7. Mai 2018

WARUM? - gehypter Buchhandel




Jeden ersten Montag im Monat befasse ich mich mit einer Frage, die mich im Bücherversum umtreibt. Sei es zu Figuren, Handlungen, Gestaltungen oder Trends in der Literaturwelt, sobald mir eine Frage durch den Kopf geht, befasse ich mich damit.

Vorsicht: Diese Rubrik gibt einzig meine persönliche Meinung wieder. Aber es darf gern darüber diskutiert werden.

Als Bücherwurm benötigt man immer wieder Nachschub. Über das Wie wird in letzter Zeit heftig gestritten: Die Einen lassen sich ihre Bücher bequem nach Hause liefern, die Anderen schwören auf den Buchhandel. Beide Seiten verteufeln die jeweils andere. Das Credo lautet: Buy local (Kaufe vor Ort!). Doch was ist dran an dem Hype Buchhandel? Kann er noch mithalten mit den Wünschen seiner Kunden? Warum soll ich vor Ort kaufen?

Ich kann mich noch gut an meine ersten ausgedehnten Streifzüge durch die Buchhandlungen erinnern. Bewaffnet mit meinem gesamten Taschengeld trappte ich in die Universitätsbuchhandlung in meiner Heimatstadt. Dort fanden sich nicht nur Fachwerke, sondern auch eine reiche Auswahl an Unterhaltungsliteratur. Bei jedem Besuch konnte ich neue Bücher (damals stand Fantasy ganz hoch bei mir im Kurs) für mich entdecken und schleppte jedes Mal eine volle Tüte mit nach Hause.

Als ich Jahre später aufs Land zog, war diese Buchhandel-Idylle vorbei. Der nächste Buchladen war 40 Minuten weit weg und bei meinen wenigen Besuchen dort wurde mich schnell klar: Der Handel konnte meine Wünsche nicht erfüllen. So stieg ich um auf Lieferungen und lernte den größten Versandhändler kennen und lieben.

Seit fast 3 Jahren lebe ich nun wieder in Berlin und könnte mich in lokalen Buchgeschäften dumm und dusslig kaufen. Doch genau da liegt das Problem: KÖNNTE! Denn ich kann es nicht mehr. Wenn ich heute einen Buchladen betrete, werde ich erschlagen von Killefitz und Dekokram. Habe ich mich da hindurch gekämpft, springen mich die Bestseller an. Mit einer geschickten Drehung weiche ich ihnen aus, nur um in einen Stapel erotischer Milliardäre mit ihren putzigen Praktikantinnen zu fallen. Schaffe ich auch diese Hürde, stehe ich zwar inmitten von Büchern, aber diese brillieren nicht durch Auswahl, sondern durch Masse. Der stationäre Buchhandel ist ein Massen- kein Klassengeschäft.

Und das ist verständlich und null verwerflich, denn schließlich will auch der Buchhandel Geld verdienen und wirtschaftlich sein. Jedoch habe ich mit einer Sache große Probleme: Der stationäre Handel ist immer noch der festen Überzeugung, dass nur sie Qualität liefern können und nur sie wissen, was Leser wollen. Sorry liebe BuchhändlerInnen, aber diese Zeiten sind längst vorbei! 

Wenn ich mich heute an einen Mitarbeiter im Buchgeschäft wende, führt er mich in den meisten Fällen schnurstracks zu den Bestsellern in meinem Lieblingsgenre Thriller. Gute Idee, jedoch kenne ich das meiste. Vieles will ich gar nicht mehr lesen, weil es die x-te Erzählung der gleichen Geschichte ist. Je spezifischer ich mit meinen Wünschen werde, desto mehr verzweifelt mein Gegenüber. Bis zum Schluss ein leicht verzweifeltes "Ja, dann weiß ich auch nicht weiter" kommt. Geheimtipps? Fehlanzeige. Der Blick über den Tellerrand? Nicht vorhanden.

Und so bleibt mir nur ein Weg und dieser führt ins Internet. Hier kann ich stöbern, entdecke Selfpublisher (deren Werke ich gar nicht oder mit extrem langer Wartezeit im Handel bekomme) und das Beste: Ich muss dafür nicht mal raus!

Wer jetzt das Argument anführt "Du kannst doch auch im Laden bestellen und es dann abholen", dem sage ich: Wenn ich bestellen wollen würde, dann mache ich das im Internet. Denn zwei Mal ins Geschäft zu eiern um dann das abzuholen, was mir ein anderer bequem ins Büro/nach Hause liefert, ist mir tatsächlich zu viel Aufwand. 

Der Hype Buchhandel ist mir komplett unverständlich. Für mich hält ein Buchgeschäft keine Überraschungen mehr bereit.

Doch es gibt die berühmte Ausnahme von der Regel! Wer in Berlin eine gut sortierte Krimibuchhandlung mit toller Beratung (die auch wenig bekannte Autoren empfiehlt, wenn es zu den Wünschen passt) erleben möchte, sollte mal bei Totsicher vorbeischauen.


Kommentare:

  1. Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht, wann ich zuletzt zum Stöbern in einer Buchhandlung war.

