Sonntag, 12. März 2017

10 Millionen für deinen Kopf!

Achtnacht
von Sebastian Fitzek
(400 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ben Rühmann ist ein gescheiterter Musiker. Nichts in seinem Leben lief glatt. Seine Tochter liegt im Koma, seine Ex-Frau ist eher bemüht als herzlich. Und dann gerät Ben auch noch in die Achtnacht. Nicht als Jäger, nicht als Zuschauer, sondern als Geächteter. 12 Stunden ist er vogelfrei und darf getötet werden. Dem erfolgreichen Mörder winken 10 Millionen Euro. Lasst die Nacht beginnen!

"Achtnacht" ist der neuste Thriller von Sebastian Fitzek und hat mich wieder mal in seinen Bann geschlagen. Der Autor hat sich, wie unschwer zu erkennen ist und wie er selbst sagt, von dem Film "The Purge" zu seinem Werk inspirieren lassen. Doch im Gegensatz zum Film ist hier die Jagd auf einen einzelnen eröffnet und nimmt Dimensionen an, die gefährlich und leider erschreckend real sind.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Kapitelweise folgt man dem Geächteten Ben, seiner Mitspielerin Arezu so wie zwei gewieften Jägern, die dem gesamten perfiden Spiel noch zusätzlichen Schwung verleihen. Diese rasante Mischung hat mir sehr gut gefallen. Sebastian Fitzek jagt seine Leser durch Berlin, spielt mit Empörung, Zweifel und dem Gedanken "aber wenn es doch legal ist?". Grandios!

Die Figuren sind in meinen Augen sehr gut gelungen, wenn auch nicht mit Tiefe gesegnet. Der Autor gibt nur das preis, was man für die Story unbedingt wissen muss. Nicht mehr und nicht weniger. Mich hat das wenig gestört, denn der Thriller lebt von seinem Tempo und der Jagd, nicht von Charakterstudien. 

Ich hatte zu Beginn Zweifel, ob Sebastian Fitzek aus der Grundidee von "The Purge" etwas eigenes machen kann. Eine Nacht, in der alle Straftaten legal sind, erscheint schon verführerisch. Doch der Autor macht zum Glück daraus eine ganz eigene Idee. Was wäre, wenn jeder Bürger jemanden für die Achtnacht nominieren darf? Wenn man ungestraft Jagd auf einen Menschen machen kann und dafür auch noch mit 10 Millionen Euro belohnt wird? Verführerisch, oder? Und wie lange würde man selbst überlegen, ob das Ganze wirklich so legal ist, wie der Veranstalter es versichert? Wann hört die eigene Moral auf? Wann wird man DER Mob, vor dem man sonst die Nase rümpft? Genau diese Fragen wirft Fitzek in seinem Thriller auf und lässt seine Leser das Wechselbad der Gefühle hautnah erleben. Und so ist das Buch nicht nur spannend, sondern auch ein Spiegel der heutigen Gesellschaft, die lieber Fake-News glaubt, anstatt selbst zu denken. 

Das Finale gerät da schon fast in den Hintergrund. Es ist gut herbeigeführt, wenn auch an einem Punkt zu gewollt. Die Lösung erschien mir zu einfach. Aber das tat meinem Lesespaß keinen Abbruch. 

Der Stil von Sebastian Fitzek ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, fesselnd und er lässt einem gar keine andere Möglichkeit, als immer weiter zu lesen. Klasse!

Fazit: komm mit auf die Jagd. Ich kann das Buch sehr empfehlen. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen