15. März 2017

Recherche ist wie Lego - Ein Abend mit Titus Müller



Begeistert habe ich das neuste Werk von Titus Müller gelesen. Mit Der Tag X nimmt der Autor seine Leser mit zum Arbeiteraufstand 1953 in der DDR. Und nun kam Titus in die Stadt, in der der Aufstand Massen bewegte.

In der wunderbar gemütlichen Buchhandlung Uslar & Rai gab sich der in Leipzig geborene Autor die Ehre. Schon vor dem offiziellen Beginn konnte man Titus Müller in lockerer Runde mit der Moderatorin Shelly Kupferberg beobachten. Die beiden klärten noch letzte Details über den Ablauf, bevor es dann wirklich los ging.


Schon beim Einstieg wurde klar, dass sich hier einer der großen des Genres die Ehre gibt. Shelly Kupferberg gab einen kurzen Abriss über Titus' Laufbahn, seine Werke und seine Erfolge. Der Autor lächelte spitzbübisch und gab bereitwillig und sehr locker Auskunft über seine ersten Gehversuche. 

Als der Schwenk zu seinem aktuellen Buch kam, merkte ich deutlich, wie tief Titus Müller in der Materie rund um den 17. Juni steckt. Ohne Notizen, Spickzettel oder Karten erzählte er anschaulich von seinen Recherchen, seinen Entdeckungen und wie weit er für sie ging. So "schlich" er sich in die Archive ein, in dem er einfach nur angab, ein Buch über den Aufstand schreiben zu wollen. Dass die Archivare fälschlicherweise von einem Sachbuch ausgingen, dafür kann Titus ja nichts ;)


Titus spricht über seine Recherchen


Mit einem Glänzen in den Augen schilderte Titus Müller lebhaft, dass Recherche für ihn wie Spielen mit Legosteinen ist. Er will aus den Vollen schöpfen, alles tun können. Zu wenig Steine würden ihm nur eine starre Geschichte vorgeben. Dazu passt auch, dass ein Lektor ihn regelmäßig mit "Hör auf zu recherchieren und schreib endlich" an seine eigentliche Berufung erinnern muss.

Als Titus zu lesen begann, wurde es gespannt still in der Buchhandlung. So mancher Autor ist zwar zum Schreiben, aber nicht zum Lesen geboren. Bei Titus hingegen wünsche ich mir, dass er seine Bücher selbst für seine Hörbücher einliest. Mit seiner warmen, sympathischen Stimme hauchte er seinen Figuren Leben ein. Und dabei wirkte er sehr natürlich und positiv routiniert. 


Nach der Lesung gab es noch eine kleine Dia-Show, die den Verlauf des Aufstandes aufzeigte. Auch hier konnte der Autor mit Hintergrundwissen beeindrucken und machte so für mich Geschichte erlebbar.

Der Abend war rundum gelungen. Ich hätte sowohl Titus Müller als auch Shelly Kupferberg noch Stunden zuhören können und sage voller Begeisterung DANKE für den schönen Abend!

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