich nur an einer Challenge teilnehmen, denn ich habe gemerkt, dass mir die vielen Wettbewerbe die Lust am Lesen geraubt haben. Und so soll das ja nicht sein. Dennoch war es eine tolle Erfahrung.

Eure Denise