Mittwoch, 29. März 2017

Die letzte Chance im ewigen Eis

White Zone - Letzte Chance
von Katja Brandis
(464 Seiten)



Eine Leseprobe und die Möglichkeit zum Kauf findet Ihr hier


Antarktis, 2030: sechs Jugendliche müssen in einer ehemaligen Forschungsstation beweisen, dass sie sich bessern wollen. Unter ihnen sind eine begabter Hacker, eine kaufsüchtige Betrügerin, ein Reality-Soap-Star und Crash, die vor allem durch gefährliche Unfälle auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Antarktis ist ihre letzte Chance. Doch sie sind nicht allein im ewigen Eis...

"White Zone" war mein erstes Buch von Katja Brandis und wird wohl auch mein letztes sein. Der Klappentext verspricht eine spannende Geschichte zwischen Eis, ewiger Stille und Verbrechern. Das Buch liefert eine unausgegorene Story mit den typischen Schmacht- und Selbstzweifelelementen.

Die Geschichte wird von Crash höchstselbst erzählt. Sie gewährt den Lesern einen Einblick in die Besserungsanstalt am Ende der Welt, nimmt sie mit auf Spurensuche in der Station und zeigt recht deutlich, dass das Leben bisher nicht freundlich zu ihr war. Zudem beschreibt sie mit einem gewissen Witz ihre Gruppenmitglieder. Da musste ich ab und an schon grinsen, denn Crash kann sich so manches Klischee nicht verkneifen, verpackt dieses aber wunderbar ironisch. Damit beschwor sie vor meinen Augen die Gruppe herauf. Das fand ich toll.

Da hört es aber auch schon auf. Denn Katja Brandis schafft es nicht, Spannung aufkommen zu lassen, geschweige denn Interesse für die Jugendlichen selbst. Jedes Gruppenmitglied hat Dreck am Stecken, so meint man. Nach und nach werden diese Geheimnisse eher unfreiwillig enthüllt. Und wer hier auf die großen "Das gibt es doch nicht"-Momente gehofft hat, wird enttäuscht. Onlinebetrug, Autoklau und ähnliches sind da schon das höchste der Gefühle. In meinen Augen nichts, was die Reise in die Antarktis rechtfertigt. 

Auch die Darstellung des Alltages in der Station ist eher nichtssagend und dröge. Die Therapien haben keine Dynamik, der mitgereiste Therapeut und Betreuer hat die Gruppe nicht im Griff und bemüht sich auch nicht, klare Grenzen zu setzen. Sehr traurig. Als dann auch noch die Hauptfigur sich schlagartig verliebt und mit ihrem Schicksal hadert, war es für mich ganz aus. Ich wollte erfahren, warum die Jugendlichen im ewigen Eis in Gefahr sind und nicht erleben, wie Crash auf einmal ihre Hormone entdeckt. Denn das ist für die Geschichte in meinen Augen dermaßen unpassend und an den Haaren herbeigezogen. 

Der Stil von Katja Brandis ist gut und recht einfach zu lesen. Ihre Erzählweise ist für Jugendliche passend sprunghaft, aber dennoch bekommt man alles mit. 

Ich danke dem Verlag
sowie
für das Buch


Montag, 27. März 2017

Bist du glücklich?

Dark Matter - Der Zeitenläufer
von Blake Crouch
(416 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Jason Dessen arbeitet als Physiklehrer, während seine Frau Kunstunterricht gibt und sich liebevoll um den gemeinsamen Teenagersohn Charlie kümmert. Der Familienvater hatte mal große Träume. Doch er hat sie zugunsten seiner Familie aufgegeben. Eines Abends wird Jason entführt, betäubt und erwacht in einer Welt, in der es seine Frau und seinen Sohn nicht gibt. Jedoch feiert er in dieser Welt die größten Erfolge. Was ist passiert? Wie kommt er dahin? Und vor allem: wie kommt er da wieder weg?

"Dark Matter" ist mein erster Roman von Blake Crouch und hat mir ingesamt gut gefallen. Während der Autor zu Beginn eine wirklich starke Geschichte über Multiversen erzählt, wird er zum Ende hin leider schwächer. Dennoch hat mir der Roman spannende Lesestunden verschafft.

Die Geschichte wird von Jason selbst erzählt. Man begleitet ihn bei seiner Reise durch die Multiversen. Den Zugang dazu hat eine andere Version von Jason erschaffen. Und während der Familienvater noch damit hadert, wie er nun nach Hause finden soll, muss seine Frau mit der Abwesenheit des echten Jasons klar kommen. Durch die Ich-Perspektive wirken die Verzweiflung, die Gedankensprünge und auch die Erklärungsversuche Jasons so nah und erlebbar, dass ich das Gefühl hatte, mit ihm gemeinsam durch die verschiedenen Versionen der Welt zu laufen, meine Familie zu suchen und mich Gefahren stellen zu müssen. Echt klasse!

Blake Crouch macht zudem die Theorie hinter den Multiversen für seine Leser leicht verständlich. Dennoch sollte man ein gewisses Grundverständnis für Quantenphysik mitbringen oder aber, so wie ich, alle Staffeln von "The Big Bang Theory" gesehen haben. Zwar ergeht der Autor sich nicht in Details, jedoch verlangt er von seinen Lesern, dass sie die Theorie zumindest in Grundzügen begreifen. Denn anders würde der Roman nicht funktionieren. 

Die Story hat mich von Seite 1 an gefesselt und mitgenommen. Bis zur Hälfte konnte ich das Buch kaum beiseite legen und habe mit Jason mitgefiebert und gehofft, dass er bald nach Hause findet. Ab der Mitte lässt der Roman jedoch spürbar nach. Der Run durch die Welten wirkte auf mich zu gewollt und gehetzt. Ich hätte lieber 2 oder 3 Welten tiefer erforscht, anstatt durch 20 Versionen zu jetten und in keiner wirklich verweilen zu können.

