25. Oktober 2017

Selbst die Schule ist nicht mehr sicher






Titel:
 54 Minuten
Autor: Marieke Nijkamp
Übersetzer: Mo Zuber
Seiten: 336
ISBN: 978-3841440167










Eine Highschool im verschlafenen Opportunity: Die Rektorin hält ihre alljährliche Eröffnungsrede für das Schuljahr, als auf einmal ein Schüler die Aula betritt. In seiner Hand hält er keinen Rucksack, sondern eine Waffe. Mit diesem Auftritt beginnen die schlimmsten 54 Minuten, die die Schule je gesehen hat...

"54 Minuten" ist das Debüt von Marieke Nijkamp und hat mich zugleich berührt und begeistert. Die Autorin beschreibt den minutiösen Amoklauf eines Schülers, dessen Verlauf kaum brutaler sein könnte. Und dabei legt sie ihr Hauptaugenmerk auf die Beteiligten, nicht auf den Schützen.

Die Geschichte wird aus der Sicht von vier Schülern erzählt. Jeder dieser Schüler ist zu Beginn des Amoklaufs an einem anderen Ort und doch eint sie alle die Angst um ihre Freunde und Geschwister. Durch diese verschiedenen Sichtweisen bekommt man als Leser nicht nur Einblicke in die Aula, wo das Massaker stattfindet, sondern kämpft auch mit den Menschen draußen um Informationen und bangt mit ihnen um die Schüler. Das hat mich sehr beeindruckt.

Die vier Schüler haben eine Verbindung zum Attentäter. Sie sind Geschwister, Feinde oder einfach nur alte Weggefährten. Und jeder dieser Gruppe erzählt nicht nur von den aktuellen Geschehnissen, sondern gewährt auch Einblicke in die Vergangenheit und liefert damit kleine Puzzleteile, mit denen ich versucht habe, mir ein Gesamtbild des Amokläufers zu basteln. Und auch wenn ich sehr angetan bin, dass Marieke Nijkamp die Opfer und nicht den Täter in den Mittelpunkt rückt, hätte ich mir mehr Informationen zum Täter gewünscht. Denn so blieb er für mich unnahbar, verschwommen und nicht greifbar. 

Die Story selbst lebt von den Gefühlen ihrer Protagonisten. Spannung entsteht durch die kurzen Kapitel und die Geheimnisse, die alle Vier mit sich herumtragen. Leider sind die Geheimnisse stereotyp angehaucht, so dass mir schnell klar war, wer warum wie reagiert. Das fand ich schade. Die beklemmende Stimmung tat dies aber keinen Abbruch.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist nachdenklich, an ihre Protagonisten angepasst und hat mich gefangen gehalten. Toll.

Fazit: Die Zerstörung braucht keine Stunde. Ich kann das Buch empfehlen.


Neugierig? Eine Leseprobe findet Ihr hier


Kommentare:

  1. Wir haben damals in der Schule (so 2005 ca, da war das gerade etwas aktueller mit den Amokläufen) das Buch "Ich knall euch ab" von Morton Rhue gelesen, dass eher aus der Perspektive der Amokläufer erzählt. Vielleicht gefällt dir das ja auch als Ergänzung zu diesem Buch.

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    1. Hi,

      danke dir für den Tipp. Ich stöbere mal nach dem Buch.
      LG
      Denise

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  2. HI du
    dieses Buch ist ein Buch, was ich auch gerne noch lesen würde, ich glaube dieses Buch wird berühren und nachdenklich machen.
    Sei gegrüßt

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    1. Das tut es. Solche Amokläufe, gerade bei Kindern und Jugendlichen, sind ein hoch emotionales Feld. Hier fand ich es sehr gut umgesetzt.
      Lg Denise

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