18. Juli 2017

Duell der Psychopathen






Titel: Nummer 25
Autor: Frank Kodiak
Seiten: 384
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426520093










Andreas Zordan ist Deutschlands erfolgreichster Thrillerautor. Seine Bücher und die darin beschriebenen Morde sind grausam, überaus brutal und blutrünstig. Dem Autor macht es unheimlich Spaß, solche Geschichten zu erschaffen, da er sich selbst für einen Psychopathen hält. Das Schreiben ist sein Ventil und er lebt gut damit. Bis ihn ein echter Psychopath mit der Leiche einer jungen Frau direkt herausfordert...

"Nummer 25" von Frank Kodiak ist mir durch das Cover und den anziehenden Klappentext aufgefallen. Endlich traut sich mal ein Autor mit der Frage "Was wäre, wenn der Erschaffer von Psychothrillern ebenso "krank" wäre wie seine Figuren?" zu spielen. Das hat mich neugierig gemacht. Erst kurz vor der Lektüre habe ich erfahren, dass hinter Frank Kodiak der erfolgreiche Autor Andreas Winkelmann steht, von dem ich bisher noch nichts gelesen hatte. Umso gespannter war ich. Und umso mehr wurde ich enttäuscht.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Man begleitet dabei nicht nur Andreas Zordan, der sehr zurückgezogen in einer Hütte mitten im Wald lebt, sondern auch die Journalistin Greta Weiß, die mit dem mehr als arroganten Autoren ein Interview führen soll. Diese Mischung versprach von Beginn an Spannung und Reibereien, denn sowohl Andreas als auch Greta sind große Sturköpfe und weichen keinen Zentimeter von ihren Positionen ab. Frank Kodiak lässt zudem kapitelweise auch den Täter und dessen Gedankenwelt zu Wort kommen. Dieser Mix hat mir super gefallen und ich war von Beginn an fasziniert.

Je weiter ich jedoch mit der Lektüre kam, desto mehr fiel mir auf, dass der Autor zwar auf blutige Details, nicht aber auf Recherche und gekonnte Überleitungen steht. Wer einen Thriller über zwei Psychopathen schreibt, sollte sich der Definition dieser Persönlichkeitsausprägung bewusst sein und sie nicht mit der des Soziopathen vermischen. Doch genau das tut der Autor. Habe ich beim ersten Mal noch darüber hinweggelesen und es als Flüchtigkeitsfehler abgetan, so wird bei der Hälfte des Buches deutlich, dass es Frank Kodiak nicht schert, dass er hier bewusst zwei Persönlichkeitstypen miteinander vermischt, die zwar gewisse Schnittmengen miteinander haben, aber dennoch große Unterschiede aufweisen. Ich weiß nicht, ob Autor UND Lektor beim Korrekturlesen gepennt haben, für mich ist dieser schwerwiegende Recherchefehler jedoch einer der Gründe, warum ich dieses Buch nicht zu Ende gelesen habe.

Ein anderer Grund ist die sehr gestelzte Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge. Während Greta Weiß und Andreas Zordan versuchen, den Psychopathen ausfindig zu machen, ermittelt die Polizei in mehreren Vermisstenfällen. Die Journalistin, die sich mit Feuereifer in die Suche stürzt, fragt stümperhaft bei ihrem Polizeikontakt nach einem ganz bestimmten Mädchen und stößt so eine Kettenreaktion an. Natürlich passiert so etwas im wahren Leben. Und ich hätte mit dieser Art der Zusammenführung auch kein Problem, wenn sie nicht so gewollt und hölzern wirken würde. 

Frank Kodiak macht es sich in meinen Augen zu einfach. Anstatt seine Leser rätseln zu lassen, serviert er alles auf einem Silbertablett. Darunter leidet auch die Glaubwürdigkeit seiner Hauptfigur, was ich sehr schade finde. Denn Andreas Zordan hat das Zeug, ein sympathisches Arschloch zu sein. 

Der Stil des Autors lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Seine Erzählweise ist blutig, auf den Punkt und zieht den Leser mit.

Fazit: Nummer 25 hätte mich begeistern können. Leider war der Autor zu schlampig. Schade!


Neugierig geworden? Die Leseprobe findet Ihr hier

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