Auch das Finale wirkte auf mich unausgegoren. Es hat zwar zur Geschichte gepasst, jedoch hatte ich das Gefühl, dass Blake Crouch sich in eine Situation hineingeschrieben hat, aus der er selbst keinen passenden Ausweg mehr fand. Und so verkommt das Ende zu einem hollywoodartigen Happy End, ohne dass meine offenen Fragen beantwortet wurden. Sehr schade.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist mitreißend, direkt und plastisch.  Das hat mir super gefallen.

Fazit: wer bin ich und wenn ja, wie viele? Ein solides Buch mit Potenzial.

Samstag, 25. März 2017

Von wegen schöne Schulzeit

GYMNASIUM
von Susanne Giebeler
(292 Seiten)



Eine Leseprobe findet Ihr hier


Alex wechselt nach der Trennung seiner Eltern auf das altehrwürdige Goethe-Gymnasium. Fasziniert von den alten Gemäuern will der Junge sein Bestes geben. Schon bald muss er erkennen, dass es hinter den Mauern nicht anders zugeht als in jeder anderen Schule: es herrschen Zicken, Intrigen und Machtkämpfe. Und diese betreffen nicht nur die Schüler...

"GYMNASIUM" ist mein erster Roman von Susanne Giebeler und hat mich vollkommen überzeugen können. Die Autorin zeigt schonungslos, dass Bildung und Vorankommen in der Schule immer weniger mit dem eigenen Können, sondern mehr mit der Stellung der Eltern zu tun hat.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Alex bei seinen ersten Schritten in der neuen Schule, sondern lernt auch seine trinksüchtige Mutter Sabine, sowie die Schulzicke Leonie und deren arrogante Eltern kennen. Diese Mischung bietet viel Zündstoff, denn schon am ersten Tag geraten Alex und Leonie aneinander. Während der Junge einfach nur versucht, durch den Alltag zu kommen, baut das Mädchen vollkommen auf die Unterstützung und den Einfluss ihrer Eltern und lässt keine Gelegenheit aus, den Neuen fertig zu machen. Die dabei wirkenden Kräfte haben mich teilweise schockiert und fassungslos gemacht. Die Autorin setzt hier nicht auf große Schockmomente und perfide Grausamkeiten, sondern zeigt mit ihrem Blick fürs Detail, dass Mobbing schon bei den kleinen Dingen beginnt und diese mehr Schmerzen können als ein gezielter Schlag in den Magen.

Die Figuren, die Susanne Giebeler erschafft, bleiben einem auf positive Weise fern. Ich fühlte mich beim Lesen vollkommen gefangen in meiner Beobachterrolle, so als ob ich zu keinem Zeitpunkt in das Geschehen hätte eingreifen können und dürfen. Ich war dazu verdammt, die Sticheleien, das Mobbing und den Wahnsinn der erfolgsorientierten Eltern einfach hinnehmen zu müssen. Diese Perspektive war mir beim Lesen neu und hat mich vollkommen gefangen genommen. Die Charaktere definieren sich über Andeutungen in ihrem Verhalten und nicht immer ist klar, bei wem die Sympathie liegen sollte und muss. Das fand ich großartig.

Die Story selbst ist packend, wenn auch leicht distanziert erzählt. Mit jedem Kapitel versank ich mehr in der Schulwelt, Erinnerungen wurden wach und ich konnte das Verhalten der Schüler nur zu gut nachvollziehen. Toll fand ich, dass Susanne Giebeler nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer unter die Lupe genommen hat. So wurde innerhalb weniger Seiten klar, dass auch auf dem Lehrkörper ein enormer Druck lastet, der viele zum Aufgeben zwingt.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist distanziert, aber nicht emotionslos, direkt, ohne effektheischend zu sein und zieht den Leser Kapitel um Kapitel mit.

Fazit: bleib in der Schule kann gefährlich sein. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen.

Donnerstag, 23. März 2017

Das Spiel mit der Psyche

Seelenfeindin
von Sabine Trinkaus
(336 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Dr. Nadja Schönberg ist nach einer Auszeit wieder in ihrem Job als Psychiaterin tätig. Da wendet sich die bekannte Journalistin Konstanze Friedrichs an sie. Konstanze leidet nach eigener Aussage an Verfolgungswahn. Doch Dr. Schönberg kann nichts feststellen. Je länger die Therapie dauert, desto mehr verschwimmen die Grenzen. Was ist Wahrheit? Was ist Wahn?

"Seelenfeindin" war mein erster Thriller von Sabine Trinkaus und ich fand ihn sehr gut. Die Autorin nimmt ihre Leser mit in eine psychiatrische Klinik und spielt mit den Sichtweisen von behandelnder Ärztin, Patientin und Umfeld. Das hat mir super gefallen.

Die Geschichte wird von Nadja Schönberg selbst erzählt. Die Psychiaterin war selbst zu einer Zwangspause verdonnert worden und steigt nun mit einem spektakulären Fall wieder ins Berufsleben ein. Ihre Patientin Konstanze Friedrichs ist fest davon überzeugt, dass sie krank ist. Nur kann die Therapeutin zunächst nichts finden, was diese These untermauert. Doch Nadja lässt sich nicht entmutigen und verbeißt sich in die Therapie. So sehr, dass sie selbst nicht mehr merkt, was wirklich ist und was der Fantasie ihrer Patientin entspringt. Neben Nadjas Beschreibungen erfährt man durch kleine Episoden, die kapitelweise auftreten, wie es im Inneren einer Person aussieht, die sich für psychisch krank hält. Diese Mischung hat mich in ihren Bann geschlagen.

