18. Mai 2018

Leichen, Geheimnisse, Ruhrpott








Titel: Thanatos
Autor: Ulli Eike
Reihe: Lena Stern
Band: 1
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 342
ISBN: 978-1500350772







Lena Stern kehrt nach Jahren in ihr altes Revier zurück. Viel hat sich nicht geändert. Und schon kurz nach ihrer Ankunft bekommt sie und ihr neues Team einen Fall zugeteilt: In einem kleinen See ist eine Leiche gefunden worden. Der Zustand des Leichnams ist grausam und Lena ahnt, dass dies nicht die einzige Leiche bleiben wird. Schnell zeigt sich, wie Recht sie hat...

"Thanatos" war mein erster Thriller von Ulli Eike und hat mir gut gefallen. Der Autor nimmt seine Leser mit in den Pott und erschafft mit Lena Stern eine toughe Ermittlerin, mit der man gern auf Verbrecherjagd geht. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man großteilig Lena Stern und ihrem Team. In einigen Kapiteln kommt auch der Täter zu Wort. Diese Mischung ist von Beginn an spannend und mitreißend. Besonders gefallen hat mir, dass man das Team um Stern sehr intensiv kennenlernt.

Lena Stern war mir zu Beginn nicht sympathisch. Als ehemalige verdeckte Ermittlerin gibt sie wenig von sich preis und zeigt eine sehr raue Schale. Erst nach und nach taut sie auf, zeigt ihre menschliche Seite, verliert aber nie ihre Vorsicht. Auch die anderen Figuren werden nicht durchweg positiv dargestellt, was ich sehr gut finde. Leider schafft es auch Ulli Eike nicht, komplett auf stereotypische Ermittlerfiguren zu verzichten. Jedoch bindet er diese so gut in seine Geschichte ein, dass ich darüber hinweglesen konnte.

Die Story selbst bringt alles mit, was ein Pageturner braucht: Spannung, Leichen, Geheimnisse und Intrigen. Ulli Eike verbindet geschickt mehrere Fälle miteinander ohne zu offensichtlich zu werden. Klasse.

Das Ende ist logisch herbeigeführt und beantwortet alle offenen Fragen. Dennoch bleibt eine Tür für den zweiten Fall offen. Toll!

Der Stil von Ulli Eike ist nach einer kurzen Eingewöhnung gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, schnörkellos und detailreich, wo es nötig ist.

Fazit: Ein knackiger erster Fall. Ich kann ihn empfehlen.




Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet ihr hier


16. Mai 2018

Du bist die Waffe, die du nie sein wolltest

(Quelle: Amazon)






Titel: Locked Tight - Gefährliches Misstrauen
Autor: Susan Kaye Quinn
Übersetzer: Michael Drecker
Reihe: Mindjack
Band: 4
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 244
ISBN: B078R973CN









Zeph ist ein mächtiger Mindjacker. Wenn er will, kann er die mächtigsten Geister durcheinanderbringen und Schwachen helfen. Doch seit die Jacker publik gemacht wurden und ihnen eine Welle des Hasses entgegenschlug, ist Zeph untergetaucht. Er verschleiert sein wahres Ich. Bis seine Familie verschwindet und er sich mit einem der mächtigsten Männer verbinden muss, um sie zu finden...

"Locked Tight - Gefährliches Misstrauen" ist der 4. Band der Mindjack-Reihe und konnte mich wieder überzeugen. Ich habe die erste Trilogie um Kira sehr gemocht. Mit Zeph zeigt Susan Kaye Quinn eine andere Seite im Mindjack-Universum. Und diese ist gefährlich und spannend.

Die Geschichte wird von Zeph selbst erzählt. Als starker Jacker muss er verdeckt leben. Zu viel hat er in seinem Leben schon getan, auf das er nicht stolz ist. Zum Schutz seiner Familie ist er geflohen. Doch nun ist seine Familie verschwunden und Zeph muss in eine Welt vordringen, in die er nie wieder zurückwollte. Dieser innere Konflikt hat mich angezogen und zog mich in seinen Bann.

