7. Februar 2018

Nur im Eis kannst du überleben








Titel: Wie Wölfe im Winter
Autor: Tyrell Johnson
Übersetzer: Urban Hofstetter
Verlag: Harper Collins
Seiten: 352
ISBN: 978-3959677424








Die Welt ist ein öder Ort. Ein Großteil der Bevölkerung wurde von der chinesischen Grippe dahingerafft und die Überlebenden flüchten in kältere Gefilde. Auch Lynn und ihre Familie sind geflohen und leben nun in einem kleinen Dorf abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. Das Leben ist eintönig. Bis Lynn auf Jax stößt, einen unbekannten Mann, der durch die Wälder streift. Wo kommt er her? Was weiß er? Und warum verrät er nichts?

"Wie Wölfe im Winter" ist das Debüt von Tyrell Johnson und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor erschafft eine kalte Welt nach der Apokalypse und zeigt, dass die Menschheit einen großen Feind hat: Sich selbst. Grandios!

Die Geschichte wird von Lynn selbst erzählt. Die 23-Jährige lebt mit ihrer Mutter, ihrem Onkel, ihrem Bruder und einem guten Freund der Familie in einem kleinen Dorf. Tag ein, Tag aus geht sie jagen und hofft so sehr, dass ihre Familie mal eine Nachricht von anderen Überlebenden erhält. Doch zugleich ist da auch die Angst, was diese Nachrichten beinhalten könnten. Als Lynn auf einer ihrer Jagdtouren Jax begegnet, der vollkommen anders ist als alle Männer, die sie bisher kannte, wächst in der jungen Frau der Drang aus ihrem Alltag auszubrechen.

Lynn ist keine Figur, die mir durchweg sympathisch war. Im Gegenteil, so manches Mal wollte ich sie schlagen, anschreien und fragen, ob sie sich selbst reden hört. Denn die junge Frau vereint Arroganz, Dickköpfigkeit und ein Stück Naivität in sich. Und doch hat sie mich auf der anderen Seite durch ihre Stärke und Leidenschaftslosigkeit beeindruckt. Lynn ist kein Mensch, der sich von Emotionen jagen lässt. Das hat mir sehr gut gefallen, denn als Jax auf den Plan trat, hatte ich kurzzeitig Bedenken, dass die bis dahin kühle Stimmung in einem Meer aus Hormonen untergeht. Dem war jedoch nicht so. Tyrell Johnson konzentriert sich vollkommen auf den Alltag im Eis, auf das Überleben und die Gefahren. Das fand ich toll. Als dann auch noch klar wird, dass Jax Teil von etwas viel größerem ist, konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Die Story selbst hat mich durch ihre kalte, aber keineswegs unterkühlte Grundstimmung beeindruckt. Es gibt keine glorifizierten Heldenmomente oder romantisierte Erlebnisse im Schnee. Der Autor beschreibt hart und schonungslos den Kampf ums tägliche Überleben. Zudem sind seine Figuren realitätsnah und nicht heroisch überzeichnet. Das hat mich tief beeindruckt. Wer hofft, mit Lynn eine weibliche Hauptfigur mit zarter Seite gefunden zu haben, der irrt gewaltig. Die Jägerin ist genau so kalt wie ihre Umgebung und dazu noch berechnend und kämpferisch. Auch wenn ich mit ihr so manches Mal haderte, kann ich mir keine bessere Figur vorstellen.

Das Ende lässt mich mit einigen Fragen zurück und ich hoffe sehr, dass Tyrell Johnson eine Fortsetzung schreiben wird. Genug Potenzial bietet der Roman auf jeden Fall.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist schnörkellos, distanziert, aber keineswegs eiskalt. Genau die richtige Mischung.

Fazit: Mich hat es eiskalt erwischt und ich mag es. Eine klare Leseempfehlung.



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Kommentare:

  1. Hi Tapsi,
    das klingt extrem überzeugend! Ich mag auch, dass die Heldin mal abseits jeglicher Klischees ist.
    Liebe Grüße
    Daniela

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    1. Hi Daniela,

      Ja, das fand ich auch toll. Endlich mal kein von Hormonen getriebenes Mädchen. Großartig.
      Lg
      Denise

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