4. September 2017

WARUM? - Ehrlichkeit und Jubelrezensionen





Jeden ersten Montag im Monat befasse ich mich mit einer Frage, die mich im Bücherversum umtreibt. Sei es zu Figuren, Handlungen, Gestaltungen oder Trends in der Literaturwelt, sobald mir eine Frage durch den Kopf geht, befasse ich mich damit. 

Vorsicht: Diese Rubrik gibt einzig meine persönliche Meinung wider. Aber es darf gern darüber diskutiert werden.

Vorab: Ich möchte niemanden über einen Kamm scheren. Jeder bloggt, wie er es für richtig hält. Jedoch gibt es für mich Dinge, die mit meinem Verständis vom Bloggen nicht zusammengehen.

Ich mag es sehr, mich abends in Ruhe auf verschiedenen Buchblogs umzuschauen. So finde ich Bücher, die ich nicht auf dem Schirm hatte und entdecke Neuigkeiten. Doch leider begegnet mir immer öfter eine Mischung aus einem Einheitsbrei aus Coverfotos mit Funko-Figuren, Jubelschreie über noch nicht erschienene Bücher und Rezensionen, die aus Füllwörtern und nichtssagenden Sätzen bestehen. 

Warum ist das so? Warum gibt es immer mehr Blogs, die sich nicht mehr kritisch/ehrlich mit ihrem liebsten Hobby auseinandersetzen, sondern nur begeistert HURRA schreien, egal wie flach die Geschichten sind, die in den Büchern präsentiert werden?

Zunächst: Viele Blogger, dazu zähle auch ich, lesen das, von dem sie ausgehen, dass es ihnen gefällt. Daher ist es normal, dass die Besprechungen mehrheitlich positiv ausfallen. Denn warum sollte ich als Thriller-Leserin zum Beispiel einen Liebesroman besprechen, bei dem ich von vornherein weiß, dass er mir nicht gefallen wird? Doch auch wenn ich Thriller liebe, gibt es immer wieder blutige Romane, die mich einfach nicht mitreißen, die nicht durchdacht oder einfach nur schlecht recherchiert sind. Und auch diese bekommen ihre ehrlichen Rezensionen.

Jedoch sieht man genau diese Art von Besprechungen immer weniger. Statt ehrlich zu sagen, was man denkt, bestücken Blogger ihre Rezensionen mit Füllwörtern und langen, verschachtelten Sätzen, die nichts aussagen. Die eigene Meinung des Verfassers sucht man vergeblich. Mir persönlich helfen diese Beiträge (Rezensionen mag ich sie nicht nennen) überhaupt nicht. Denn ich will wissen, was der Buchblogger denkt. Direkt und klar! 

Für mich ist es wichtig, dass mir der Blog einen Mehrwert bietet, zum Beispiel durch eine eigene Meinung, die eigene Sicht auf bestimmte Trends oder eben auch mal einen Verriss, bei dem ich herauslesen kann, dass sich der Blogger schwer damit getan hat.

Was verleitet immer mehr Leseliebende dazu, Bücher ungeachtet ihres Inhaltes zu beklatschen? Haben diese Jubel-Blogger Angst vor der Reaktion der Verlage? Bangen sie um ihre Rezensionsexemplare? Oder gar um Leser, weil sie sich mal getraut haben, ein Buch nicht zu mögen? Oder ist es ihnen schlicht egal, da sie einfach nur gratis Bücher abstauben möchten, sich liebkind mit den Verlag und Autoren machen wollen und der Aufwand einer kritischen Rezension ihnen einfach zu groß ist?

Auffällig ist, dass diese Art der "Alles ist toll und genial"-Buchblogs sich mit einem zweiten Thema Reichweite, Likes und Aufmerksamkeit sichern: Gewinnspiele. Es gibt Buchseiten, auf denen finden wöchentlich oder gar täglich Gewinnspiele statt. Bedingungen sind zumeist, dass man die Seite geliked, den Beitrag kommentiert und ab und an auch den Beitrag selbst geteilt hat. Diese Vorgehensweise sichert dem Betreiber Aufmerksamkeit und den Verlagen die benötigte Werbereichweite. Der Leser geht dabei rein inhaltlich leer aus. 
Gewinne sind großartig, keine Frage, jedoch bieten sie mir persönlich nichts: Keine neuen Informationen, keine Auseinandersetzung mit dem verlosten Buch, keine eigene Meinung. Es ist eine reine Marketingaktion. 

Und genau das ist es doch, was viele Blogger von sich weisen: Sie wollen keine Werbefläche sein, kein Marketinginstrument. Sie möchten, dass ihre Meinung, ihr Blog, ihr Herzensprojekt respektiert und anerkannt wird.

