14. Juli 2017

Verblute, Sünderin!







Titel:
Die sieben Farben des Blutes
Autor: Uwe Wilhelm
Seiten: 480
Verlag: Blanvalet
ISBN: 9783734103445










In Berlin werden drei Frauen brutal ermordet. Die Polizei steht vor einem Rätsel: Der Täter lässt die Frauen ausbluten und verkündet danach in Videos deren Heilung. Staatsanwältin Helena Faber ermittelt zusammen mit den Kollegen der Polizei fieberhaft. Doch nach den drei Morden geschieht nichts mehr. Die Polizei schließt die Akte. Bis der als Dionysos bekannte Täter wieder zuschlägt...

"Die sieben Farben des Blutes" war mein erster Thriller von Uwe Wilhelm und es wird auch mein letzter gewesen sein. Wobei erster Thriller so nicht stimmt. Uwe Wilhelm hat unter dem Pseudonym Lucas Grimm den Thriller "Nach dem Schmerz" veröffentlicht, den ich klasse fand. Warum er nun unter seinem echten Namen so einen mies recherchierten Roman abliefert, ist mir schleierhaft.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man der Staatsanwältin Helena Faber, die nicht nur in ihrem Job, sondern auch für ihre beiden Töchter 100 Prozent gibt. Sie ist auch die Einzige, die an den Ermittlungen festhalten will, obwohl Polizei und der Chef der Staatsanwaltschaft davon ausgehen, dass Dionysos sich zur Ruhe gesetzt hat. Der nächste Mord soll der alleinerziehenden Mutter da leider Recht geben. 

Die Figuren, die Uwe Wilhelm nach und nach vorstellt, sind in meinen Augen typisch und fast schon klischeehaft gehalten. Die erfolgreiche Staatsanwältin, die von einem Polizisten geschieden wurde und nun versucht, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Ein Ex-Mann, der seiner ehemaligen Gattin im Berufsalltag immer noch über die Füße läuft und Eifersuchtsanfälle bekommt, wenn er sie mit anderen Männern sieht. Zudem ein Zeuge, der so intelligent wie arrogant ist und lieber mit der Staatsanwältin spielt, als wirklich zu helfen. Und ein Mörder, der aus purem Frauenhass mordet. All das ist schon mehrmals da gewesen. Und dennoch konnte mich der Thriller zunächst begeistern, da der Autor einfach packend und mitreißend erzählte.

Doch dann kam das, was für mich die Todsünden in jedem Buch sind: Logiklöcher und Recherchefehler. So steckt Helena Faber auf Anraten ihres Ex-Mannes einen Speicherchip, der an einem Tatort gefunden wird, ein, ohne auf die Beweismittelkette oder ähnliches zu achten. Der Grund: Sie will nicht von dem Fall abgezogen werden und hofft, auf dem Chip neue Beweise zu finden. Dass dies ein klarer Verstoß gegen alle Regeln darstellt, stören weder Figur noch Autor. Desweiteren beschreibt Uwe Wilhelm Szenen, die in der Wirklichkeit nicht durchführbar oder machbar wären. Wäre dem Autor einmal ein Schnitzer passiert, hätte ich darüber hinweg sehen können. Jedoch baut er innerhalb weniger Seiten mehrere, für mich grobe Fehler ein, so dass mein Interesse am Fall komplett verschwand. Schade!

Der Stil des Autor ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist packend und ich konnte bis zu einem gewissen Grad mitfiebern.

Fazit: ich kam nur bis zur vierten Farbe, dann war Schluss. Keine Empfehlung meinerseits.

Kommentare:

  1. Ohoh... das wäre ja ein Buch für mich. NICHT. Ich bin absoluter Recherche-Freak und sitze Ewigkeiten selbst an Fitzelfragen. So etwas darf nicht passieren: Unglaubwürdige oder schlicht unmögliche Szenen sind ein No-Go. Da reißen bei den meisten Lesern die Filme im Kopfkino. Schade, dass die Verlage offensichtlich so wenig darauf achten. Wo war hier der/die Lektor*in?
    Danke für deine Rezension und Warnung.
    Liebe Grüße, Jürgen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Jürgen,
      Danke für dein Kommentar. Ja, mich reißt sowas auch komplett raus. Und ich denke dann auch sehr lange über die Szenen nach. Das zerstört alles, weil ich mich so ärgere.
      LG
      Denise

      Löschen