29. Januar 2018

Der Tod holt sich die Linientreuen








Titel: Germania
Autor: Harald Gilbers
Reihe: Kommissar Oppenheimer
Band: 1
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 544
ISBN: 978-3426513705







Berlin, 1944: Während Soldaten an den Fronten kämpfen, werden in der Reichshauptstadt 3 entstellte Frauenleichen gefunden. Der Sicherheitsdienst ist ratlos und so geht die SS einen ungewöhnlichen Weg. Sie holt den jüdischen Ex-Kommissar Oppenheimer ins Boot. Der ehemalige Polizist lebt in ständiger Angst, deportiert zu werden und hofft, mit den Ermittlungen ein wenig Zeit schinden zu können. Zudem ist eine Neugier geweckt. Wer zieht durch Berlin und tötet linientreue Frauen?

"Germania" ist der erste Fall für Kommissar Oppenheimer und hat mich nach anfänglicher Euphorie enttäuscht. Harald Gilbers geht mit seinem jüdischen Polizisten im Dritten Reich einen eher unorthodoxen Weg. Doch die beste Idee nützt nichts, wenn sich die Spannung in den Straßen Berlins verliert.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei ist man vor allem an der Seite Oppenheimers, der sich, zu seiner eigenen Überraschung, im Polizeidienst wiederfindet, da die SS bei den Frauenmorden im Dunkeln tappt. Der Ex-Kommissar beginnt seine Ermittlungen und muss feststellen, dass seine Hilfe zwar gebraucht, er deshalb aber noch lange nicht mit Anstand behandelt wird. Die Beklemmung um seine Situation konnte ich beim Lesen stark spüren. Harald Gilbers schafft es sehr gut, die Zweifel und Ängste seiner Figuren so emotionsgeladen und gleichzeitig nüchtern dazustellen, dass man als Leser eine Ahnung davon erhält, im Land nicht erwünscht zu sein.

Das hat mich von Beginn an gefesselt und fasziniert. Doch leider verliert der Roman mit jedem Kapitel mehr an Spannung und Reizen weiterzulesen. Oppenheimer wertet Spuren aus, denkt nach, wandert durch Berlin, liest wieder Spuren, wandert wieder. Das ist zermürbend und für mich war es nach mehrmaliger Wiederholung langweilig. Denn es passierte selbst für einen ruhigen Krimi zu wenig.

Zudem geht der Autor zum Ende seines Werks hin haarsträubende, für mich unglaubwürdige Wege. Für mich hatten diese Wege weder einen Sinn für den weiteren Verlauf noch waren sie im historischen Kontext schlüssig. Ich hatte das Gefühl, Gilbers wollte einfach so viele Nazi-Größen wie irgend möglich unterbringen. Sehr schade!

Und so packte ich den Roman 100 Seiten vor Schluss zur Seite. Wer wen wie umgebracht hat, war für mich nicht mehr wichtig. Die Spannung war nicht mehr gegeben.

Der Stil des Autors ist gut zu lesen. Seine Erzählweise ist ruhig, schnörkellos und immer wieder mit geschichtlichen Details versehen. Das fand ich toll.

Fazit: Meine Begeisterung brach zusammen wie das Reich zum Kriegsende. Schade!



Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier




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