Sonntag, 23. April 2017

Eine Spirale des Bösen

Geständnisse
von Kanae Minato
(272 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Die Tochter von Moriguchi ertrinkt im Schwimmbecken der Schule, an der Moriguchi unterrichtet. Was zunächst wie ein tragischer Unfall aussieht, entpuppt sich als Mord. Und die trauernde Lehrerin weiß auch, wer es war. Doch statt die Polizei einzuschalten, reißt die Mutter ihre Klasse mit einem Geständnis in ein schwarzes Loch aus Rache, Schuld und Sühne.

"Geständnisse" von Kanae Minato war mein erster Roman der Autorin und lässt mich eher enttäuscht denn begeistert zurück. Der Klappentext klang sehr vielversprechend, jedoch konnte Minato meine hohe Erwartung nicht erfüllen.

Die Geschichte wird kapitelweise von einer anderen Person aus der Ich-Perspektive erzählt. So erfährt man nicht nur den Schmerz von Morguchi, die ihre Tochter verloren hat, sondern erfährt auch, wie die Schüler in den Mord verwickelt sind. Dabei hat jede Figur eine ganz eigene Art, mit dem Erlebten fertig zu werden. Von Wut über psychischen Zusammenbrauch bis hin zu Rache ist alles vertreten. Diese Mischung hat mir gut gefallen, denn Kanae Minato zeigt, dass ein Tod nie eindimensional ist.

Jedoch blieben mir alle Charaktere fern. Ich konnte zu keiner Figur eine Bindung aufbauen, egal, ob ich ihre Beweggründe nachvollziehen konnte oder nicht. Dies mag zu einem an dem kühlen Stil der Autorin liegen, dem zwar glasklare Schilderungen, aber null Emotionen zugrunde liegen. Zum Anderen empfand ich die Reaktionen der handelnden Schüler als sehr übertrieben. Denn ihre erste Lösung war immer Tod, Qual oder Demütigung. Niemand kam auf die Idee, sich in irgendeiner Art und Weise staatlichen Stellen oder Vertrauenspersonen anzuvertrauen. Dies mag auf die stark leistungsorientierte Gesellschaft Japans zurückzuführen sein, jedoch war es für mich einfach unglaubwürdig.

Und obwohl die Story mit immer wieder neuen Schockern aufwartete, entlockten mir diese keinerlei Reaktion. Zu kühl, zu distanziert waren die Schilderungen, zu wenig berührten mich die Beweggründe. Und wenn ich keine Beziehung aufbauen kann, können die Tötungspläne noch so perfide sein, es wird für mich uninteressant.

Der Stil von Kanae Minato ist gut zu lesen, wenn auch leicht gewöhnungsbedürftig. Ihre Erzählweise ist schnörkellos, kalt und emotionslos. 

Fazit: grausame Ideen ohne Bindung bleiben leider blass. Ich kann es daher nicht empfehlen.

Freitag, 21. April 2017

Ein Traumhaus wird zum Albtraum

The girl before
von J.P. Delaney
(400 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Jane sucht ein neues Zuhause. In ihrem alten kann sie nicht bleiben, zu vieles erinnert sie an ihre tote Tochter Isabel. In der Folgate Street 1 scheint sie das Traumhaus gefunden zu haben: hochmodern und sicher. Jedoch stellt der Eigentümer scharfe und exzentrische Regeln auf. Jane will es versuchen. So wie es vor ihr Emma getan hat. Doch Emma ist tot...

"The girl before" ist das Thrillerdebüt von J.P. Delaney und hat  mir insgesamt gut gefallen. Der Autor spielt geschickt mit der Vergangenheit und Gegenwart seiner Figuren und zieht seine Leser in eine Strudel aus Perfektion und Narzissmus.

Die Geschichte wird sowohl von Jane als auch von Emma aus der Ich-Perspektive erzählt. Während man mit Jane gegenwärtig in das Haus einzieht und lebt, erlebt man mit Emma die Vergangenheit und ihr Leben in der Folgate Street 1. Beide Frauen haben eines gemeinsam: ihre Faszination für den Eigentümer Edward. Und der ist beileibe kein sympathischer Mann: egozentrisch, perfektionistisch und narzisstisch beherrscht er nicht nur seine Firma, sondern auch jede Person, die mit ihm Umgang pflegen muss. Diese Mischung hat es mir von Beginn an angetan und ich war sehr neugierig, wie Vergangenheit und Gegenwart zusammenhängen.

