12. Februar 2017

Die Handschrift des Bösen

Die Tränen des Teufels
von Jeffery Deaver
(448 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Silvestermorgen in Washington, D.C.: ein Unbekannter schießt in einem U-Bahnhof um sich und tötet 23 Menschen. So schnell wie er tötet, so schnell kann der Digger, wie er genannt wird, unerkannt fliehen. Kurze Zeit später geht ein Erpresserbrief im Rathaus ein. Der Drahtzieher verlangt 20 Millionen Dollar, ansonsten wird das Morden weitergehen. FBI- Agent Margaret Lukas ist ratlos und greift nach dem Strohhalm, der ihr vom Täter geboten wird: der handschriftliche Brief. Mit Hilfe von Handschriftsexperte Kincaid Parker ermittelt sie. Doch kann sie den Digger stoppen?

"Die Tränen des Teufels" ist eines der frühen Werke von Jeffery Deaver und hat mich sehr gut unterhalten. Der Thriller ist bereits 1999 erschienen und wird nun vom Verlag neu aufgelegt. An manchen Stellen merkt man dem Roman sein Alter an. Dennoch war es für mich ein spannendes Lesevergnügen.

Die Geschichte wird einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur dem FBI, sondern lernt auch Kincaid Parker und seinen Alltag kennen. Zudem darf auch der Täter kapitelweise seine Sicht der Dinge kundtun. Diese Mischung ist typisch für Deaver und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. 

Wer schon ein, zwei Bücher des Autors gelesen hat, weiß, dass Deaver nicht ohne einen na sagen wir konträren Charakter auskommt. In diesem Fall ist es Kincaid Parker. Der Handschriftsexperte ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet, hat sich doch zugunsten seiner Kinder aus dem aktiven Dienst zurückgezogen. Bis Lukas und ihr Kollege Cage vor der Tür stehen. Ich habe sowohl die Agenten als auch Parker sofort ins Herz geschlossen. Obwohl der Experte so manches Mal arrogant sein Wissen kundtut, bewunderte ich ihn für seine große Liebe zu seinen Kindern und seine dahingehende Härte, was den Schutz seiner Familie angeht. Auch der Digger hat mich fasziniert. Denn Deaver hat sich mit diesem Täter keinen virtuosen, sondern sehr robusten Täter ausgesucht. Stark!

Die Story hat mich von Beginn an fasziniert. Sie beginnt mit einem sprichwörtlichen Knall und entwickelt von Kapitel zu Kapitel mehr Geschwindigkeit. Dabei schafft es der Autor, nicht nur seine Figuren, sondern auch mich zu verwirren und auf falsche Fährten zu locken. Ab und an bemerkte ich holprige Übergänge, die dem Autor heute besser gelingen würden. Dennoch war ich voll und ganz in dem Thriller gefangen. 

Das Ende ist typisch für Jeffery Deaver und hat mich zum Nachdenken gebracht. Zudem lässt er mich hoffen, dass Kincaid Parker vielleicht irgendwann nochmal auftreten darf. Denn ich habe diesen Experten sehr lieb gewonnen und fände es schade, wenn er nie wieder eine Bühne bekommt.

Der Stil des Autor ist sehr gut und flüssig zu lesen. Deavers Erzählweise ist eine Mischung aus Detailreichtum, wissenschaftlichen Ausführungen und spannender FBI-Arbeit. So wünsche ich mir Thriller.

Fazit: weine nicht, wenn der Teufel sich regt. Eine klare Leseempfehlung.

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