Samstag, 11. März 2017

Das Böse kann auch weiblich sein

Killerfrauen 
von Stephan Harbort
(240 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

In Thrillern sind die Serienmörder zumeist männlich. Denn weibliche Täter sind seltener, aber keinesfalls ungefährlicher. Der Serienmordexperte Stephan Harbort widmet sich in seinem neusten Sachbuch genau diesen Frauen und beweist, dass das Böse kein Geschlecht kennt.

Stephan Harbort befasst sich in seinem Sachbuch mit Mörderinnen aus der näheren Vergangenheit. Dabei beschäftigt er sich pro Kapitel mit einer Täterin und zeigt auf, wieso diese Frauen zu Mörderinnen wurden.

Die Erzählungen der Tathergänge und auch der Geständnisse sind einfach gehalten. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass mir jemand das nacherzählt, was er im Fernsehen gesehen hat. Das ist nicht zwingend schlecht, wirkte aber ab und an unbeholfen. 

Sobald sich der Autor aber mit den Hintergründen, der Psyche der Täterinnen und den Zusammenhängen beschäftigte, blühte seine Sprache und seine Schilderungen auf. Mit Fachbegriffen gespickt berichtet er, warum eine Frau ihre Kinder tötet, wie solche Persönlichkeiten entstehen können und warum sie dennoch schuldfähig sind. Das hat mich fasziniert.

Besonders beeindruckt hat mich das Interview mit einer Patientenmörderin. Denn hier erfährt man sehr direkt, was in einer Täterin vorgeht. Und man muss sich eingestehen, dass sich diese Frauen wenig von einem selbst unterscheiden. Ja, sie weisen Persönlichkeitsstörungen auf oder sind emotional einfach nicht in der Lage, Empathie zu empfinden, doch wer gehofft hat, hier die "Irren" zu sehen zu bekommen, der wird enttäuscht. Stephan Harbort zeigt schonunglos, dass Mörderinnen sich perfekt in den Alltag integrieren und nicht zu erkennen sind. Das macht schon Angst.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist fachlich, überfordert aber den Leser nicht. Allerdings sollte man ein gewisses Grundwissen an Fachbegriffen mitbringen. Durch die Zusammenhänge lässt sich das aber auch erschließen.

Fazit: Töten kann jeder. Ich kann das Buch als Lektüre für Thrillerleser empfehlen.

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