J.P. Delaney erschafft mit Edward eigentlich das Sinnbild des reichen Egomanen, der im Romance-Bereich so vergöttert wird. Ich hatte zugegebenermaßen Angst, dass auch der Autor sich auf diese Welle schwingt und die Gefahren achtlos beiseite streicht. Doch meine Befürchtung war unbegründet. Delaney stellt Edward schonungslos ehrlich da, macht die Faszination der Frauen und ihre Beweggründe greifbar, lässt aber ebenso kritische Stimmen mehr als deutlich zu Wort kommen. Insgesamt zeigt der Autor ganz genau, welche Gefahren hinter Edwards Kontrollwahn lauern. Das fand ich erfrischend anders.

Die Story ist spannend geschrieben und hat mich großteilig mitgerissen. Es gab zwar Kapitel, bei denen ich dachte, dass selbst der Autor nicht mehr weiter weiß, dennoch hat es mir Spaß gemacht, mit Jane und Emma in Folgate Street 1 zu leben. Ich habe mit ihnen gefiebert, geliebt und um mein Leben gebangt. Auch der Schluss konnte mich, trotz meiner Skepsis, was da noch kommen möge, überraschen und überzeugen. Toll!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, offen und versteckt sich nicht hinter abschwächenden Beschreibungen. Das fand ich großartig.

Fazit: willkommen im gruseligsten Haus Londons. Ich kann das Buch empfehlen.

Montag, 17. April 2017

Bücherfasten 2017 oder "Immerhin nicht zugenommen!"

(Quelle: Büchereule)

Hallo Ihr Lieben,

Ostern ist fast vorbei und somit endet auch mein Fasten. Seit Aschermittwoch habe ich keine Bücher mehr gekauft. Jedoch meinte es Fortuna sehr gut mit mir, denn gerade in den ersten Wochen trudelten viele Büchergewinne ein. Ich hatte sogar kurzzeitig überlegt, Lotto zu spielen ;) 

Wie ist es denn nun ausgegangen?

Anzahl SuB am 1.3.2017: 268
Anzahl gelesener Bücher: 13
Anzahl hinzugekommener Bücher: 13
Anzahl SuB am 16.4.2017: 268
Anzahl SuB am 26.4.2017:

Das nenne ich mal konstant *lach* kein Zuwachs, aber auch kein Abbau. Nun ja, ich scheine fürs Abbauen nicht gemacht zu sein. Dennoch hat es mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich gerade nach stressigen Tagen mit sehnsüchtigem Blick an der Buchhandlung vorbeigegangen bin. Aber eines ist mir aufgefallen: mein SUB birgt so viele schöne Schätze, dass ich wohl bis Ende 2018 fasten könnte (!!). Aber wer will das schon? ;)

Samstag, 15. April 2017

Das Grauen hört nicht auf

Heldenflucht
von Jan Kilman
(512 Seiten)


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Deutschland, 1918: der Krieg ist gerade zu Ende und in dem kleinen Dorf Kirchbach wartet man ungeduldig auf die Heimkehrer. Die Kriegsreporterin Agnes Papen kümmert sich um ihren kranken Onkel, der Arzt des Dorfes versucht die Erinnerungen in Alkohol zu ertränken. Während die Frauen in der nah gelegenen Fabrik schuften, versucht der junge Franz sein Glück im Wald. Und stolpert dabei über eine Leiche...

"Heldenflucht" ist der erste Roman von Jan Kilman und hat mich von Beginn an begeistert. Der Autor schreibt hier unter einem Pseudonym, doch man merkt dem gesamten Buch an, dass er sich normalerweise im Krimisegment herumtreibt. Wer sich aber hinter Jan Kilman verbirgt, bleibt geheim. Doch eines ist klar: Geschichten erzählen kann er. 

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Kapitelweise folgt man Franz, der als Dummkopf gilt, jedoch mehr Intelligenz beweist als viele, Agnes, die ihren kranken Onkel pflegt, Ruben Lieberstock, dem Inhaber des Krämerladens und Wiebke, die als Magd auf dem Hof des Dorfvorstehers arbeitet. Dieser bunte Figurenreigen macht den Roman hochinteressant und spannend. Und obwohl das Ensemble auf den ersten Blick wuselig wirkt, hatte ich zu keinem Zeitpunkt Probleme dem Geschehen und den Zusammenhängen zu folgen. Jan Kilman versteht es sehr gut, jeder Figur Eigenarten zu geben, so dass schon ein winziger Hinweis genügt um zu wissen, wo man mit wem unterwegs ist. Toll!