Liebe Blogger: Bloggt so, wie es Euch gefällt. Denn nur so seid Ihr echt, authentisch und reizvoll. Wer immer nur verlost und jubelt, darf sich nicht wundern, wenn er für eine Losbude ohne Rückrat gehalten wird. 

Kommentare:

  1. noooo, Kommi weg ;__;

    Ich kenne diese Blogger, wie du sie hier auflistest, die mit den Gewinnspielen. Das find ich recht schade, denn meistens sieht man an diversen Beiträgen, dass sie auch gut schreiben können, dass da ein Köpfchen mit Verstand dahinter steckt, warum man sich dann "so" anpreisen muss, versteh ich nicht :(

    Dann lieber ein "Herzensprojekt" wie du es so schön sagst und jeden Follower feiern :3

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    1. Hi Kaisu,
      Gewinnspiele bringen eben sehr leicht Follower. Und um was zu gelten, musst du diese erstmal vorweisen,ganz egal, wie du sie bekommen hast. Schade finde ich das auch :(

      Lg
      Denise

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  2. Ich kenne auch ein Blog, auf dem nur positive Rezis erscheinen, und von Rezi-Exemplaren. Da geht es wohl wirklich nur darum, sich bei den Verlagen liebkind zu machen. Da ich zu der Bloggerin eine entfernte Beziehung habe, sehe ich alle 2-3 Monate mal rein, ohne mich wirklich dafür zu interessieren.

    Ein anderes Konzept verfolgt Jargs Blog ( https://jargsblog.wordpress.com/ ), der zwar auch nur Filme und Bücher vorstellt, welche ihm gefallen, aber als Leiter einer Hamburger Bibilothek nicht auf Rezi-Exemplare angewiesen ist.

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    1. Hi,

      ich fände es spannend, wenn Jargs auch mal Bücher oder Filme vorstellt, die ihm nicht gefallen. Denn manchmal findet man in den Gründen, warum jemand etwas nicht mag, genau DIE Punkte, die einen ansprechen.

      LG
      Denise

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  3. Guten Morgen,
    ich bin durch "Kreuzfahrt durch das Meer der Buchblogs" - Mikkas Buchblog, auf deinen Post aufmerksam geworden und kann dir nur zustimmen. Ich war auch einmal der Meinung, dass ich durch zig Gewinnspiele mehr Aufmerksamkeit bekommen würde. Doch mehr denn je habe ich festgestellt, die mitgemacht haben, haben immer nur kommentiert, wenn es was gab. Ansonsten so gut wie nie Kommentare zu anderen Posts. Aber abgehakt. Für mich ist es ein reiner Hobbyblog und kein Werkzeug. Danke für deinen Artikel
    Liebe Grüße Hanne

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    1. Hi Hanne,

      danke für dein Kommentar. Ja, so dachte ich auch mal. Und leider ist es ein Trugschluss, wie du auch gemerkt hast. Gewinnspielliebhaber bleiben leider nie lange. Deswegen finde ich deine Aussage toll "es ist ein reiner Hobbyblog". So sehe ich das nämlich auch :)

      LG
      Denise

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    2. Hallo Denise,
      danke für deine Rückmeldung. Ich bin immer froh, wenn auch andere meine "Sichtweise" teilen.
      Weiterhin viel Freude am Blog
      LG HANNE

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  4. Hi Denise,

    ich bin auch durch Mikkas Kreuzfahrt-Artikel bei dir gelandet und kann deinen Post nur unterschreiben. Ich weiß von einigen BloggerInnen, dass sie es nicht gut finden Rezensionen online zu stellen, die schlechter als drei Sterne sind. Manchmal habe ich da schon gehört, dass man eine 1-Sterne Wertung als "unfair" bezeichnet. Wieso weiß ich allerdings nicht. Einen gut begründeten Verriss empfinde ich nicht als unfair. Und Gewinnspiele … Ich muss gestehen, dass ich von denen inzwischen schon ein bisschen genervt bin. Die gibt es in solchen Mengen, dass sie nichts besonderes mehr sind. Diejenigen die mitmachen sind doch in den meisten Fällen auch keine echten Follower, sie erhöhen bloß die Statistik und sind nach dem Gewinnspiel eine tote Zahl mehr. Aber es sieht natürlich nach viel aus. Wenn ich mir dann anschaue wie oft sich BloggerInnen über schwindende Follower den Kopf zerbrechen oder sich ärgern, dass ihr verlostes Buch bei eBay versteigert wird …

    Tja, zum Glück muss man ja nicht jeden Trend mitmachen. ;-)

    Liebe Grüße,
    Sam

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    1. Hi Sam,

      danke für dein Kommentar. Du hast es vollkommen richtig gesagt: Wenn ein Verriss gut begründet ist, ist er nicht unfair. Unfair wäre "das Buch ist Schrott". Damit kann kein Leser und auch kein Autor was mit anfangen.

