27. Juni 2017

Litcamp17 oder das Woodstock für Buchmenschen




Die Liebe zur Literatur und zu Büchern kennt keine Wege. Daher fuhr ich gemeinsam mit Martin Krist an einem schönen Juniwochenende nach Heidelberg, um dort das Literaturcamp 2017,  kurz litcamp17, zu besuchen. Für uns beide war es das erste Mal. Was würde uns erwarten?


Was ist ein Literaturcamp überhaupt?
Diese Frage habe ich mir zugegebenermaßen vorab gar nicht gestellt. Ich war so beseelt von der Idee mit einem Autoren irgendwo hinzufahren, dass ich mir um den Ablauf wenig Gedanken gemacht habe. 
Das Litcamp ist ein Barcamp mit dem Oberthema Literatur. Nun kann man Begriffe nicht mit anderen, unbekannten Begriffen erklären (meine Psychologielehrerin wäre stolz auf mich). Ein Barcamp ist nichts weiter als eine Veranstaltung, auf der in Sessions (Gesprächsrunden) Wissen und Begeisterung geteilt werden. Dabei werden diese Runden aber nicht von Profis, Werbern oder ähnlichem gehalten, sondern von den Barcampbesuchern selbst. Ja, so hab ich zu Beginn auch geschaut. Aber hat nicht jeder von uns Wissen, Begeisterung und/oder Ideen, die er gern teilen möchte?

Ganz wichtig: Twitter und Instagram sollten vorhanden sein und genutzt werden. Das Barcamp lebt nicht nur von der Interaktion vor Ort, sondern auch über das Teilen in den sozialen Netzwerken. Und wer jetzt sagt "kenn ich nicht, kann ich nicht", der findet auf dem Camp mindestens 20 Menschen, die es ihm freudestrahlend erklären.


Der erste Tag oder "War es das mit der Tiefgründigkeit?"
Martin und ich schlugen locker, ohne Erwartungen, aber mit einer gewissen Gespanntheit beim Camp auf. Wir wussten beide nicht, wie der Tag ablaufen würde und beschlossen, uns einfach treiben zu lassen.
Mit ein wenig Verzögerung (böse Technik und böses Mikro) ging es dann auch mit der Begrüßung durch Suse los. Bevor sie jedoch überhaupt zum Camp und dem Ablauf kam, erinnerte sie daran, dass Meinungsfreiheit nicht mehr so selbstverständlich ist, wie wir uns das wünschen und es Menschen gibt, die für ihre Meinung im Gefängnis sitzen.


Ab diesem Punkt ging es dann Schlag auf Schlag. Es folgte ein Einblick in den Ablauf, eine Vorstellungsrunde (bei fast 200 Leuten war ich positiv von der Disziplin überrascht) und schon ging es in die Sessionplanung. Und da musste man aufpassen, dass man nicht direkt überrannt wird. Es stellten sich mehr Teilnehmer für die Vorstellung ihrer Session an als Menschen sitzenblieben. Selbst die Organisatoren waren überwältigt.


Nachdem jeder seine Session vorgestellt hatte, wurden die Räume verteilt, die Kameras gerichtet und der Startschuss fiel. Meine erste Session "Das Publisherparadoxon" bestätigte dann leider auch direkt die Befürchtungen, die ich hatte: Selbstmitleid trifft auf Selbstbeweihräucherung. Der Sessiongeber jammerte (so böse muss ich es sagen) über zu niedrige Verkaufszahlen seines Literaturmagazins, sagte aber zeitgleich "Ich habe keinen Bock auf Verkauf". Nun, wer das eine will, muss das andere mögen. Die Kritik, die ihm an seiner Vorgehensweise entgegenschlug, nahm er allerdings offen und fast ohne Rechtfertigungsversuche auf.

Leicht desillusioniert trabte ich zur Session "Literaturplattformen" und wurde positiv überrascht. Die Runde diskutierte freudig über verschiedene Plattformen wie lovelybooks, goodreads und Bücherforen, erörterte deren Nutzung und wie sinnvoll oder sinnlos die Teilung der Inhalte auf den sozialen Kanälen ist. 
In einem Punkt waren sich viele einig: sinn befreites Link teilen über alle Kanäle hinweg schreckt ab und führt eher dazu, dass sich Follower abwenden.

Der Nachmittag verging mit einer weiteren Session, der ich eher lauschte als mich aktiv zu beteiligen. Toll war jedes Mal die Diskussionsfreudigkeit der anderen Buchmenschen, die sich auch bei gegensätzlichen Positionen nie angefeindet haben. Grandios!

Doch so leichtgängig die Runden waren, so oberflächlich waren sie auch. Viele Themen konnten nur angerissen werden, tiefgründige Diskussionen hatten keinen Platz und alles in allem war der erste Tag für mich nett. Ich hatte mir etwas anderes erhofft: mehr Feuer, mehr Leidenschaft, Themen abseits des üblichen "Wie mach ich mich bekannter"-Geplauder.

Und so zogen Martin und ich am Nachmittag ab und ließen in der Heidelberger Altstadt den Tag ausklingen. Natürlich diskutierten wir auch über die Möglichkeiten des Camps und eines war klar: morgen müssen wir selbst ran!

Kommentare:

  1. Ich kann mir richtig vorstellen, wie ihr da gesessen und zugehört und ab und zu die Augen verdreht habt. ;)
    Ich glaube man darf auch nicht zu viel Philosophie ums Teilen, Verbreiten und Links verschicken machen. Wenn man ne gute Leistung erbringt und einen Hauch von Anstand besitzt (und nicht rumspamt), dann schafft man es auch aus der Blogger- oder Autorenmenge herauszustechen. Es müssen ja nicht gleich 1000likes pro Tag sein. Und wenn ich mir so die Blogs ansehe, die so beliebt sind, dann frage ich mich auch ob ich das überhaupt will.

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    1. Hi, danke für deinen Kommentar :) woran machst du die Beliebtheit fest? Es gibt ja “Blogs“, die rein über Gewinnspiele ihre Reichweite erhöhen. Das ist in meinen Augen weder sinnvoll noch bietet der Blog dadurch einen Mehrwert. Dann lieber, wie du es beschreibst: überzeugen durch Qualität.

      Lg Denise

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  2. Hallöchen :)
    Danke für diesen interessanten Einblick!
    Leider konnte ich bisher selbst noch nicht aufs Litcamp, deshalb sind Berichte, besonders diejenigen die auch Pro und Contra beleuchten für mich besonders interessant. ;)
    Ich finde es Schade, dass es wohl oft nur darum geht "Wie man bekannter wird"...
    Na mal sehen wie es nächstes Jahr wird, da werde ich mal versuchen dabei zu sein. :)
    Liebe Grüße,
    Denise

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    1. Hi Denise :)
      Der erste Tag war, gefühlt, viel Schaulaufen. Das fand ich auch schade. Aber der Sonntag war ganz anders. Und mein Bericht dazu geht Donnerstag online :)
      Lg
      Denise

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