Dabei sind Nadja Schönberg, Konstanze Friedrichs und die anderen agierenden Personen beileibe keine Sympathieträger. Zwar konnte ich die einzelnen Standpunkte nachvollziehen, doch ans Herz gewachsen ist mir keine. Das ist bei diesem Thriller überhaupt nicht dramatisch, im Gegenteil. Alle Charaktere bergen soviel Potenzial für Zweifel und kritische Nachfragen, dass ich aus dem Misstrauen gar nicht mehr rauskam. Gerade als ich dachte, dass ich nun weiß, wer wie mit wem zusammenhängt, gibt es wieder eine neue Erkenntnis. Oder eben auch nicht, denn was ist schon wahr und was ist Wahn?

Die Story an sich geht ruhig und unaufgeregt von statten. Das passt sehr gut zur Therapie in einer psychiatrischen Klinik. Durch die Wechsel zwischen Sitzungen mit der Patientin und Nadjas Privatleben konnte ich mich das Vorgehen der Therapeutin nachvollziehen. Mit jedem Kapitel versank ich mehr in der Welt aus Paranoia, sachlichen Argumenten und durcheinander gewürfelten Emotionen. Großartig!

Das Finale ist konsequent herbeigeführt und passt perfekt zum gesamten Werk. Zwar hat es mich nicht durchgängig überrascht, aber dennoch hatte ich einen OHA-Moment. Klasse!

Der Stil von Sabine Trinkaus ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist nüchtern, distanziert, aber dennoch mitreißend. Sehr toll!

Fazit: Willkommen in der Therapie. Nimm Platz. Eine klare Leseempfehlung.

Freitag, 17. März 2017

Die Zukunft ist NOW

NOW
von Stephan R. Meier
(431 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Die USA in nicht allzu ferner Zukunft: die Menschheit hat sich fast selbst zerstört. Durch Kriege, Umweltverschmutzung und Hass hat sie sich an den Rand der Vernichtung manövriert. Doch auf einem kleinen Landstrich, genannt Eden, leben die verbliebenen Menschen in Frieden und Ruhe. Möglich macht dies die künstliche Intelligenz NOW, die das gesamte Leben beherrscht. Doch wie gut ist, sich vollkommen einer Technik zu ergeben?

"NOW" von Stephan R. Meier hat mich aufgrund seiner Thematik und seines Klappentextes neugierig gemacht. Eine Zukunft ohne Regierungen, dafür aber mit einem allwissenden Computerwesen. Das versprach Spannung. Doch leider wurde dieses Versprechen nicht eingehalten.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei vollzieht man kapitelweise Zeit- und Figurensprünge. So erlebt man nicht nur die aktuelle Gesellschaft mit NOW, sondern ist auch hautnah bei der Entstehung der künstlichen Intelligenz dabei. Diese Mischung fand ich gut, auch wenn ich mir weniger hektische Zeitsprünge gewünscht hätte. Dennoch ist die Idee, auf zwei Zeitebenen die Geschehnisse in der Welt zu schildern, hervorragend.

Leider kam bei der gesamten Lektüre keine Spannung auf. Die Figuren, die der Autor erschaffen hat, blieben mir fremd und unnahbar. Weder zu Spark, der quasi ein Prinz in Eden ist, noch zu den Menschen außerhalb von NOW konnte ich eine Beziehung aufbauen. Sie blieben blass, flach und für mich ohne Belang. Stephan R. Meier legte sein Hauptaugenmerk auf die technischen Entwicklungen, die in seinem Roman stattfanden. Das mag anziehend sein, für mich war die Aneinanderreihung irgendwann langweilig und sinnfrei. Denn ohne Sympathieträger interessiert mich auch die Entwicklung der besten künstlichen Intelligenz nicht.

Und so kam es, dass ich das Buch nach der Hälfte zur Seite legte. Ja, es gab durchaus mitreißende Momente. Diese verflogen aber so schnell, dass ich alsbald das Interesse an dem gesamten Werk verloren habe. Ich hätte mir mehr Menschlichkeit und weniger Technik gewünscht.

Der Stil von Stephan R. Meier ist gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise wird akademisch, überfordert den Leser aber nicht. 

Fazit: Meine Zukunft muss ohne NOW auskommen. Schade.

Mittwoch, 15. März 2017

Recherche ist wie Lego - Ein Abend mit Titus Müller



Begeistert habe ich das neuste Werk von Titus Müller gelesen. Mit Der Tag X nimmt der Autor seine Leser mit zum Arbeiteraufstand 1953 in der DDR. Und nun kam Titus in die Stadt, in der der Aufstand Massen bewegte.

In der wunderbar gemütlichen Buchhandlung Uslar & Rai gab sich der in Leipzig geborene Autor die Ehre. Schon vor dem offiziellen Beginn konnte man Titus Müller in lockerer Runde mit der Moderatorin Shelly Kupferberg beobachten. Die beiden klärten noch letzte Details über den Ablauf, bevor es dann wirklich los ging.


Schon beim Einstieg wurde klar, dass sich hier einer der großen des Genres die Ehre gibt. Shelly Kupferberg gab einen kurzen Abriss über Titus' Laufbahn, seine Werke und seine Erfolge. Der Autor lächelte spitzbübisch und gab bereitwillig und sehr locker Auskunft über seine ersten Gehversuche. 