Der Mindjacker wirkt sehr sympathisch und nachdenklich. Zudem reflektiert er sein Verhalten sehr erwachsen und schmerzhaft ehrlich. Das fand ich toll. Man merkt ihm an, dass er nicht stolz auf seine Taten ist. Und dennoch blitzt trotz seines erwachsenden Verhaltens auch der Jugendliche durch. Dies wird vor allem dann deutlich, als er der Tochter des Erfinders von Mindware begegnet. So ganz hat er dann seine Hormone nicht im Griff, was aber nicht dazu führt, dass die Geschichte von Liebesgeplänkel überlagert wird. Toll!

Die Story an sich ist mitreißend und spannend. Allerdings sollte man die ersten 3 Bände zwingend gelesen haben. Zeph hält sich nicht mit Erklärungen auf. Der Leser muss wissen, wie das Mindjack-Universum aufgebaut ist, ansonsten verliert er den Anschluss. Auch ich musste in meinen Erinnerungen wühlen, aber mit jedem Kapitel fand ich in Zephs Erzählungen und konnte mit ihm täuschen, nachdenken und zweifeln.

Der Stil von Susan Kaye Quinn ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, schnörkellos und passend zu einem jungen Erwachsenen brutal ehrlich. Das fand ich toll.

Fazit: Die Reihe geht weiter. Wer die ersten 3 Bände gemocht hat, wird Zeph lieben.



Eine Leseprobe findet Ihr hier

14. Mai 2018

Traust du dir selbst noch?








Titel: Im Dunkel deiner Seele
Autor: George Harrar
Übersetzer: Anke Grube
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 399
ISBN: 978-3404176144








Professor Evan Birch unterrichtet Philosophie am College, hat Zwillinge und ist glücklich verheiratet. Sein Leben wirkt komplett normal, bis die Polizei ihn beschuldigt, etwas mit dem Verschwinden von Joyce Bonner zu tun zu haben. Evan ist geschockt und reagiert mit Unverständnis. Doch seine Frau scheint eine andere Auffassung zu haben. Wem ist noch zu trauen?

"Im Dunkel deiner Seele" war mein erster Roman von George Harrar und hat mich begeistert. Der Autor setzt seine Leser der angsteinflößenden Situation aus, unschuldig eines Verbrechens beschuldigt zu werden und zeigt, dass ein paar Zufälle schon genügen, um ein Leben zu zerstören.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man ausschließlich Evan Birch, dessen Leben durch die Beschuldigung aus den Fugen gerät. Dachte ich zu Beginn noch, es wird sich alles schnell auflösen, wurde ich mit jedem Kapitel unsicherer, was sich zugetragen hat.

Evan ist kein einfacher Charakter. Als Professor der Philosophie nimmt er jedes Gespräch analytisch auseinander. Normale Unterhaltungen sind so gut wie unmöglich. Und genau das hat mich an ihm so fasziniert. Denn obwohl er seine Unschuld beteuert, lässt er genügend Raum für Zweifel. Diese Zweifel übertragen sich auf seine Frau und seine Söhne. Und auf mich als Leserin. Ich schwankte die gesamte Zeit zwischen "er ist unschuldig" und "irgendwie ist er komisch". Hinzu kommt, dass auch seine Frau und die Zwillinge nicht so agieren, wie man es erwarten würde. Dieser Strudel aus Unsicherheit, Angst und nüchterner Analyse hat mich angezogen und mitgerissen.

Die Story selbst ist kein klassischer Thriller. Ich selbst würde den Roman eher als psychologisches Drama bezeichnen. Hinzu kommt, dass dem Leser einiges an Aufmerksamkeit abverlangt wird, da George Harrar immer wieder Ausflüge in die Tiefe der Philosophie unternimmt. Wer hier den Faden verliert, könnte sich schnell langweilen.

Das Ende lässt mich verdutzt, aber nicht unzufrieden zurück. Oberflächlich scheint alles geklärt zu sein. Darunter brodelt es aber gewaltig. Das fand ich klasse.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist ausschweifend, ohne den Faden zu verlieren und regt zum Mitdenken an. Großartig.

Fazit: Vertrauen ist rein subjektiv, Angst ebenso. Ich kann den Roman sehr empfehlen.



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