6. September 2017

Von abgeschnittenen Körperteilen und vielen Fehlern







Titel:
 Tränenbringer
Autor: Veit Etzold
Reihe: Clara Vidalis
Band: 5
Seiten: 480
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426520697







Ein Junkie wird beim Überqueren einer Straße angefahren. Während die Ärzte sich um seine Verletzungen kümmern, kontrollieren die herbei geeilten Polizisten den Karton, den der Mann bei sich trug. Der Inhalt ruft Clara Vidalis und ihr Team auf den Plan. Denn der Junkie transportierte menschliche Füße. Schnell wird klar, dass dies nur der Beginn einer Gewaltspirale mitten in Berlin ist. Kann die Kommissarin den Täter rechtzeitig stoppen?

"Tränenbringer" ist der fünfte Fall für Clara Vidalis und gleichzeitig meine letzte Chance für Veit Etzold. Der Autor enttäuschte mich mit Dark Web und SKIN und ich setzte alle Hoffnung in sein neustes Werk. Diese Chance hat Etzold nicht genutzt. Dabei bin ich nicht mal enttäuscht oder wütend, sondern einfach nur amüsiert. Und das ist für einen Thriller das Todesurteil.

Die Geschichte wird großteilig von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man Clara Vidalis, die nicht nur beruflich, sondern auch privat mit einigen Neuheiten zu kämpfen hat. Kapitelweise kommt zudem der Täter zu Wort, der aus der Ich-Perspektive seine Motive erklärt. Diese Mischung fand ich sehr anziehend und auch der Einstieg hat mich sofort mitgerissen. Obwohl die Lektüre des letzten Falls fast ein Jahr her ist, fand ich mich sofort zurecht und war mittendrin. Klasse!

Je weiter ich mit der Lektüre kam, desto mehr merkte ich aber, dass der Erzählstil das Highlight bleiben würde. Veit Etzold liefert mit "Tränenbringer" einen Thriller von der Stange ab. Die Story bietet rein inhaltlich keine Überraschungen oder neuen Wendungen. Der Täter ist religiös angehaucht und hat einen Mutter-Komplex, die Ermittler tappen ewig im Dunkeln, bis sie auf sehr einfache und stereotype Art und Weise an den Serienkiller herankommen. Das alles ist schon gefühlt tausende Male da gewesen, ausgelutscht und einfach Durchschnitt. Hier hatte ich mir mehr erhofft.

Zudem begeht der Autor so manche Fehler, die sich mit einer kurzen Recherche hätten vermeiden lassen können. Ein Beispiel: Der Täter ruft bei den Hinterbliebenen per Handy an. Die Idee von Clara Vidalis ist, dass man über den getätigten Anruf herausfinden könnte, wo der Täter sich zu dem Zeitpunkt aufgehalten hat. Dieser logische Schluss wird aber mit einem einfachen "Wenn der Täter die Ortungsdienste ausgeschalten hat, finden wir ihn eh nicht" abgeschmettert. Was vollkommener Quatsch ist. Sobald ein Handy eingeschalten ist, loggt es sich in das Netz ein und kann somit geortet werden. So ein offensichtlicher Faux-Pas tut schon weh.

Desweiteren arbeitet der Autor mit wortwörtlichen Wiederholungen von Dialogen oder Tatsachen, welche erst im vorherigen Kapitel ausführlich erklärt wurden. Da stellte sich mir die Frage, ob er mich als Leserin für zu blöd hält, mir gewisse Dinge zu merken oder ob er zu verschiedenen Zeiten an den Kapiteln gearbeitet und beim späteren Zusammensetzen diese Wiederholungen übersehen hat. 

Auch so manches medizinische Detail trieb mir Lachtränen in die Augen. Bei den in der Einleitung erwähnten Füßen wird in der Untersuchung festgestellt, dass sie post mortem (nach dem Tod) abgeschnitten wurden. Dennoch fragt die erfahrene Clara Vidalis über mehrere Kapitel hinweg immer wieder nach, ob man sicher sein könne, dass das Opfer tot sei. Und auch den Angehörigen macht sie unberechtigte Hoffnungen, dass das Opfer noch leben könnte. Vollkommener Nonsens in meinen Augen.

Dass das Finale dann zu einem typischen Showdown wird, ist da nur noch nebensächlich. 

Was bleibt also zu sagen? Veit Etzold zeigt mit seinem neusten Buch, dass er erzählen kann. Wer jedoch wie ich auf Genauigkeit, Details und solide Recherche steht, sollte die Finger von dem Thriller lassen. Wer leichte Kost für den nahenden Herbst sucht, ist hier aber gut bedient.



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Kommentare:

  1. Liebe Tapsi,

    ich war mit diesem Titel ebenfalls nicht gut unterhalten. Mir kamen viele Recherchen auch so furchtbar plump eingebaut vor. Was mich am meisten störte sind die Perversionen, die Etzold hier unnötiger Weise immer wieder einbaut.

    Ich werde deine Rezension unter meiner Verlinken und grüße dich herzlichst,

    Anja von Nisnis Bücherliebe

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  2. Hi Anja,


    Ich danke dir für dein Kommentar. Die Perversionen hätten vielleicht gut ins Bild gepasst, wenn sie überzeugend gewesen wären. Plump trifft es da sehr gut.

    Lg
    Denise

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