12. Juni 2017

Was ist das Leben mehr als das Warten auf den Tod?

(Quelle: neobooks)

Fünf Minuten - Ein Tagebuch
von Ian Cushing
(ca. 56 Seiten)



Eine Leseprobe findet Ihr hier

Was ist das Leben? Welchen tieferen Sinn hat es? Diese Fragen stellt sich der Verfasser eines Tagesbuch und stößt damit die Tür auf in eine Welt, die sich nicht auf Träume und Wünsche aufbaut, sondern auf der Erkenntnis, dass das Leben nichts weiter ist, als das Warten auf den Tod.

"Fünf Minuten - Ein Tagebuch" ist das Debüt von Ian Cushing und hat mich positiv überrascht. Die Kurzgeschichte wartet mit einem nüchternen Blick auf die Welt und das eigene Sein auf und zeigt dabei schonungslos, was im Inneren eines Mannes vorgeht, der erkennt, dass das Leben keinen tieferen Sinn hat.

Die Geschichte wird in Tagebuchform von einem Mann Mitte Vierzig erzählt. Dabei weiß man weder, wie der Verfasser heißt, noch wo er lebt oder was er genau beruflich macht. Ian Cushing wirft seine Leser einfach mitten ins Geschehen und lässt sie mit einem Mann und seinen dunklen, beängstigenden und doch wo wahren Gedanken allein. Diese Erzählweise hat es mir sofort angetan und fand mich sehr schnell zurecht.

Für mich war es erschreckend, wie genau der Tagebuchverfasser seine düsteren Gedankengänge in Worte fassen kann, ohne sich dabei zu sehr in philosophischen Ansichten zu verlieren. Der Schreiber erklärt in bildreicher, manchmal aber auch nüchterner Sprache, warum er das Leben nicht als Rockkonzert ansieht, sondern eher als einen Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit. Und mit dieser Einstellung traf er genau meine eigene Weltanschauung. Doch im Gegensatz zu mir geht der Mittvierziger seinen Weg bis zur letzten für ihn möglichen Konsequenz und schreckt auch vor Mord nicht zurück. 

Ian Cushing greift die Philosophie des Existenzialismus auf, beschreibt diese und fordert seine Leser auf, das Leben aus genau dieser Perspektive zu betrachten. Wer bisher dachte, dass das Leben einen bestimmten Sinn hat, sollte sich darauf einstellen, mit einer sehr viel nüchternen Sichtweise Bekanntschaft zu machen. Mich hat diese Kurzgeschichte beeindruckt und ich hätte gern den ein oder anderen Aspekt genauer ausgeführt gesehen.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist nüchtern, auf den Punkt und emotionslos. Das passte perfekt zum Thema.

Fazit: schenkt diesem Buch mehr als 5 Minuten. Es lohnt sich. 

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