Als der Schwenk zu seinem aktuellen Buch kam, merkte ich deutlich, wie tief Titus Müller in der Materie rund um den 17. Juni steckt. Ohne Notizen, Spickzettel oder Karten erzählte er anschaulich von seinen Recherchen, seinen Entdeckungen und wie weit er für sie ging. So "schlich" er sich in die Archive ein, in dem er einfach nur angab, ein Buch über den Aufstand schreiben zu wollen. Dass die Archivare fälschlicherweise von einem Sachbuch ausgingen, dafür kann Titus ja nichts ;)


Titus spricht über seine Recherchen


Mit einem Glänzen in den Augen schilderte Titus Müller lebhaft, dass Recherche für ihn wie Spielen mit Legosteinen ist. Er will aus den Vollen schöpfen, alles tun können. Zu wenig Steine würden ihm nur eine starre Geschichte vorgeben. Dazu passt auch, dass ein Lektor ihn regelmäßig mit "Hör auf zu recherchieren und schreib endlich" an seine eigentliche Berufung erinnern muss.

Als Titus zu lesen begann, wurde es gespannt still in der Buchhandlung. So mancher Autor ist zwar zum Schreiben, aber nicht zum Lesen geboren. Bei Titus hingegen wünsche ich mir, dass er seine Bücher selbst für seine Hörbücher einliest. Mit seiner warmen, sympathischen Stimme hauchte er seinen Figuren Leben ein. Und dabei wirkte er sehr natürlich und positiv routiniert. 


Nach der Lesung gab es noch eine kleine Dia-Show, die den Verlauf des Aufstandes aufzeigte. Auch hier konnte der Autor mit Hintergrundwissen beeindrucken und machte so für mich Geschichte erlebbar.

Der Abend war rundum gelungen. Ich hätte sowohl Titus Müller als auch Shelly Kupferberg noch Stunden zuhören können und sage voller Begeisterung DANKE für den schönen Abend!

Montag, 13. März 2017

In Auschwitz gab es keine Kalender

Der letzte Überlebende
von Sam Pivnik
(304 Seiten)

Mehr Informationen findet Ihr hier

Holocaust, Shoah, das Grauen hat viele Namen. Der systematische Völkermord im 3. Reich zeigt, wohin Hass, Ausgrenzung und der verblendete Glaube an Überlegenheit führt. Doch wie soll man den millionenfachen Tod greifbar machen? Wie meiner Generation, deren Großeltern meist noch Kinder im Krieg waren, verständlich machen, was damals unbegreifbares passiert ist? Die Antwort klingt einfach: durch Zeitzeugen. Aber viele Zeugen sind schon verstummt....

Umso wichtiger ist die Biographie "Der letzte Überlebende" von Sam Pivnik. Der Überlebende erzählt darin, wie die deutsche Armee in Polen eingefallen ist, ihn und seine Familie nach Auschwitz deportiert haben und wie er nicht nur einen sondern zwei Kriege überlebt hat.

Der Autor beginnt seine Geschichte vor dem Krieg. Er berichtet über seine Kindheit in Polen, den beginnenden Antisemitismus, aber auch von den Freuden der Freundschaft unter Kindern. Von Beginn an fühlte ich mich Sam Pivnik verbunden. Er schildert sein Leben ohne blumige Vergleiche, steht zu seinen Erinnerungslücken und weist ohne Scham darauf hin, wenn er etwas nicht mehr im Kopf hat, was laut belegbarer Ereignisse passiert ist. Diese Menschlichkeit hat mich von Beginn an fasziniert und ich hatte das Gefühl, dass er neben mir sitzt und mir sein Leben direkt erzählt.

Die Grauen, die Sam Pivnik erlebt hat, sind nicht greifbar und vor allem nicht nachvollziehbar. Ich empfinde großen Respekt, dass er für dieses Werk den Weg von seiner Heimat nach Auschwitz bis zum Untergang der Cap Arcona nochmal gegangen ist. Es muss viel Kraft gekostet haben. Und sein Bericht ist dabei weder erfüllt von Rachegedanken noch von überzogenen Anschuldigungen. Sam Pivnik zeigt mit einfachen und doch berührenden Worten auf, wie es war, als Untermensch zu gelten, jeden Tag um sein Leben zu fürchten und zu wissen, dass ein einziger Fehler den Tod bedeutete.

Das Buch wartet mit einer ruhigen Atmosphäre auf. Das Grauen im Lager wird vom Autor schonungslos, aber nicht übertrieben, dargelegt. Beim Lesen selbst merkte ich gar nicht, wie sehr es mich beschäftigte. Das kam erst in der Nacht. Ich schlief unruhig und träumte von verschiedenen Szenen aus dem Buch. So nah geht mir selten ein Werk.

Und so kann ich jedem die Lektüre nur ans Herz legen. Es ist kein einfaches Buch, es ist kein Spaziergang, aber das ist bei dem Leben, das Sam Pivnik hinter sich hat, auch nicht verwunderlich. Er ist einer der wenigen Zeugen, die noch leben. Und wir sollten ihm alle zuhören!

Sonntag, 12. März 2017

10 Millionen für deinen Kopf!

Achtnacht
von Sebastian Fitzek
(400 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ben Rühmann ist ein gescheiterter Musiker. Nichts in seinem Leben lief glatt. Seine Tochter liegt im Koma, seine Ex-Frau ist eher bemüht als herzlich. Und dann gerät Ben auch noch in die Achtnacht. Nicht als Jäger, nicht als Zuschauer, sondern als Geächteter. 12 Stunden ist er vogelfrei und darf getötet werden. Dem erfolgreichen Mörder winken 10 Millionen Euro. Lasst die Nacht beginnen!

"Achtnacht" ist der neuste Thriller von Sebastian Fitzek und hat mich wieder mal in seinen Bann geschlagen. Der Autor hat sich, wie unschwer zu erkennen ist und wie er selbst sagt, von dem Film "The Purge" zu seinem Werk inspirieren lassen. Doch im Gegensatz zum Film ist hier die Jagd auf einen einzelnen eröffnet und nimmt Dimensionen an, die gefährlich und leider erschreckend real sind.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Kapitelweise folgt man dem Geächteten Ben, seiner Mitspielerin Arezu so wie zwei gewieften Jägern, die dem gesamten perfiden Spiel noch zusätzlichen Schwung verleihen. Diese rasante Mischung hat mir sehr gut gefallen. Sebastian Fitzek jagt seine Leser durch Berlin, spielt mit Empörung, Zweifel und dem Gedanken "aber wenn es doch legal ist?". Grandios!