Die Story spielt zum ersten Weihnachtsfest in Friedenszeiten nach dem 1. Weltkrieg. Die Dorfbewohner kämpfen mehr schlecht als recht ums Überleben, es herrscht Ungewissheit und Furcht. Als in Kirchbach dann auch noch ein stummer Soldat auftaucht, droht die Gemeinschaft zu zerbrechen. Der Autor zeigt eindrucksvoll, dass es auch zu damaliger Zeit nicht nur Ablehnung, sondern auch Herzlichkeit und Menschlichkeit gab. Mit Ruben und Agnes hat er zwei große Sympathieträger eingeführt. Ich konnte mich mit beiden identifizieren und habe mit ihnen getüfelt, Kranke gepflegt und nach Ideen gesucht, wie man das Leben besser machen könnte. 

Und obwohl der Roman viel Hoffnung enthält, macht Jan Kilman keinen Hehl daraus, wie krank die Männer aus den Schützengräben zurückkamen. In seinem Buch finden sowohl Kriegszitterer, als auch Alkoholiker und Realitätsverweigerer Einzug. Dabei nutzt er aber nicht den Zaunpfahl, sondern deutet vieles an. Doch genau das  macht den Schrecken so greifbar und ich musste beim Lesen manches Mal schlucken. 

Das Ende ist rund, wenn auch etwas zu dick aufgetragen. Hier hätte ich die Devise "Weniger ist mehr" toll gefunden. Jedoch ist das Werk von vorn bis hinten durchdacht und ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist bildhaft, direkt und entwickelt einen Sog, dem ich mich schwer entziehen konnte.

Fazit: Nach dem Krieg bedeutet nicht automatisch Frieden. Klare Leseempfehlung.

Montag, 10. April 2017

Auf grausige Nachbarschaft

The couple next door
von Shari Lapena
(348 Seiten)


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Anne und Marco sind frisch gebackene Eltern. Doch zu einer kleinen Feier ihrer Nachbarn gehen sie ohne ihre Tochter. Was soll auch schon passieren? Sie schauen alle halbe Stunde nach der Kleinen und das Babyphone haben sie auch dabei. Als die beiden in der Nacht heimkommen, wollen sie ihre Tochter in den Arm nehmen. Doch die Wiege ist leer...

"The couple next door" ist das Thrillerdebüt von Shari Lapena und konnte mich, trotz einiger Schwächen, überzeugen. Die Autorin greift sich die größte Angst junger Eltern und verwandelt den Alptraum in ein Horrorszenario, in dem sich nicht mal mehr die Liebenden trauen. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Und obwohl man nur Beobachter ist, erfährt man teils sehr detailliert, was in den Köpfen von Anne, Marco, der Nachbarin Cynthia und den Polizisten vorgeht. Aus einer gemütlichen Dinnerparty wird der schlimmste Alptraum und mit jedem Kapitel mehr kam mein Vertrauen in die Figuren ins Schwanken. Denn jeder hat etwas zu verbergen und die Autorin spielt diese Geheimnisse geschickt gegeneinander aus.

Dabei sind die Figuren nicht durchweg sympathisch und glatt, sondern zeigen tiefe Zerwürfnisse. Das fand ich sehr gut. Shari Lapena baut eine perfekte Kulisse auf, nur um sie dann Stück für Stück einzureißen. Gerade, wenn man denkt, dass man den richtigen Charakter zum Nicht-Mögen gefunden hat, gibt es wieder eine neue dunkle Seite und das gesamte Vertrauen bricht wieder ein. Leider weißt so manche Figur zu viele Schattenseiten auf, so dass es teilweise unglaubwürdig wurde.

Die Story selbst ist von Beginn an spannend und fesselnd erzählt. Was zunächst wie ein Familienroman wirkt, entpuppt sich schnell als der versprochene Thriller. Ich habe die gesamte Zeit über mitgefiebert, teilweise die Charaktere beschimpft und wollte einfach wissen, wer wie mit der Entführung zu tun hat.

Jedoch gibt es auch Schwächen: zum Einen wiederholt die Autorin permanent und ständig die Namen ihrer Figuren. Statt mal Synonyme zu verwenden, bekommt man mindestens einmal pro Satz den Vornamen vorgekaut. Das hat mich zu Beginn sehr genervt, im weiteren Verlauf habe ich darüber hinweg gelesen. Zum Anderen war der Schluss dann doch überzeichnet und zu viel des Guten. Shari Lapena hätte gut daran getan, ihren Thriller 20 Seiten vorher zu beenden, ohne dass der Leser etwas vermisst hätte.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, ohne Umschweife und detailreich, wo es von Nöten ist. Super!

Fazit: weißt du, was deine Nachbarn tun? Trotz der Schwächen kann ich es empfehlen.

