3. Juni 2018

Auch nach dem Krieg grassiert der Hass








Titel: Die rote Frau
Autor: Alex Beer
Reihe: August Emmerich
Band: 2
Verlag: Limes
Seiten: 416
ISBN: 978-3809026761







Wien, Frühling 1920: August Emmerich und sein Partner Ferdinand Winter haben es geschafft. Sie dürfen für die Abteilung "Leib und Leben" arbeiten. Jedoch werden die beiden eher für Sekretariatsaufgaben eingesetzt, während sich die Kollegen um den Mord an einem hohen Politiker kümmern. Emmerich und Winter hingegen sollen eine Schauspielerin mit Hang zum Aberglauben beschützen. Doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Politikermord mehr steckt...

"Die rote Frau" ist der zweite Fall für August Emmerich und konnte mich wieder komplett überzeugen. Alex Beer entführt ihre Leser in das Wien der Gegensätze und zeigt, dass der Tod auch vor der Dekadenz keinen Halt macht. Großartig!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man Emmerich und Winter, die zunächst in einem kleinen Büro bei Schreibarbeiten zu versauern scheinen. Durch den Spürsinn des im 1. Weltkrieg verletzten Polizisten ermitteln die beiden geheim und setzen damit mehr aufs Spiel als nur ihre Jobs.

Schon im ersten Teil hatte ich August Emmerich und seinen sehr jungen Assistenten ins Herz geschlossen. Im zweiten Teil hätte ich beide noch öfter umarmen können. Denn auch wenn die Zeiten nach Kriegsende rau und unmenschlich sind, agieren sie menschlich, mit Herz und, im Falle Emmerichs, unkonventionell. Zudem schafft es die Autorin, dass ich mit jeder Figur, egal ob sympathisch oder nicht, mitfühlen konnte. Das hat mir sehr gut gefallen.

Die Story selbst ist von Beginn an spannend und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mit den beiden Ermittlern recherchiert, befragt und gezweifelt. Bis zum Schluss hatte ich wenig Ahnung, wer nun der Mörder ist. Das Tolle: Alex Beer setzt auf solide Ermittlungen ohne Zufall und großen Knalleffekt. Das fand ich klasse.

Das Ende ist rund, passt zum gesamten Krimi und birgt so manchen Moment zum Luft anhalten. Großartig!

Zwar kann man die Bücher unabhängig voneinander lesen, da die Fälle abgeschlossen sind. Aber mit dem Vorwissen aus Band 1 kann man die Entwicklungen zwischen Winter und Emmerich sowie die Umstände in Wien besser verfolgen.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Alex Beer erzählt detailgenau, lässt das Wien der Nachkriegszeit aufleben und zieht mit ihrer ruhigen Art ihre Leser in den Bann.

Fazit: Wien sehen und sterben. Ich kann das Buch sehr empfehlen.



Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier


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