Die Figuren sind in meinen Augen sehr gut gelungen, wenn auch nicht mit Tiefe gesegnet. Der Autor gibt nur das preis, was man für die Story unbedingt wissen muss. Nicht mehr und nicht weniger. Mich hat das wenig gestört, denn der Thriller lebt von seinem Tempo und der Jagd, nicht von Charakterstudien. 

Ich hatte zu Beginn Zweifel, ob Sebastian Fitzek aus der Grundidee von "The Purge" etwas eigenes machen kann. Eine Nacht, in der alle Straftaten legal sind, erscheint schon verführerisch. Doch der Autor macht zum Glück daraus eine ganz eigene Idee. Was wäre, wenn jeder Bürger jemanden für die Achtnacht nominieren darf? Wenn man ungestraft Jagd auf einen Menschen machen kann und dafür auch noch mit 10 Millionen Euro belohnt wird? Verführerisch, oder? Und wie lange würde man selbst überlegen, ob das Ganze wirklich so legal ist, wie der Veranstalter es versichert? Wann hört die eigene Moral auf? Wann wird man DER Mob, vor dem man sonst die Nase rümpft? Genau diese Fragen wirft Fitzek in seinem Thriller auf und lässt seine Leser das Wechselbad der Gefühle hautnah erleben. Und so ist das Buch nicht nur spannend, sondern auch ein Spiegel der heutigen Gesellschaft, die lieber Fake-News glaubt, anstatt selbst zu denken. 

Das Finale gerät da schon fast in den Hintergrund. Es ist gut herbeigeführt, wenn auch an einem Punkt zu gewollt. Die Lösung erschien mir zu einfach. Aber das tat meinem Lesespaß keinen Abbruch. 

Der Stil von Sebastian Fitzek ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, fesselnd und er lässt einem gar keine andere Möglichkeit, als immer weiter zu lesen. Klasse!

Fazit: komm mit auf die Jagd. Ich kann das Buch sehr empfehlen. 

Samstag, 11. März 2017

Das Böse kann auch weiblich sein

Killerfrauen 
von Stephan Harbort
(240 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

In Thrillern sind die Serienmörder zumeist männlich. Denn weibliche Täter sind seltener, aber keinesfalls ungefährlicher. Der Serienmordexperte Stephan Harbort widmet sich in seinem neusten Sachbuch genau diesen Frauen und beweist, dass das Böse kein Geschlecht kennt.

Stephan Harbort befasst sich in seinem Sachbuch mit Mörderinnen aus der näheren Vergangenheit. Dabei beschäftigt er sich pro Kapitel mit einer Täterin und zeigt auf, wieso diese Frauen zu Mörderinnen wurden.

Die Erzählungen der Tathergänge und auch der Geständnisse sind einfach gehalten. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass mir jemand das nacherzählt, was er im Fernsehen gesehen hat. Das ist nicht zwingend schlecht, wirkte aber ab und an unbeholfen. 

Sobald sich der Autor aber mit den Hintergründen, der Psyche der Täterinnen und den Zusammenhängen beschäftigte, blühte seine Sprache und seine Schilderungen auf. Mit Fachbegriffen gespickt berichtet er, warum eine Frau ihre Kinder tötet, wie solche Persönlichkeiten entstehen können und warum sie dennoch schuldfähig sind. Das hat mich fasziniert.

Besonders beeindruckt hat mich das Interview mit einer Patientenmörderin. Denn hier erfährt man sehr direkt, was in einer Täterin vorgeht. Und man muss sich eingestehen, dass sich diese Frauen wenig von einem selbst unterscheiden. Ja, sie weisen Persönlichkeitsstörungen auf oder sind emotional einfach nicht in der Lage, Empathie zu empfinden, doch wer gehofft hat, hier die "Irren" zu sehen zu bekommen, der wird enttäuscht. Stephan Harbort zeigt schonunglos, dass Mörderinnen sich perfekt in den Alltag integrieren und nicht zu erkennen sind. Das macht schon Angst.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist fachlich, überfordert aber den Leser nicht. Allerdings sollte man ein gewisses Grundwissen an Fachbegriffen mitbringen. Durch die Zusammenhänge lässt sich das aber auch erschließen.

Fazit: Töten kann jeder. Ich kann das Buch als Lektüre für Thrillerleser empfehlen.

Mittwoch, 8. März 2017

Interview mit Leonore Goldmann und Walter Brandner [Blogtour "Grenzgänger" von Timo Leibig]



Hallo Ihr Lieben,

heute macht die Blogtour zu Timo Leibigs neusten Thriller Grenzgänger bei mir Halt. Und ich freue mich sehr, dass die beiden Ermittler Leonore Goldmann und Walter Brandner die Zeit gefunden haben, neben ihrem neuen Fall auch noch mir Rede und Antwort zu stehen.


F: Frau Goldmann, Herr Brandner, danke, dass Sie für das Interview bereit stehen, obwohl Sie als Kommissare viel zu tun haben. Gewähren Sie uns einen Einblick in Ihren aktuellen Fall?

