3. Juli 2017

WARUM? - Ermittler mit Problemen



Jeden ersten Montag im Monat befasse ich mich mit einer Frage, die mich im Bücherversum umtreibt. Sei es zu Figuren, Handlungen, Gestaltungen oder Trends in der Literaturwelt, sobald mir eine Frage durch den Kopf geht, befasse ich mich damit. 

Vorsicht: Diese Rubrik gibt einzig meine persönliche Meinung wider. Aber es darf gern darüber diskutiert werden.


John Miller ist Ermittler in Los Angeles. Er hat schon viel gesehen, erlebt und bei seinem letzten Fall auf grausame Art und Weise seinen Partner verloren. Den Schmerz betäubt er mit Alkohol, seine Ehe ist vor langer Zeit zerbrochen. Und er überlegt, den Job an den Nagel zu hängen. Blöd nur, dass sein Vorgesetzter ihm einen Frischling aufs Auge drückt: Marc Caruso. Und der ist hochmotiviert, will er doch das Böse hinter Gitter bringen. 

Na, kommt Euch das bekannt vor? Klingt wie der Klappentext des nächsten Bestsellers, oder? Der Text stammt aus meiner Feder. Ich habe versucht, darin die aktuell gängigen Charaktermerkmale ermittelnder Polizisten unterzubringen. Mittlerweile ist kein Ermittler egal, ob aus den USA, England oder Deutschland, mehr glücklich verheiratet/vergeben oder hat zumindest eine stabile Psyche. Jeder Kommissar hat entweder ein Drogen- oder Alkoholproblem, gefühlt 95 Prozent sind geschieden und fast ebenso viele tragen ein dunkles Geheimnis mit sich herum. Spannung? Abwechslung? Fehlanzeige!

Und nicht nur das: Alle Ermittler haben ihren Partner verloren oder selbst etwas bei einem gefährlichen Einsatz abbekommen. Und der neue Partner ist ein Jungspund, der vom Leben noch nichts gesehen hat und wie Kai aus der Kiste das gesamte Kommissariat durcheinanderwirbelt. Joa, kann man machen, ist bestimmt auch mal lebensnah gewesen, mittlerweile dient diese Kombination aus altem Hasen und neuem Kollegen nur noch als Schablone, wenn man einfach nicht weiß, wie man Schwung in den eigenen Thriller bringt.

Doch warum funktioniert es? Warum lassen wir uns die x-te Version eines kaputten Menschen andrehen, wenn es doch auch anders geht? Nun, die Verlage bewerben solche Thriller liebend gern, weiß man doch, dass das Pferd, was man hier sinnbildlich durch die Buchwelt treibt, zwar tot, aber noch lang nicht verwest ist. Selbst große Namen wie John Katzenbach ziehen sich auf diese einfache, durchschaubare Schablone zurück. Es nervt! Und ich lasse bei solch offensichtlichen Wracks als Hauptfigur das Buch schon mal liegen, weil es mich einfach nicht mehr interessiert. 

Dass es auch anders geht, beweist unter anderem Britt Reißmann. In ihren Stuttgart-Krimis stehen die Fälle und Opfer im Vordergrund. Ja, die Polizisten haben auch ein Privatleben, welches auch beleuchtet wird. Allerdings schlagen sie sich mit alltäglichen Problemen wie Familienzuwachs, Zweifel an der Liebe und ähnlichem herum. Also mit all dem, was man kennt, aber fast nie zu lesen bekommt. Wer neugierig ist, findet hier meine Rezension zu ihrem letzten Werk.

Meine Meinung: Gebt den Ermittlern wieder ein normales Leben, damit die Fälle wieder spannender sind als sie selbst!

Kommentare:

  1. Huhu!

    Ich weiß absolut was du meinst und stimme dem zu, wobei nicht zu 100% ... Es ist too much an kaputten Ermittlern, wohl wahr - aber eben nicht pauschalisiert zählt dies für jeden Krimi/Thriller/Psychothriller.
    Ob nun Alltagsprobleme oder wirklich am Abgrund - wenn es stimmig eingebaut ist, ist mir beides recht! Aber ich stimme dir zu das die Fälle, Opfer an sich wieder mehr in den Fokus dürfen - bei einigen solcher Bücher habe ich schon das gefühl, das die emotionale Achterbahnfahrt der Ermittler mehr im Mittelpunkt steht als der Fall und das stört mich dann auch!

    Liebe Grüße & ich bin gespannt auf weitere Meinungen (=
    Janna

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    1. Hi Janna,

      danke dir für deinen Kommentar. Natürlich kann man nicht sagen "JEDER Thriller ist so". Da gebe ich dir Recht. Und es gibt immer noch Autoren, die auch mit ihren problematischen Ermittlern fesseln können. Aber es werden leider immer immer weniger.

      LG
      Denise

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  2. Hallo,

    ich lese zwar selbst keine Krimis, aber mein Mann ist leidenschaftlicher Krimi-Leser und der ist auch total genervt von dem Einerlei, dass Ermittler im Buch oder auch im TV immer dieses gleiche Schema F aufgedrückt bekommen - so, als wäre das Basis-Voraussetzung um bei den Verlagen überhaupt zur Veröffentlichung zu kommen.
    Ich selbst bin eher so die Leserin von Frauen-Unterhaltungsromanen und auch dort ärgere ich mich zutiefst darüber über ein bestimmtes HappyEnd-Prinzip, nämlich, wenn eine schöne Geschichte ganz einfallslos und unkreativ damit endet, dass die Protagonistin schwanger wird. Klar, wir dummen Frauchen können ja nichts anderes und nichts anderes würde uns glücklich machen ...

