6. Juni 2018

Tapsis Buchblog macht Pause!




Seit Juni 2014 blogge ich. 4 Jahre voller Bücher, Erlebnisse, Hoch und Tiefs. In dieser Zeit hat sich viel verändert. Ich habe mich geändert. Und seit Dezember 2017 hadere ich mit meinem Blog. Will ich das überhaupt noch? Wohin geht es mit der Bloggerwelt? 

Nach Wochen des Grübelns, des In-sich-Gehens und des Fluchens steht fest:
Tapsis Buchblog macht eine Pause!

Wie lang? Das weiß ich selbst nicht. Aktuell geht mir das Bloggen vor allem auf die Nerven. Ich kann kein Buch mehr zum Spaß lesen. Sobald ich ein paar Kapitel inhaliert habe, analysiere ich bereits das Gelesene. Noch bevor der Protagonist den Fall gelöst hat, formuliere ich die Rezension in meinem Kopf. Lesen aus Genuss? Seit Monaten nicht mehr möglich.

Hinzu kommen die Veränderungen in der Bloggerwelt insgesamt, denen ich skeptisch gegenüber stehe. Wir entwickeln uns hin zu einer puren Selbstvermarktungsmaschinerie, in der das Buch Vehikel, aber nicht mehr Mittelpunkt ist. 
Zum Anderen werden Kleinkriege geführt, die auch für Aussenstehende absolut ermüdend sind. Kritikfähigkeit ist vielen Bloggern verloren gegangen. Aus einem "Das sehe ich anders" wird ein "Du bist blöde und riechst nach Pups" und schon ist der Shitstorm da. Traurig! Als ich mit dem Bloggen begann, freute ich mich auf Gleichgesinnte. Mittlerweile sind wir nur noch ein großer Kindergarten mit Cliquenbildung, Schippen und der Frage, wer heute den coolsten Strampler trägt. 

Ich danke Euch für Eure Treue, für Eure Kommentare  und die tolle Zeit, die ich dennoch hatte. Durch meinen Blog durfte ich wunderbare Menschen kennenlernen, die ich heute nicht mehr in meinem Leben missen will.

Macht's gut!

5. Juni 2018

Der Klassiker des Serienkiller-Romans







Titel: Die Einkreisung
Autor: Caleb Carr
Übersetzer: Hanna Neves
Reihe: Lazslo Kreisler
Band: 1
Verlag: Heyne
Seiten: 733
ISBN: 978-3453503984







New York 1896: Ein Strichjunge wird bestialisch ermordet. Die Polizei kümmert dies zunächst wenig. Doch ihr neuer Chef Theodore Roosevelt setzt Dr. Kreisler auf diese unfassbare Tat an. Schon bald wird klar, dass der Tod des Jungen in eine Reihe weiterer Morde gehört. Gemeinsam mit dem Reporter John Moore sowie der Polizeisekretärin Sara Howard macht sich der Arzt daran, Licht ins Dunkel zu bringen. Und muss schnell feststellen, dass die Morde viel weiter reichen als gedacht...

"Die Einkreisung" war mein erster Roman von Caleb Carr und lässt mich zugegeben zwiespältig zurück. Der Klappentext hatte mich aufgrund des Zusammenspiels aus psychologischer Betrachtung der Fälle und der Polizeiarbeit im frühen New York neugierig gemacht. Jedoch ergeht sich der Autor in so vielen Details, Einzelheiten und Schwafeleien, dass es mir nicht immer leicht fiel, dran zu bleiben.

Ein Hinweis vorab: Bei diesem Buch handelt es sich um eine Neuauflage. Caleb Carr schrieb sein Werk bereits 1994. Man hat es hier also schon mit einem jungen Klassiker zu tun!

Die Geschichte wird von John Moore selbst erzählt. Der Polizeireporter gerät mehr durch Zufall in die Ermittlungen und berichtet rückblickend über seine Erlebnisse auf der Jagd nach einem Serienmörder. Diese Erzählweise empfand ich zu Beginn sehr erfrischend, zumal Moore frei von der Leber weg schildert.