Leonore: „Willst du oder soll ich?“
Walter lächelt. „Du bitte.“
Und sie lächelt auch. „Also gut. Sie wissen aber, dass wir das eigentlich nicht dürften. Nur für TapsisBuchBlog machen wir eine Ausnahme.“ Sie zwinkert und wird dann ernst. „Aktuell sind wir auf der Suche nach Francis Maybach. Er ist knapp einem Mordversuch entgangen und jetzt aus dem Polizeischutz entflohen. Wir wissen nicht, wo er steckt und was er vorhat.“ 
„Man muss noch ergänzen, dass die ganze Konstellation sehr gefährlich ist“, fügt Walter hinzu, „denn wir müssen annehmen, dass es einen weiteren Mordversuch auf ihn geben wird. Und wir wollen das selbstverständlich verhindern. Mehr dürfen wir Ihnen allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten.“


F: Kein Problem. Sie beschäftigen sich beruflich mit menschlichen Abgründen. Wie schaffen Sie da den Ausgleich?

Leonore: „Man darf das Böse und Hässliche einfach nicht an sich ranlassen. Ich habe akzeptiert, dass die Menschen zum Teil grausam und gewaltbereit sind. Wenn man das verinnerlicht hat, kommt man ganz gut damit zurecht. Oder nicht, Walter?“
Walter schweigt einen langen Moment lang. „Ich glaube, es gibt einfach Menschen, die für bestimmte Berufe geschaffen sind. Manche sind sozial berufen, andere kreativ veranlagt und wiederum andere sind für … das Böse da.“


F: Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Aufeinandertreffen? Wie war es für Sie, als Ihnen mitgeteilt wurde, dass Sie von nun gemeinsam ermitteln?

Leonore: „Puh, das ist fast zwanzig Jahre her. Damals war Walter schon eine Instanz in der Mordkommission. In jungen Jahren seine Partnerin zu werden war der Wahnsinn – im positiven Sinne. Aber auch ganz schön anstrengend. Die Erwartungshaltung war hoch.“
Walter: „Aber nicht meinerseits. Ich gebe jedem die Möglichkeit, sich einzuarbeiten und zu beweisen. Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Und zu unserer Zusammenarbeit: Ich kann mir keine bessere Partnerin vorstellen.“ 


F: Was war für Sie beide der schwerste Fall und warum?

Leonore: „Schwer zu sagen. Jeder Fall hat seine Tücken und Besonderheiten. Ich fand es sehr schlimm, als Gregor verletzt wurde. In jüngster Vergangenheit, also der Fußabschneiderfall.“
Walter: „Ganz klar der Fall um Patrick Höller. Mädchendurst. Der ging mir an die Nieren, weil sich die Wurzeln des Falls über zwanzig Jahre erstreckten, und ich sie einfach nicht sah. Das hat mich schier wahnsinnig gemacht.“


F: Gibt es für Sie berufliche Vorbilder? Und wenn ja, was schätzen Sie an ihnen besonders?

Einstimmig: „Eigentlich nicht. Wir tun, was wir können und müssen.“


F: In den Jahren der Zusammenarbeit fallen einem bestimmt auch Macken am beruflichen Partner auf. Ganz spontan: welche fallen Ihnen da spontan ein?
Leonore lacht. „Macken hat jeder. Muss ich wirklich welche nennen?“
Walter: „Lieber nicht. Es könnte die Leser des Interviews verstören. Aber eine von mir nenne ich dann doch gern selbst: Meine Verbissenheit. Natürlich braucht man die als Kriminalkommissar, aber zu viel davon kann schädlich sein, vor allem dann, wenn man auf dem Holzweg ist. Aus einer Sackgasse wieder herauszumanövrieren, ist für einen alleine oft schwierig. Da braucht man ein gutes Team.“ Er legt Leonore kurz die Hand auf die ihre.


F: Wenn Sie nicht Polizisten geworden wären, wo wären Sie dann heute beruflich gesehen?

Leonore: „Eventuell in der Kinderbetreuung. Hört sich verrückt an, aber ich glaube, ich hätte einen krassen Gegenpol  zu meinem Job gewählt. Und lachende Kinder den ganzen Tag um sich zu haben – die Vorstellung reizt.“
Walter antwortet nicht, denkt nach. Schließlich sagt er: „Für mich gab es keine Alternative. Ich wollte immer Polizist werden und wäre nichts anderes geworden. Alles gut so.“


F: Zum Abschluss: wie würden Sie selbst in 3 kurzen Sätzen Ihre Arbeit und Motivation beschreiben?

Leonore: „Meine Arbeit ist abwechslungsreich, anstrengend, fordernd. Mich hat der Job als Polizistin immer gereizt. Das Lösen von Fällen, das Kombinieren und Schlussfolgern ist einfach mein Ding.“
Walter zuckt mit den Schultern.  „Mir geht es schlicht um Gerechtigkeit. Den Angehörigen Klarheit verschaffen. Den Toten ihre Ruhe geben. Dem Verbrechen Steine in den Weg zu legen. Das waren jetzt vier Sätze. Ich hoffe, das sprengt nicht ihren Interviewrahmen.“ Er sieht auf seine Armbanduhr. „Wir müssten, Leonore. Francis Maybach. Die Jagd geht weiter.“

Und schon sind die beiden Ermittler wieder zur Tür raus. Mein gerufenes Danke haben sie hoffentlich noch gehört. Ansonsten: ich danke den Beiden für ihre Zeit, ihre offenen und ehrlichen Antworten und drücke fest die Daumen, dass sie den Fall zu einem erfolgreichen Abschluss bringen.

Montag, 6. März 2017

Als die DDR den Aufstand probte

Der Tag X
von Titus Müller
(400 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Frühling 1953 in der noch jungen DDR: der Uhrmacher Wolf verguckt sich in die angehende Abiturientin Nelly. Diese hat jedoch kein Interesse an dem Sohn eines Parteifunktionärs, ist sie doch rebellisch und gegen die Gleichmacherei des Regimes eingestellt. Dennoch lässt der junge Mann nichts unversucht, um Nelly zu begeistern. In Halle hingegen versucht eine alleinerziehende Mutter, sich und ihre 3 Söhne irgendwie durchzubringen. Ihr Mann hat sich in den Westen abgesetzt. Keiner ahnt, dass das Schicksal sie bald alle zusammenführen wird im Juni 1953.

