5. Februar 2018

WARUM? - Diskussionen ohne Respekt



Jeden ersten Montag im Monat befasse ich mich mit einer Frage, die mich im Bücherversum umtreibt. Sei es zu Figuren, Handlungen, Gestaltungen oder Trends in der Literaturwelt, sobald mir eine Frage durch den Kopf geht, befasse ich mich damit. 

Vorsicht: Diese Rubrik gibt einzig meine persönliche Meinung wieder. Aber es darf gern darüber diskutiert werden.

Als ich mit dem Bloggen anfing, freute ich mich auf das Kennenlernen von Gleichgesinnten, auf mir bisher unbekannte Bücher und vor allem auf angeregte Diskussionen. Denn nirgends kommt man so schnell in Kontakt und ins Gespräch mit anderen Buchverrückten wie im Internet. Doch seit geraumer Zeit beobachte ich ein Phänomen, das mir Sorge bereitet. Diskussionen werden nicht mehr mit Respekt geführt. Es wird sich angeschrien, beleidigt und bisweilen wird sogar ein Shitstorm gestartet. 

Warum können wir nicht mehr mit Respekt und Anerkennung anderer Meinungen diskutieren? Warum verharren wir stur auf unserem Standpunkt? Und warum schränken wir uns selbst in Diskussionen so sehr ein, dass unsere Meinung nicht mehr erkennbar ist?

Den meisten von Euch ist es bestimmt auch schon so ergangen: Ein Buch wird veröffentlicht, Ihr liebt es, teilt Eure Begeisterung und findet viele Gleichgesinnte. Doch nach und nach werden kritische Stimmen laut. Stimmen, die Euren Liebling auseinander nehmen. Ich dachte bisher, dass belesene Menschen damit umgehen können. Zumal, wenn die Kritik sachlich geäußert und auch begründet wird. Seit der Paper-Princess-Reihe weiß ich: Auch Buchmenschen können zu Kleinkindern werden, die sich gegenseitig nicht nur die Schippe, sondern auch die vollen Windeln über den Schädel ziehen.

Ich selbst habe die Paper-Princess-Reihe nie gelesen, da mich weder die Story noch Genre anziehen. Jedoch musste ich in verschiedenen Social-Media-Kanälen mitlesen, wie sich Liebhaber und Gegner der Reihe bekriegen. Während sich die Liebhaber als Verherrlicher von sexueller Gewalt und naive Mädchen ohne Hirn beschimpfen lassen mussten, wurden die Kritiker als untervögelt, frigide und einfach nur neidisch hingestellt. Eine Diskussion auf sachlicher Ebene war nicht mehr möglich. Sofort wurde man einem Lager zugeteilt, egal, ob man wollte oder nicht. 

Nicht nur bei Liebesromanen passieren solche Auswüchse. Auch bei Thrillerliebhabern fallen gern mal Beschimpfungen wie "Du bist doch krank im Kopf" , "Wer sowas liest, ist pervers" und andere Nettigkeiten. Wohlgemerkt: Hier beschimpfen sich Fans des Genres gegenseitig. Muss das echt sein? Ist unsere Diskussionskultur durch die Anonymität des Internets so weit heruntergekommen, dass jede Meinung, die nicht meiner eigenen entspricht, diffamiert werden darf? 

Je häufiger Diskussionen so ausufern, desto mehr tritt ein anderes Phänomen zu Tage, welches mir auch an mir selbst zuweilen aufgefallen ist. Wir schränken unsere eigene Meinung so sehr ein, dass wir keinerlei Ecken und Kanten mehr bieten. 
"Meiner Meinung nach war das Buch nicht so toll, weil xy. Aber das ist nur meine Meinung und vielleicht liegt es auch an mir, dass ich das Buch nicht mochte" Dieser Satz steht exemplarisch für viele Äußerungen, in denen ein Leser versucht, seine kritische Meinung auszudrücken, aber gleichzeitig Angst davor hat, in einen Shitstorm zu geraten. Das macht mich traurig und wütend. 

Ich bin ein Freund klarer Worte, sowohl beruflich als auch privat. In meinen Rezensionen steht meine Meinung klar formuliert, egal ob ich das Buch mochte oder nicht. Meine Kritikpunkte führe ich aus und versuche, so sachlich wie möglich zu bleiben. Wieso muss ich mich einschränken? Wieso muss ich mich dann, gerade wenn ich einen Bestseller nicht mag, darauf gefasst machen, dass mich Menschen, denen ich noch nie begegnet bin, beschimpfen, anschnauzen und generell degradieren? 

Liebe Leser, liebe Buchfreunde, liebe Diskussionsteilnehmer: Jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Ihr müsst sie nicht teilen. Aber jeder Meinung gebührt Respekt. Denn sie drückt die Sichtweise eines Menschen aus. Und nur, weil jemand Euren Buchliebling nicht mag, heißt das nicht, dass er die gesamte Leserschaft verurteilt. Zieht klare Grenzen. Und diskutiert freundlich, bestimmt und mit Respekt. 