      Hihihi, ja die Sorgen kenne ich auch. Und muss heimlich grinsen ;)

      LG
      Denise

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  5. Huhu!

    Ehrlich gesagt ist mir die Häufigkeit von Funkos auf Buchfotos auch schon aufgefallen... :-D

    Ich fühle mich immer ein wenig unbehaglich, wenn mich ein Buch tatsächlich so begeistert, dass meine Rezension sich liest wie ein einziger Jubelschrei, denn ich befürchte dann immer, es könnte falsch rüberkommen. Andererseits, wer sich ein bisschen auf meinem Blog umschaut, wird sehen, dass ich durchaus auch viele kritische Rezensionen schreibe, also ist diese Befürchtung wahrscheinlich überflüssig. ;-)

    Allerdings ertappe ich mich tatsächlich öfter bei Füllwortern und muss dann rigoros wieder rausstreichen. (http://www.schreiblabor.com/fuellwoerter-test/ hilft.)

    Aber ich weiß, was du meinst, und ich kann deinen Eindruck nachvollziehen!

    Ich glaube aber tatsächlich, dass es prozentual gesehen nur wenige Blogger gibt, die wirklich *bewusst* lobhudeln, um mehr Rezensionsexemplare abzustauben. Ich vermute eher, dass viele Schwierigkeiten damit haben, negative Kritik zu äußern, weil sie es nie gelernt haben und man ja oft eingetrichtert bekommt: "Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann sag lieber gar nichts". Man muss erstmal lernen, wie man konstruktive Kritik äußert, wobei ich gerade das für einen Blogger sehr wichtig finde.

    Die ersten paar Male, als ich eine richtig schlechte Kritik geschrieben habe, hat mir das tatsächlich schwer im Magen gelegen! (Hat sich aber schnell gegeben.)

    Gewinnspiele ab und an finde ich bei einem Blog ok, aber ich stimme dir zu, es sollte nicht andauernd und ständig welche geben. Besonders fatal fand ich in letzter Zeit die Gewinnspiele, bei denen gefordert wurde, man solle für den Blogger beim Buchblog Award abstimmen, um teilnehmen zu können. Damit ist die Abstimmung wirklich nicht mehr fair und verkommt zum inhaltsleeren Popularitätswettbewerb. (Aber das ist ein eigenes Thema...)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt! Aber das hast du ja in den Kommentaren sicher schon gelesen. :-)

    LG,
    Mikka

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    1. Hi Mikka,

      ich danke dir sehr für die Verlinkung und deinen Kommentar. Buchblog-Award ist wirklich nochmal ein eigenes Ding. Ich bin ja auch dabei, habe aber schnell gemerkt, dass es leider wieder mal nur ein Like-Wettbewerb ohne Berücksichtigung von Qualität ist. Wer wird da das Rennen machen? Die, die am lautesten schreien *augenroll

      Dass viele Schwierigkeiten haben, Kritik zu äußern, hatte ich so noch gar nicht aufm Schirm. Danke für den Blick über den Tellerrand. Ich gehe da immer von mir aus: "Was mir nicht gefällt, darf ich auch sagen".

      LG
      Denise

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  6. Auch wenn es ein wenig spät in der Diskussion ist, so möchte ich auf die Amazon-Seite zum neuen Nesbo verweisen: https://www.amazon.de/Durst-Kriminalroman-Ein-Harry-Hole-Krimi-Band/dp/3550081723/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1505681758&sr=8-1&keywords=nesbo+durst

    Meiner Ansicht nach ein hervoragendes Beispiel, wie Jubelrezensionen einem Buch und auch dem Verlag schaden können: Kein einziger verifizierter Kauf, bis auf meine alle extrem positiv. das sieht einfach nur noch gekauft aus und bietet dem Käufer keinerlei Orientiungshilfe. Ob es das ist, was die Verlage wirklich wollen? - Ich kann es mir nicht vorstellen... .

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    1. Hi Nomadenseele,

      Danke für deinen Beitrag. Sowas sieht immer komisch aus, da gebe ich dir Recht. Bei Büchern, die durchweg 5 Sterne haben, gucke ich auch kritisch. Denn selbst Bestseller haben Leser, denen das Werk nicht gefallen hat.
      LG
      Denise

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