8. April 2018

Mord vor dem Fenster








Titel: the woman in the window
Autor: A. J. Finn
Übersetzer: Christoph Göhler
Verlag: blanvalet
Seiten: 540
ISBN: 978-3764506414








Anna Fox hat seit 10 Monaten nicht mehr ihr Haus in New York verlassen. Ihr Leben spielt sich komplett in ihren vier Wänden ab. Dennoch lässt sie es sich nicht nehmen, ihre Nachbarn per Kamera zu beobachten und so zumindest in Gedanken an deren Leben teilzunehmen. Eines Tages zieht eine neue Familie gegenüber ein. Und mit ihr kommt der Tod...

"the woman in the window" ist das Debüt von A. J. Finn und hat mich gut unterhalten. Obwohl der Autor ein eher bekanntes Setting für seine Geschichte nutzt, schaffte er es, mich Kapitel um Kapitel in seinen Bann zu ziehen und mir ein paar vergnügliche Lesestunden zu bereiten. Toll.

Die Geschichte wird von Anna selbst erzählt. Seit 10 Monaten verlässt die Kinderpsychologin ihr Haus nicht mehr. Komplett abgeschnitten von jeglichem sozialen Leben verschafft sie sich über ihre Nikon ein wenig Zugang zum Leben ihrer Nachbarn. Über ihre Agoraphobie sollen ihr Tabletten und Therapien helfen. Anna selbst greift lieber zu Alkohol und dem Internet.

Diese Grundvoraussetzungen übten einen großen Reiz auf mich während des Lesens aus. Anna ist beleibe keine Frau, der ich sofort alles glauben würde. Und dennoch habe ich mit ihr gelitten. Ihre Krankheit zeigt sie schonungslos und offen, sogar dann, wenn sie hilflos ist. Die Hauptfigur gewährt einen tiefen Einblick in ihre Psyche und ihren schweren Alltag. Das fand ich großartig. Der Autor trifft in meinen Augen das Leid seiner Protagonistin sehr genau, ohne sie dabei der Lächerlichkeit preis zu geben. Toll.

Der Thriller selbst ist geprägt von viel Psychologie und leisen Tönen. Der Mord, den Anna beobachtet, wird zu einem weiteren Puzzleteil in der kleinen Welt der Psychologin. Einer Welt, in der ihr keiner glaubt. Und genau das hat für mich den Reiz ausgemacht: Wer spricht die Wahrheit? Wer lügt? Wem kann ich noch trauen? Der Roman lebt von den beengten Verhältnissen seiner Protagonistin. Blutvergießen wird da nebensächlich.

Das Ende ist keine große Überraschung, passt aber sehr gut zum gesamten Werk. A. J. Finn hat mit seinem Debüt Popcorn-Kino zwischen zwei Buchdeckeln geschaffen und ein altbekanntes Setting spannend und mitreißend erzählt. Klasse!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist analysierend, teilweise ausschweifend, aber nie langweilig.

Fazit: Wer auf psychische Analysen statt Blut in einem Thriller steht, dem sei dieses Buch empfohlen!



Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier



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