    Es gab hier um die Ecke eine Buchhandlung, die eine ganz tolle Auswahl an eher unbekannten Büchern und Autoren hatte. Irgendwann hab ich dann mitbekommen, dass die sich an den gezielten Buchbestellungen ihrer Kunden orientiert haben und oft gleich zwei Exemplare bestellten, um eines in die Stöber-Ecke zu platzieren. Das ist eine so einfache Methode, die sich offentlicht ausgezahlt hat, denn diese Stöber-Regale waren gut besucht und wohl bekannt. In dieser Buchhandlung wurden auch regionale Autoren (auch Selfpublisher) durch Lesungen gefördert und ich war dort oft zu solchen Veranstaltungen dabei.
    Leider hat das Besitzer-Ehepaar aus Altersgründen den Laden verkauft und die junge Crew besticht durch arrogantes und maulfaules Auftreten, im Laden dominiert die Bestellerliste und Schulbücher und wie Du es so schön formuliert hast jede Menge Killefitz und Dekokram und der Umzug in einen schicken Neubau hat das letzte bisschen Atmosphäre gekillt. Damit war diese Buchhandlung für mich gestorben.

    Ich verstehe absolut, dass man auch übers Internet kauft, wenn man sich schon übers Internet viel besser, schneller und kompetenter informieren kann. Und ich sehe es auch so, dass der stationäre Buchhandel selbst daran Schuld ist.

    LG Gabi

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    1. Hi Gabi,

      Danke dir für dein Kommentar. Das Konzept deiner “alten“ Buchhandlung klingt richtig gut. Sowas sollte sich durchsetzen. Schade, dass die Neuen es kaputt gemacht haben. Zumal man mit so einer Stöberecke ja viel experimentieren kann neben den Bestsellern.
      Lg Denise

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  2. Deine Meinung knüpft gut an, an den Spiegel-Bestseller Artikel, den ich vor ein paar Monaten mal geschrieben habe. Man kommt in einen Laden und findet das gleiche, was man auch bei Amazon auf anhieb findet. Nur gehypte Bücher, die oft total langweilig sind. Ich finde es ist wie immer im heutigen Einzelhandel: ich kann ja versuchen auf das Bestellen zu verzichten, aber es wird einem ja kaum eine andere Chance geboten, weils überall das gleiche gibt. Will ich mal Möbel nicht von Ikea? Tja, muss ich im Internet schauen, gibt ja kaum Auswahl da draußen. Der Handel macht sich auch ein bisschen selber kaputt, finde ich.

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    1. Hi maraike,
      An den Artikel kann ich mich gut erinnern. Er sprach mir aus der Seele.
      Der Handel hat in vielen Dingen einfach gepennt und nicht erkannt, welches Potenzial online in Verbindung mit einem Ansprechpartner vor Ort birgt.
      Lg
      Denise

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  3. Das ist die Meinung einer Vielleserin, die sich viel mit Büchern und Autoren beschäftigt. Der Großteil der Leser jedoch liest ein Buch im Urlaub oder ab und zu eins zu Hause und die gehen dann eben ganz normal in den Buchhandel und holen sich den neuesten Bestseller, einfach, weil sie glauben, dass sie dort kriegen, was sie wollen. Nicht falsch verstehen, ich teile deine Meinung vollkommen, ich bin selbst Autorin im Selfpublishing. Trotzdem gehen immer noch 80% der gesamten Buchverkäufe im Buchladen über den Tresen und das wird sich meiner Meinung nach auch so schnell nicht ändern, weil die Masse der sagen wir mal "Wenig-Leser" oder "Gelegenheits-Leser" ein ganz anderes Kaufverhalten hat, wie jemand der Bücher inhaliert. Das kann man meiner Meinung nach nicht vergleichen.

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    1. Hi,
      Danke dir für dein Kommentar. 80%? Das empfinde ich als sehr viel. Ich habe letztens gehört, dass der Großteil der Buchverkäufe schon online gemacht wird. Weißt du noch, wo du das gelesen hast?

      Und ja, du hast Recht, als Vielleserin betrachte ich die Buchwelt anders.
      Lg Denise

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  4. Hach was bin ich da über meine Buchhandlung glücklich!! <3 Klar gibt es auch Deko, Bestseller & Co., aber eben auch wirklich feinste Beratung das sie sich in ihrem Verkaufsbereich (Genre) wirklich auskennen und vieles gelesen haben. Sie veranstalten Festivals, Lesungen und CO. und haben ebenso bücher in ihren Regalen die mir noch nicht über den Weg liefen. Aber ich glaube das ist leider Ausnahmezustand wenn ich mir andere anhöre, deinen Beitrag lese ... zumal die Kommerz-Buchhandlungen für mich dort nicht reinzählen. Allein der Flair ist schon nicht da! Und so oder so, ob Buchhandel oder andere Geschäfte, es verlagert sich leider so vieles ins Internet....

    Liebe Grüße
    Janna

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    1. Hi Janna,

      halte deine Buchhandlung gut fest. Sie klingt traumhaft. Natürlich darf man nicht erwarten, dass ein Buchhändler ALLES kennt. Aber solche Spezialisten für Genres, wie du sie beschreibst, wünsche ich mir. Denn sie können mir Geschichten empfehlen, die ich noch nicht kenne.

      LG
      Denise

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    2. Ich will nicht sagen das dir Nippes und Bestseller nicht ins Auge springen, aber eben zum Glück auch Bücher die mir noch nichts sagten (wobei ich auch nicht wirklich Verlagsvorschauen durchkämme), aber es ist goldwert die Beratung dort <3 Vor allem wenn man für Freunde Bücher kaufen will, dessen Genre man gar nicht liest - dort einfach Titel sagen die begeistern, die Buchmenschen dort finden dann das passende

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