Samstag, 8. April 2017

Das Buch der Schlichtheit

Das Buch der Spiegel
von E. O. Chirovici
(384 Seiten)


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Der Verleger Peter Katz bekommt eine ungewöhnliche Mail. Deren Inhalt: ein Manuskript und ein Anschreiben von Richard Flynn, der seine Lebensgeschichte erzählen will. Und diese Autobiographie enthält unter anderem Hinweise auf einen alten Mordfall. Das Problem: das Manuskript endet abrupt. Wo ist der Rest? Und wer war der Mörder?

"Das Buch der Spiegel" von E.O. Chirovici war ein weltweiter Erfolg und hatte mich aufgrund seiner Inhaltsangabe neugierig gemacht. Der Autor nimmt seine Leser mit auf eine Entdeckungstour von Wahrheit und Wahrnehmung, von Wunsch und Wirklichkeit. Dem Hype und meinen Erwartungen wurde er allerdings nicht gerecht.

Die Geschichte ist in 3 Teile eingeteilt und jeder ist aus der Ich-Perspektive der jeweiligen Hauptperson erzählt. So liest man gemeinsam mit Peter Katz das Manuskript, forscht mit dem Journalisten John Keller nach den Hintergründen und deckt mit dem pensionierten Polizisten Roy Freeman die Hintergründe auf. Dieses Dreiergespann hat mir sehr gefallen und E.O. Chirovici versteht es perfekt, jeder Figur ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich vermutet, dass hier 3 Autoren am Werk waren. Das hat mich wirklich beeindruckt.

Leider kann die Story nicht mit den wunderbar gestalteten Figuren mithalten. Auf der Jagd nach dem verschollenen Teil des Manuskripts deckt man zwar gemeinsam mit den Protagonisten immer neue Spuren und Details auf, jedoch bleibt der gesamte Verlauf blass und schlicht. Das kann je nach Erzählung durchaus zum Vorteil gereichen, hier hinterlässt es aber bei mir nur ein Schulterzucken. Ich habe beim Lesen öfter gedacht, wo mich das Ganze hinführen soll und auch das Ende war nun eher erwartet als überraschend. Auch wenn der Roman von vorn bis hinten durchdacht und logisch aufgebaut ist, war es für mich zu schlicht, zu allgemein, zu profan.

Der Stil von E.O. Chirovici ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist ruhig, besonnen und auf den Punkt. Seine Liebe zum Detail fand ich toll und das hielt mich auch bei der Stange.

Fazit: für mich war der Blick in den Spiegel zu simpel. Dennoch ist der Roman etwas für Liebhaber ruhiger Geschichten.

Donnerstag, 6. April 2017

Die Vergangeheit verheilt nie

Nach dem Schmerz
von Lucas Grimm
(320 Seiten)


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Hannah Gold ist eine gefeierte wie gefürchtete Cellistin. Sie ist ein Genie in der Musik und ein Teufel im sozialen Leben. Und sie fühlt keinen Schmerz. Nicht mehr, seit sie als Kind vor den Augen ihres Vaters von Russen gefolter wurde. Hannah hatte mit der Vergangenheit abgeschlossen. Bis ein Hinweis sie zwingt, die Vergangenheit erneut aufleben zu lassen...

"Nach dem Schmerz" ist der erste Thriller von Lucas Grimm und hat mir insgesamt gut gefallen. Der Autor verbindet geschickt die Spionage in der DDR mit der Gegenwart und zeigt, wie durchtrieben beide Staaten vor dem Fall der Mauer waren. Beängstigend!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei verfolgt man nicht nur Hannah Gold, die sich mit alten Feinden konfrontiert sieht, sondern begleitet auch den gescheiterten und echt unsympathischen Journalisten David Berkoff, der in Kriegsgebieten mehr Elend gesehen hat, als sein Hirn aushalten könnte. Und so muss der Leser sich nicht nur mit der DDR und ihren Machenschaften befassen, sondern erlebt hautnah mit, wie sich der Journalist das Hirn zu Brei säuft. Für mich ist dies eine gelungene Mischung und sie hat mich direkt in ihren Bann gezogen.

Denn weder Hannah noch David sind Sympathieträger. Im Gegenteil, Berkoff ist ein abgewracktes Arschloch, den ich im echten Leben mit Verachtung und Missbilligung gestraft hätte. Getrieben von der Gier nach Erfolg, nach Bewunderung und nach Geld geht er über Leichen und verspieltes Vertrauen. Hannah ist da zwar anders, dennoch keineswegs liebenswürdiger. Als gefeierte Cellistin erlaubt sie sich so gut wie jede Macke, die einem einfallen kann. Zudem sind ihr Menschen, die sie lieben, herzlich egal. Sie kennt nur eine Person: sich selbst. Und selbst diese Person würde sie zerstören, wenn es sie zum Ziel führt.  Für mich müssen Charaktere nicht liebenswert sein, um eine Geschichte toll zu finden. Hier hat es sehr gut gepasst, dass David und Hannah vom Leben gezeichnete und gebrochene Persönlichkeiten sind.