Auch die einzelnen Figuren haben mir gut gefallen. Besonders fasziniert hat mich Dr. Kreisler. Er wirkt zunächst wie eine frühe Version von Dr. House, wurde mir aber durch sein Fachwissen und sein Blick fürs Wesentliche sympathisch. Auch Sara Howard, die das große Ziel hat, die erste Polizistin New Yorks zu werden, gefiel mir. Alle Figuren glänzen durch besonderes Fachwissen, welches sie für die Ermittlungen unentbehrlich macht.

Die Story selbst hat es mir nicht immer einfach gemacht. Auf der einen Seite legt Caleb Carr Wert auf grausame Details und treibt seine Leser in die düstersten Ecken des Big Apple. Auf der anderen Seite ergeht er sich in sehr fachlichen Ergüssen über Psychologie, Spurensicherung und ähnlichem. Das war selbst mir, die ich gern mal einen Ausflug in die Wissenschaft tätige, zu viel. Eine Straffung hätte dem gesamten Roman gut getan. Bei so manchen Ausführungen las ich nur noch quer. Es wirkte so, dass der Autor sein gesamtes Fachwissen unbedingt in dieses Werk pressen wollte. Echt schade.

Fazit: Lesenwert, aber nur mit sehr viel Geduld. Dennoch ein toller Roman!



Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier

3. Juni 2018

Auch nach dem Krieg grassiert der Hass








Titel: Die rote Frau
Autor: Alex Beer
Reihe: August Emmerich
Band: 2
Verlag: Limes
Seiten: 416
ISBN: 978-3809026761







Wien, Frühling 1920: August Emmerich und sein Partner Ferdinand Winter haben es geschafft. Sie dürfen für die Abteilung "Leib und Leben" arbeiten. Jedoch werden die beiden eher für Sekretariatsaufgaben eingesetzt, während sich die Kollegen um den Mord an einem hohen Politiker kümmern. Emmerich und Winter hingegen sollen eine Schauspielerin mit Hang zum Aberglauben beschützen. Doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Politikermord mehr steckt...

"Die rote Frau" ist der zweite Fall für August Emmerich und konnte mich wieder komplett überzeugen. Alex Beer entführt ihre Leser in das Wien der Gegensätze und zeigt, dass der Tod auch vor der Dekadenz keinen Halt macht. Großartig!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man Emmerich und Winter, die zunächst in einem kleinen Büro bei Schreibarbeiten zu versauern scheinen. Durch den Spürsinn des im 1. Weltkrieg verletzten Polizisten ermitteln die beiden geheim und setzen damit mehr aufs Spiel als nur ihre Jobs.

Schon im ersten Teil hatte ich August Emmerich und seinen sehr jungen Assistenten ins Herz geschlossen. Im zweiten Teil hätte ich beide noch öfter umarmen können. Denn auch wenn die Zeiten nach Kriegsende rau und unmenschlich sind, agieren sie menschlich, mit Herz und, im Falle Emmerichs, unkonventionell. Zudem schafft es die Autorin, dass ich mit jeder Figur, egal ob sympathisch oder nicht, mitfühlen konnte. Das hat mir sehr gut gefallen.

Die Story selbst ist von Beginn an spannend und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mit den beiden Ermittlern recherchiert, befragt und gezweifelt. Bis zum Schluss hatte ich wenig Ahnung, wer nun der Mörder ist. Das Tolle: Alex Beer setzt auf solide Ermittlungen ohne Zufall und großen Knalleffekt. Das fand ich klasse.

Das Ende ist rund, passt zum gesamten Krimi und birgt so manchen Moment zum Luft anhalten. Großartig!

Zwar kann man die Bücher unabhängig voneinander lesen, da die Fälle abgeschlossen sind. Aber mit dem Vorwissen aus Band 1 kann man die Entwicklungen zwischen Winter und Emmerich sowie die Umstände in Wien besser verfolgen.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Alex Beer erzählt detailgenau, lässt das Wien der Nachkriegszeit aufleben und zieht mit ihrer ruhigen Art ihre Leser in den Bann.

Fazit: Wien sehen und sterben. Ich kann das Buch sehr empfehlen.



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