19. Februar 2018

Wütend? Ja! Aber nicht auf den Wolf








Titel: Wolfswut
Autor: Andreas Gößling
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 528
ISBN: 978-3426521328









Lange habe ich überlegt, ob ich zu diesem True-Crime-Thriller eine Rezension verfasse. Im Normalfall erhält jedes Buch mindestens 100 Seiten Zeit, bevor ich entscheide, ob ich es zur Seite lege oder weiter lese. Bei "Wolfswut" von Andreas Gößling gab ich bereits nach knapp 40 Seiten auf. Und das lag nicht am Thema, sondern am geballten Nonsens, der mir entgegen schlug.

Der Autor hat bereits mit dem Rechtsmediziner Michael Tzokos eine True-Crime-Reihe verfasst. Diese ist mir bekannt, allerdings habe ich nach dem ersten Band die Reihe nicht weiterverfolgt. Mit diesem Roman erinnert mich Andreas Gößling daran, warum das so war.

Der Einstieg gelingt ihm recht gut, auch wenn ich von Beginn an das Gefühl hatte, eher einen Schulaufsatz denn einen Thriller zu lesen. Das mag aber auch daran liegen, dass Gößling sich einem echten Verbrechen und keinem fiktiven, die meinen Thrillern normalerweise zugrunde liegen, gewidmet hat. Doch bereits im zweiten Kapitel rollte ich das erste Mal mit den Augen. Denn dort erfährt der geneigte Leser en detail, wie es die später ermittelnde Beamtin Hallstein es mit ihren Bumsbekanntschaften hält. Interessant? Vielleicht. Für den Thriller wichtig? Kein Stück. Meine persönliche Abneigung gegen derlei unwichtige Details kann ich dem Autor nicht vorwerfen.

Aber ich kann ihm anlasten, dass er medizinische Absurditäten eingebaut hat. So erkennt der Gerichtsmediziner am Tatort anhand eines Blickes auf den Oberarm, der in einem Formalin gefüllten Fass schwimmt, dass das Opfer karibische Merkmale aufweist. Chapeau! Diese Szene habe ich mit befreundeten Ärzten besprochen und die Reaktion war einheitlich: Schallendes Gelächter. Dass der Gerichtsmediziner dann auch mit wenigen Blicken erkennt, welche Leichenteile genau in welchen Fässern sind, entlockte mir nur noch ein Schmunzeln. Ich kann mir gut vorstellen, dass Andreas Gößling frühzeitig wichtige Informationen zu den Opfern einbauen wollte. Es ist ihm nicht glaubhaft gelungen.

Hinzu kommt, dass die ermittelnde Beamtin Hallstein eher wie ein Teenager agiert denn wie eine erwachsene verantwortungsvolle Person. Verdächtige und Kollegen werden hämisch beschrieben, Äußerlichkeiten mit spitzer Zunge kommentiert, ihre eigene Person glorifiziert. Unsympathisch auf ganzer Linie.

Diese Punkte führten dazu, dass mich die Geschichte überhaupt nicht mehr interessierte und ich das Buch mit einem wütenden Knall auf den Wohnzimmertisch schlug.

Fazit: True-Crime? Ohne mich. Da bleibe ich bei unechten Fällen mit realitätsnahen Beschreibungen.




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Kommentare:

  1. Hallo Tapsi,
    neugierig geworden, bedingt, deine Kritikpunkte sind wohlbegründet und nachvollziehbar. 40 Seiten sind wirklich wenig, aber wenn dich schon so viel aufregt, dann bringt es auch nichts, weiterzulesen.
    Diese Häme der Ermittlerin hätte mich abgeschreckt, wobei ja manchmal der Prota auch unsympathisch sein soll. Die Fehler in der Ermittlung hätte ich nicht bemerkt, dazu kenne ich mich nicht genug aus und ich hätte hier auch eine korrekte Beschreibung erwartet.
    Mal wieder eine lesenswerte Rezension von dir, trotz Abbruch!
    LG,
    Daniela, der Buchvogel

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    1. Hi Daniela,

      Danke dir für dein Kommentar. Ja, 40 Seiten sind echt wenig und ich habe auch lang drüber nachgedacht, ob ich einen Bericht verfasse. Mit unsympathischen Prota kann ich in der Regel umgehen, finde sie sogar toll. Aber diese Dame ging gar nicht.
      Lg
      Denise

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