"Der Tag X" ist ein Roman um den Arbeiteraufstand 1953 und hat mich komplett überzeugt. Titus Müller beweist einmal mehr, dass Geschichte nicht langweilig sein muss, sondern fühlbar und mitreißend sein kann. Der Autor befasst sich mit einer Thematik, die in meinen Augen noch viel zu kurz in der Aufarbeitung und Behandlung kommt: die junge DDR und die Folgen der sowjetischen Besatzung.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei erlebt man als Leser viele Perspektiven. Mal ist man aufmüpfig-rebellisch mit der jungen Nelly unterwegs, mal weiß man gemeinsam mit Lotte König nicht, wie man die 3 Jungen und sich ernähren soll und dann sitzt man in Moskau bei Beratschlagungen von Politikern und erlebt hautnah mit, wie Geschichte geschrieben wird. Diese Mischung erfordert vom Leser nicht nur Aufmerksamkeit und Konzentration, sondern auch Mitdenken, was mir sehr gut gefallen hat. Titus Müller offenbart die Zusammenhänge nicht schnöde auf einem Silbertablett, sondern zieht feine Linien zwischen Moskau, Berlin, Halle und Bonn, die der Leser verfolgen kann. So hatte ich beim Lesen mehrere AHA-Erlebnisse. Toll!

Die Figuren, die Titus Müller in seinem Roman agieren lässt, sind sowohl fiktional als auch auf realen Persönlichkeiten beruhend. Mir persönlich hat es der Soldat Heimran Kunze sehr angetan. Gefangen in einer Welt von Gehorsam und Linientreue beweist er beeindruckend, dass man dennoch sein eigenes Denken nie einstellen darf. Doch auch die die anderen Charaktere, die alle sehr ausgewogen vorgestellt werden und zu Wort kommen, überzeugten mich durch ihre Ecken und Kanten, ihre Überzeugungen und ihre Schicksale. Der Autor vermeidet es sehr gut, bei seinen Beschreibungen in Klischees über Ost und West zu verfallen. Das hat mir sehr gut gefallen.

Die Story hat mich von Seite 1 an mitgenommen und mit jedem Kapitel bin ich tiefer in den aufziehenden Aufstand eingetaucht. Titus Müller versteht es meisterhaft, das Gefühl des Aufbruchs, den Wunsch nach Veränderung und die "Wir packen das" - Einstellung der Arbeiter im Sommer 1953 zu transportieren. Ich fühlte mich zeitweise mitten in dieser Revolte gegen das Regime, wollte ebenso gegen die Ungerechtigkeit kämpfen und erschrak über die aufflammende Gewalt. Sehr zu Herzen gingen mir auch die Beschreibungen der Folter in den Stasi-Gefängnissen, auch wenn der Autor sie nicht bis ins kleinste Detail beschreibt, sondern vieles der Fantasie überlässt.

Das Ende hat mich dann zu Tränen gerührt. In wenigen Sätzen wurde mir warm ums Herz und ich spürte Hoffnung für die Charaktere, die sich gegen das gestellt haben, was sich selbst als freiheitlich demokratisch bezeichnet hat. Großartig!

Der Stil von Titus Müller ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist detailgetreu, mitreißend, ohne reißerisch zu sein und passend ruhig, wo die Herzen vor Aufregung eh schon schnell schlagen.

Fazit: die DDR schnupperte einen Sommer lang an der Freiheit. Ich kann den Roman nur empfehlen.

Sonntag, 5. März 2017

Blutiges auf die Ohren - Thriller als Hörbücher



Hallo Ihr Lieben,

wie Ihr ja wisst, lese ich unheimlich gern Thriller, je blutiger umso besser. Doch es gibt auch Momente, in denen Lesen einfach nicht möglich ist. Dennoch verzichte ich dann ungern auf meine tägliche Ration Blut ;) Daher habe ich schon vor einiger Zeit Hörbücher für mich entdeckt und will Euch in die angstschürende Welt der blutigen Geschichten mitnehmen.

Meine Leidenschaft für Hörbücher hat auf den langen Autofahrten zu Familie oder Messen begonnen. Nachdem ich jeden aktuellen Popsong 10x im Radio gehört und immer noch 5 h Fahrt vor mir hatte, hätte ich direkt in einem Thriller mitspielen können....als Täter ;) Also musste eine Alternative her. 

Durch einen glücklichen Zufall gab es eine Preisaktion für Thriller und da schlug ich zu. Es zogen Cody Mcfadyen, Sebastian Fitzek und Co in runder Form ein. Denn mein Auto hatte nur einen CD-Deck und keinen Anschluss für einen mp3-Player. 

Ich muss zugeben, dass ich Bedenken hatte. Denn ein gutes Hörbuch steht und fällt für mich mit einem guten Sprecher. Die ersten Thriller zum Lauschen hatte ich blind gekauft, ohne mir vorher Meinungen dazu durchzulesen. Zum Glück wurde ich nicht enttäuscht.

Cody Mcfadyens Thriller werden von Franziska Pigulla gelesen. Sie ist als deutsche Stimme von Demi Moore bekannt und gibt den blutigen Fallen von Smoky Barrett einen ruhigen, unaufgeregten Grundton. Und genau das erzeugt den Gänsehauteffekt. Ich bin teilweise nach Ankunft noch im Auto sitzen geblieben, weil ich das angefangene Kapitel noch zu Ende hören wollte. 

