9. Januar 2018

Der Tod wird menschlich







Titel: Scythe - Die Hüter des Todes
Autor: Neal Shusterman
Übersetzer: Pauline Kurbasik und Kristian Lutze
Reihe: Scythe
Band: 1
Verlag: Fischer
Seiten: 528
ISBN: 978-3737355063







In der Zukunft erreichen die Menschen die Unsterblichkeit. Keiner stirbt mehr eines natürlichen Todes. Und doch muss es den Tod geben. Diese Aufgabe übernehmen die Scythe, die nach einem strengen, moralischen Kodex den Tod bringen. Citra und Rowan werden von einem Scythe als Lehrlinge erwählt. Ob sie wollen oder nicht. Doch wer würde schon freiwillig in die Lehre des Todes gehen?

"Scythe- Die Hüter des Todes" ist der Auftakt der Scythe-Trilogie von Neal Shusterman und hat mich beeindruckt. Der Autor nimmt die Idee der Unsterblichkeit und zeigt schonungslos auf, dass in jedem Menschen noch ein Tier steckt, das wütet, wenn man es lässt.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl Citra als auch Rowan. Beide Jugendliche kommen aus bodenständigen Verhältnissen, sind erfrischend normal und müssen sich damit abfinden, dass ein ehrwürdiger Scythe sie zur Lehre auserwählt hat. Und einem Scythe kann und will man nicht widersprechen. Die beiden lernen das Handwerk des Nachlesens (das Wort Töten wurde aufgrund seines barbarischen Klangs geächtet) und welche moralischen Verpflichtungen sie dabei beachten müssen. Dieses Konstrukt hat mich sehr beeindruckt, zumal Neal Shusterman nicht nur die nachdenkliche Seite des Nachlesens zeigt, sondern seinen Lesern ebenso eindrucksvoll vor Augen führt, was passiert, wenn einem diese Macht zu Kopf steigt. Das empfand ich zu gleichen Teilen bemerkenswert wie erschreckend. Und es brachte mich sehr oft zum Grübeln. Denn wie wäre meine Reaktion, wenn auf einmal der Tod vor meiner Tür stände? Würde ich ebenso versuchen zu feilschen? Würde ich betteln? Oder mein Schicksal einfach hinnehmen?

Einen besonderen Eindruck haben Citra und Rowan bei mir hinterlassen. Beide Figuren unterscheiden sich in meinen Augen radikal von den so beliebten Klischees in der Jugendbuchwelt. Sie wachsen in normalen Verhältnissen auf, auf ihr Äußeres wird, mit wenigen Ausnahmen, gar nicht eingegangen und keiner von beiden ist ein verkappter Held. Das fand ich großartig. Ihre Entwicklung zu beobachten, hat mich fasziniert und teilweise auch geängstigt. Dennoch war sie zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar. Und das Schönste: Der Autor verzichtet auf eine alles überlagernde Liebesgeschichte. Großartig!

Die Story selbst benötigt eine gewisse Zeit, bis sie richtig in Fahrt kommt. Dabei setzt Neal Shusterman auf den Schrecken des Augenblicks und nimmt seine Leser mit auf eine Reise in die Zukunft. Wer hier Action und Schmachtszenen erwartet, wird enttäuscht werden. Der Roman lebt von seinen vielen kleinen Erkenntnissen und Details. Für mich ein wunderbares Werk.

Der Schluss lässt genügend Platz für die Fortsetzung, beantwortet aber auch die ein oder andere Frage. Das fand ich toll und ich freue mich sehr auf den 2. Band.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist schnörkellos und auf den Punkt.

Fazit: So menschlich war der Tod noch nie. Ich kann das Buch sehr empfehlen.


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Kommentare:

  1. Hallo Tapsi,
    ein Buch weitab von Klischees, obwohl man das oft einem Jugendbuch gar nicht zutraut. Klingt wirklich gut, ich hab schon viel lobenswertes darüber gehört.
    Und die Frage ist natürlich auch hoch spannend, wie wir mit dem Tod umgehen. Der Tod als Beruf, als Schicksal, als Aufgabe. Spannend.
    (Oh je, vielleicht müssen die Kiddies das bald als Schullektüre lesen :D)
    Grüße
    Daniela
    von Buchvogel

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    1. Hi Daniela,

      Das wäre aber coole Schullektüre ^^
      Lg Denise

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