1. Januar 2018

WARUM? - Superhelden in Uniform



Jeden ersten Montag im Monat befasse ich mich mit einer Frage, die mich im Bücherversum umtreibt. Sei es zu Figuren, Handlungen, Gestaltungen oder Trends in der Literaturwelt, sobald mir eine Frage durch den Kopf geht, befasse ich mich damit. 

Vorsicht: Diese Rubrik gibt einzig meine persönliche Meinung wieder. Aber es darf gern darüber diskutiert werden.

In meinem ersten Beitrag in dieser Rubrik habe ich mich mit Ermittlern und ihren Problemen befasst. Heute möchte ich einen Blick auf das genaue Gegenteil werfen. Auf die Cops, die allein mit ihren Adleraugen, ihrem super Spürsinn und ihrem Verstand die Fälle lösen. Auf Profiler, die allein mit ihren geistigen Fähigkeiten aus den vorliegenden Beweisen ein so genaues Profil erstellen, dass der Täter sich quasi stellen muss (!), weil ihm nichts anderes übrig bleibt. Kurz: Auf die Ermittler, die schon ein Cape tragen müssten, weil sie Superhelden sind.

Warum gibt es nur das ein oder andere Extrem? Warum hat jeder Polizist eine ungeahnte Begabung und jeder Profiler so ein Superhirn, dass man sich wundert, dass es überhaupt noch Verbrechen gibt? Und warum scheitern diese Ermittler nicht?

Zunächst: Ja, ich weiß, dass Profiler nicht der korrekte Begriff ist. In Deutschland ist es die operative Fallanalyse, bei der Profile von Tätern erstellt werden. Jedoch hat sich die Verwendung des Wortes Profiler etabliert und ich werde ihn aufgrund der Gängigkeit verwenden.

Gerade in amerikanischen Thrillern treten sie gern auf: Die Supercops. Polizisten, die eine 99 prozentige Erfolgsquote haben. Ermittler, die anhand eines Blattes und eines Krümels erkennen, dass der Täter nur 3 Straßen entfernt wohnt und ein Muttersöhnchen ist. Und schlußendlich die Profiler, die anhand der Tiefe des dem Opfer zugefügten Schnittes sagen können, dass der Täter schon mit 13 sexuelle Gewaltfantasien hatte und auf dem rechten Bein hinkt. Beim Lesen solcher Bücher schwanke ich zwischen Staunen und lautem Lachen. Wäre die Polizeiarbeit so perfekt, wir würden in einem Utopia leben.

Natürlich möchte auch ich nicht reihenweise lesen, wie die Guten den Kampf gegen das Böse verlieren. Auch ich mag Polizisten, die mehr können, als eine Waffe halten. Daher geht es mir hier gar nicht so sehr um das "Ob", sondern um das "Wie".

Ein Beispiel: Robert Hunter, der von Chris Carter in mittlerweile 8 Bänden auf Mörderjagd geschickt wird, ist ein Genie. Er hat seine Abschlüsse bereits im frühen Teenageralter gemacht, Standardwerke für das FBI geschrieben und ermittelt heute in einer Einheit für Schwerstverbrechen in LA. Hinzu kommt, dass Hunter unter einer Form der Insomnia leidet und somit gerade mal 3 bis 5 Stunden pro Nacht schläft. Mit diesen Eigenschaften gehört er definitiv zu der Kategorie Supercops. Und ich empfinde es in diesem Fall als sehr lesenwert. Denn Carter führt seine Figur konsequent ein und hat für jede Fähigkeit eine Erklärung, die er meist schon dann abgibt, bevor die besagte Fähigkeit überhaupt ans Licht kommt. Somit ist Hunter für mich eine außergewöhnliche, aber glaubhafte Figur. 

Dann gibt es aber die Polizisten, die auf eine normale Laufbahn zurückblicken. Die gute, solide Arbeit leisten und deren Erfolge sich bisher in einem normalen Rahmen bewegt haben. Und ausgerechnet diese Männer und Frauen entwickeln auf einmal spezielle Fähigkeiten. Da werden Polizisten auf einmal zu besseren Gerichtsmedizinern als ihre Kollegen in der Pathologie. Da werden Profile erstellt, ohne dass je ein Profiler anwesend war. Und der Clou: Damit wird der Täter überführt. Und zwar NUR mit diesen, den Superkräften geschuldeten, herausgefundenen Details. Das ruft bei mir vor allem eins hervor: schallendes Lachen. Denn hier zeigt sich deutlich, dass der Autor seine Story nicht zu Ende gedacht hat und sich die Mühe spart, seinen Figuren eine schlüssige Vergangenheit zu gegeben. Heraus kommt eine unglaubwürdige Story mit Charakteren, denen die Bodenständigkeit besser zu Gesicht stand als ihre verkappten Superman-Ambitionen.

Auch normale Ermittler sind spannend. Das beweisen Timo LeibigMartin Krist und Kathrin Lange mit ihren Thrillern. 

Liebe Autoren, lasst die US-Autoren ihre Superhelden beschreiben und besinnt Euch darauf, dass Spannung nicht von Euren Ermittlern, sondern vom Gesamtwerk abhängt.

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