19. Februar 2017

Der Eismann wartet

Das Hospital
(Christine-Lenève-Reihe Band 2)
von Oliver Ménard
(413 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

In der Spree wird eine tote Frau ohne Lippen gefunden. Albert, der Lebensgefährte der Journalistin Christine Lenève, kannte die Tote. Und Christine wittert eine große Story. Ihre Ermittlungen führen sie in eine Welt aus Hackern, Geld, Schönheit und dem Wissen, dass niemand sicher sein kann...

"Das Hospital" ist der 2. Fall der Journalistin Lenève, aber mein erstes Buch von Oliver Ménard. Das Gute: man kann den zweiten Teil lesen, ohne den ersten zu kennen. Jedoch hat mich der Thriller nicht überzeugen können. 

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Christine und Albert bei ihren Nachforschungen, sondern lernt auch den Mörder und seine Gedanken kennen. Diese Mischung finde ich großartig, denn so konnte ich mir über beide Seiten meine Meinung bilden. Der Autor hat sich als Schauplatz Berlin und Prenzlauer Berg ausgesucht. Das ist für mich als Berlinerin immer wieder spannend, denn ich kenne die von Oliver Ménard beschriebenen Orte sehr gut und konnte mich so direkt in die Schauplätze hineindenken.

Zur Hauptfigur Christine Lenève hatte ich von Beginn an ein gespaltenes Verhältnis. Die Journalistin wirkte auf mich arrogant, besserwisserisch und schnippisch. Doch ich muss die Protagonistin nicht lieben. Ein wenig Reibung finde ich sogar großartig, solang die Figur auch Gründe hat, warum sie so ist, wie sie ist. Christine habe ich je nach Kapitel respektiert, verlacht, beneidet und einfach nicht leiden können. Das war vollkommen in Ordnung und für mich ein anderes Leseerlebnis. Dass sie ihr eigenes Verhalten bei anderen, die so agieren, als egoistisch und nicht vertrauensbildend empfindet, ist da schon fast logisch.

Und dennoch konnte mich der Thriller nicht überzeugen. Schuld daran ist nicht mal die Story, die es in den Grundzügen auch schon ein paar Mal gegeben hat. Das Rad kann man auch bei Thrillern nicht neu erfinden. Nein, Schuld hatten die Logiklöcher, die sich immer wieder aufgetan haben und mich persönlich zur Weißglut trieben. Da werden Hinweise, die schon fast Leuchtreklamencharakter besitzen, von der so über alle Maßen intelligenten Journalistin übersehen. Da werden mal eben technische Stolpersteine übergangen, obwohl es für die Story und für mich persönlich wichtig zu wissen wäre, wie man in Panik dieses Hindernis überwindet. Und dann wird auch noch der strafrechtliche Aspekt der eigenwilligen Handlungen von Albert und Christine unter den Tisch gekehrt. 

Ich kann über kleine Ungereimtheiten gut hinwegsehen, wenn mich die Story an sich mitzieht. Doch in diesem Falle haben sie mich immer wieder aus dem Tritt gebracht, irritiert und die durchschnittliche Geschichte zum Fall gebracht. 

Oliver Ménard kann durchaus erzählen und ließ Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen. Gerade durch seine Detailverbundenheit erschafft er ein großartiges Berlin in seinem Buch. Aber das hilft alles nicht, wenn der Thriller selbst Mittelmaß ist.

Fazit: in das Hospital lass ich mich nicht nochmal einliefern. Schade!

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