3. Januar 2018

Mancher Mörder hat Geduld








Titel: Kalte Fährte
Autor: Susanne Mischke
Verlag: Berlin Verlag
Seiten: 464
ISBN: 978-3833310591









Oberkommissarin Francesca Dante hat es mit ihrem ersten Mord zu tun. In einem stillgelegten Brunnen werden die Leichenteile eines Mannes gefunden. Das Bizarre: Er wurde bei lebendigem Leib von Ratten zerfressen. Dante und ihr Chef Jessen ermitteln und müssen bald feststellen, dass der Mörder einen langen Atem hat...

"Kalte Fährte" ist mein zweiter Krimi von Susanne Mischke und ich bin hellauf begeistert. Die Autorin verbindet klassische Polizeiarbeit mit einem aufsehenerregenden, aber nicht abgedrehten Fall und beweist, dass ein deutscher Krimi nichts mit Langeweile zu tun haben muss.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Francesca Dante, die über eine ebenso große Familie wie Klappe verfügt, sondern auch ihrem nordisch zurückhaltenden Chef Jessen, dessen Maßanzüge so perfekt sitzen wie sein Pokerface. Dieses eher ungewöhnliche, aber höchst sympathische Gespann wird auf den Mord an einem Mann angesetzt. Und dieser Tod hat es in sich. Ich war von Beginn an sehr neugierig auf den Krimi und mit jedem Kapitel mehr steigerte sich meine Neugierde.

Susanne Mischke erschafft mit Dante und Jessen ein ungleiches Ermittlerduo. Während Jessen nordisch kühl, ja fast schon gleichgültig wirkt, versprüht Francesca Witz, Elan und italienisches Temperament. Ich hatte anfangs die Befürchtung, dass die Autorin tief in die Klischeekiste greifen würde. Dies hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Die Ermittler sind sympathisch, menschlich und agieren nachvollziehbar. Es sind keine Superhelden oder Genies, was ich sehr erfrischend fand. Denn die beiden beweisen, dass gute Ermittlungen ebenso zum Ziel führen können.

Die Story selbst hat mich von Beginn an gepackt. Dies lag nicht nur an den Polizisten, sondern auch an dem Aufbau des Krimis. Die Autorin führt ihre Leser langsam an die Geschehnisse heran und verpasst ihnen dann einen Hieb in die Kniekehlen. Noch ehe man weiß, was mit einem passiert ist, ist man schon mitten in den Ermittlungen, befragt Dorfbewohner und merkt schnell: Hier stimmt irgendetwas nicht. Schicht um Schicht legt man die Wahrheit frei und dies ganz ohne Kommissar Zufall oder Profiler. Für mich war das eine willkommene und sehr lesenwerte Abwechslung zu den rasanten und austauschbaren Thrillern.

Das Ende war für mich rund und passend. Zudem lässt Susanne Mischke die Tür für eine Fortsetzung offen. Und ich hoffe sehr, dass ich Dante und Jessen bald wiedersehen darf.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise kommt ohne Umschweife aus und bleibt dabei erfreulich bodenständig.

Fazit: kein kalter Kaffee, sondern ein überzeugender Krimi. Ich kann ihn wärmstens empfehlen.


Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier


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