    Ich würde es eigentlich in allen Genres begrüßen, wenn die Verlage mehr Vielfalt zulassen würden!

    Liebe Grüße, VERA

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    1. Hi Vera,

      oh ja, bei Serien fällt mir das auch auf, obwohl ich wenig TV bzw Stream schaue.

      Bei Frauen-Unterhaltung bin ich unter anderem aus diesem Grund raus. Immer das gleiche Happy End, immer das gleiche "sie lebten glücklich, zufrieden und schwanger". Bäh!
      LG
      Denise

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  3. Huhu :)
    yay, ich bin die 111. Leserin :D
    Ich lese sehr gerne Thriller und natürlich ist mir das auch schon aufgefallen, dass die meisten Ermittler gerade "in" sind, wenn sie "Probleme" haben. Wenn die Story trotzdem toll ist oder an dem Fall was Besonderes, lese ich sie gerne. Wenn nicht, dann nicht.
    Liebe Grüße Melli

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    1. Hi Melli,

      darauf einen Drink *Hicks* ^^
      Ja, wenn die Story toll ist, dann lese ich auch gern weiter. Es entlockt mir dennoch ab und an ein Augenrollen. Aber es ist, wie du sagst: das Gesamtpaket macht es!
      LG
      Denise

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  4. Irgendwann wiederholt sich vieles. Da hast du vollkommen recht. Wird es dann auch noch im standard-mainstream-gejammer-geklage erzählt, ist das Buch schon meist unten durch. ABER wenn der Schreibstil, eine gewisse Macke, das besondere Etwas da ist, ein außergewöhnlicher Fall, seh ich gerne über den Punkt hinweg und genieße das Buch ohne mich innerlich über die Dauerschleife aufzuregen. (trotzdem erwähn ich es meist in meiner Kritik - als Vorwarnung quasi, lobe dann aber den Unterschied ;) )

    edit: wie ich grad sehe, sehen das einige Vorredner auch so :D

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    1. Hi,
      ja, so gehe ich da auch ran. Es ist immer der Mix, der es macht. Wenn Ermittler und Story Einheitsbrei sind, dann fliegt das Buch in die Ecke.
      LG
      Denise

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  5. Hallo,
    das ist wahr, und gut geschrieben. Ganz besonders natürlich bei den Schweden-Krimis. Kann sein, dass der Trend von dort kam? Wallander war ja schon ziemlich verkorkst :(.
    Der Kommisar Brunetti von Donna Leon, ja auch eine erfolgreiche Krimiserie, ist übrigens auch noch ganz normal :) Normal verheiratet, zwei Kinder, keine Alkoholabhängigkeit.
    Ich hab diesen Beitrag auf meiner Wanderung durch die Welt der Bücherblogs verlinkt.
    Grüße
    Daniela

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    1. Hi Daniela,

      vielen Dank fürs Verlinken :) Und ja, ich glaube auch, dass es aus Schweden kam. Ich habe den Trend spät mitbekommen, da ich mit Skandinaviern nicht kann^^
      LG
      Denise

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  6. Halli hallo!

    Ja, auch mir ist das aufgefallen aber ich denke, es ist leichter einen Roman mit so einen Ermittler zu schreiben als wenn es ein Heile-Welt-Mensch wäre. Und so abwägig ist das ja nicht! Wenn man der Presse glauben kann, haben viele Menschen dieses Berufes und ähnlicher Professionen Schwierigkeiten mit dem Privatleben und der Familie. Sie müssen psychisch viel abfangen, da sie so viel erleben, dürfen nicht alles weitergeben, das sie erfahren und wollen im Privatleben natürlich auch mehr positive Ausblicke haben als negative. Das ist ein Drahtseilakt, den viele verlieren. Das findet man in der Literatur dann eben wieder.

    Mich stört es auch nur bedingt und zwar dann, wenn der AutorIn es nicht schafft, den Ermittler mit seinen Schwächen ausreichend gut in die Geschichte zu platzieren. Wenn sich seitenweise alles nur darum dreht. Dann nervt es mich auch. Ist aber der Gesamteindruck positiv, dann ist es mir egal. ;-)

    GlG vom monerl

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    1. Huhu monerl,

      danke für dein Kommentar. Klar, DER Heilige wird auch unglaubwürdig, aber wenn ich mir vorstelle, dass JEDER Cop so abgewrackt ist, hätte ich Bedenken, zur Polizei zu gehen ;)
      LG
      Denise

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  7. Huhu!

    Das finde ich jetzt total witzig, denn genau dieses Thema steht auch auf meiner Ideenliste für meine Rubrik "Lesegelaber", und ich wollte auch mit einem fiktiven Beispiel anfangen. X-D

    Ich kann dir wirklich nur zustimmen, diese Klischees sind mir auch schon oft aufgefallen (daher auch der Eintrag auf der Ideenliste). Mir geht das ja inzwischen auch auf den Keks. Ich schreie auch "Hallelujah!", wenn ein Kommissar mal glücklich verheiratet und ausgeglichen ist.

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Hi Mikka,

      das ist ja witzig xD Danke fürs Verlinken. Und es tut gut zu lesen, dass es noch mehr Menschen auffällt.

      LG
      Denise

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