9. Mai 2018

Ermittlungen im Nachkriegswinter








Titel: Echo der Toten
Autor: Beate Sauer
Reihe: Friederike Matthée ermittelt
Band: 1
Verlag: Ullstein
Seiten: 384
ISBN: 978-3548289571







Köln, Anfang 1947: Friederike Mathée arbeitet für die Weibliche Polizei. Sie kann besonders gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen; militärische Gepflogenheiten sind ihr jedoch ein Graus. Ihre Anstellung steht auf der Kippe. Bis die britische  Militärpolizei eine Polizistin anfordert, die gut Englisch spricht und bereit ist, einen Jungen, der einen Mord beobachtet hat, zu vernehmen. Friederike übernimmt den Fall und stellt bald fest, dass ihre Fähigkeiten weit mehr benötigt werden als angenommen.

"Echo der Toten" war mein erster Roman von Beate Sauer und hat mich begeistert. Die Autorin fängt in ihrem ersten historischen Krimi die Gegebenheiten in der britischen Besatzungszone sehr gut ein und vermittelt ihren Lesern ein Gefühl von Kälte, Hunger, aber auch Hoffnung. Klasse!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl Friederike Matthée, die bei ihrem ersten Fall in Zusammenarbeit mit den Briten erkennt, was es heißt, eine Polizistin zu sein als auch ihrem Vorgesetzten Richard Davies, der federführend den Mordfall leitet. Neben den Ermittlungen gewinnt man auch einen Einblick in den Alltag im Winter 1947. Diese Mischung aus Krimi und History finde ich sehr gelungen und Beate Sauer beweist Fingerspitzengefühl. Denn sie schlachtet die persönlichen Schicksale ihrer Figuren nicht aus, sondern zeigt einfühlsam, wie das Leben damals war. Toll!

Zu Beginn zeigt Friedrike viele Unsicherheiten und auch Naivität. Ich hatte beim Lesen die Befürchtung, dass sie zu einem Dummchen degradiert wird, das treudoof ihrem Vorgesetzten folgt. Zum Glück hat sich das nicht bestätigt. Die junge Frau macht eine glaubhafte Entwicklung durch und mit Davies an ihrer Seite lernt sie sehr schnell, wie wichtig die richtige Einstellung zum Beruf sein kann. Ich fand es toll, dass die Polizistin sich trotz aller Umstände ein Stück Besonnenheit behalten hat.

Im Gegensatz dazu steht der verschlossene und ruhig wirkende Richard Davies von der britischen Militärpolizei. Beate Sauer hat mit ihm einen Ermittler erschaffen, der zwar mit seinem persönlichen Schicksal hadert, der aber dadurch weder zu Dummheiten noch Gewaltausbrüchen neigt. Das fand ich klasse. Insgesamt ist das Figurenensemble sehr glaubwürdig, realitätsnah und ich konnte sehr leicht eine Bindung aufbauen.

Die Story ist spannend, aber nicht reißerisch erzählt. Als Leserin hatte ich genügend Zeit mich in das Zeitgeschehen einzufinden, ohne dass sich die Autorin dabei in zu vielen Details verloren hat. Zum Anderen hetzt sie ihre Leserschaft nicht durch die zerbombten Straßen Kölns. Das fand ich toll. Die Ermittlungen verlaufen solide und der Erfolg fußt allein auf den Befragungen und Funden der beiden Polizisten. Das fand ich sehr erfrischend. Endlich spielt mal nicht Kommissar Zufall die Hauptrolle. Klasse!

Das Finale ist logisch herbeigeführt und für mich rund. Alle Enden werden zusammengeführt. Es bleibt aber genug Raum für eine Fortsetzung.

Der Schreibstil von Beate Sauer ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist einfühlsam, ohne gefühlsduselig zu werden und sie bringt die Beobachtungen ihrer Figuren auf den Punkt. Das fand ich toll.

Fazit: Ein toll recherchierter, historischer Krimi. Mehr davon!



Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier


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