27. Februar 2017

Schutz wider Willen

Grenzgänger
(Goldmann-Brandner-Reihe Band 4)
von Timo Leibig
(284 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Walter Brandner arbeitet gerade noch seine neue Kollegin Cahide Pfeiffer ein, da wartet auf die beiden schon der erste brisante Fall: Francis Maybach, Sohn einer gut betuchten Industriellen-Familie, wird in seinem Haus brutal überfallen. Brandner ordnet sofort Polizeischutz für den jungen Mann an, scheint doch hinter dem Überfall mehr als nur Geldgier zu stecken. Francis türmt jedoch aus Polizeischutz und taucht unter. Wie beschützt man jemanden, der nicht beschützt werden will?

"Grenzgänger" ist der 4. Fall für Brandner und Goldmann und hat mich wieder mal überzeugt. Timo Leibig nimmt den Abschied von Leonore Goldmann aus dem aktiven Dienst zum Anlass, um nicht nur eine neue Kollegin vorzustellen, sondern auch seine Leser in neue Abgründe zu entführen. Damit konnte er mich wieder in seinen Bann ziehen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Während man im Vorgänger hautnah an den Tätern dran war, folgt man in diesem Fall, bis auf wenige Kapitel, Brandner, Pfeiffer und ihren Ermittlungen. In einigen Abschnitten kommt auch die Mafia zu Wort, die aber ebenso wie die Polizei im Dunkeln tappt. Gerade diese Kombination von zwei so unterschiedlichen Seiten sorgte bei mir für Spannung und einen Lesesog.

Obwohl die Fälle in sich abgeschlossen sind, empfehle ich sehr, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Denn nur so kann man die Entwicklungen, die Brandner, Goldmann und auch die neuen Teammitglieder durchmachen, verfolgen und nachvollziehen. Ich hege für den Kommissar Brandner schon seit dem ersten Fall Sympathie und diese wächst von Buch zu Buch. Alle Figuren haben ihre Ecken und Kanten, keine ist glatt gebügelt oder nach dem Schema Schwarz/Weiß erschaffen. Timo Leibig hält sich aber zurück, mit Klischees zu arbeiten. Das ist erfrischend und für mich ein weiterer Grund, warum ich seine Thriller so mag.

Die Story an sich beginnt mit einem sprichwörtlichen Knall. Der Autor geht so offensiv blutig wie noch nie in die Offensive, schubst seine Leser mitten hinein in die Qualen einer Mutter, nur um dann immer mehr Abgründe zu offenbaren. Die Spannung steigt von Kapitel zu Kapitel, ohne dass Timo Leibig übertreibt, überspitzt oder die Realität aus dem Blick verliert. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ich den Thriller innerhalb eines Wochenendes durchgelesen habe.

Das Finale ist filmreif, aber logisch und konsequent herbeigeführt. Brandner und sein Team begeben sich nicht unnötig in Gefahr, sondern handeln realitätsnah und somit logisch. Toll!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt und erschafft Bilder vor dem inneren Auge. So konnte ich über das gesamte Buch hinweg mitfiebern.

Fazit: neue Kollegen, gleichbleibend hohe Spannung. Ich kann das Buch sehr empfehlen.

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