Die Story selbst ist spannend und über weite Strecken fesselnd. Lucas Grimm fordert seine Leser zum Mitdenken und Kombinieren heraus. Er schafft es, innerhalb weniger Kapitel die Geschichte der Spionage zwischen DDR und BRD anschaulich und greifbar zu erklären, ohne dabei Infodumping zu betreiben. Auch die Verwicklungen des Verfassungsschutzes hat er für mich glaubwürdig dargestellt. Lediglich im letzten Drittel verliert sich Lucas Grimm in Verfolgungsjagden, von denen ich aufgrund der Vielzahl leicht angenervt war. Ingesamt ist der Thriller aber gelungen.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, manchmal nachdenklich, aber nicht gelangweilt. Toll!

Fazit: die DDR ist nicht so tot, wie wir dachten. Ich kann das Buch empfehlen.

Dienstag, 4. April 2017

Der Polizei kannst du vertrauen, oder?

Leidenschaft
(Good Boys gone bad Teil 7)
von Martin Krist
(135 Seiten)


Eine Leseprobe und mehr findet Ihr hier

Ellen hat sich von ihrem Mann getrennt und von dem starken Geschlecht die Schnauze voll. Dieser Meinung ist sie erst recht, als sie eines Abends im Central Park überfallen wird. Zum Glück ist Detective Warren zur Stelle. Bricht er ihren Eispanzer?

"Leidenschaft" ist der 7. Teil der "Good Boys gone bad"-Reihe und hat mich eingefleischten Thrillerfan überzeugt. Ich hatte mich ja vom Genre Romance verabschiedet, aber wenn sich Martin Krist in das Subgenre Dark Romance vorwagt, wollte auch ich nochmal einen Versuch starten. Bereut habe ich es nicht.

Die Geschichte wird von Ellen selbst erzählt. Nachdem sie ihren Mann zum Teufel gejagt hat, versucht sie nun, mit Unterstützung ihrer besten Freundin Pretty, wieder auf die Beine zu kommen. Nur blöd, dass sie die Rechnung ohne Detective Warren gemacht hat, der schlagartig ihr Leben betritt und alles erneut durcheinander wirft. Ellen ist endlich mal kein klischeehaftes graues Mäuschen, sondern eine gestandene Frau, die ihr Leben in die eigene Hand nimmt. Das hat mir sehr gefallen.

Martin Krist ist bekannt für seine gut strukturierten Thriller. In seinem ersten Dark-Romance-Roman zeigt er, dass er immer noch weiß, wie er seinen Lesern eine andere Art von Prickeln und Gänsehaut verschafft. Erfrischend ist dabei, dass er nicht auf ausgelutschte Abziehbildchen a la "Millionär meets Jungfrau" zurückgreift, sondern mit Ellen und Warren zwei Figuren erschaffen hat, die man sich auch im realen Leben gut vorstellen kann. Toll!

Neben den heißen Szenen kommt aber auch der Spannungsanteil nicht zu kurz. Und so ist "Leidenschaft" nicht nur was für eingefleischte Romance-Leserinnen, sondern empfiehlt sich auch für Leser, die nach viel Mord und Blut zwischen den Buchseiten in ein zerwühltes Bett flüchten wollen. Großartig!

Sonntag, 2. April 2017

Bücherfasten 2017 - erste Eindrücke


(Quelle: Büchereule)

Hallo Ihr Lieben,

die ersten 4 Wochen des Fastens sind rum und irgendwie habe ich das Prinzip nicht ganz verinnerlicht. Wochenlang gewinne ich nichts, nicht mal eine Büroklammer. Aber kaum nehme ich mir vor, dass keine Bücher mehr bei mir einziehen, trudeln hier Romane über Romane ein. Vielleicht sollte ich auch mal nach diesem Prinzip Geldfasten ;)

Und das sind die Zahlen:

Anzahl SuB am 1.3.2017: 268
Anzahl gelesener Bücher: 10
Anzahl hinzugekommener Bücher: 11
Anzahl SuB am 16.4.2017:
Anzahl SuB am 26.4.2017:

Aktuell habe ich also trotz Fastens ein Buch zugenommen. Ist ja fast wie bei einer Diät *lach* Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Motiviert geht es weiter! TSCHAKKA!