Montag, 23. Januar 2017

Vom Suchen und Finden der Schuld

Tote Mädchen lügen nicht
von Jay Asher
(288 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Clay bekommt eine geheimnisvolle Schachtel. Der Inhalt: 13 Kassetten. Aus reiner Neugierde hört er in die Kassetten rein und erkennt schnell, dass sie von seiner toten Mitschülerin Hannah stammen. Hannah beginn Selbstmord. Und auf den Kassetten erklärt sie, wie es dazu kam. Und dass auch Clay Schuld daran hat...

"Tote Mädchen lügen nicht" ist ein Jugendthriller von Jay Asher und konnte mich leider nicht vom Hocker reißen. Ich hatte mir das Buch aufgrund der vielen positiven Stimmen gekauft und muss nun sagen: es lohnt sich einfach nicht.

Die Geschichte wird von Clay selbst erzählt. Der Jugendliche nimmt den Leser mit auf einen Trip durch seine Heimatstadt, ständig von Hannahs Stimme im Ohr begleitet. Das junge Mädchen hat sich selbst getötet, getrieben vom Mobbing ihrer Mitschüler. Und so wie Clay ist sich keiner der Beschuldigten einer Schuld bewusst. Es war doch nur alles ein Spaß. Ein Spaß, der für das Opfer tötlich endete. Doch nicht nur Clay kommt zu Wort, man kann auch jedes einzelne Wort Hannahs nachlesen, denn der Inhalt der Kassetten wird geschickt in die einzelnen Kapitel eingewoben. Diese Art des Erzählens hat mir sehr gut gefallen und ich fand es spannend, sowohl Hannahs Sicht der Dinge zu lesen, als auch Clays direkte Reaktion darauf. 

Und dennoch konnte mich das so wichtige Thema Mobbing nicht fesseln. Ich habe mich selbst schon häufiger mit der Thematik auseinander gesetzt, verschiedene Bücher dazu gelesen und muss sagen, dass Jay Asher es in meinen Augen nicht schafft, diesem Thema gerecht zu werden. Das liegt vor allem daran, dass Clay auf mich einfach nur langweilig, durchschnittlich und an manchen Stellen weinerlich wirkt. Ich konnte zu ihm keinerlei Bindung aufbauen. Und auch Hannah bleibt mir fern. Ich empfand ihre Idee mit den Kassetten als großartig, jedoch erzählt sie für mich dröge, eintönig und leider auch zu kryptisch. Bis zur Hälfte des Buches konnte ich zwar erkennen, was sie belastet haben mochte, doch den wirklichen Leidensdruck, den sie zweifellos gespürt haben musste, konnte ich nicht erkennen.

Daher landete der Roman auch nach über der Hälfte in der Ecke. Meine Neugierde, wer wie an Hannahs Tod beteiligt war, ging gegen Null, ich langweilte mich von Satz zu Satz mehr und auch der leichte Erzählstil des Autors konnte daran nichts ändern. Ich spürte weder Ärger über die Mobber, noch Mitgefühl mit dem Opfer noch Reue bei den Tätern. Nichts dergleichen.

Fazit: Töte Mädchen lügen zwar nicht, aber sie machen es auch nicht spannend. Schade.

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