14. Mai 2018

Traust du dir selbst noch?








Titel: Im Dunkel deiner Seele
Autor: George Harrar
Übersetzer: Anke Grube
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 399
ISBN: 978-3404176144








Professor Evan Birch unterrichtet Philosophie am College, hat Zwillinge und ist glücklich verheiratet. Sein Leben wirkt komplett normal, bis die Polizei ihn beschuldigt, etwas mit dem Verschwinden von Joyce Bonner zu tun zu haben. Evan ist geschockt und reagiert mit Unverständnis. Doch seine Frau scheint eine andere Auffassung zu haben. Wem ist noch zu trauen?

"Im Dunkel deiner Seele" war mein erster Roman von George Harrar und hat mich begeistert. Der Autor setzt seine Leser der angsteinflößenden Situation aus, unschuldig eines Verbrechens beschuldigt zu werden und zeigt, dass ein paar Zufälle schon genügen, um ein Leben zu zerstören.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man ausschließlich Evan Birch, dessen Leben durch die Beschuldigung aus den Fugen gerät. Dachte ich zu Beginn noch, es wird sich alles schnell auflösen, wurde ich mit jedem Kapitel unsicherer, was sich zugetragen hat.

Evan ist kein einfacher Charakter. Als Professor der Philosophie nimmt er jedes Gespräch analytisch auseinander. Normale Unterhaltungen sind so gut wie unmöglich. Und genau das hat mich an ihm so fasziniert. Denn obwohl er seine Unschuld beteuert, lässt er genügend Raum für Zweifel. Diese Zweifel übertragen sich auf seine Frau und seine Söhne. Und auf mich als Leserin. Ich schwankte die gesamte Zeit zwischen "er ist unschuldig" und "irgendwie ist er komisch". Hinzu kommt, dass auch seine Frau und die Zwillinge nicht so agieren, wie man es erwarten würde. Dieser Strudel aus Unsicherheit, Angst und nüchterner Analyse hat mich angezogen und mitgerissen.

Die Story selbst ist kein klassischer Thriller. Ich selbst würde den Roman eher als psychologisches Drama bezeichnen. Hinzu kommt, dass dem Leser einiges an Aufmerksamkeit abverlangt wird, da George Harrar immer wieder Ausflüge in die Tiefe der Philosophie unternimmt. Wer hier den Faden verliert, könnte sich schnell langweilen.

Das Ende lässt mich verdutzt, aber nicht unzufrieden zurück. Oberflächlich scheint alles geklärt zu sein. Darunter brodelt es aber gewaltig. Das fand ich klasse.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist ausschweifend, ohne den Faden zu verlieren und regt zum Mitdenken an. Großartig.

Fazit: Vertrauen ist rein subjektiv, Angst ebenso. Ich kann den Roman sehr empfehlen.



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