Kommentare:

  1. Hey,

    das mit dem Respekt ist wirklich arg schwierig geworden. Ich gebe dir da vollkommen Recht!
    Ich finde es schade, dass man sich gegenseitig so angeht, wo man doch das Gleiche vor Augen hat. Die Bücher, die man so liebt. Dass man nicht immer der gleichen Meinung ist, ist klar. Ich möchte selber mit Respekt behandelt werden, also mache ich das auch bei Anderen so. Eigentlich ganz einfach.

    Hab einen tollen Abend.

    Ganz lieben Gruß
    Steffi von angeltearz liest

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    1. Hi Steffi,

      Danke dir für dein Kommentar. Ich sehe es genau so: Respekt sollte immer herrschen. Ich kann ein Buch richtig doof finden. Dennoch habe ich kein Recht, jene zu verunglimpfen, die es toll fanden.
      Lg Denise

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  2. Hey Denise,

    ich bin gerade auf deinen Beitrag aufmerksam geworden und wollte auch ein paar Zeilen dazu schreiben. Das Phänomen der eskalierenden Diskussionen kenne ich gut. Und ich glaube, es hat verschiedene Gründe:

    Anonymität des Internets: Ich glaube, im Internet trauen sich einige Leute mehr, als im realen Leben. Man sitzt sich ja nicht gegenüber und sieht daher nicht, welche Wirkung die ausgesprochenen Worte bei dem Gegenüber verursachen können.

    Verwechslung von Meinung und Angriff: Hinzu kommt auch, dass ich Leute kennengelernt habe, die ein Infragestellung der eigenen Meinung gleich als persönlichen Angriff werten. Sie vergessen dann, dass das Gegenüber sie als Mensch durchaus mag und schätzt, aber einfach die Meinung nachvollziehen möchte. Und da sich die Personen "schützen" wollen, packen sie halt die verbalen Waffen aus, um das eigene Revier zu verteidigen. Beispielsweise hatte ich eine ähnliche Szene neulich im Seminar im Studium: Eine Hausaufgabe von mir wurde besprochen und es ging darum, einen Fall zu bearbeiten. Ich habe nicht präzise genug geschrieben und meine Dozentin meinte daher sinnbildlich, ich solle in der Klausur aufpassen, was ich schreibe. Ich habe verstanden, was sie meinte, weil mir mein "Präzisionsproblem" bekannt ist und ich z.B. bei manchen Hausarbeiten auch schon öfter von Korrekturlesern diese Rückmeldung bekommen hatte. Die Worte der Dozentin waren direkt, aber ich fühlte mich nicht als Person angegriffen, weil ich ja wusste, um was es ihr ging. Als das Seminar dann zu Ende war, meinten zwei Kommilitonen, dass sie es ja schon frech fanden, wie die Dozentin mit mir umgegangen sei. Und das habe ich z.B. gar nicht so erlebt und fand es hingegen spannend, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen waren.

    Wortwahl: Gerade bei Twitter wo neben der Wortwahl auch noch eine Zeichenbegrenzung dazu kommt, merke ich, dass solche Diskussionen schnell eskalieren. Gerade bei Themen in den Hashtag Trends. Da habe ich mich auch schon dabei ertappt, wie ich Leute, die auf meine Tweets antworteten missverstanden habe und mich dann fragte, was sie von mir wollen oder ob das "ihr Ernst" sei.

    Allerdings glaube ich, dass es schwierig ist, hier klare Lösungen zu finden, da es in gewisser Weise menschlich ist. Leute, die ihre Aggressionen abladen möchten, finden immer einen Grund. Sei es bei einer Diskussion im Netz oder im Privatleben. Das ist wie - Achtung blöder Vergleich :-) - diese "Wir nehmen alle neuen Blogger freundlich in unsere Community auf"-Sache. Es gibt nicht "die" Community. In der Bloggerwelt lernen sich viele Menschen kennen, finden schnell heraus, wer einem liegt und wer eben nicht. Und zu den Leuten mit denen man sich besser versteht, hält man dann auch eher Kontakt. Und das liegt nicht im Umkehrschluss daran, dass man andere absichtlich ausgrenzen möchte. (Oje, ich schweife ab :-) ).

    Zusammenfassend verkünde ich also: Ich mag diene Rubrik und freue mich auf interessante und spannende Beiträge.

    viele Grüße und noch ein schönes hoffentlich stressfreies Wochenende!

    Emma

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    1. Hi Emma,

      vielen Dank für dein Kommentar und das Beispiel aus deinem Studium. Das passt sehr gut. Ich habe das auch schon erlebt: Ich kritisiere eine Arbeit oder Ausführung (nur so kann man auch besser werden) und mein Gegenüber verstand es als Angriff auf die eigene Person. Das lag mir vollkommen fern und es ist sehr schwer, dann wieder da raus zu kommen, wenn der Gegenüber auf 180 ist.

      Das "Wir nehmen jeden freundlich auf" sehe ich auch so. Im Beruf arbeite ich mit jedem professionell, egal, ob ich ihn mag oder nicht. Im Privaten muss ich das nicht. Also muss ich auch nicht jeden Blogger freundlich aufnehmen. Ich wähle dann den Weg "freundliches Ignorieren" :) Die Community ist so riesig, da findet jeder Anschluss und Gleichgesinnte :)

      LG
      Denise

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