Während Hörbücher zu Liebesromanen oder witzigen Geschichten gefühlt stark beworben werden, fristen die Thriller meist ein Schattendasein. Woher bekommt man also neue blutige Geschichten, die schon vorher mal von jemanden angehört und bewertet wurden?

Ich habe da sehr gute Erfahrungen mit dem Hörbuchblog von audible gemacht. Zwar musste ich mich erst in die Seite und ihre Aufteilung einfuchsen, mittlerweile blättere ich gern dort durch und schaue, wie gut oder eben weniger gut die neusten Thriller vertont werden.

Und jedem Thrillerfan kann ich nur ans Herz legen, es sich mal mit Kopfhörern auf dem Sofa bequem zu machen, den Lieblingsthriller für die Ohren zu starten und zu spüren, wie die Stimmung, die das Buch schon geschaffen hat, durch einen Sprecher noch einmal eine andere Dimension bekommt.

Freitag, 3. März 2017

Ist Schwangerschaft ansteckend?

Die Schwangerschaft des Max Leif
(Max-Leif-Reihe Band 2)
von Juliane Käppler
(352 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Max' Leben läuft großartig. Der Musikkindergarten Kling Klang ist ein voller Erfolg, Maja und er führen eine harmonische Partnerschaft und es zeigt sich keine Wolke am Liebeshimmel. Bis...naja...bis Maja ihrem Lieblingshypochonder eröffnet, dass sie schwanger ist. 9 Monate hat Max Leif nun Zeit, sich auf das Abenteuer einzustellen. Doch wie soll das bei all den Gefahren funktionieren?

"Die Schwangerschaft des Max Leif" ist der Nachfolger von "Die sieben Tode des Max Leif" und konnte mich sehr überzeugen. Juliane Käppler knüpft nahtlos an den Vorgänger an und zeigt auf humorvolle und lockere Art und Weise, wie ein Mann eine Schwangerschaft erlebt und vor allem überlebt.

Die Geschichte wird von Max höchstselbst erzählt. Der ehemalige Musikproduzent freut sich über sein stabiles Leben und muss nach den 3 magischen Worten "Ich bin schwanger" sich wieder mit den tödlichen Gefahren des alltäglichen Lebens auseinandersetzen. Dabei beweist er so viel Herz, so viel Gutmut und auch so viel herzallerliebste Panik, dass ich beim Lesen kichern und laut lachen musste. 

Aber ich hatte auch nachdenkliche Momente, denn die Autorin zeigt sehr anschaulich, wie es einem Mann dabei geht, wenn die Liebste von 0 auf Furie in unter 5 Sekunden umschalten kann, wenn er sich an den Gedanken gewöhnt, Vater zu werden und nebenbei auch noch den Alltag meistert. Mit jedem Selbsttest, den Max durchzieht, schloss ich ihn tiefer in mein Herz. Auch wenn er vor Panik am liebsten alle Ärzte der Welt zu sich bestellt hätte, muss man ihn einfach lieben.

Für großartige, lebensbejahende und zum Lachen bringende Momente sorgte auch wieder Jekaterina Poljakow, die russische Putzfrau im Hause Leif. Ihre Lebensweisheiten gepaart mit ihrem Sturkopf und ihrem russischen Akzent versüßten mir die Lesestunden. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ich den Roman innerhalb eines Tages ausgelesen habe.

Die Story hat mich von Seite 1 mitgenommen und ich las beschwingt von Kapitel zu Kapitel. Juliane Käppler schubst ihre Figuren zwar in turbulente Situationen, entfernt sich dabei aber nie weit von der Realität. Zu keinem Zeitpunkt kam bei mir Langeweile auf. Ich wollte nach jedem Kapitel wissen, wie es weitergeht. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass mich das Finale zu Tränen gerührt hat. Zudem lässt die Autorin genügend Raum für Max Leif Part 3.

Der Stil von Juliane Käppler ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist humorvoll, ohne gewollt zu sein, locker, ohne flapsig zu wirken und einfach herzerwärmend, ohne den Kitsch herauszuholen. Grandios!

Fazit: jedem werdenden Papa sei dieser Roman ans Herz gelegt. Und jeder werdenden Mama auch. Und sowieso allen. Eine klare Lesempfehlung.

Mittwoch, 1. März 2017

Bücherfasten 2017 oder "Aber, aber die Bücher müssen doch..."

(Quelle: Büchereule)

Hallo Ihr Lieben,

heute ist Aschermittwoch, die Jecken packen die roten Nasen weg und die Fastenzeit beginnt. Und da ich so ein verrücktes Huhn bin *hust hust* , schließe ich mich den Büchereulen an und werde die Zeit bis Ostern zur Buchkaufenthaltsamkeit nutzen.

Wie funktioniert das Ganze? Nun, eigentlich recht einfach: vom 1. März bis zum 16. April (Ostersonntag) werden keine Bücher gekauft. Fertig. Wer aber selbst Bücher liebt, weiß, dass diese Enthaltsamkeit grausam sein kann. Daher gibt es 2 Notfalleulen, die den Buch-Turkey im schlimmsten Fall lindern sollen. Die genauen Spielregeln findet Ihr hier

der Start
Nun denn, blicken wir mal auf die nackten Zahlen

Anzahl SuB am 1.3.2017: 268
Anzahl gelesener Bücher:
Anzahl hinzugekommener Bücher:
Anzahl SuB am 16.4.2017:
Anzahl SuB am 26.4.2017:

Habe ich ein Ziel? Nun, ich hoffe darauf, dass ich unter 260 Bücher rutschen werde. Ob ich es schaffe, aufgebe oder einfach kämpfe, werde ich Euch natürlich haarklein berichten.

Und vielleicht habt ihr ja Lust mitzumachen? Dann schließt Euch gern an. Gemeinsam leidet es sich besser ;)
Liebe Grüße
Eure Denise